Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:7
- S.47
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Juli 1945
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Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im
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Nummer 30 / 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolin, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Donnerstag, 26. Juli 1945
Die Konferenz der Drei und die Zukunft
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Zum Jahresschluß 1941 überreichte die Shellgesellschaft in Frankfurt a. Main ihren Kunden als freundliches Angebinde eine Weltkarte, auf der die Erde bereits so verteilt war, wie es nach dem Siege Hitlers geplant war. Da sah man zum Beispiel das ganze Gebiet Sowjetrußlands aufgelöst in Gaue. Vom Gau Westrußland bis zum Gau „Ferner Osten“ reichte ein ununterbrochener Gürtel von Gauen. Die Sowjetrepublik selbst wurde auf das Gebiet über dem nördlichen Polarkreis verwiesen. Im Jahre 1942 sprach in einer Stadt Tirols einer der geeichten Reichsredner über Deutschlands Kriegsziele. „Eines Tages werden wir“ — so rief er begeistert aus — „morgens auf dem Innsbrukker Flugplatz aufsteigen, um am Abend in unserem Indien zu landen.“ Nach der Versammlung erlaubte sich ein Teilnehmer der Versammlung, der zufällig an den
braunen Stammtisch geraten war, die bescheidene Frage, ob unsere Eroberungspläne gegenüber Indien nicht am Ende das Unbehagen des japanischen Verbündeten wachrufen würden. „Das ist ja selbstverständlich“ — wurde ihm erwidert — „daß wir mit Japan noch einen Krieg auszukämpfen haben werden. Japan hat zu viel von jenen überseeischen * Besitzungen an sich gerissen, die wir selber nötig haben und die wir uns holen müssen.“ Wir haben diese Außerung kleinerer Parteileute herausgegriffen, weil sie zeigen, wie sehr ihnen die Siegesparolen, die von der obersten Parteileitung ausgegeben worden waren, in den Kopf gestiegen sind. Wenn die Nazis gesiegt hätten, so hätten nicht einmal die Deutschen sich dieses Sieges erfreuen können, denn aus dem Sieg wäre bereits der nächste Krieg geboren worden. Aber auch wenn
es zu keinem neuen Waffengang gekommen wäre, würden sich die Deutschen kaum einer Milderung der Lasten, die ihnen der Krieg auferlegt hat, erfreut haben. Die Nazis hätten nicht Sieger werden können, ohne daß vorher der europäische Kontinent in einen völligen Trümmerhaufen verwandelt worden wäre. Der militärische Sieg wäre also von einer Wirtschaftskatastrophe begleitet worden, wie sie die Welt bisher nicht gesehen hat. Die Alliierten verfügen über die materiellen Mittel, um eine zerstörte Welt wieder aufzubauen. Wo hätten die Nazi solche Mittel hernehmen sollen? Not und Elend hätten sich nicht nur auf die unteriochten Länder gestürzt. Not und Elend wären auch die Fronvögte geworden, unter denen die Deutschen hätten seufzen müssen.
Sogar von begeisterten Nationalsozialisten konnte man während des Krieges die bange Sorge vernehmen, ob die Männer im Waffenrock nicht noch viele, viele Jahre nach dem Siege von der Rückkehr an die Herde ihrer Lieben abgehalten würden. „Wir können niemanden entlassen, wir müssen ja die ungeheuren Gebiete, die unser Staat gewonnen hat, durch eine starke Besatzung in Unterwürfigkeit halten. Es ist daher falsch, wenn man sich vorstellt, daß unsere Soldaten gleich nach Beendigung des Krieges zurückkehren werden.
Man wird solchen Außerungen die Logik nicht absprechen dürfen. Es ist die Logik des deutschen Sieges, der den Deutschen aller Voraussicht nach nicht geringere Lasten aufgebürdet hätte als der Krieg selbst.
Doch sprechen wir von den Veränderungen, die im Falle des Nazisieges in unserem Heimatlande vorgenommen werden sollten. Seit dem Jahre 1939 haben sowohl der Gauleiter wie die Kreisleiter in ihren Ermutigungsansprachen niemals vergessen, darauf hinzuweisen, daß es die schönste Frucht des deutschen Sieges sein werde, wenn die Leichen der Parteifeinde an den Bäumen, die unsere Straßen einsäumen, den Vögeln zum Fraße preisgegeben werden. Mit glänzenden Augen stellten sich die einzelnen Parteigenossen diesen wundervollen Zeitpunkt vor, an dem sie ihre Rachebedürfnisse befriedigen könnten. Es war aber auch kein Geheimnis, daß ses schwarze Tirol überhaupt durch eine neue Bevölkerung gebräunt werden sollte. „Das Land ist mal schön, aber die Leute gehören wech!“ Solche Außerungen enthüllten mehr als
einen bloßen frommen Wunsch der aus dem Reiche „Zugereisten“. Tirol sollte nach den Plänen, die für die „Gleichschaltung“ der österreicher entworfen!
worden waren, als Naturschutzpark, als Jagdgehege und als Sommersitz für die Großen des Dritten Reiches dienen. Die bodenständige Bevölkerung war dazu bestimmt, in der Ukraine angesiedelt zu werden. Diese Ungeheuerlichkeiten wurden nicht nur bloß erwogen, sondern sie hatten sich bereits bis zur Vorbereitung entsprechender Maßnahmen verdichtet. Wenn sie gesiegt hätten, wäre das Volk von Tirol seiner Heimatscholle
beraubt worden. Gott hat es anders gefügt. Weil sie nicht gesiegt haben, dürfen wir in unserer Heimat bleiben. Weil sie nicht gesiegt haben. dürfen wir mit neuer Kraft und neuem Hoffen unser Land pflegen, aufrichten und zum herrlichen Wohnsitz unserer Erben gestalten. Weil nicht sie, sondern erhabenes Recht und unerbittliche Gerechtigkeit gesiegt haben, winkt uns eine neue Zukunft.
Dr. Anton Klotz.
Salzburg, 25. Juli. Die „Salzburger Nachrichten“ schreiben: Nachrichtenagenturen und Rundfunkstationen haben inoffiziell in den letzten Tagen wiederholt die Meinung ausgesprochen, daß bei den Beratungen in Potsdam die Zukunft Österreichs behandelt werden wird. In offiziellen Kreisen Washingtons wird angenommen, daß
ein Viermächteabkommen über die gemeinsame Besetzung Österreichs
in kurzer Zeit unterzeichnet werden wird. Die Besetzung österreichs durch amerikanische, britische, französische und russische Streitkräfte würde nur solange andauern, bis die Österreicher bewiesen haben, daß sie ihre Heimat politisch und sozial auf einer demokratischen Grundlage wiederaufbauen können. Augenblicklich stehen französische Truppen in Westösterreich, amerikanische Truppen in Nordösterreich, britische Trupnen in Südösterreich und russische Truppen in Ostösterreich. Amerikanische und britische Korrespondenten in Österreich weisen in ihren Berichten darauf hin, daß
die Verwaltung Wiens das komplizierteste Problem
darstellt. Jeder der vier Alliierten wird, so heißt es, eine eigene Besatzungszone in den Außenbezirken haben und alle werden an der Besetzung der Inneren Stadt teilnehmen. Da Wien in der russischen Besatzungszone liegt, müssen besondere Verbindungslinien mit den Zonen der westlichen Alliierten arrangiert werden, einschließlich der Kontrolle von Flugplätzen in der Umgebung von Wien. In Wien wird, wie das amerikanische Außenministerium erst kürzlich wieder bestätigt hat, eine
Kontrollkommission
errichtet werden, der die Oberbefehlshaber der alliierten Besetzungszonen in österreich angehören werden. Soweit ist nun alles ziemlich ähnlich wie in Deutschland, aber alle alliierten Politiker oder Generäle, die irgendwie mit der Frage österreichs zu tun haben, betonen immer wieder, daß die vier Mächte, die die Besetzung österreichs durchführen,
Österreich sobald als möglich auf eigene Beine stellen wollen.
Als General Clark die Milderung des Umgangsverbotes amerikanischer Truppen mit der österreichischen Bevölkerung in der amerikanischen Besatzungszone österreichs bekanntgab, fügte er hinzu, daß die Frage von weiteren Erleichterungen in Österreich erwogen wird. Auch General Bethouart in
Innsbruck hat die Bevölkerung österreichs zum tatkräftigen Wiederaufbau aufgefordert.
Aus allen alliierten Erklärungen geht deutlich die Entschlossenheit der Großmächte hervor, der Moskauer Erklärung von 1943 gemäß zu handeln, die zwischen Deutschland und österreich einen klaren Unterschied macht. Österreich muß mit seinen Nachbarländern in Frieden und Freundschaft leben. Jan Masaryk, der
Außenminister der Tschechoslowakei, der derzeit in Washington weilt, erklärte: „Wir haben viele gemeinsame Interessen mit österreich. Ich glaube, daß die überwiegende Mehrheit des tschechoslowakischen Volkes Österreich als einen freien, unabhängigen Staat innerhalb eines eng zusammenarbeitenden Europa sehen will.“
Die ersten französischen Truppen in Wien
Wien, 25. Juli. General Cherriere ist in der österreichischen Hauptstadt eingetroffen, zugleich mit ihm das erste Kontingent der französischen Truppen. Die Besatzungszonen von Wien werden demnächst bestimmt abgegrenzt werden.
Die erste französische Armee
Paris, 25. Juli. Die erste französische Armee besteht nicht mehr. Die Teile der Armee, welche nicht demobilisiert werden oder die nicht nach Frankreich zurückkehren, bilden die Teile der Besatzung.
Der Prozeß gegen Petain
Paris, 25. Juli. Bei der heutigen Verhandlung gegen Petain sprach der ehemalige Ministerpräsident Reynaud über die Kabinettssitzung vom 15. Juli 1940 in Bordeaux, wobei er zum Rücktritt gezwungen wurde. Unter dem Einfluß Petains stimmten 13 Minister gegen die Fortsetzung des Widerstandes in Nordafrika und für einen Waffenstillstand mit Hitler. Nursechs Minister standen auf der Seite Reynauds. „Als ich zurücktrat“, fügte Reynaud hinzu, „hatte Petain als mein Nachfolger eine fertige Ministerliste in der Tasche Wenige Tage später kam der Waffenstillstand mit Hitler zustande.“ Petain hat nach den Aussagen Reynauds systematisch auf den Sturz der Republik und auf die Errichtung einer Diktatur hingearbeitet. Er war vor dem Krieg [gegen den Ausbau der Maginotlinie bis zur Küste und fand nach dem Waffenstillstand nicht ein einziges
Wort des Protestes gegen die deutsche Annexion von Elsaß=Lothringen.
Der ehemalige Ministerpräsident Daladier erklärte, Petain habe bereits am 27. Juni 1940, als die belgische Armee auf einen Waffenstillstand mit Deutschland rechnete, an einen solchen Waffenstillstand gedacht: „Das war noch vor der Schlacht an der Somme und zu einer Zeit, wo Frankreich
über beträchtliche Mengen von Kriegsmaterial verfügte, um den Widerstand in Nordafrika fortsetzen zu können.“
Die tägliche Verhandlungsdauer wurde wegen des hohen Alters des Angeklagten auf 5 Stunden festgesetzt.
Die leidenschaftliche Spannung in der drückenden Hitze des überfüllten Gerichtssaales im Pariser Justizpalast hielt auch am zweiten Verhandlungstag an. Die außerordenklichen Sicherheitsvorkehrungen waren noch verstärkt worden. Der Marschall, der es gestern abgelehnt hatte, Fragen zu beantworten, zuckte heute mehrmals nervös zusammen, als ihm Reynaud Verrat und Ehrlosigkeit vorwarf. „Noch nie", so sagte Reynaud, „hat ein Mann seinem Vaterland so furchtbaren Schaden zugefügt wie Philipp Petain Frankreich. Er hat seine Ehre verwirkt.“
Französische Verräter vor Gericht
Paris, 25. Juli (Reuter). 800 Angehörige der von den Deutschen ausgerüsteten französischen „Antibolschewistischen Freiheitslegion“ oder der „SS“, die gegen die Rote Armee kämpften, werden in nächster Zeit vor einem Militärgericht in Lyon abgeurteilt werden. Die meisten von ihnen wurden in Norditalien gefangengenommen.
machte den Russen ein Waffenstillstandsangebot
Berlin, 25. Juli. Generalleutnant Peter Konsenko, der Artilleriebefehlshaber der 5. russischen Armee, der an der Eroberung Berlins einen hervorragenden Anteil hatte, teilte Vertretern der Presse mit:
„In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai, als der Kampf um die Hauptstadt am heftigsten tobte, kam eine kleine Gruppe deutscher Offiziere mit weißen Fahnen in das russische Hauptquartier. Der Sprecher erklärte, er
komme im Auftrag des General Weidlich. des Befehlshabers aller deutschen Truppen in Berlin. Dieser habe ihn ermächtigt, um einen Waffenstillstand anzusuchen, der von der russischen Regierung und einer unter [Göbbels Führung stehenden neuen deutschen Regierung abgeschlossen werden soll. Hitler wurde nicht erwähnt. Generalleutnant Konsenko forderte die bedingungslose Kapitulation.
Wenige Stunden später verlautbarte Großadmiral Dönitz über den deutschen Rundfunk, daß er die Erbschaft Hitlers angetreten habe.
General Bandis — Kommandant der 4. marokkanischen Dieisien
General Bondis stammt aus Nordafrika. Am 5. Jänner 1895 wurde er in Constantine geboren. 1913 trat er in Saint Cyr ein. Im Jahre 1916 wurde er bei Verdun kriegsgefangen. Im Februar 1919 ging er nach Marokko. Im Jahre 1925 besuchte er die Kriegsakademie, um dann als Truppenoffizier und als Generalstäbler wiederum in Marokko zu dienen. Im Mai 1940 übernahm er die Leitung des Armee=Transportwesens in Nordafrika. Im August des gleichen Jahres kehrte er wieder nach Marokko zurück. Er nahm dann mit der Infanterie der 4. marokkanischen Division am Feldzug in Italien, an der Landung in Frankreich, an dem Stoß über die Alpen und an dem Feldzug im Elsaß teil. General Bondis ist Kommandeur der Ehrenlegion. Sein Name wurde sowohl im französischen wie im amerikanischen Heeresbericht viermal erwähnt. General
Bondis wurde auch schwerverwundet.
General Dumas der Jruppenkommandant von Vorartberg
General Paul Henri Dumas ist am 17. September 1894 in Belfort geboren. Im Jahre 1913 trat er in die Kriegsschule in Saint Cyr ein. Als sein Regiment im Jahre 1914 in Federbüschen und weißen Handschuhen zum ersten Anariff antrat, gehörte er zu jenen jungen Offizieren, die sich gleich am meisten auszeichneten. Er trat zur Artillerie über und beendete den Krieg mit fünf Verwundungen, darunter einer sehr schweren. Sechsmal wurde er im Heeresbericht erwähnt. Ebenso wurde er mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet. Im Jahre 1925 trat er in die Kriegsakademie ein, nach deren Beendigung er in den Generalstab berufen wurde. Im Jahre 1939 treffen wir ihn im Oberstleutnantsrang als stellvertretenden Generalstabschef der 4. Armee. Nach dem Waffenstillstand wird er über sein Ersuchen nach Nordafrika entsendet. Am 8. und
9. November 1942 intervenierte er bei den Amerika
nern, und daß in Blida und El Arba jedes Blutvergießen vermieden wurde, ist sein Verdienst. An der Seite des Generals Welvert nahm er an der Schlacht um Kairouan teil. Als Brigadegeneral machte er die Kämpfe um Elba und in Italien mit. Unter dem Oberbefehl des Generals Bethouart trug er durch die hervorragende Führung der Artillerie wesentlich zum Durchbruch bei Belfort und zum Gelingen des Vorstoßes bis Mülhausen bei. Am 10. Februar 1945 überreichte ihm General de Gaulle das Großkreuz der Ehrenlegion. General Dumas wurde auch in diesem Weltkrieg zehnmal im Heeresbericht erwähnt und erhielt zahlreiche ausländische Auszeichnungen.
Das Staatsbegräbnis für Paul Valery Paris, 25. Juli. Gestern fand in Paris in Anwesenheit des Chefs der provisorischen Regierung General de Gaulle das Staatsbegräbnis des Schriftstellers Valery statt. Valery war Mitglied der französischen Abademie, „ er französischen Ab