Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:8

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1945
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Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Einzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung
Nummer 52/ 1. Jahrgang
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Redaktionelle Einsendungen und Aufragen sind zu richten an Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Donnerstag, 9. Kugust 1945
Vom Schulbeginn
Im September werden sich wieder die Pforten der Schule öffnen: von der medizinischen Fakultät angefangen bis zur Volksschule. Niemals, seit Maria Theresia die Schule zu einem „politicum“, zu einer öffent
lichen Angelegenheit, erklärte, ist die österreichische Schulbehörde vor so großen Schwierigkeiten gestanden wie heuer: Die Lehrkörper von untragbaren Elementen durchsetzt, die Jugend irregeleitet und unwissend, die Schulbücher zum Großteil unbrauchbar und die Schulhäuser wenigstens in Innsbruck zerstört, beschädigt oder anderen Zwecken zugeführt.
Was die Lehrkräfte anlangt, sei folgendes bemerkt: Von den Lehrpersonen Tirols sind ungefähr sechs Prozent illegal gewesen. Wer aber sein Vaterland verraten und seinen Diensteid gebrochen hat, kann den Voden der Schule nicht mehr betreten. In keinem Land der Erde und zu keiner Zeit wäre so etwas möglich gewesen. Diesem gegenüber stehen jene Lehrer, die eingekerkert, vom Dienst entlassen oder in die letzten Winkel des Landes versetzt wurden, die sich aber trotzdem bis zum Schlusse geweigert hatten, der Partei beizutreten. Sie haben ihre Gesinnung unter den schwersten Opfern unter Beweis gestellt und haben sich dadurch Anspruch und Anrecht erworben, beim Wiederaufbau der Schule die einflußreichsten Stellen beanspruchen zu dürfen. Auch das ist
selbstverständlich.
Zwischen diesen beiden Gruppen steht die Menge derer, die sich teils freiwillig, zum größeren Teil aber gezwungen, früher oder später doch zur Partei meldeten. Es ist aber bekannt, daß die Nationalsozialisten nach ihrem Einmarsch in Tirol feststellen mußten, daß die Partei wegen der geringen Anzahl von Mitgliedern finanziell nicht gehalten werden könne. Es wurde deshalb in einer geheimen Sitzung beschlossen, die öffentlichen Angestellten durch einen erhöhten Druck in die Partei hineinzupressen. Diese Zwangsmitglieder wurden dann zu Parteianwärtern gemacht, als solche hatten sie ihren Parteibeitrag zu zahlen und damit war der Zweck erreicht. Dieser Parteibeitrag war gleichsam das Lösegeld, die Existenz nicht zu verlieren und vor weiterer Verfolgung verschont
zu bleiben. Diese Entschuldigung können jedoch alle iene nicht für sich in Anspruch nehmen, die sich aktiv für eine Partei einsetzten, die so viel Blutschuld auf sich geladen hat, Funktionäre wurden oder gar noch andere denunzierten. Deshalb können auch diese Lehrkräfte nicht ohne weiteres damit rechnen, im September wieder im Schuldienst Verwendung zu finden.
Was aber die Jugend betrifft, muß leider festgestellt werden: sie marschierte viel und lernte wenig. Sie wurde überdies nach Grundsätzen erzogen, die selbst die gesitteten Heidenvölker des Altertums mit Entsetzen erfüllt hätten. Im alten Spartarstand die Jugend auf und verbeugte sich ehrfurchtsvoll, wenn sich ein Greis nahte. In der Innsbrukker Tram rief ein reichsdeutscher Bengel: „Hier sind ja noch so viele alte Leute, die gehören wech!“ Wie die Alten sungen — der reichsdeutsche Professor Parade schändete seine Lehrkanzel an der medizinischen Fakultät Innsbrucks dadurch, daß er die Tötung alter Leute forderte — so zwitscherte der Junge in der Straßenbahn.
Die sittlichen Forderungen der abendländischen Kultur den Kindern wieder beizubringen, ihr Gewissen wieder zu schärfen, in ihnen die Begriffe von gut und böse, von anständig und unanständig wieder lebendig zu machen, muß wieder die Aufgabe unserer Erziehung sein, auf daß unsere Kinder wieder ein Verständnis bekommen für Goethes Worte: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“
Die großen Lücken im Wissen, die einzelne Jahrgänge unserer Schuljugend aufweisen, werden wohl kaum mehr zur Gänze auszufüllen sein. Es wird Jahre dauern, bis unsere Schule wieder die alte Höhe erreichen wird; denn wer es bisher nicht wußte, weiß es heute, daß die Leistungen der österreichischen Schule jene der reichsdeutschen bei weitem übertrafen, wobei keine Schulkategorie eine Ausnahme machte
Rußland erklärt Fapan den
Washington, 8. August. Präsident [Truman ließ heute in großer Eile eine Pressekonferenz einberufen, in der er eine bedeutsame Erklärung abgab.
Er sagte, er habe bloß eine kurze Mitteilung zu machen, aber sie sei so bedeutungsvoll, daß er sie nicht aufschieben könne. Dann erklärte er mit einem breiten Lächeln: „Sowjetrußland hat eben an Japan den Krieg erklärt. Das ist alles.“
Nach der Kündigung des Freundschaftsvertrages mit Japan empfing Marschall Sta
slin kurz vor der Potsdamer Konferenz den chinesischen Ministerpräsidenten Sung. Ebenso wurde der Regierungschef der Mongolei von Stalin zu einer Beratung nach Moskau gebeten. Zugleich wies die Weltpresse darauf hin, daß hinsichtlich der Interessen Rußlands im Fernen Osten wichtige Entscheidungen auf der Potsdamer Konferenz getroffen würden. Der Schlußsatz der Erklärung von Potsdam hat dies unterstrichen, wenn er von einer gemeinsamen Ausrichtung der militärischen Interessen der großen Drei spricht. Nunmehr hat Stalin durch die Kriegserklärung an Japan klare Verhältnisse geschaffen. Rußland reiht sich in die Front der Mächte, deren fester Wille die Niederringung jeglicher militaristischen und imperialistischen Politik ist.
Entbindung der Atomenergie - eine Weltrevolution
Tatsachen und Ansichten
Hiroshima, „wurden buchstäblich zu Tode erschreckt. Die Toten und Verletzten waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt" Das wäre auch das Schicksal unserer Städte geworden, wenn uns die Kriegsfurie nicht rechtzeitig verlassen hätte. Derjenige, dem die heutigen Verhältnisse nicht gefallen, möge sich im Geiste das Entsetzen vorstellen, das die Atombombe begleitet. Eine solche Betrachtung wird ihn zufriedener stimmen.
Es ist bekannt, daß auch die deutsche Kriegführung einen Stab von Wissenschaftern und Technikern mit dem Studium der Verwendung der Atomkräfte als Kriegsmittel betraut hat. Man erinnert sich an verschiedene Gerüchte, wonach diese Versuche beinahe einem erfolgreichen Abschluß nahe gekommen waren. Man erinnert sich vielleicht ebenso, daß um die Mitte der 20er Jahre Ing. Gföllner und Insp. Schapeller in Wien und Aurolzmünster behaupteten, auf dem Wege zu sein, die Urkraft zu entbinden. Hätte der deutsche Generalstab auch als erster die Atombombe aulszuwerten vermocht — der Krieg wäre angesichts der offenbaren überlegenheit
Nicht die Beendigung des Krieges in Europa, sondern die Erfindung der Atombombe wird von den zukünftigen Geschlechtern als das große Ereignis des Jahres 1945 betrachtet werden. Das Kriegsende hat einen unerfreulichen Abschnitt abgeschlossen; die Entbindung und zugleich Bändigung der Urkraft eröffnet einen neuen, an den sich große Hoffnungen knüpfen dürfen.
Die Atombombe wird den bereits gebrochenen Stolz Japans völlig zerbrechen. „Der gesteigerte Einsatz der Atombombe kann Japan sehr schnell und ohne besondere Verluste der Alliierten in eine formlose Staubmasse verwandeln.“ Diese Außerung eines amerikanisches Blattes ist sicherlich nicht zu optimistisch, wenn man erfährt, daß ein Gebiet von 18 km“ durch die Atombombe vernichtet wurde. Bis zu einer Höhe von 13.000 Metern erhob sich nach dem Einschlag des Geschosses die Stichflamme. In einem Umkreis von 500 Kilometern wurden die Wirkungen des Luftdruckes verspürt. Die Flieger, welche die Atombombe abwarfen, erzählen, daß sie, als die Bombe explodierte, mindestens 15 Kilometer von der Stelle des Einschlages entfernt waren. Trotzdem konnten sie die
Wirkung so verspüren, als ob dicht in ihrer Nähe eine Flakgranate explodiert wäre.
Die Sicherheitsfrage der Zukunft
kann durch nichts anderes gewährleistet werden als durch Vorkehrungen, daß die Ausnützung der Urkraft nicht in die Hände friedensfeindlicher Mächte gerät. Die Erfindung der Atombombe unterstreicht die Gedanken, die der Weltfriedensverfassung zugrunde liegen. Sie ist die reale und entscheidende Macht zur Sicherung einer Friedensordnung.
Es ist nicht ohne tiefere Bedeutung, wenn die Gemahlin des verstorbenen Präsidenten Roosevelt bei einem Empfang der Abordnung sowjetischer Gewerkschaften erklärte:
„Die Entwicklung der Bombe ist ein weiterer Grund, uns gegenseitig kennenzulernen, damit wir auf der gleichen Welt zusammen arbeiten und leben können.“ Fürwahr eine gesunde überlegung, die für alle Völker und Staaten in der gleichen Weise gilt.
Was uns erspart geblieben ist
Die Nachricht von den verheerenden Wir= beschützen und gefüllt mit leeren Fässern, kungen der Atombombe hat wohl in jedem oaren Modelle großer Kriegsschiffe und denkenden Kopf und fühlenden Herzen ein ines Flugzeugträgers. Sie wurden verwenGefühl des Bangens und zugleich ein Gefühl et, um deutsche Flieger und U=Boote anzu
der Erleichterung ausgelöst. Ein Gefühl des ocken. Die Deutschen wurden dadurch zur Bangens bei der überlegung, was uns bevor= Insicht verführt, daß die großen britischen stünde, wenn der Krieg noch andauerte. „Die kriegsschiffe in Seapa Flow lagen, während Menschen und Tiere“, so äußert sich der To=je längst anderswo im Einsatz standen. kioter Rundfunk über die Vernichtung von
Keine Kreuze für deutsche Gräber in Dänemark
Der Bund der dänischen Pastoren fordert, aß die Gräber von Deutschen, die in Dänestark ums Leben kamen, weder Kreuze noch ndere Kennzeichen erhalten sollen. In amtchen dänischen Kreisen wird daran erinnert, aß vor dem Kriege deutsche Soldatengräber Frankreich, Belgien und Holland häufig son Angehörigen der Hitlerjugend aufgesucht
der Industrie der alliierten Mächte trotzdem nicht zugunsten Deutschlands entschieden worden. Man sah dies klar und deutlich bei der Anwendung des Raketenprinzipes. Die ersten deutschen Erfolge auf diesem Gebiet wurden von den Alliierten durch bessere Erfindungen rasch eingeholt. Doch lassen wir den Krieg. Wenden wir unseren Blick dem Frieden zu.
Gewaltige Hoffnungen
War der Weltkrieg von 1914 bis 1918 der Schoß für die Entwicklung der Luftfahrt, so wird dieser Weltkrieg der Antrieb einer Erfindung, welche unsere äußeren Lebensverhältnisse in einer vorteilhaften Weise zu verändern vermag. Hören wir die ersten Urteile von hervorragenden Physikern. Dr. Vollrath von der California=Universität erklärt die Atombombe als einen Versuch des Menschen, innerhalb der Grenzen des Möglichen den Mond zu erreichen. Es sei eine revolutionäre Kraft entbunden, welche die Kohle und das Öl als Kraftquelle ausschaltet. übereinstimmend mit dieser Auffassung ist eine Außerung von Dr. Robert Wood, der glaubt, „daß die mit Brennstoff getriebenen Maschinen in einigen Jahren der Vergangenheit angehören werden“. So wäre es ein versöhnender
Abschluß des größten Völkerringens aller Zeiten, wenn aus ihm einer der größten Fortschritte entspringen würde, der, wenn die Menschen sich seiner in richtiger Weise bedienen, einen hoffnungsfrohen Ausblick auf eine Ara der Wohlfahrt eröffnet.
„Wettlauf zwischen dem Frieden und größeren Bomben“
Paris, 8. August. „Combat“ schreibt: „Wenn Japan jetzt kapituliert, werden wir froh sein. Wir lehnen es aber ab, daraus irgend eine andere Moral zu ziehen als die, unser Streben nach wahrer internationaler Vereinigung zu steigern.“ Der „Franctireur“ führt aus: „Angesichts der furchtbaren Möglichkeiten dieser neuen Entwicklung ist uns klarer denn je, daß der einzige Kampf, der sich lohnt, der zur Erhaltung des Friedens ist. Der Wettlauf zwischen dem Frieden und besseren und größeren Bomben hat begonnen und niemand weiß, wer schneller sein wird.“
Wie das Geheimnis bewahrt wurde
Washington, 8. August. An der Stelle, wo sich vor 36 Monaten nur eine kleine Farm befand, leben jetzt 76.000 Menschen in der verborgenen geheimnisvollen Stadt „Oak Ridges“. Im Geheimen wuchs sie zur fünftgrößten Stadt von Tennessee heran. Die ersten Familien lebten in Wohnwagen. Später wurden jeden Monat tausende von Häusern gebaut. Die neue Stadt zählt beinahe 10.000 Häuser. Die Entstehung der Atombombe war in tiefstes Schweigen gehüllt. Wohl sickerte etwas durch, daß gigantische Versuche im Gange seien. Genaues konnte niemand erfahren. Die Zone des Schweigens war durch Militär abgesperrt. Und Leute, die zu viel plauderten, wurden in die Kriegszone versetzt. Die Arbeiter, die an der Herstellung der Atombombe beteiligt waren, wußten von
ihr nichts, bis die erste Atombombe auf Japan fiel.
Kosten der Vorarbeit
den Namen unseres Vaterlandes zu hören, bekamen. Das Wort „Österreich“ durfte nicht ausgesprochen werden, zuerst wurde es ersetzt durch „Ostmark“, dann aber kam die geheime Weisung, daß auch der Ausdruck „Ostmark“ nicht mehr zu gebrauchen sei. Damit ja nichts mehr an unsere frühere staatliche Selbstänahme machte. digkeit erinnere, nannte man das Gebiet von
Das Schlimmste aber ist, daß unsere Kinder Österreich die „Donau= und Alpengaue“. „Tradurch sieben volle Jahre nicht einmal mehr ditionslenkung“ nannten die Nationalsozia
Ein Pionier
London, 8. August. Einer der ersten Männer, die den Weg für die Entdeckung der Atombombe ebneten, ist der 51jährige Professor Peter Kapitza. Professor Kapitza war 12 Jahre lang Assistent des berühmten Physikers Lord Ruterford. Seit 1935 befindet er sich in Rußland.
in
New York, 8. August. Photographische Aufnahmen des Bombenabwurfes auf Ivoshima zeigen, daß 60 Prozent der Stadt zerstört wurden, das sind 11 Quadratkilometer der bebauten Fläche, die durch die Explosion der einen Atombombe zerstört worden sind. Die Personen, die sich während der Explosion außerhalb der Häuser befanden, sind verbrannt, während die anderen infolge des Luftdruckes getötet wurden. Die Zahl der Opfer ist so groß, daß sie nicht zu überblikken ist.
Japanische und amerikanische Verluste J New York, 8. August. Bei allen größedren Operationen im Pazifik, die im Monat
gMai stattfanden, entfielen auf jeden gefalleanen Amerikaner 14 tote Japaner. Auf den
Philippinen betrug das Verhältnis zu einer 1 Zeit, als der feindliche Widerstand gebrochen
Zwar, 75 tote Japaner auf einen toten alliierten Soldaten.
heim ins Reich gehen, bei uns und insbesondere in unserer Schule hat er nichts mehr zu suchen. In dieser Hinsicht wird es im neuen österreich keine Rücksicht und keine Nachsicht mehr geben. Wenn wir auch aus rein
menschlichen Gründen keine Gestapometho
den anwenden können und dürfen, wird doch
vorgesorgt werden, daß Volk und Land nicht nochmals geknebelt und geknechtet werden, Landesrat Prof. Dr. H. Gamper. „