Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:6

- S.13

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boios Tagzeg.. —
Herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Stscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Sinzelverkauf erhältlich. — Dorerst keine Postzustellung
Dummer 7/ 1. Jahrgang
Redaktionelle Einfendungen und Anfragen sind zu richten an IS B. Innsbruck. Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Throlin, Innsbruck, Androas=Hofer=Straße 4
Donnerstag, 28. Juni 1995
Stunde in San Franzisko
Weltsicherheitstsvertrag abgeschlossen
wird. Auf Grund der Weltfriedensverfassung dürfen wir mit gutem Grunde die Abfassung einer international verpflichtenden Erklärung der Menschenrechte erwarten, welche für alle in Frage kommenden Völker annehmbar ist.
Mit dieser Verfassung kann die Welt beginnen, auf eine Zeit zu rechnen, in der alle Menschen, die es verdienen, die Möglichkeit haben werden, in Würde und Freiheit zu leben. Völker wie Menschen müs sen die Wahrheit kennen, wenn sie frei sein wollen, müssen die Wahrheit lesen und hören und müssen die Wahrheit lernen und lehren. Wir müssen eine wirkungsvolle Möglichkeit für den dauernden und eingehenden Austausch von Gedanken und Ideen schaffen, denn darin liegt der Weg zu einer besseren und duldsameren Verständigung zwischen Völkern und Menschen.“
Der Sammelpunkt ist nur 150 Meilen von Superfestungen die größte Gasolinraffinerie der japanischen Mutterinsel entfernt. Japans in der Nähe von Yokkaichu.
San Franzisko, 26. Juni.
Es war ein wahrhaft geschichtlicher Augenblick, als sich heute nacht im Opernhaus von San Franzisko die Vertreter von fünfzig Nationen von ihren Sitzen erhoben und damit den Weltsicherheitsvertrag einstimmig annahmen. Diese Abstimmung bezog sich auf folgende drei Dokumente, die in wochenlanger Arbeit beraten wurden:
1. Die Verfassung (Charta) der neuen Weltorganisation unter dem Namen „Organisation der vereinten Nationen für Frieden und Sicherheit und allgemeines Wohl der Menschheit“.
2. Das der Verfassung beigefügte Statut eines neuen internationalen Gerichtshoses als der hauptsächlichsten juristischen Einrichtung der vereinten Nationen.
3. Eine Vereinbarung über die Instandsetzung der vorbereitenden Einrichtungen zur Aufrechterhaltung und Ausübung der neuen
Organisation.
In der letzten der Abstimmung vorhergehenden Nachtsitzung forderte der Delegierte der Sowjetunion, daß in das Sitzungsprotokoll der Gesichtspunkt der Sowietunion betreffs des Austrittes einzelner Nationen aus der Weltorganisation ausgenommen werde. Die Verfassung selbst sieht für diesen Fall keine Regalung vor. Lord Halifax befürworteie als Vorsitzender der Sitzung die Aufnahme der russischen Gesichtspunkte in das Sitzungsprotokoll. Lord Halifax sagte am
Schlusse der Beratungen und vor der Abstimmung:
„Die Angelegenheit, über die wir hier abzustimmen haben, ist die wichtigste, über deren Annahme oder Ablehnung wir jemals zu unseren Lebzeiten zu entscheiden haben werden. Ich fordere die Führer der einzelnen Delegationen auf, sich zur Abstimmung zu erheben.“ Die einmütige Abstimmung wurde mit dem größten und begeistertsten Beifall ausgenommen. „Wir alle fühlen mit Stolz“ — sagte Lord Halifax am Schlusse der Sitzung, „daß wir an den größten geschichtlichen Ereignissen unserer Zeit teilgenommen haben.“
Teuman spricht
Washington, 26. Juni. In seiner Schlußansprache zur Beendigung der SanFranzisko= Konferenz erklärte Präsident Truman:
„Diese Verfassung war nicht das Werk einer einzigen Nation. Sie war das Ergebnis des gegenseitigen Gebens und Nehmens, der Duldsamkeit gegenüber anderen Anschauungen und des Interesses an anderen. Sie ist ein Beweis dafür, daß Völker ebenso wie einzelne Menschen ihre abweichenden Meinungen feststellen, überwinden und schließlich eine gemeinsame Lösung finden können. Das ist das Wesen der Demokratie und das ist auch das Wesen der Erhaltung des Friedens in Zukunft. Dieses Uebereinkommen wird den Weg für künftige Uebereinkommen in den kommenden Jahren weisen. Unsere Konferenz verdankt ihren Erfolg hauptsächlich der Tatsache, daß alle fest auf das Hauptziel eingestellt waren, nämlich der Abfassung einer Verfassung des Friedens.
Trotz mancher Ablenkungen, die in Form der alltäglichen Probleme und Streitigkeiten an sie herangetreten sind, wie zum Beispiel die neuen Grenzziehungen, die Kontrolle über Deutschland, die Friedensbestimmungen, Krieasentschädigungen, Kriegsverbrecher und die Regierungsform in einigen europäischen Ländern, arbeitete man dennoch an diesem Dokument weiter. Diese und manche andere Probleme, welche auftreten werden, sind alle schwierig, strittig und gefährlich. Wir haben jedoch durch den Geist der Eintracht während des Krieges noch viel schwierigere Fragen in Angriff genommen und gelöst. Wenn ein Volk die Sicherheit für sich in Anspruch nehmen will, muß es geneigt und bereit sein, die Sicherheiten aller zu teilen. Dieses ist der Preis, den jedes einzelne
Volk für den Weltfrieden zu bezahlen haben
Die technische Ueberlegenheit der amerikanischen Flotte
earl Harbour. 26. Juni. Vizeadmiral William Wardsmith, Chef des Versorgungsdienstes der amerikanischen Pazifikflotte, erklärte heute, daß ein neuartiges Nachschubsystem der größten Flotte der Welt einen unbegrensten Operationsradius ermöglichte. Bisher mußten die Kriegsschifse zu ihren Stützpunkten zurückkehren, um die Ergänzung von Munition und anderen Vorräten durchzuführen. Das sei nunmehr nicht mehr notwendig.
Andauerndes Bombardement japanischer Industrieziele
Während durch 14 Stunden hindurch 500 Superfestungen zehn Fabriken auf der japanischen Mutterinsel Honschu schwer angriffen, bombardierte ein mittelstarker Verband von
Meinungen über die Weltfriedensverfassung
San Franzisko, 27. Juni. Außenminister Stettinius erklärte in seiner Ansprache während der Schlußsitzung:
„Wir haben freundschaftlich konseriert, wenn wir auch nicht immer übereinstimmten, so haben wir immer wieder versucht, einen Ausweg zu finden, um unsere Ansichten auf denselben Nenner zu bringen, was uns auch gelang. Die Charta ist ein Wegweiser. Sie deutet an, wie eine sterbende Welt aufgerichtet, der Friede erhalten und die Freiheit und Menschenrechte wiederhergestellt werden.“
Der Führer der russischen Delegation erklärte, die Aufgabe einer dauernden Wahrung des Friedens sei nur durch die Zusammenarbeit der Alliierten untereinander möglich.
Paul Boncour, der französische Delegierte, betonte, „Lebens= und Leistungsfähigkeit der Weltfriedensverfassung hängen im wesentlichen von der Einigkeit der Großmächte ab“.
Der tschechische Delegierte Jan Masaryc erklärte: „Hört auf vom nächsten Weltkrieg zu
sprechen. Diese Sprache ist müßig und erschreckend gestaltlos.“
Das Dreiertreffen in Berlin
London, 26. Juni. Die Vorbereitungen für das Treffen der drei Großmächte in der Nähe von Berlin sind nahezu abgeschlossen. Der diplomatische Korrespondent des Reuterbüros schreibt: Gut informierte Kreise Londons sind jedoch nicht der Meinung, daß die Konferenz in nächster Zukunft abgehalten
würde, jedenfalls nicht vor nächster Woche. Es ist nicht wahrscheinlich, daß Premierminister Winston Churchill abreisen würde, bevor Außenminister Eden wieder auf seinen Posten zurückgekehrt sei. Eden, der an Magengeschwüren leidet, waren am 14. Juni weitere vier Wochen Ruhe verschrieben worden.
Ferner Osten
Neue Landung im Pazisik
London, 27. Juni. Radio Tokio meldet eine weitere Landung alliierter Truppen im Pazifik. Es handelt sich um die Insel Kume, 80 Kilometer westlich von Okinawa. Die Meldung ist von alliierter Seite noch nicht bestätigt.
Die Kämpfe auf den Philippinen
London, 27. Juni. Auf den Philippinen schließen die amerikanischen Truppen den Ring um die im Kagayantal eingeschlossenen Japaner immer enger. Die alliierte Luftwaffe unterstützt wirksam die Erdtruppen. Die Gefangenenzahl von Okinawa erhöht sich auf 9500 Mann.
Vereinigung der alltierten Seestreitkräfte im Pazisik
London, 27. Juni. Japanischen Meldungen zufolge sammeln sich alliierte Seestreit
kräfte im Pazifik zu weiteren Operationen.
Japan fürchtet die Invasion
London, 27. Juni. Nach einem Bericht Reuters gab Radio Tokio bekannt, daß alliierte Streitkräfte auf einer unbestimmten Insel in der Mitte zwischen Okinawa und dem japanischen Festland einen Landungsversuch unternommen hätten. Japan sei, so erklärt die japanische Nachrichtenagentur, auf eine Invasion des chinesischen Festlandes vorbereitet, was als ein erster Schrit“ zu alliierten Landungen auf den japaniscen Inseln angesehen werden könnte.
Sinkende Kampfmoral der Japaner
Manila, 26. Juni. General Fellers erklärt, daß, während seinerzeit das Verhältnis der gefangenen zu den gefallenen Japanern auf den Philippinen nur ein halbes Prozent betrug, jetzt der Prozentsatz der sich ergebenden Japaner 12 Prozent ausmache.
Die Ostmark ist wieder Oesterreich
Wichtige Erklärungen des amerikanischen Generals Devers
Newyork, 26. Juni. General Jacob Devers, der Kommandant der 6. amerikanischen Heeresgruppe, der in Abwesenheit General Eisenhowers den Oberbefehl über die amerikanischen Truppen in Europa führt, nahm in einigen interessanten Bemerkungen zur Frage Oesterreichs Stellung.
Oesterreich soll, so erklärte der General, sobald wie möglich als freier und unabhängiger Staat wieder hergestellt werden. Oesterreich sei eher als befreites denn als ein erobertes Land zu behandeln. Die vier Staaten, die Oesterreich besetzten, wollten es baldmöglichst unter einer eigenen Regierung wieder auf eigene Füße stellen.
Die Vereinigten Staaten betrachten Oesterreich als das erste der von den Nazis überrannten Länder und anerkennen den von Hitler proklamierten Anschluß nicht. Es ist keine Frage, daß die Mehrheit der [Oesterreicher gegen den Anschluß aren, trotz der Wahl vom April
1938, von der ja jedermann weiß, wie sie gemacht worden ist. Trotzdem gab es in Oesterreich nationale Kreise, besonders in der Jugend, die der Regie und Aufmachung der Nazipropaganda erlegen sind. Es gab auch nicht wenige, die sich von den Nazis große Vorteile erhofften. Selbst diese österreichischen Nazi wurden bald zu [Staatsbürgern zweiter Klasse. Die Staatsbürger erster Klasse, die Reichsdeutschen, begannen die Vorräte aufzukausen und ins Reich zu verschieben. Dann begann Hitlers Aufrüstung, die als Arbeitsbeschaffung aufgezogen war, eine Methode, mit der auch jede demokratische Regierung Oesterreich zugrunde gerichtet hätte. Oesterreichische Arbeiter wurden dann nach Deutschland schickt. Unterdrückung, Krieg, Not und Elend folgten. Nun, da
der Nazispuk vorbei ist, ist die Ostmark wieder Oesterreich. Oesterreicher aber, die trotz Gestapo und Naziterror trioten geblieben sind, werden den Alliierten ihre Mitarbeit zum Wiederaufbau Oesterreichs zur Verfügung stellen.
Polen und Tschechen über Teschen
London, 27. Juni. Polen und die Tschechoslowakei werfen erneut die viel erörterte Grenzfrage von Teschen auf. In einer Moskauer Feststellung von gestern nacht erklärten die Vertreter beider Länder, weshalb sie nicht nachgeben wollten. Die Polen behaupten, das Gebiet von Teschen gehöre vom geschichtlichen und völkischen Standpunkt aus zu Polen. Die Polen sprechen sich für eine Volksabstimmung aus. Das umstrittene Gebiet fiel 1918 an die Tschechoslowakei. Nach dem Münchener Abkommen von 1938 marschierten polnische Truppen in Teschen ein. Der tschechische Minikterpräsident Fierlinger. der gegenwärtig in Moskau weilt, schlug vor, die zwischen Polen und der Tschechoslowakei wegen Teschen schwebenden Differenzen durch Umsiedlung zu lösen.
Die Verfahren gegen Kriegsverbrecher
London, 26. Juni. Ein Beschluß, die Vorbereitung der ersten Kriegsverbrecherprozesse gegen führende Persönlichkeiten des Dritten Reiches so rasch wie möglich zum Abschluß zu bringen. wurde am Dienstag in London auf einer Konferenz amerikanischer, britischer, französischer und russischer Vertreter gefaßt. Aufgabe der Konferenz bildet die Festlegung des Prozeßverfahrens des Alliierten Militärgerichtshofes. Dieser wird sich aus amerikanischen, britischen, russischen und französischen Richtern zusammensetzen.
Nach englischen Pressemeldungen werden die ersten Prozesse voraussichtlich im Spätsommer oder Frühherbst dieses Jahres stattfinden. Als erste Angeklagte werden Göring, Ribbentrop, Ley, Streicher und Heß genannt. Gegen eine Anzahl deutscher Staatsangehöriger, die im Dritten führende Stellungen innahattan, wird
die Anschuldigung auf systematischen Terror
erhoben,
Aburteilung des Gauleiters Frank in Prag
rag, 26. Juni. Der frühere Gauleiter der Tschechoslowakei Johann Frank wird nach Prag zur Aburteilung überführt werden.
Der Erfinder von V 1 verurteilt
Paris, 27. Juni. Der 57jährige französische Gelehrte Georges Claude wurde wegen Zusammenarbeit mit den Nazis zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Sein sämtlicher Besitz wird konfisziert und sein Name aus der Liste der Ehrenlegion gestrichen. Claude erfand die Leuchtschrift und war Fachmann für die Herstellung von flüssiger Luft und künstlichem Salpeter. Außerdem wird angenommen, daß er die fliegenden Bomben erfunden hat.
Am Freitag keine Zeitung
Innsbruck, 28. Juni. Die Nationalsozialisten hatten die kirchlichen Feiertage samt und sonders abgeschafft. So wurde auch seit 1938 der 29. Juni, der Peter= und = Paul=Tag, nicht mehr als Feiertag gehalten. Er war nach der Niederringung Oesterreichs der erste Feiertag, den die Nazi in Tirol abschafften. Heuer nun wird er erstmals wieder gefeiert. Es erscheint daher am Freitag die „Tiroler Tageszeitung nicht. Am Samstag, den 30. Juni, erscheint sie wie wöhnlich.
Die Daimler=Benz=Worhe produzieren Mannheim, 26. Juni. Die DaimlerBenz=Werke produzieren täglich 60 Lastkraft
wagen für die Alliterten.