Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:12
- S.122
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12 Nr. 160
Aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des österreichischen Eskunstlaufes
CHS., Seefeld, 30. Dezember.
Gestern hatte Seefeld seinen großen Tag: Schaulaufen des weltbekannten Wiener Eisrevueensembles. Trotz aller unerfreulichen und teilweise auch bitteren Erlebnisse aus den Tagen des Zusammenbruches und seiner Vorboten ist die Künstlerschar der „Tanzenden Sterne“ in bester Stimmung. Seefeld wurde erste Bühne. Seefeld ist Trainingsquartier für neue große Pläne und Aufgaben. Abgeschieden, unbeobachtet, fern jedem Trubel, der sie bei ihren späteren Auftreten immer begleiten wird, sollen die Seefelder Tage ausschließlich dem Auf= und Ausbau ihres vollkommen neu gestalteten Revueprogrammes dienen.
Im Speiseraum einer gemütlichen Seefelder Pension treffe ich alle komplett versammelt bei einer Tasse Tee an, doch der richtige Schwung kommt erst mit Ilse Pausin und Hanna Niernberger zustande. Charmant und interessant plaudern die „Tanzenden Sterne“ und betonen gleich einleitend und immer wieder, daß
jahr wird das Reiseleben mit der neueinstudierten Revue einsetzen.“ Das ganze Ensemble ist fleißig im Training; selbst die Mondnächte müssen dazu herhalten. Da eine Zwischenfrage:
„Was ist mit Karl Schäfer?“
„Ich verstehe“ meint Ilse, „daß man nach ihm fragt. Er war, ist und bleibt stets Vorbild des elegantesten Kunstläufers, aber — und einmütig wird bestätigt: Mehr wird die Erinnerung bei uns an Schäfer nicht erhalten, denn er ist leider nicht österreichisch geblieben und hat sich nicht als der Künstler gezeigt, wie er es uns als Kamerad hätte sein müssen. Ich gönne Schäfer aufrichtig, daß er von den persönlichen Strapazen des Krieges durch sein Zuhausesein verschont blieb, aber mein Bruder Erich bekam beim Ableben unserer Mutter nicht einmal Urlaub aus der Wehrmacht, aus der er bis heute noch nicht zurückkehren konnte.“
Amerika lehnte Schäfer schon vor Jahren ab, da er sich vom internationalen Kunstgedanken
Die Entstehung der Revue?
Vor drei Jahren sind die Geschwister Pausin mit den Bayers dem Berufsverband Deutscher Eiskunstläufer beigetreten. Es war aber schrecklich — keine Freiheit, Hemmungen und Schwierigkeiten. „Dann traten wir der Wiener Reichstheaterkammer bei und gaben eine winzige Schau mit drei Läufern und dennoch holten wir uns großen Erfolg.“ Ilse war es, die hinstrebte weiter zu arbeiten, doch Erich Pausin wurde zur Wehrmacht eingezogen — wieder alle Pläne zunichte. „Erst nach dem Zusammenbruch konnte der alte Gedanke wieder aufgegriffen werden; eine Tanzschule wurde gemietet, Ballettmeister Killer studierte die Tänze ein und so kamen wir auf unser jetziges, vollkommen neu gestaltetes Programm, auf unsere Eisrevue „Tanzende Sterne“. Aber bis dahin gab es
ungeheure Schwierigkeiten zu überwinden. Vor allem die Kostümfrage, da wir ja durch Kriegseinwirkung fast alles verloren hatten. Das Wiener Kostümatelier Ella Bai half uns aber darüber hinweg,
Silvestee Glesee Mthchel
Von links nach rechts: Maria Schubert, Edith Köhler, Elfi Hussak, Trudl Schweichhardt, „Baby“ Greta Fränzel, Gretl Veit, Ilse Pausin, Hanne Niernberger, Franz Forster (Leopold Linhart fehlt aus Bescheidenheit!).
sie sich in Seefeld und in Tirol besonders wohl fühlen. Ilse Pausin und alle anderen kennen Innsbruck und Tirol von früher, der Ilse ist unser Land durch ihre oftmaligen Tiroler Winteraufenthalte fast eine Heimat geworden. Bedrückt spricht Ilse aus der jüngsten Vergangenheit, weiß von schweren Tagen des einstigen Eis=Künstlerquintetts in Berlin zu erzählen und atmet erst auf, als sie auf die glücklichen Umstände zu sprechen kommt, die sie mit ihren Begleiterinnen buchstäblich mit dem letzten Zug noch aus Berlin in die Wiener Heimat zurück brachte.
Eiskunstlauf ist unmännlich!
Otto Czap, der sechsfache österreichische Weitsprungmeister und Hürdenläufer, hat zum Eissport umgesattelt und sein Können im Seefelder Schaulaufen eindrucksvoll bewiesen, weiß von den trüben und mageren Jahren 1938 bis 1945 zu erzählen, wo der Eiskunstlauf nicht nur nicht gefördert, sondern grundweg abgelehnt wurde. Die Reichsjugendmeisterschaft im Eiskunstlauf ist doch mit der Begründung abgesagt worden: „Eiskunstlauf ist unmännlich!“ Aber, so meinte Czap, diese Zeit ist überwunden, doch wird es Jahre brauchen, bis die frühere Höhe wieder erreicht ist. Auftakt dazu bildet das Trainingsquartier Seefeld, von wo aus alle internationalen Eissportzentren mit einem vollkommen neu einstudierten Revueprogramm überrascht werden sollen. Erfreulich, daß
Einladungen schon aus vielen europäischen Ländern
vorliegen. Fixe Abschlüsse wurden noch nicht getätigt, ausgenommen die Schweizer Verpflichtungen: Zürich, Arosa, St. Moritz, Davos, Bern und Basel; später sollen Chamonix oder Megeve sowie Prag und Preßburg folgen. „Vorerst ist aber Seefeld unsere Heimat und erst nach Neu
allzu deutlich abkehrte. — Keine Gehässigkeit, nur bloße Feststellung.
„Und warum wirkte aus ihrem Ensemble niemand bei Schäfers „Weißer Traum“ mit?“ Ganz einfach, sagt man: Schäfers Einfluß war durch die ihm zur Verfügung stehende Kunsteisbahn Engelmann ungeheuer und deshalb war nur seine Gruppe vertreten, wo für Fräulein Holzmann die ausgezeichnete Läuferin Emmi Putzinger gelaufen war. Von Schäfers Truppe sind heute nur mehr Putzinger und Wächtler bedeutend.
„Und wo ist Felix Kaspar?“
Ja, der, so sagen alle, hat das große Los gewonnen. Es gelang ihm noch im letzten Moment in die Schweiz zu flüchten, da Tschammer=Osten Kaspars Begehren, seinen Vater unbehelligt zu lassen, ablehnte. Kaspar ging verheiratet über das große Wasser und ist in Sidney Besitzer eines Eispalastes von „amerikanischen Dimensionen“, der ihn aller Sorgen in seinem fantastischen Heim in Melbourne enthebt. „Aber“, so sagt die Gruppe, „wir wissen, Kaspar wird zur gegebenen Zeit auch einmal an uns denken.“
Herbert Bayer — Geschwister Pausin „Warum wir immer nach Bayer plaziert blieben? — Schauen Sie, wir liefen grundverschieden. Auf der einen Seite das abgezirkelte, man könnte fast sagen militärisch gereihte, bei uns der Elan, das beschwingte, die Muse. Wagte einmal wirklich ein Kampfrichter ehrlich zu richten, dann war er das letztemal von der Jury in Anspruch genommen worden. Wir wußten, was wir können und deshalb konnten solche Urteile auf uns keinen Eindruck machen. übrigens laufen die Bayer für Amerika in Garmisch, wie uns mitgeteilt worden ist.“
so daß wir nunmehr unsere Auswartung einwandfrei machen können. Seit Juni trainieren wir Ballettschule und nun sind wir auch am Eisparkett soweit, daß alles klappt.“ Besonders wird aber hervorgehoben, daß in der ganzen Revue auf alles Varietéhafte verzichtet wird, alle Vorführungen gehen ausschließlich auf Kosten der Leistung unter Wahrung der Eleganz und des Wiener Charms unter der Voraussetzung höchsten eisläuferischen Könnens. Und deshalb erwarten sich die „Tanzenden Sterne“ auch einen Erfolg im internationalen Felde.
Wünsche der Sterne!
„Ja, was wir wünschen, eigentlich nichts, wir sind froh, endlich arbeiten zu können. Doch, eigentlich haben wir Wünsche. Aber schwer ist es, sie zu wissen. Wir laufen ja alle nach Plattenmusik und da sind uns viele wertvolle Platten vernichtet worden. Die „Vogelhändlerpotpourri“, der Fledermauswalzer „Herr Marquis“, aus dem Opernball von Heuberger „Komm zu mir ins Chambre séparée“ und der „Norwegische Tanz Nr. II von Grieg“ sind unsere Sorgenkinder nach wie vor.“
Wer könnte diese so innig wienerisch vorgetragene Bitte schon überhören? Vielleicht vermag jemand diese Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen und gibt sie für die Revuesterne in der Kanzlei des Eislaufvereines, Innsbruck, Falkstraße 4, ab — oder — persönlich Ilse Pausin, in der Pension „Sonnhof“ in Seefeld.
Tirol und Innsbruck besonders grüßen in einem schnell verflogenen Nachmittag die „Tanzenden Sterne“ mit Ilse Pausin, Gretl Veit, Elfie Hussak, Edith Köhler, Trudl Schweickhardt, Hanne Niernberger, „Baby“ Greta Fränzel und Maria Schubert und die Herren Leopold Linhart und der „Unwiderstehliche“ Franz Forster.
„Bitte, Jan, es ist 12 Uhr! Setzen Sie sich ein Silvesterhütchen auf und werfen Sie vorsichtig eine Papierschlange, dann sagen Sie in gedämpftem Ton: Prosit Neujahr!“
„Erst hat er mir Treue geschworen bis zum nächsten Jahr, und nun tanzt er schon mit einer anderen!“
„Es ist ja doch auch schon neues Jahr!“
Rlub der geietigen Abeiter
Der „Klub der geistigen Arbeiter“ entstand Ende Juni 1945 als Versuch, eine für Innsbruck neue Form geistigen Lebens zu pflegen. Wenn das Vereinsgesetz von 1867 auch die Anmeldung als eingetragenen Verein erfordert, so ist der Klub doch kein Verein im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern eher eine zwanglose Tischrunde von Akademikern und Hochschülern und geistigen Arbeitern aus allen Berufen und aller Richtungen, gleich, ob Volksparteiler, Sozialisten und Kommunisten oder Liberale und Parteilose. Er ist ein Forum, wo alle Probleme erörtert werden können, die uns interessieren, und zwar weder im Jargon der Gasse noch in der wirklichkeitsfernen Sprache mancher Gelehrter, sondern auf dem Riveau, das bei fortschrittlichen Geistesarbeitern vorausgesetzt
wird.
Anfang Juli wurde mit den Klubabenden in einer Privatwohnung begonnen. Die Teilnehmerzahl — ursprünglich fünf bis sieben — stieg im Laufe des August auf etwa 20, so daß ein neuer Raum gesucht werden mußte. Durch das Entgegenkommen der Arbeiterkammer konnte hier ein Raum benützt werden, der etwa 40—50 Personen faßt. Seit der Gründung wurden insgesamt 25 Klubabende durchgeführt. Dabei wurde nach dem Grundsatz „Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen“ weniger darauf geachtet, im Programm eine feste Linie einzuhalten, sondern mehr darauf, ein Programm aufzustellen, das durch Themen und Reserenten vor allem interessant sein soll. So war die Veranstaltungsfolge immer bunt gemischt. Politische Themen, wie zum Beispiel „Die Verfassung
des Britischen Weltreiches“ (cand. Schöpf), oder „Die Bedeutung der Erklärung der Menschenrechte“ (Oberregierungsrat Dr. Gschließer), wechselten mit literarischen, wie „Karl Kraus und sein Werk“ (Herr Peter), oder „Ilja Ehrenburgs Buch: Der Fall von Paris“ (Herr Damrow), Abende, die der Kunst gewidmet waren, wie „Entartete Kunst? (Kunsimaler Scheidl), oder „Die Geige von Absam“ (Architekt Fritz), folaten auf andere, bei denen die Philosophie und die Psuchelogie zu Worte kamen. (Ortega y Gasset „Über das Wesen geschichtlicher Krisen“. Herr Dr. Widter.)
Die Überparteilichkeit wurde vor allem dadurch gewahrt, daß die Referenten den verschiedensten politischen Richtun
gen angehörten. So sprachen beispielsweise der Volksparteiler Bürgermeister Dr. Melzer über „Kommunalpolitische Aufgaben in der Gegenwart“, der Sozialist Dr. Kunst über „Die Grundlagen des modernen Rechtsstaates“ und der Kommunist Alfred Löhmer über „Kommunismus und Demokratie“. Natürlich platzen an solchen Abenden die Meinungen oft aufeinander, es kommt zu lebhaften Aussprachen — aber das ist ja gerade das, was sich der Klub zum Ziele gesetzt hat. Wir wollen ja wieder lernen, eine andere Meinung anzuhören, auch wenn sie der unseren widerspricht, wir wollen lernen, in ruhig=sachlicher Weise zu debattieren und im Andersgesinnten nicht den Gegner zu suchen, sondern den Österreicher, der ebenso wie wir selber gewillt ist, für seine Auffassung das
Recht der freien Meinungsäußerung zu benutzen und dabei die demokratischen „Spielregeln“ einzuhalten.
Der bisher bestbesuchte Vortrag war der von Prof. Dr. Burghard Breitner über seine „Erinnerung an Sibirien“. Es ist hier nicht möglich, alle Referenten und Themen anzuführen, aber es sei auch erwähnt, daß ein französischer Schriftsteller, Herr Marime Alexandre, der zur Zeit als Capitaine dem hiesigen Informationsbüro zugeteilt ist, in formvollendetem Deutsch über das Thema Was will der Surrealismus?“ sprach und dabei alle Anwesenden durch verblüffende Kenntnis der deutschen Literatur überraschte.
Für den Januar sind u. a. geplant ein Vortrag von Ministerialrat a. D. Dr. Kleinwaechter über „Weltanschauungslosigkeit — das Problem unserer Zeit“, ein
Vortrag von Dr. Karner über „Technische und soziale Revolution“, sowie ein Bericht des Herrn Peter über das Buch „Moskau diktiert“. Außerdem wird erwogen, Abende mit zwei Referenten zu versuchen, deren Aufgabe es wäre, gegenteilige Standpunkte zu einem Thema zum
Ausdruck zu bringen. Sobald gute Auslandsfilme eintreffen. sind auch gemeinsame Filmbesuche und anschließende Diskussionen geplant.
Als Endziel schwebt ein Klub mit eigenen Räumen vor. der täglich geöffnet ist und dessen Lese= und Gesellschaftsräume jedem Kluhmitglied zur #gung stehen, so daß Klubmitglieder sich jederzeit im K## verabreden können. auch wenn offiziell keine Veranstaltungen angesetzt sind.
Gedacht ist ferner, bei wachsender Beteiligung die Klubmitglieder nach ihren verschiedenen Interessen in besondere Arbeits= und Debattezirkel einzuladen. Aber angesichts des Wohnungsmangels ist vorerst keine Möglichkeit, eigene Klubräume zu mieten und einzurichten. Harry Damkow.
Johannes Obleitner Ein Künstler unserer Tage
Das Künstlerheim des Meisters Johannes Obleitner steht in Leithen (Gemeinde Reith) und wurde wunderbar aus dem Bombenhagel errettet. In der unmittelbaren Nähe des Hauses gingen 6 Bomben nieder und gerade zu einer Zeit, als der Meisier sein bisher schönstes Werk in Arbeit hatte. Als der Pfarrkirchenrat von Berwang dem Meister den Auftrag erteilte, die Vollendung des restaurierten Gotteshauses in Angriff zu nehmen, ging Obleitner mit einem wahren Feuereifer an die Sache heran. Nachdem die Reufärbelung des Gotteshauses in Berwang und die Ausschmückung der Decke mit Gemälden von Professor Otto Hämmerle in Pinswang glücklich vollendet war, hieß es nun, den Hochaltar und die drei Seitenaltäre neu zu gestalten. Trotz wiederholten Einspruches der
Reuttener Kreisleitung konnte die Restaurierung durchgeführt werden.
Meister Obleitner hat die ihm gestellte Aufgabe vorzüglich gelöst. Es soll hier keine kunsikritische Abhandlung über den neuen Hochaltar in Berwang geschrieben werden — das ist Aufgabe von Fachleuten — es soll nur in kurzen Umrissen auf das Kunstwerk hingewiesen werden. Alle, die bisher den Altar in seinem Entstehen verfolgen konnten, oder die ihn in der Vollendung sahen, waren resilos von ihm begeistert. Auch die eindrucksvollen Photographien des Altares und seiner Teile haben Kunstkenner entzückt. Die Altarmensa ist geschmückt mit den beiden Reliefs von König David im Harfenspiel und von Moses in seinem sprichwörtlichen Zorn über die Untreue des Volkes. Rechts und links reihen sich unten die Bilder der ersten Menschen. Und dann wächst über dem
einfachen Tabernakel und den Evangeliensombolen das Hauptwerk heraus: Das letzte Abendmahl. Sofort fällt ins Auge die überaus ernste, männliche Figur Chisti. Sein Blick geht in die Weite und Feine, aber auch in die Tie
fen der Menschenseelen. In wundervoller Belebtheit und doch in prächtiger Harmonie scharen sich die 12 Apostel um ihren Meister. Judas, der Verräter, bildet allerdings den Außenseiter, genau wie er es in Wirklichkeit war. Um dem ganzen Relief einen krönenden Abschluß zu geben, erheben sich zwei gotische Türmchen — das Presbyterium ist ja gotisch — die an den Spitzen leicht schwebende Engel tragen. So wächst der Altar aus der Schwere des ündischen Lebens und Verfehlens über Christus hinaus und hinein in die Herrlichkeit des Jenseits.
Meister Obleitner ist sicher ganz neue Wege gegangen — ist ja doch der Altar in ernster Zeit herangereift. Diesen Ernst trägt der Altar, nur die Engel weisen in ihrer beschwingten Leichtigkeit darauf hin, daß die letzten Arbeiten nach Kriegsschluß angefertigt wurden. So sind sie Zeichen dafür, daß in der neuen Zeit auch die religiöse Kunst wieder heimisch werden darf. und sich nicht bloß abseits entwickeln muß.
Das vergangene Weihnachtsfest brachte der Pfatrgemeinde Berwang eine besondere Freude und Überraschung. Meister Obleitner stellte ihr sein neuestes Schnitzwerk zu Verfügung: eine freudig bewegte Krippe; freudig in den Gestalten, freudig auch in der ganzen Tongebung. In dieser Krippe kommt so recht zum Ausdruck, daß die reilgiöse Kunst von allen bisherigen staatlichen Hemmungen frei ist und daß sie sich wieder voll und ganz entfalten kann. Die Krippe erinnert an die in Tirol so heimisch gewordene Auffassung von der fröhlichen und seligen Weihnachtszeit. Worte aus unberufenem Munde können dieses Werk nur abschwächen, darum mögen berufene Menschen dazu ihr Urteil abgeben.
In Johann Obleitner ist uns ein wahrhafter Tirelet Meister der Schnitzkunst entstanden. Richt, als ob Meister Obleitners Werke bisher weniger künstlerisch gewesen wäken. aber im neuen Hochaltar, in der neuen Krippe, zeigt sich Obleitner in seinem tiefsten und besten Können. Es is darum verständlich, daß Berwang mit Spannung, abe mit Vertrauen den kommenden Werken für die Kuche entgegensieht: der Schöpfung der beiden Seitenaltä Obleitners künsilerisches Schaffen ist in vielen Einzelsiu in Tirol bekannt, aber in der Neugestaltung der Verwange Kirche kommt es erst so recht zum Ausdruck, was Oblein kann.