Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:7

- S.37

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Freitag, 20. Juli 1945
Tiroler Tageszeitung
Nr. 25 Seite 3
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Regelung der Urlaubsfrage
Innsbruck, 19. Juli. (L5K.) In der Regierungssitzung vom 11. Juli wurde auch die Urlaubsfrage behandelt. Dabei kam die Regierung zum Entschlusse, die Urlaubssperreaufzuheben und die gesetzlichen Bestimmungen über vertraglichen oder gesetzlichen Urlaub wieder gelten zu lassen. Hiemit hat die Landesregierung eine weitere unsoziale Maßnahme der Nationalsozialisten beseitigt und uns einen Schritt näher zu normalen Verhältnissen geführt.
2. Wer sich eigenmächtig in den Besitz von Wohnraum gebracht hat, hat dies dem 4. Wohnungsamt innerhalb von 8 Tagen zu melden. Falls eine nachträgliche Genehmigung nicht erteilt wird, ist die Wohnung zu räumen.
Die unberechtigte Inanspruchnahme von 5. Wohnraum sowie die erfolgte Räumung hat der Hauseigentümer oder dessen Bevollmächtigter und der unberechtigte Be
nützer innerhalb dreier Tage nach Kund
machung bzw. Räumung dem Wohnungsamt schriftlich zu melden.
Wer nicht vom Wohnungsamt, aber von anderen Stellen in Wohnungen eingewiesen wurde, hat dies innerhalb 3 Tagen nach Kundmachung dem Wohnungsamt schriftlich zu melden.
Zuweisungen von Wohnungen erfolgen innerhalb des Stadtbereiches ausschließlich durch den Wohnungsausschuß. Sie allein berechtigen zum Abschluß eines Mietvertrages als Hauptmieter. Verstöße gegen diese Anordnung können nach § 1 3 der angezogenen Verordnung mit Geldstrafe bis zu 10.000.— RM. bestraft werden.
Bürgermeister Dr. Melzer.
Tiroler Hilfe
Zuständigkeit in wirtschaftlichen Angelegenheiten
Innsbruck, 19. Juli. (L5K.) In der Bezirkshauptmännerkonferenz vom 3. Juli wurde durch die Landeshauptmannschaft die Wiederaufnahme der Winterhilfsaktion, wie sie bis zum Jahre 1938 bestand, zur Kenntnis
ebracht. Dabei wurde der Name „Winter
ilfe“ beanständet, weil dieser durch die Wirtschaft in der nationalsozialistischen Ara einen sehr schlechten Eindruck zurückgelassen hat. Diese Aktion wird daher in Hinkunft als „Tiroler Hilfe“ bezeichnet. Sie wird nur in jenem Umfange wieder ausgenommen werden, den sie bis zum Jahre 1938 hatte. Die Tiroler Hilfe wird eine Betreuung und Versorgung der Hilfsbedürftigen und wirtschaftlich Schwachen umfassen mit dem Ziele, diesen die Lebenshaltung zu erleichtern.
Zur gegebenen Zeit werden Sammlungen in Geld und Naturalien durchgeführt werden. Der bewährte Opfersinn, den die Tiroler Bevölkerung in guten wie in schlechten Zeiten stets bewiesen hat, wird auch hier einen vollen Erfolg der Aktion gewährleisten.
Vorerst ist an eine Sammlung von Abfallholz in allen Gemeinden des Landes gedacht. Sie wird durch einige Monate durchgeführt werden und soll den besonders drückenden Sorgen in der Beschaffung von Brennmaterial — wenn auch in bescheidenem Umfang — Abhilfe schaffen.
Weitere Hilfsaktionen werden folgen. Die Leitung haben Landeshauptmann Dr. Gruber und seine Gattin persönlich übernommen.
Im Landhause, in allen Bezirken und Gemeinden werden — wie ehemals — Ausschüsse aus allen Kreisen der Bevölkerung ehrenamtlich die Tiroler Hilfe durchführen.
Anordnung zur Wohnraumlenkung
Auf Grund des § 1 Abst 2 der Verordnung zur Wohnraumlenkung vom 27. 2. 1943 RGBl. 1 S. 127 wird amtlich bekanntgemacht: 1. a) Die bisher durch das Wohnungsamt auf Grund des RLG. erfolgten Quartiereinweisungen waren als Notmaßnahmen zur Abwendung dringendster Obdachlosigkeit gedacht. Sie berühren bestehende Wohnrechte nicht. Sie begründen daher auch keinen wie immer gearteten Anspruch auf Abschluß eines Mietvertrages zur Erlangung der Wohnrechte als Haupt= oder Untermieter.
b) Quartiereinweisungen, die bis zum Tage der Kundmachung nicht ausgenützt wurden oder nicht ausgenützt werden konnten, verlieren sofort ihre Rechtswirksamkeit.
c) Solche Quartierzuweisungen werden künftighin nur mehr in ganz besonderen Ausnahmefällen und ausschließlich vom Wohnungsausschuß beim Bürgermeister der Stadt Innsbruck vorgenommen.
Aus dem Landhaus wird mitgeteilt:
Alle Gesetze, Erlässe und Regelungen, die bis jetzt erlassen und in Kraft sind und die Erzeugung und den Verkauf von Waren betreffen, bleiben in jeder Hinsicht aufrecht. Die unten angeführten Amter werden für die Angelegenheiten zuständig erklärt, welche früher von den Reichsministern, Reichsstellen und ähnlichen Körperschaften verwaltet worden sind. Diese Amter sind in Innsbruck untergebracht. Sie haben folgende Aufgaben:
Das Landesernährungsamt ist für alle Angelegenheiten zuständig, die Ernährung, Verarbeitung und Verteilung von Lebensmitteln betreffen.
Die Landesbauernschaft ist für alle Angelegenheiten zuständig, welche die Erzeugung von Nahrungsmitteln betreffen.
Das Landesernährungsamt ist für alle Angelegenheiten zuständig, welche die Verarbeitung von Nahrungsmitteln, Tabak und Salz und die Verteilung dieser Erzeugnisse an die Verbraucher betreffen. Dieses Amt ist auch die Zentralbehörde für die Ernährungsämter in den Bezirken.
Das Landeswirtschaftsamt ist für die Planung, Erzeugung und Verteilung aller Waren außer Lebensmitteln, Holz und der Verteilung von Baumaterial zuständig. Dieses Amt ist die Zentralbehörde für das Bezirkswirtschaftsamt.
Das Holzwirtschaftsamt ist für die Erzeugung, Verteilung und Ausfuhr von Holz zu
Der 14. Juli
Schwaz, 18. Juli.
In der stimmungsvollen Umgebung der alten Franziskaner=Klosterkirche von Schwaz fand am Sonnabend eine Feier anläßlich des Nationalfeiertages des französischen Volkes durch die neue Militärbehörde statt.
Bei strahlendem Wetter und zahlreicher Beteiligung der Schwazer Bevölkerung nahm ein farbenprächtiges Detachement des ersten Regimentes der Tirailleurs marocains und seines Offizierskorps Aufstellung vor dem neuen Heim der Militärverwaltung. Zum erstenmal waren auch die Gendarmeriebeamten in ihren neuen schmucken Uniformen zu sehen. Die bewährte Stadtmusikkapelle unter der Leitung ihres imposanten Tambourmajors intonierte beim Eintreffen des Kommandanten Major Larcher die Marseillaise. Dann nahm der Kommandant die Meldung des Stadtgouverneurs entgegen und begrüßte die Vertreter der Zivilbehörden, der Kirche und der politischen Parteien: Bezirkshauptmann Dr. Huber, Bürgermeister Dr. Psenner, Chef des Finanzamtes Ob.=Reg.=Rat Doktor Reinpolt, Leiter des Bezirksgerichtes Dr. Haid, Bezirksführer
der österr. demokr. Freiheitsbewegung Dr. Schlatzer, Bezirksbauernobmann Grauß, Abt von Fiecht Hochwürden Grauß, Pater Guardian Petermaier, als Vertreter des Dekans Hochw. Koop. Wei
ständig. Ausgenommen ist Brennholz für den Haushaltsgebrauch und für Motorfahrzeuge. Dieses wird durch das Landeswirtschaftsamt bewirtschaftet.
Die Dienststelle für Bank= und Versicherungswesen ist für Bank= und Versicherungsangelegenheiten zuständig.
Die Preiskontrollstelle ist für die Bildung und Aufrechterhaltung der Preise von Waren und Dienstleistungen zuständig.
Das Landesamt für Außenhandel ist für alle Angelegenheiten zuständig, die Ein= und Ausfuhr betreffen.
Das Landesbauamt ist für die Verteilung von Baumaterial zuständig.
Die unmittelbare Bundesverwaltung überwacht die Staatsfinanzen (einschließlich der Staatsmonopole für Tabak und Salz), die Post den Fernsprech= und Telegraphendienst, höhere Gerichte, den Eisenbahndienst, das Katasteramt, Eichamt, Punzierungsamt, Versorgungsamt und Revierbergamt, insoferne diese Amter zum Land Tirol gehören.
Die Handelskammer Innsbruck ist für die Obliegenheiten und Aufgaben der früheren Gauwirtschaftskammer zuständig.
Weitere Auskunft über die Tätigkeitsberichte der verschiedenen angeführten Amter, die alle in Innsbruck sind, kann bei den Bezirkshauptmannschaften oder durch den Bürgermeister der Stadt Innsbruck erlangt werden.
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ser, Primarius des städt. Krankenhauses Dr. Schwamberger, Leiter des Arbeitsamtes Welli und die Herren Heiß von der Tiroler Volkspartei, Spazier von der soz.dem. Partei und Pfister von der kommunistischen Partei, Das tiefe Verständnis für die Nöte unseres Landes fühlte jeder der Beteiligten bei der Festrede des Militärgouverneurs Capitaine Breef, der u. a. ausführte:
Ich rechne auf die volle Unterstützung der hiesigen Bevölkerung durch Einsatz ihrer ganzen Arbeitskraft und Energie, Tirol bald wieder zu einem reichen und wohlhabenden Lande zu gestalten. Diese Aufgabe ist nicht leicht, denn wir wissen, daß noch immer Nazikräfte vorhanden sind, die dieses Werk des Friedens hindern wollen.
Es ist ein glücklicher Umstand, daß das französische Fest der Freiheit mit der Befreiung des Tiroler Landes von Willkür und Terror zeitlich zusammenfällt. Der heutige Festtag ist nicht nur eine Angelegenheit des französischen Volkes allein, sondern auch aller jener Völker, die vom Joch einer volksfeindlichen Herrschaft befreit wurden. Die französische Revolution hat zum erstenmal die Menschenrechte verkündet und damit dem Streben aller freiheitsliebenden Völker der Erde Ziel und Richtung gegeben. Es ist unsere feste überzeugung, daß die Menschheit nur dann einer glücklicheren Zukunft entgegensehen kann, wenn alle Kräfte ohne Unterschied des Glaubens, der Rasse und der überzeugung zu
heutige Nummer erscheint wegen der Bildausstattung mit einem Umfang von 4 Seiten.
ihrem Aufbau herangezogen werden. Nach vier Jahren der Besetzung und der Sklaverei, von der alle Franzosen betroffen wurden, atmet die Nation wieder auf und kann sich ihren großen Aufgaben widmen.“
„Ich hoffe“ setzte der Gouverneur fort, „daß bald wieder alle bösen Erinnerungen aus dem Gedächtnis schwinden werden und wir eine geistige Gemeinschaft zur Förderung der Kultur und der Zivilisation bilden können. In diesem Sinne gedenke ich unseres obersten militärischen Chefs, Generals de Gaulle, und grüße ihn in unser aller Namen als den großen Förderer der französischen Nation.“
In seiner Erwiderung betonte der Bezirkshauptmann Dr. Huber den ehrlichen Willen der Tiroler zum Wiederaufbau unseres Landes auf demokratischer Grundlage und begrüßte warmen Herzens die Mithilfe der großen französischen Nation an diesem großen Werk des Friedens.
Namens der Stadt Schwaz begrüßte der Bürgermeister Dr. Psenner die Herren des französischen Gouvernements und hob besonders das große Entgegenkommen bei der Lösung der Einquartierungsfrage hervor, mit dem sich die neue Besatzung in Schwaz eingeführt hatte und das in der Bevölkerung aufrichtige Sympathien ausgelöst hat. Statt weiterer Worte, so schloß der Bürgermeister, wollen wir die Taten sprechen lassen, um unserer Sorgen Herr zu werden und uns bald wieder in unserer schönen Heimat ganz glücklich fühlen zu können.
Dr. Schlatzer, der Vertreter der österreichischen demokratischen Freiheitsbewegung des Schwazer Bezirkes, hieß in französischer Sprache die Militärbehörde als Waffengefährten im Kampf gegen Faschismus und Nazismus in Tirol willkommen.
Abschließend gedachte Gemeinderat Pfister der ruhmvollen Vergangenheit der freiheitsliebenden französischen Nation und gab der Hoffnung auf eine Verbrüderung aller Länder im Streben nach Frieden und Brot Ausdruck.
Nach einem Beisammensein im Kreise des Offizierskorps, bei welchem der Gouverneur als liebenswürdiger Hausherr allen zwanglos vorgebrachten Vorschlägen und Wünschen im Sinne einer fruchtbringenden Zusammenarbeit Rat und Hilfe zusicherte, schloß die schöne Feier in der Tradition echter französischer Gastfreundschaft.
Neuaufbau der
Innsbruck, 19. Juli. In Tirol und Vorarlberg hat Bischof Dr. Paul Rusch die katholische Caritas neu aufgebaut. Bekanntlich hat der Nationalsozialismus in Tirol auch alle Werke der katholischen Caritas aufgelöst. So auch hier den Caritasverband, der in allen österreichischen und deutschen Gebieten, von geringen Ausnahmen abgesehen, auch während des Naziregimes weiterbestehen und arbeiten konnte. Nun wurde in jeder Pfarrei Tirols eine Caritasstelle geschaffen, die der Pfarrer der Gemeinde zu leiten hat und der alle früher wirkenden caritativen Werke und Kräfte eingeordnet sind.
Auf diese Weise ist die Zusammenarbeit aller in einer Gemeinde caritativ wirkenden katholischen Kräfte sichergestellt und auch die Fühlungnahme mit den Fürsorgefunktionären der Gemeinden bedeutend erleichtert. Für alle caritativen Aufgaben, die über den Rahmen einer Pfarre hinausreichen, wurde eine Diözesancaritasstelle, geschaffen, die dem Seelsorgeamt der bischöflichen Behörde als eigene Abteilung eingegliedert ist. Zum Leiter dieser Diözesan=Caritasstelle wurde Dr. Josef Steinkelderer berufen, der bis zu Ostern dieses Jahres als Häftling in Dachau war.
Der neue Lelicer im Dork
Von Irmgard Schulz
So also ist es in Wahrheit und es hilft nichts, dieses Dorf besser machen zu wollen als es ist. Schaut man nicht den ganzen Tag und den nächsten noch auf diesen Sterngucker, der da, gerade zur ungelegenen Zeit, hereingeschneit kam ins Dorf, um seine Künste zu zeigen und tut deshalb den neuen Lehrer, einen ernsthaften Menschen, mit einem „Ah, der neue Lehrer, freut uns sehr; so und so, also, dann in Gottes Namen“ und nichts weiter ab. Alle Eitelkeit abgerechnet ist es immerhin wenig Empfang.
Und das Kindervolk, von dem das Dorf nur so wimmelt, kommt überhaupt erst so gegen Mittag in die Schule eingerückt, schön langsam, nach und nach, wie es halt jeweils nichts mehr zu erhorchen gibt.
Na, eine nette Zucht ist hier, das muß man anerkennen!
Ekkehard Wildung, der Lehrer, steht oben am Pult und schüttet einen grimmen Spott herunter auf die, so vor ihm in den Bänken hocken und ihn anstarren.
„Habts euch den neuen Lehrer auch anders vorgestellt, was? Ohnehin so schwer Zeit gehabt jetzt für die Schul und dann erst nicht der richtige.
Sollt wohl ein zweiter Sterngucker sein, wie?“
Ah, da wird es lebendig.
Aus den hintersten Bänken stürzen sie nach vorn, die Erhabensten sperren den Finger in die Höh, während die übrigen mit ihrer schallenden Rede von der nie dagewesenen Neuigkeit dreinfahren wie ein Rutenstrich und die Mägdlein verschämt lächeln.
„Werdet ihr nicht augenblicklich still sein“, schreit er sie an.
Also, so ist das. Scheu haben sie wenig vor dem Lehrer. Ehrfurcht wohl nicht viel mehr, wurden viel zu locker gelassen von dem guten, alten Schulmeister.
Muß beides anders werden. Muß tüchtig Ordnung schaffen da, daß mir die Böcke nicht noch über das Pult hinspringen.
„Vor allem erst setzt euch.
Ihr Buben hier in der Ofenreihe, die Dirndln rücken auseinander, drei und drei in jede Bank, so“, kommandiert er streng.
„Und dann will ich die Namen wissen von jedem, langsam und nur der redet, den ich frag.“
Er fängt beim ersten an.
„Wie heißt?“
Das Bübl steckt den Finger in den Mund, er ist der Jüngsten einer und schweigt.
Verschüchtert jetzt, denkt Ekkehard und lacht ein bißchen.
„Kommst zum Schluß dran“, sagt er gelassen und geht zum nächsten.
„Du?“ Das ist ein stämmiger Kerl, zeigt schon gute Bauernschultern im engen Röcklein. Wird nimmer lang die Bank da drücken, denkt der Lehrek, von vierzehn dürfte der da nicht mehr weit weg sein.
„Na wirds bald“, sagt Ekkehard und schaut den Jungen an.
„Fronthaler Louis“, stößt der Bub rauh hervor und flieht weitab mit seinem Blick. Auf der Stirn stehen ihm ein paar finstere Falten. Der Lehrer schreibt in sein Buch, bleibt bei dem Buben stehen. Sollte das Trotz sein?
Er sieht von ihm weg über die andern hin, ah. man schaut ihn an bis er hinblickt und dann rasch weg, da heiße Gesichter, da blasse, von den Mädchen weinen gar ein paar. Sonst drückende Stille, keines rührt sich.
Fängt gut an, denkt Ekkehard Wildung und ist ein wenig bestürzt. Sollte es doch nicht ganz so leicht sein, das Zeugs da zusammenzuwerfen zu einem großen Haufen und sie Zucht lehren?
Sollten etwa gar, er starrt grüblerisch in sein Büchlein nieder, diese Bauernkinder sich gewinnen lassen wollen und er, Ekkehard Wildung aus der Stadt, müßte sie gewinnen müssen?
Erobern diese armseligen Herzen in harter Müh und Arbeit?
Er erschrickt schwer.
Geht sein Weg dahin nach innen zu den jungen Herzen, statt auswärts und aufwärts zu Ehr und Namen?
„Kinder“, sagt er langsam und liegt es an seiner Stimme, daß sie nun alle hinblicken zu ihm. „Wir wollen nun ordentlich beginnen. Weinen müßt ihr nicht, auch nicht Angst oder Zorn haben vor mir. An den Sternzauberer könnt ihr denken, wie wenn euch eins eine Geschichte erzählt, von der nicht alles wahr ist.
Hier müßt ihr aufmerken. Und wenn ihr den Willen habt, ich hab ihn, daß es hier eine fleißige, schöne und fröhliche Schule wird.“
Ekkehard? Er lächelt ganz leise in sich hinein, so wie er es schon einmal fragend zu sich selber tat in diesem Dorf. Du, Zugeständnisse?
Aus der Kultur der Stadt kommend und mit ganzer Kraft wieder zurückstrebend nach ihr — Zugeständnisse an dieses Dorf? Den Kindern hier?
Er blickt sie an und fährt mit der Hand unsicher durch die Luft. Nützt es jetzt etwas, nicht sehen zu wollen, wie sie leuchten? Ekkehard möchte den leichten Schleier zerrissen haben, den er um sein Herz geschlungen fühlt in dieser Antrittsstunde. Er kommt aus dem leichteren Schwung der Welt, muß er jetzt gleich Stütze sein diesen einfältigen und schlichten Herzen?