Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:6

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ADeiTe TiTe.. —
Herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
In der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur in Kedaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an 1S B. Innsbeuck,
Einzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung# Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
summer 6/ 1. Jahrgang — — Mittwoch, 27. Juni 1965
Der Weltsicherheitsvertrag angenommen
Ein geschichtlicher Augenblies
San Franzisko, 26. Juni. Auf einer Vollsitzung der Konferenz der Vereinten Nationen wurde gestern abend die Weltfriedensverfassung einstimmig angenommen. Ferner wurde das Statut eines Internationalen Gerichtshofes beschlossen. Der britische Gesandte Lord Halifax erklärte als Vorsitzender der Vollversammlung: Blickt man auf die weltweite Bedeutung dieser Versammlung, so wird es angemessen erscheinen, von der üblichen Form abzuweichen. Ich bitte die Führer der Abordnung, die sich für die Charta der Vereinten Nationen, verbunden mit einer internationalen Gerichtsbarkeit und der Schaffung einer Vorbereitenden Kommission. aussprechen, sich von ihren Plätzen zu erheben. Als sich die Abgeordneten der Vereinten Nationen feierlich erhoben, wurden laut die
Namen der Völker aufgerufen. Tausende von Berichterstattern und Zuhörern warteten in angespannter. eindrucksvoller Stille, während der Generalsekretär der Konferenz die Namen verlas. Dann verkündete Lord Halifax die Annahme der Charta und fügte hinzu: Wir haben an einer Handlung teilgenommen, die, wie wir hoffen, in die Geschichte eingehen wird.
Besondere Ehrung Chinas
Die chinesische Republik, die seit acht Jahren gegen den japanischen Angreifer kämpft, wird heute nachmittags als erste der Vereinten Nationen die neue Weltfriedensverfafsung unterzeichnen. Die Sowjet=Union. Großbritannien und Frankreich werden an zweiter, dritter und vierter Stelle unterzeichnen. Die Vereinigten Staaten als Gastland stehen an fünfter Stelle.
Ausblick auf eine bessere Zukunft San Franzisko, 26. Juni. Der australische Ministerpräsident Forde bezeichnet die Konferenz von San Franzisko als großen Erfolg. Er glaubt, daß die Weltfriedensverfassung eine ausgezeichnete Handhabe bilde, nicht nur um den künstigen Frieden der Welt zu sichern, sondern auch um der Welt ein
glücklicheres und besseres Leben zu gewährleisten. Jan Masaryk, der Sohn des Gründers der tschechoslowakischen Republik, erklärte, er halte die Ergebnisse der Konferenz für durchaus befriedigend.
gangen haben. Die Charta enthält nicht nur eine allgemeine Feststellung der Grundsätze, sondern auch eine ausführliche Beschreibung ihrer praktischen Anwendung. Sie richtet in der Vollversammlung einen Weltgerichtshof auf, ein Forum des Weltgewissens für richtiges Handeln. Bei der Charta handelt es sich nicht um etwas, was den Betroffenen ohne deren Zustimmung von Außenstehenden auferlegt würde. Die Charta gilt vielmehr als Ausdruck des Willens von fünfzig großen und kleinen Nationen nach eingehender und freier Erörterung.
General Clark amerikanischer Oberbefehlshaber in Oesterreich
Rom, 25. Juni. Der amerikanische General Clark, Befehlshaber der 15. Armeegruppe, wird, wie hier amtlich bekanntgegeben wurde, zum Oberbefehlshaber der amerikanischen Besatzungstruppen in Oesterreich ernannt werden. Mit der Schaffung von Clarks Besatzungsorganisation wird die 15. Armeegruppe, die aus der amerikanischen 5. und der britischen 8. Armee besteht, aufgelöst werden. Es wird erwartet, daß amerikanische und britische Einheiten sich innerhalb der nächsten drei Wochen mit den russischen Besatzungstruppen in Wien vereinigen werden
Französische Zwangsverschickte besteigen auf dem Flugplatz Hörsching bei Linz ameri
kanische fliegende Festungen, um in ihre Heimat zurückzukehren. In drei Stunden sind sie in Paris.
General Smuts über die Bedeutung der Charta
London, 25. Juni. General Smuts, der Präsident der Südafrikanischen Union, erklärt: Der Weltsicherheitspakt umfaßt die ganze Menschheit, auch jene, die sich gegen
wärtig schwer gegen die Menschlichkeit ver
Gestapoleute in Norwegen verhaftet
Oslo, 25. Juni. In Norwegen wurden eine große Anzahl deutscher Gestapoleute verhaftet, die sich der Mikhandlung und Folterung von Häftlingen in einem Konzentrationslager in der Nähe von Oslo schuldig gemacht haben. Zwei der verhafteten Gestapoleute trugen im Augenblick der Verhaftung deutsche Fliegeruniform. Sie waren auch mit falschen Dokumenten versehen.
Die Kriegsschäden Norwegens — 530 Millionen Kronen
Oslo, 25. Juni. Die norwegische Telegraphenagentur erklärt, daß man die Gesamtziffer der norwegischen Kriegsschäden einschließlich derer an Gebäuden, Anlagen, Möbeln und persönlichem Besitz auf 530 Millionen Kronen
Die Trockenlegung Hollands
Den Haag, 26. Juni. Die Ueberschwemmungen, die in Nordholland durch die Schleusenöffnung der Deutschen verursacht wurden, sind bis auf die Ausnahme eines Gebietes des Mieri=Meeres nun wieder zu 95 Prozent trockengelegt worden. In Südholland gelang die Trockenlegung bis zu 80 Prozent. In einigen Fällen wurde das Land durch das Pumpen so schnell getrocknet, daß Saat nicht verloren sein wird.
Die Kriegsereignisse
Die schweren Verluste der Japaner
New York, 26. Juni. Auf Okinawa, von wo aus bald amerikanische Superfestungen aufsteigen werden, wurden die Säuberungsaktionen fortgesetzt und 794 Gesangene gemacht. Die Zahl der in Gesangenschaft ge
ratenen Javaner hat sich damit auf 8696 erhöht. Die Gesamtziffer der gefallenen Japaner vom 1. April bis zum vergangenen Samstag beträgt 100.853. Wie General MaeArthur und Admiral Nimitz mitteilen, betrugen die japanischen Gesamtverluste auf den Philippinen und auf Okinawa über eine halbe Million Mann. Auf den Philippinen wurden mehr als 9000 Soldaten gesangengenommen.
Auf den Philippinen
Auf Luzon wurden die japanischen Truppen, die im Norden der Insel noch immer Widerstand leisten, zurückgedrängt. Der Vormarsch im Kagayantal ist nur noch 18 Kilometer von dem an der Nordküste Luzons liegenden Hafen von Aparri entfernt, der von
den Amerikanern besetzt wurde. Auf der südlichsten Philippineninsel Mindanao geht der Vernichtungskampf gegen die abgeschnittenen feindlichen Ueberreste weiter.
Die amerikanischen Truppen, die Avarri eingenommen hatten, sanden auf einem Flugfeld 300 schwerbeschädigte herumliegende Flugzeuge. Im nördlichen Luzon eroberten die Amerikaner zur Gänze einen großen Stützpunkt des japanischen Nachschubes. General MacArthur gab bekannt, daß die Zurückdrängung der japanischen Kräfte durch
alliierte Boden=, Luft= und Marineeinheiten
weitere Fortschritte mache.
Die Offensive der Australier
Auf Bougainville und Neubritannien säubern australische Truppen die bereits umgangenen seindlichen Besatzungszonen von Widerstandsnestern. Auf beiden Inseln wurden 1128 Tote gezählt und 33 Gefangene gemacht. Truppen der 6. australischen Division nahmen nach harten Gesechten den Berg Tazaki in der Nähe von Wewakt auf Neu=Guinea Er #1 der bedeutendste Gipfel an der Küste.
Fliegerangriffe auf die Rüstungsindustrie Japans
Von den Marianen führten nahezu 500 Superfestungen einen der ausgedehntesten Angriffe auf zehn Flugzeug= und Rüstungsfabriken auf der sapanischen Insel Honschn aus. Hauptangriffsziele waren Bagoya und Osaka.
Der Luftkampf
Im Raum des Stillen Ozeans wurden gestern 36 feindliche Flugzeuge abgeschossen und 24 schwer beschädigt. Benzinlager, Verkehrsziele und die Flußschiffahrt in Mittelchina wurden ebenfalls erfolgreich angegriffen.
Brennende Oelfelder auf Vorneo
Die Australier, die bereits die Oelfelder von Seriaserta auf Borneo eroberten, stellten fest, daß die Japaner die Anlagen der Oelfelder an zwei Stellen in Brand gesteckt haben.
Das japanische Kriegspotential
New York, 26. Juni. Gerald Rethop erklärt in der „Chikago Mail“, daß Japan noch immer über ungeheure Reserven an Menschen und Material verfüge. Es könne sich in der Verteidigung noch lange halten. Nach offiziellen Angaben aus dem US A.=Hauptquartier im Stillen Ozean beläuft sich die iapanische Kampfstärke immer noch auf 4 Millionen Mann, davon 100 Infanteriedivisionen, wozu rund 300.000 Flieger und Flugpersonal und 200.000 Angehörige der Marine kommen. Die Armee ist mit guten Handfeuerwaffen ausgestattet. Auch die Qualität der Tanks und der Artillerie ist trotz des Materialmangels beachtlich. Die japanische Luftflotte ist wohl in jeder Hinsicht unterlegen. Sie verfügt aber immerhin noch über mehr als 3000
kampfapparate, eine gewisse Anzahl von Wasserflugzeugen. Japan kann immer noch trotz aller Schwierigkeiten mehr als tausend Flugzeuge herstellen. Hingegen dürfte die japanische Flotte nach all den schweren Ver
lusten kaum sehr viel mehr als einige größere Küstenschutzeinheiten umfassen. Die Japaner haben auf ihren Inseln lebenswichtiges Kriegsmaterial noch in bedeutenden Mengen aufgestapelt.
Leistungen amerikanischer Flieger
Guam, 25. Juni. Während des 82tägigen Kampfes auf Okinawa haben 25 Armee= und Marineflugzeuge 14.425 Verwundete von der Insel abtransportiert. Von der Gesamtzahl der durch Marineflugzeuge abtransportierten Verwundeten starb nur ein einziger Matrose.
Die Industrien Mitteleuropas schaffen
Kriegsmalerial gegen Faran
Mailand, 26. Juni. Es wird die Ankunft einer amerikanischen Mission erwartet, die die Aufgabe hat, die lombardischen Industrieanlagen für die Zwecke der Kriegsproduktion gegen Japan zu überprüsen. Auch der UNRA. ist empfohlen worden, einen Plan auszuarbeiten, der die Verwendung der italtenischen Industrie zur Erzeugung von Verbrauchsgütern für die Länder vorsieht, die von dieser Organisation unterstützt werden.
München, 26. Juni. Beim Wiederaufbau der deutschen Industrie müssen in erster Linie jene berücksichtigt werden, die den Vereinigten Staaten Kriegsmaterial für den Krieg gegen Japan liefern. Die Mehrzahl der deutschen Großindustrie werde innerhalb eines Jahres betriebsfähig sein. Einige bereits früher. Deutschland liefert an die Vereinigten Staaten schon jetzt Präzisionsinstrumente, photographisches Material, gewisse Autobestandteile, Zellulose und sonstiges Material, In Bayern erzeugen die Sägewerke Material für die Verschissung des. Nachschubes nach dem Pazifik. In Ebensee (Oesterreich) ergeugt eine unterirdische Raffinerie zirka 24.000 Tonnen Venzin monatlich.
Fortschritte im Wiederaufbau Belgiens
Brüssel, 26. Juni. Der belgische Versorgungeminister erklärte, daß Brigien bereite die schlimmste Notzeit überwunden habe und an den industriellen Aufbau schreiten könnte, da die Vereinigten Stac ten und Großbritannien Belgien mit Material in der Höhe von wöchentlich 50.000 Tonnen versorgen.
Der slowakische Präsident Tise verhaftel
Prag. 26. Juni. Der Präsident der slo wakischen Regierung Josef Tiso wurde von den Amerikanern den Behörden der Tsche
choflowakei übergeben.
Die Exilpolen zur Heimkehr aufgefordert
Warschau, 26. Juni. Ein Vertreter der Exilpolen, der an der Moskau=Konferenz teilnahm, erklärte, daß alle Polen, deren Anhänglichkeit an demokratische Prinzipien in der gegenwärtigen und in der vergangenen Zeit nicht in Fräge gestellt werden kann, von der polnischen Regierung für nationale Einheit aufgefordert werden, nach Polen zurückzukehren, um bei dem Wiederaufbau ihres Landes zu helfen.