Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:8

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Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blutt ist nur im Einzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung
Nummer 38/ 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Samstag, k. August 1945
eigene Hilt
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Schwere Schuld an doie Sichiteie
Die Südtiroler Frage soll hier, insoweit sie zu jenen Angelegenheiten gehört, über welche die Mächte zu entscheiden haben, nicht besprochen werden. Sie wird von der Friedenskonferenz geregelt werden. Wohl aber besteht für die österreichische Öffentlichkeit — und besonders für Tirol — die Pflicht, Tatsachen aufzuhellen, welche leider beweisen daß die unheilvolle Politik des Nationalsozialismus den Tirolern, die jenseits des Brenners wohnen, schwere Wunden geschlagen hat.
Dr. Klotz, Chefredakteur. Man erinnert sich noch an die gewaltige Propaganda, welche im Jahre 1939 entfaltet wurde, um die Bevölkerung Südtirols für die Umsiedlung ins „Großdeutsche Reich“ zu gewinnen. Hätte sich der ihr zugrunde liegende Plan so ausführen lassen, wie er gedacht war, so wäre er zu einem wahren Dolchstoß ins Herz Tirols geworden. Noch immer ist es unverständlich, wie man die Aussiedelung der Südtiroler aus der Heimat der Väter als „Rückwanderung“ bezeichnen konnte. Irren wir uns, wenn wir sagen, daß das Ganze nichts anderes war als ein mit Hilfe von Täuschungen aufgezogenes Rekrutierungsunternehmen des Nationalsozialismus für den Krieg, weil man wußte, daß sich gerade aus diesem Gebiete ein besonders gutes Soldatenmaterial
gewinnen lasse? Tausende von jungen Südtirolern sind auf diese Weise in ihrem politischen Kinderstadium als Freiweillige der SS oder anderer Formationen auf die Schlachtbank geführt worden. Wer kennt nicht das erbarmungswürdige Elend, in das die Auswanderer aus Südtirol vielfach gestoßen wurden! Man denke an alle die, die in den von Deutschland besetzten Gebieten angesiedelt wurden, wobei man ihnen den Glauben beibrachte, daß dort ihre neue Heimat sei! Jetzt sehen wir die traurigen Züge verelendeter Menschen zurückkehren!
Wie schmerzt das Wissen um so viel unschuldig vergossenes Blut von ahnungslosen jungen Menschen und der Anblick des Jammers und der Not, die durch die gleißenden Verheißungen hervorgerufen wurden!
Wie erschütternd muß auf jeden Tiroler die Erwägung wirken, daß ungefähr 15.000 junge Südtiroler auf den Schlachtfeldern Europas um eines Truges willen gefallen sind. Ist das nicht eine furchtbare Verantwortung für diejenigen, die an der Propaganda für die Umsiedlung der Südtiroler mitgewirkt haben!
Wie wir von verläßlichen Berichterstattern hörten, macht sich von Seite der heimkehrenden Soldaten, die nun die Täuschung klar durchschaut haben, nachdem sie deren Opfer geworden sind, eine starke Bewegung gegen die einheimischen Träger jener Propaganda geltend. In Sterzing wurden Plakate angeschlagen, die die Inschrift tragen: „Heraus mit den Verrätern!“ Auf den Plakaten wurden die Namen der Verführer auch genannt. Auch in anderen Bezirken Südtirols nimmt, wie man uns versichert, das Auftreten der Heimkehrer gegen diejenigen, die sie aus der Heimat in die Wirrsale der Gefahren und Mühsale verlockten, bereits sehr scharfe Formen an.
Es ist ein außerordentlich bedrückendes Gefühl, daß diese Propaganda seinerzeit auch von Nordtirol aus gefördert worden ist. Hier handelt es sich nicht um eine politische Frage, sondern der bittere Sachverhalt ist der, daß beste Teile des Tiroler Volkes durch eine schmähliche Irreführung in den Tod getrieben worden sind. Es ist hier also vor allem die Sühne heischende Frage des Rechtes und der Sittlichkeit aufgeworfen. Es wird für den Geschichtsschreiber der Zukunft ein unheimliches und beklemmendes Gefühl sein, wenn er feststellen wird müssen, daß die Meintat der sogenannten Umsiedlung der Südtiroler vielleicht die dunkelste Seite in der tausendjährigen Geschichte des Tiroler Volkes ist.
Msgr. Dr. Franz Kolb.
Das Ergebnis der Potsdamer Konferenz
Berlin, 3. August.
Die Mitteilung über die Ergebnisse der drei Wochen lang währenden Potsdamer Konferenz umfaßt 7000 Worte. Der wesentlichste Teil dieses Berichtes befaßt sich mit
Deutschland.
Als Zweck der Besetzung Deutschlands wird die vollkommene Entwaffnung und Entmilitarisierung Deutschlands erklärt.
In der Verwaltung und in der Wirtschaft muß eine weitgehende Dezentralisierung
stattfinden. In den verschiedenen Besatzungszonen soll den Deutschen eine gleiche Behandlung zuteil werden.
Der streng kontrollierten Industrie wird die Herstellung von Flugzeugen verboten.
Gleichzeitig wurde ein Abkommen über die Reparationsleistungen erzielt. Rußland verlanat u. a. 15 Prozent aller brauchbaren und vollständigen Anlagen der Metallindustrie sowie der chemischen und Maschinenindustrie, die im Westen und Südwesten Deutschlands liegen, soweit sie nicht für die deutsche Friedenswirtschaft erforderlich sind, gegen entsprechende Zufuhr von Nahrungsmitteln, Kali, Zink, Bauholz, Tonwaren und Petroleumprodukte einzutauschen. Zehn Prozent der Industrieanlagen sind Sowjetrußland ohne Gegenleistung zur Verfügung zu stellen.
Aber Österreich
sagt das Kommuniaué: „Die Konferenz prüfte den Vorschlag der Sowjet=Regierung, die Zuständigkeit der provisorischen österreichischen Regierung auf ganz Österreich auszudehnen, und kam darin überein, diese Frage erst nach dem Einzuge der briti
schen und amerikanischen Streitkräfte in Wien zu prüfen.“
Hinsichtlich Polens
wird die Anerkennung der provisorischen Regierung ausgesprochen. Wichtig ist die Zuweisung folgender Gebiete an die polnische Verwaltung: „Die ehemals deutschen Gebiete östlich der Linie, die von der Ostsee unmittelbar westlich von Swinemünde und von dort entlang der Oder bis zur Mündung der westlichen Neiße und entlang dieser bis zur tschechoslowakischen Grenze verläuft, ferner jener Teil von Ostpreußen, der im Sinne der auf der Potsdamer Konferenz erzielten Verständigung nicht unter sowjetrussische Verwaltung gestellt wurde, und das Gebiet der früheren freien Stadt Danzig. Diese Gebiete sind demnach nicht als Teil der von den Sowjetrussen besetzten Zone Deutschlands zu betrachten.“
Beginn der Friedensverhandlungen
Die drei Regierungen halten es für wünschenswert, daß der gegenwärtige abnormale Zustand, in dem sich Italien, Bulgarien und Rumänien befinden, durch den Abschluß von Friedensverhandlungen beendet werde. Insbesondere sei die Vorbereitung eines Friedensvertrages mit Italien als erste unter die vordringlichen Aufgaben eingereiht, die von dem neugebildeten Rat der Außenminister in London behandelt werden sollen.
Umsiedlung der deutschen Minderheiten
Die drei Regierungen erkennen an, daß die überführung der deutschen Volksteile, die in Polen, in der Tschechoslowakei und in Ungarn verblieben sind, vorgenommen werden
muß. Die Durchführung dieser Maßnahmen muß jedoch noch überprüft werden.
Die Arbeit der Alliierten Kontrollkommissionen in Rumänien, Bulgarien und Ungarn soll verbessert werden.
Die Mitteilung an Frankreich
aris, 3. August. General de Gaulle prüft die Beschlüsse, welche die großen Drei in Potsdam gefaßt haben. In den nächsten Tagen wird das französische Kabinett zu ihnen Stellung nehmen. Der Chef der provisorischen Regierung de Gaulle wird auch deshalb die geplante Reise nach Nordfrankreich nicht unternehmen. Der französische Außenminister wurde durch den englischen und den amerikanischen Botschafter über das Ergebnis der Potsdamer Beratungen unterrichtet.
Stimmen der Weltpresse
London, 3. August. (Reuter.) Die britische Presse drückt zum Bericht von Potsdam die Genugtuung aus, daß die hauptsächlichsten Fehler des vorigen Friedens nicht wiederholt werden. „News Chronicle“ bezeichnet es als bedauerlich, daß nichts darüber gesagt wird, in welcher Weise man den kleinen Nationen, die so schwer unter dem Regime ler gelitten haben, Gerechtigkeit angedeihen lassen will.
Die Einigkeit der Alliierten
Moskau, 3. August. „Iswestia“ schreibt: „Die Konferenz hat das die drei Regierungen verknüpfende Band verstärkt und die Grenzen ihrer Zusammenarbeit und ihres Einverständnisses erweitert. Der Bericht ist ein untrüglicher Beweis für die Festigkeit der Zusammenarbeit zwischen England, Rußland und Amerika
Wien weniger als andere Großstädte beschädigt
Der Korrespondent der „New York Times“. berichtet aus Wien. daß die Verhütung größerer Schäden der Wiener Feuerwehr zu verdanken ist. Die Feuerwehr widersetzte sich den Versuchen der SS=Truppen, Wien bei ihrem Rückzug in Flammen zurückzulassen. Ein SS=Oberst übernahm das Kommando, 70 Feuerwehrleute, die es ablehnten, sich der SS anzuschließen, wurden in Konzentrationslager geschickt, mehrere Feuerwehrleute wurden erschossen. Ein Drittel des vollständigen Bestandes der Wiener Feuerwehr wurde nach Deutschland geschafft. Als am 6. April die Deutschen erkannten, daß Wien für sie verloren war, beschlossen sie die Stadt niederzubrennen. Sie befahlen der Feuerwehr, Wien zu verlassen. Die Feuerwehrleute versteckten sich zum Teil, zum Teil
gelang es ihnen, zu den russischen Linien zu entkommen und dann mit den russischen Truppen zurückzukehren. Am 5. und 7. April verursachten Geschosse der abziehenden Deutschen große Brände, die gelöscht werden konnten. Als am 8. April die Feuerhydranten ohne Wasser waren, richteten die Brände große Zerstörungen an. Der Wiener Korrespondent der „New York Times“ schließt den Bericht mit den Worten: Trotz aller Anstrengungen der Deutschen, an Wien Rache zu üben, hat die Stadt, verglichen mit Berlin, Hamburg oder München so wenig Schaden erlitten, daß sie heute die größte deutschsprachige. Stadt der Welt ist. Im Hinblick auf die Zerstörungen in Budapest
und Belgrad hat Wien nach Prag am wenigsten unter den osteuropäischen Städten gelitten. Der Wiederaufbau Wiens wird auch weniger Arbeit erfordern als der Londons.
Österreichische Künstler im Ausland
London, 3. August. Professor Oskar Kokoschka hat sich bereit erklärt, innerhalb des „Austrian Youth — Le Liberation Fund“ eine Sammlung für Kinder gefallener österreichischer Freiheitskämpfer unter den im Ausland lebenden österreichischen Künstlern zu veranstalten. Er hofft, in der nächsten Zeit eine Ausstellung internationaler Maler für diesen Zweck zu organisieren.
Eine Kirchensammlung für die Wiederherstellung des Salzburger Domes
Salzburg, 3. August. Der Fürsterzbischof Dr. Rohracher hat für Sonntag, den 5. August, in der ganzen Erzdiözese eine allgemeine Kirchensammlung zugunsten des Wiederaufbaues des Domes angeordnet.
Von sieben auf achtunddreißig Lokomotiven
Linz, 3. August. Sieben Lokomotiven waren am 5. Mai d. J. am hiesigen Bahnhof noch betriebsfähig, alle andern hatten mehr oder weniger schwere Beschädigungen erlitten und lagen zum Teil schief und hilflos in Trichtern. Heute sind dank der vorzüglichen Arbeitsleistung des Personals 38 Lokomotiven betriebsfertig und betriebsfähig.
zahlten keine Steuern
Washington, 3. August. Der Leiter der Finanzabteilung der USA.=Streitkräfte in Europa sagte, der gewöhnliche Deutsche hätte keine Möglichkeit gehabt, die hohen Steuern, die die Kriegsmaschine in Gang halten sollten zu vermeiden. Die Nazibonzen jedoch wandten sich direkt und vertraulich an den Finanzminister um Unterstützung und Staatssekretär Reinhardt gewährte ihnen im allgemeinen Steuererleichterungen. Goebbels verkaufte seine Zeitungen 1938 um 1,500.000 Mark an einen Münchner Verlag. wie aus den Unterlagen hervorgeht. An dafür fälligen Steuern zahlte Goebbels statt 650.000 weniger als 150.000 Mark. Göring zahlte nur
die auf sein Gehalt von 27.000 Mark entfallenden Steuern, obwohl ihm 15 Schlösser und Landsitze gehörten und er einen großen Teil der deutschen Stahlindustrie kontrollierte. Auch der Filmschauspieler Emil Jannings brauchte die hohen Steuern nicht zu zahlen. Um diese ungesetzlichen Ausnahmen geheim zu halten, zentralisierte das Finanzministerium die Besteuerung aller prominenten Personen bei dem Steuerämt für Vereinigungen in München. Weitere Ausnahmen wurden für die Mitglieder des Reichstags und des preußischen Staatsrates gemacht. Eine andere Methode, die Gehälter der Parteiführer abzurunden, war die, ihnen steuerfreie Spesenrechnungen auszustellen, die durch Ministerialerlaß vor der Prüfung durch
Steuerbeamte geschützt waren, obwohl sie manchmal auf Beträge bis zu 6000 Mark lauteten.
Die deutsche Norwegen=Armee wird zurückgeführt
Oslo, 3. August (Reuter.) Die Rückführung der entwaffneten deutschen Armee in Norwegen hat mit der Einschiffung von 1000 deutschen Soldaten in Drontheim begonnen. Es sind insgesamt 84.000 Mann von Norwegen nach Deutschland zurückzuführen.
Pietro Mascagni gestorben
Rom, 2. August. Heute morgen starb der weltberühmte Komponist Pietro Mascagni.
Er erreichte das hohe Alter von 83 Jahren. Das bekannteste Werk Mascagnis, der am 7. Dezember 1863 geboren wurde, ist „Cavalleria rusticana“.
Neuestes in Kürze
Die Schweizerische Armee wird am 20. August demobilisiert werden.
Senator Thomas erklärte im Militärausschuß des amerikanischen Senates, daß Amerika entschlossen ist, die Nazis für diesen Angriffskrieg verantwortlich zu machen und zu bestrafen, und sie ein für allemal zu hindern, Deutschland in einen neuen Vernichtungskrieg gegen die Welt hineinzuhetzen.
Prinzessin Juliana von Holland ist mit ihren drei Töchtern aus Amerika nach Holland zurückgekehrt.
Die Begegnung des Präsidenten Truman mit König Georg von England im Hafen von Plymouth auf dem britischen Schlachtschiff „Renown“ wird in der englischen und amerikanischen Presse als ein ebenso wichtiges wie erfreuliches Ereignis gewürdigt.
Wie der Moskauer Rundfunk meldet, haben die [ungarischen Minderheiten in Rumänien unter dem Namen Bund ungarischer Demokraten in Transsylvanien eine neue politische Partei gebildet.
In den Betriebsanlagen der ehemaligen „Frankfurter Zeitung“ erscheint jetzt die „Frankfurter Rundschau“.
Radio Stuttgart fordert die Hörer auf, sie sollen ihre Meinungen über Tagesfragen, die von öffentlichem Interesse sind, niederschreiben und die Manuskripte, die etwa 300 Worte lang sein dürfen, einzusenden. Diese Einsendungen sollen zu bestimmtem Zeitpunkt im Radio verlesen werden.