Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:8

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Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
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Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Sinzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung
lummer 39/ 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Montag, 6. Kugust 1945
Das Verhör mit Laval
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Paris, 4. August. In seinem Verhör sagte Laval: „Ich glaube, meine politischen Beziehungen zu Petain begannen, als wir beide 1934 im Kabinett Doumergue waren. Ich war in vielen Punkten mit Petain nicht einig. Ich bin hier, um die Legende, Petains böser Geist gewesen zu sein, zu untersuchen und zu behandeln. Sie dürfen Petain nicht mit Handlungen belasten, die von unerfahrenen Ministern begangen wurden“ Der Richter fragte, ob Petain einen festen Willen und einen klaren Kopf habe. Laval antwortete: „Darüber besteht kein Zweifel.“ über seine Außenpolitik sagte Laval, er habe hartnäckig dagegen gekämpft, daß Frankreich in einen Krieg verwickelt werde. Das einzige Zugeständnis, das er der Politik Mussolinis vor dem Kriege gemacht habe, bestand aus 140.000
Quadratkilometer Sand und Stein. „Ich fühle“, sagte Laval, „keinen Haß gegen England, aber wirkliche Liebe empfinde ich nur für Frankreich.“
Als Zeuge im Prozeß Petain
Paris, 5. August. Als Zeuge im Prozeß gegen Marschall Petain erklärte Laval: Es sei notwendig gewesen, mit den Deutschen ein Kompromiß abzuschließen. Wir hatten 600.000 Kriegsgefangene in Frankreich, die auf Ehrenwort freigelassen worden waren und die jederzeit wieder gefangen genommen werden konnten. Die Zusammenarbeit wurde uns aufgezwungen und sie war unvermeidlich und unerläßlich. Frankreich war am Ersticken.
Deutschland würgte uns
Die zwei Erpressungsmittel waren die Drohung, alle freigelassenen Kriegsgefangenen wieder festzunehmen und uns Kohle, Stahl und Öl vorzuenthalten. Es gab eine Million Arbeitslose und die 52 von den Deutschen besetzten Departements stellten 80 Prozent der wirtschaftlichen Hilfsquellen Frankreichs dar. Ohne Deutschlands Hilfe hätte Frankreich nicht länger als zwei Monate weiterleben können. Für 300.000 französische Arbeiter bekam ich 100.000 Gefangene zurück. Belgien, das keine Regierung besaß, sandte 80 Prozent seiner Arbeiter nach Deutschland. Frankreich hingegen, welches eine Regierung hatte, sandte nur 16 Prozent. Laval verneinte, von jenem Telegramm Petains Kenntnis gehabt zu haben, worin Petain Hitler nach der Landung der Engländer in
Dieppe Deutschland die Hilfe französischer Streitkräfte versprach, um jede zukünstige Landung zu verhindern. Laval erklärte, er sei von jeher gegen jede Art militärischer Zusammenarbeit mit Deutschland
gewesen. Er habe das von Deutschland nach der Landung der Verbündeten in Nordafrika angebotene Bündnis verworfen. Der Verteidiger Petains erklärte, das berüchtigte Dieppe=Telegramm sei von Petain niemals unterzeichnet worden, sondern es wurde einfach mit der Unterschrift Petains durch den Fernschreiber von Vichy nach Paris gesendet. Laval sagte, wie dem auch sei, jedenfalls wurde das Telegramm nicht auf dem gewohnten Wege befördert. Da fiel der Staatsanwalt ein: „Sollen wir glauben, daß der Name des Marschalls Petain gefälscht worden ist? Das Telegramm ist von Vichi abgesandt worden. Das ist die Hauptsache.“ Bezüglich der
Ereignisse in Nordafrika
bei der Landung der Verbündeten erklärte Laval, Darlan hätte den französischen Truppen in Nordafrika den Befehl gegeben, jeden Angriff, von welcher Seite er immer komme, zurückzuschlagen. Die Deutschen hätten nämlich auch ein Auge auf Nordafrika geworfen gehabt. Laval sagte weiters, wir vereinbarten, den Deutschen die französische Flottenicht zu übergeben, und sie wurde ihnen auch nicht übergeben. Petain sei nicht frei gewesen. Die Deutschen hätten ihn gezwungen, den VichyTruppen in Nordafrika den Befehl zum Widerstand zu erteilen. Laval erklärte weiters, er habe zwei frühere französische Ministerpräsidenten, nämlich Paul Reynaud und Leon Blum, vor dem Erschießen gerettet. Reynaud war anwesend und hörte zu. Laval setzte fort: „Nach der Landung
der Alliierten in Nordafrika verurteilte ein Kriegsgericht einen französtschen Obersten zum Tode. Als Gegen
maßnahme verlangten die Deutschen, daß Blum, Reynaud und Georges Mandel erschossen würden. Ich habe dies verhindert.“ Laval erklärte, er habe die Ermordung Mandels durch Vichy=Soldaten sehr bedauert, da er den Mord als Regierungsmethode nicht anerkenne. Laval sagte auch, daß Darnand ihm und Petain als Polizeichef aufgezwungen wurde. Ich fragte mich damals, ob ich unter diesen Umständen weiter im Amte verbleiben oder lieber gehen solle. Daß ich nicht ging, war ein Nachteil für mich, aber ich erwies damit meinem Vaterland einen Dienst, denn ich bin nicht sicher, ob nicht ohne mich die traurige Bilanz der letzten Monate der Besetzung nicht noch tragischer ausgefallen wäre.“ Laval erklärte, daß während seiner Amtszeit die ungeheure Anzahl der
verhafteten Franzosen herabgesetzt wurde.
Petain wußte von meinen Bemühungen und hieß sie gut. Als daraufhin im Saale Gemur
mel entstand. erklärte Laval: „Warum sollte ich nicht die Wahrheit sagen, wenn sie zufällig zugunsten von Marschall Petain ausfällt!“ Als Laval gefragt wurde, warum er nicht in Frankreich geblieben sei, sondern mit den Deutschen das Land verließ, erwiderte er: „Die Deutschen wollten unter allen Umständen eine französische Regierung in Belfort. Ich ging nur unter Zwang.“
Zu der Anschuldigung, die Besetzung [österreichs durch Deutschland gebilligt zu haben, erklärte Laval: „Ich war auch gegen München. Wir gingen für Danzig und den Korridor in den Krieg.“ Laval beschrieb seine Verhaftung am 13. März 1940: „Man sagte mir damals, daß man in Flandin einen besseren Minister für mich gefunden hätte.“ Eines Tages sei er dann von Hermann Göring angerufen worden, der Frankreich heftig angriff. Nach der Aussage Görings fand Hitler die feindselige Haltung Frankreichs gegenüber Deutschland unerträglich und er wollte darnach handeln.
beginnen am 1. September
London, 5. August. Die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher sollen am 1. September in Nürnberg beginnen. Der Hauptanklagevertreter der Vereinigten Staaten Richter Jackson wird in etwa zehn Tagen sein Hauptquartier in Nürnberg aufschlagen. Die Verhandlungen werden im Justizpalast durchgeführt. Göring, Ribbentrop usw. werden während der Verhandlungen im städtischen Gefängnis untergebracht. Die Verhandlungen werden einige Wochen in Anspruch nehmen.
Prozeß gegen österreichische Kriegsverbrecher
Nach Meldungen des Moskauer Rundfunks veröffentlichte die Zeitung „Neues öster[reich“ eine Erklärung des Staatssekretärs
für Justizwesen der provisorischen österreichischen Regierung, wonach die ersten Prozesse gegen Kriegsverbrecher in Österreich im August durchgeführt werden. Unter den Angeklagten befindet sich u. a. Dr. Moeldt, der von Hitler persönlich zum Richter ernannt worden war, sowie Angehörige des Richterstandes, die in der Zeit des Zusammenbruches des Nazismus die Dokumente vernichten halfen, welche die Verräter belastet hätten.
Ein Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt
Marseille, 5. August. Der deutsche Hauptmann Staudacher wurde vom Militärgericht zum Tode verurteilt, da er während der Monate Juni und Juli 1944 zahlreiche Grausamkeiten gegen französische Freiheitskämpfer begangen hatte.
Rückkehr der österreichischen Kriegspefangenen aus Italien
Es werden in Innsbruck eintreffen: Am 7. August 1945 zwei Züge mit je 1500 Mann um 15.00 und 17.00 Uhr, vorwiegend mit Tirolern und Salzburgern. Am 8. August 1945 zwei Züge mit zusammen 2500 Mann, überwiegend Oberösterreicher. Am 9. August und 10. August je ein Zug mit 1600 Mann, Tirolern, Salzburgern und Oberösterreichern. Ferner werden in den nächsten Tagen 9000 Kärntner und Steirer nach Villach anrollen, und zwar 3000 aus amerikanischen und 6000 aus britischen Lagern.
Damit sind die österreichischen Kriegsgefangenen aus Italien im wesentlichen zurücktransportiert worden. (LHK.)
Frankreich fordert Entschädigung für die Kriegsopfer
Paris, 5. August. Nach dem Bericht der Regierung ist in Frankreich die Zahl der zivilen Kriegsopfer doppelt so groß, als die der militärischen. Den Angaben gemäß wurden 450.000 Zivilisten und 200.000 Soldaten getötet. Die Zahl der verwundeten Zivilisten beträgt 350.000, die der verwundeten Soldaten 230.000. Frankreich verlangt rund 18 Millionen Pfund Sterling als Mindestsumme für die Versorgung der Opfer.
Auflösung der beratenden Nationalversammlung
Paris, 6. August. Die beratende Nationalversammlung sprach sich in ihrer letzten Sitzung für die Rationalisierung der Gas= und der Elektrizitätsversorgung aus. General de [Gaulle erklärte: Mit der Auflösung der beratenden Nationalversammlung beginnt für die französische Nation eine neue Epoche. Es ist die entscheidende Etappe, die alle seit fünf Jahren vorbereitet und gewollt haben. Wir können uns heute sagen, daß wir alles getan haben, um dieses große Ziel zu erreichen.
Die Ausweisung der Deutschen aus der
Prag, 5. August. Nach einer von Dr. Benesch unterzeichneten Verordnung können die in der Tschechoslowakei lebenden Deutschen und Ungarn die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft nur dann behalten, wenn sie sich gegenüber der Tschechoslowakei loyal verhalten haben, das heißt, niemals eine der Nation abträgliche oder feindselige Handlung begangen, an der Befreiung des Landes aktiv teilgenommen und unter der Naziunterdrückung gelitten haben. Alle anderen Deutschen und Ungarn haben ihre Staatsbürgerschaft verwirkt. Ihr Abtransport wird nach einem Plan vor sich gehen, der im Einklang steht mit den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz.
Die Wahrheit über Rommels Tod
London, 5. August. Generalfeldmarschall Rommel hat, wie von seinem Sohne Alfred Rommel eidesstattlich erklärt wird, Selbstmord begangen. Er wählte diesen Weg, um dem sicheren Todesurteil zu entgehen, das über ihn wegen der Teilnahme an der Verschwörung vom 20. Juli verhängt worden wäre. Lange Zeit hat man versucht, den Tod Rommels geheimzuhalten. Schließlich setzte man Gerüchte in Umlauf, als ob Rommel während eines britischen Fliegerangriffes verwundet worden wäre.
Die ernste Ernährungslage Europas
London, 5. August. Herbert Lehmann, der Generaldirektor der Unra, der größten Organisation für die Hilfsaktionen zugunsten der befreiten Länder, erklärte, es werde überall notwendig sein, den Gürtel enger zu schnallen, um Europa während des kommenden Jahres die notwendigen Unterstützungen angedeihen lassen zu können. Diese Anspannung der Ernährungslage werde bis Ende Herbst 1946 dauern, wenn sie auch durch günstige Witterung und die Wiederherstellung des Verkehrsnetzes erleichtert werden wird. Lehmann betonte ganz besonders, daß die Lebensbedingungen Europas als außerordentlich ernst bezeichnet werden müssen,
nus „vertrausichen“ Sahristen
Der Krieg raste durch die Lande. Zu Zehntausenden mußten die Menschen sterben. Städte wurden zu Ruinen, die Ernährungslage wurde immer kritischer, kein Mensch wußte, ob er den nächsten Tag noch überleben, ob er und seine Familie noch ein Dach über den Köpfen haben werden. Die Menschen wurden seelisch und körperlich zermürbt. Immer wieder hörte man die Klage: „Das ist ja kein Leben mehr!“
Die Mitarbeiter des „nur für den Dienstgebrauch bestimmten, vertraulichen Gauverfügungsblattes“ für den Gau Tirol=Vorarl= berg aber hatten ganz andere, vie tiefergreifende Sorgen. Was sterbende Menschen, was zu Krüppeln gewordene Soldaten, was Häuserruinen und obdachlose Familien!!! — Wenn immer doch festzustellen war, wie das Gauverfügungsblatt vom 1. Juni 1944 rügen mußte, „daß das Grüßen der Uniformträger der Partei und ihrer Gliederungen in vielen Variationen erfolgt". Der Bereichsleiter der NSDAP verfügte deshalb: „Der rechte Arm wird nicht krampfhaft verwinkelt, sondern ausgestreckt, nach vorn schräg aufwärts bis zur Scheitelhöhe gehoben.“
Und in der Nummer vom 1. Mai 1944 wurde die für den Verlauf des Krieges ungemein wichtige Verfügung publiziert, daß die Dienstpistole für Politische Leiter grundsätzlich nur zur Uniform getragen werde. In Abänderung der bisherigen Vorschrift aber werde sie ab sofort linke getragen!
Eine Welt ging in Trümmer die Menschen mußten durch ein Meer von Blut waten —
aber Herr Franz Hofer. Gauleiter von Hitlers und Himmlers Gnaden, verzweifelte schier ob der krampshaft verwinkelten Grüße seiner Politischen Leiter! Millionenfaches Leid ging durch die Welt — Herrn Franz
Hofer, Reichsstatthalter und Hoher Kommissär für Südtirol, interessierte jedoch vor allem die Frage, ob seine Politischen Leiter ihre Dienstpistole ab 1. Mai 1944 wohl pflichtgemäß an ihrer linken Hinterbacke trugen, statt wie bisher an der rechten!
Da drängt sich wohl jedem die Frage auf: War die Lumperei der Naziführer oder ihre Narrheit größer?
Wir haben es, besonders in den letzten Monaten vor dem Zusammenbruch der Naziherrschaft, immer wieder gehört, daß der Krieg das ganze Volk immer enger zusammenschweiße zu einer verschworenen Gemeinschaft fanatischer, enge um die Partei gescharter Kämpfer. So stand es in den Zeitungen, so verkündete es jeder Naziredner, so erzählte es der Rundfunk. „Das Gauverfügungsblatt“ des Gaues Tirol=Vorarlberg redete freilich eine andere Sprache. Aus diesem Gauverfügungsblatt erfährt man u. a. auch, daß besonders in den letzten Monaten der Naziherrschaft viele Parteigenossen aus der Nartei ausgeschlossen worden sind. Vom Juni bis September 1944 beispielsweise in TirolVorarlberg rund ein halbes Hundert Parteigenossen. Gründe: Wegen „Außerungen, die
geeignet waren, die Wehrkraft zu zersetzen“, wegen „unwürdigen Verhaltens gegenüber Kriegsgefangenen“ wegen „gehässiger Außerungen über die Partei", wegen „ständigem Verkehr mit Gegnern der NSDAP“, wegen „staatsfeindlicher Haltung“, wegen „Beteiligung an der Verfassung und Verbreitung von Hetzschriften, welche führende Männer der Bewegung herabsetzten“, wegen „hetzerischer Reden“, wegen „gehässiger Außerungen gegen das Reich“, wegen „provozicrenden Verhaltens“, wegen „defaitistischen Verhaltens“ usw.
Es lag in der Natur der Sache, daß man immer nur wenige der Gegner der Partei innerhalb der NSDAP gewissermaßen auf frischer Tat ertappen konnte. Die meisten anderen waren ja vorsichtig und ließen sich nicht erwischen. Aber unzählige Tausende hatten von der Partei genug, die immer noch frech durch ihre Redner, Zeitungen und Radiosender die verlogene Behauptung ausstreuen ließ, das ganze Volk stehe mit eiserner Entschlossenheit und voll fanatischen Glaubens an Führer und Partei hinter Hitler, seinem Dritten Reich und den braunen Ve## zen! Karl Gpatter,