Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:12

- S.115

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Ausgaben dieses Jahres – 1945
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Tiroser
Nr. 160 Seite 5
Montag, 31. Dezember 1945
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Österreich 1045
Der große Görres schrieb einmal: „Betet für die Völker, die nichts mehr sind!“ Waren nicht auch wir in Österreich durch sieben lange, bittere Jahre ein Volk, das „nichts mehr“ zu sein schien? Ausgetilgt wurde der ehrenvolle Name, den unser Land durch die Jahrhunderte führte. Mit rücksichtslosester Härte wurde alle Gesinnung verfolgt, welche die Treue bewahrte. österreich schien für immer im Eintopf des Dritten Reiches verschwunden zu sein. Und doch lebte dieses Österreich nicht nur in den Herzen derer, die mit stummem Ingrimm das Unglück ihrer Heimat erlitten. Es lebte in dem stillen Widerstand, mit dem die österreicher die Sandkörner der Sabotage in das Räderwerk der deutschen Kriegsmaschine streuten und in den heldenhaften Opfern, mit denen Kämpfer bereit
waren, ihre Glücksgüter, ihre Freiheit und ihr Leben aufs Spiel zu setzen.
Dann kam jener holde Mai, der uns mit der Frühlingsluft eines neuen Werdens umfächelte. Die Macht des Dritten Reiches zerbrach unter dem Ungewitter. das seine Maßlosigkeit über sein Haupt heraufbeschworen hatte. Österreich entglitt der würgenden Hand des Vergewaltigers. Die Freude über das Geschenk dieser Stunde war groß; aber sie war nicht ungetrübt. Österreich hatte erwartet, von der Welt mit offenen Armen ausgenommen zu werden. Es war erstaunt, daß man uns auf dem Wege zur Freiheit eine Eskorte gab. Wir bemerkten, daß man uns nicht jenes Zutrauen schenkte, das wir verdient zu haben glaubten. Die siebenjährige Abgeschlossenheit hatte uns die Fühlungnahme mit der Art, wie man im Ausland die Dinge in Österreich betrachtete, nicht gestattet.
Nun erst gewahrten wir, wie viel Mißtrauen und Mißverständnisse überwunden werden mußten. Wir haben es als die gute Ernte eines halben Jahres anzusehen, wenn wir heute so weit sind, daß die Besatzungsmächte die harte Hand des Siegers zurückziehen und uns die Freundeshand entgegenstrecken.
Dieser Umschwung wurde herbeigeführt durch den redlichen Willen zum Aufbau, durch die Bekundung jener österreichischen Eigenart, die der überzeugendste Trennungsstrich gegen den Lebensstil des Nationalsozialismus ist. Wir vermochten nicht zuletzt durch eine vorbildliche Abwicklung des Wahlgeschäftes unter denkbar schwierigen Verhältnissen die Welt davon zu überzeugen, daß es uns an Fähigkeit nicht gebricht, uns in die neue Welt mit allen unseren Kräften einzufügen. Wir benützten, sobald sie uns geboten war, die Möglichkeit, durch die Währungsreform eine Neuordnung unserer Wirtschaft anzubahnen. Wir entwickelten gesunden Unterschmungsgeist und Gemeinsinn, um in dem bescheidenen Rahmen, der sich uns darbot, die Wun
den des Krieges zu heilen und für die Zukunft vorzusorgen. Es ist vieles nicht so geworden, wie wir es gewünscht hätten, aber es ist auch vieles nicht so schlimm geworden, wie wir es gefürchtet hatten. Dieses halbe Jahr in der Gehschule unserer Selbständigkeit hat unsre Füße kräftiger gemacht. Wir wissen, daß uns nunmehr ein sicherer Schritt in die neue Zeit tragen kann.
Das kommende Jahr läßt uns weitere Fortschritte erhoffen. Wir können sie beschleunigen, wenn wir unser Bemühen darauf hinrichten, die inneren Spannungen durch einen maßvollen Ausgleich zu überwinden und durch die Sicherung des Nahrungsspielraumes den Generationen junger Menschen, die von Enttäuschungen verbittert und durch Hoffnungslosigkeit verdüstert aus dem Felde heimgekehrt sind und heimkehren werden, das Vaterland zur trauten Heimat zu machen. Wir dürfen auch hoffen, daß die Stimme Österreichs, welche die neue Regierung vor den Großen dieser Welt erheben wird, Gehör finden kann, wenn sie eine so gerechte und dem Geiste des Friedens entspringende Forderung, wie die Rückgliederung Südtirols an Österreich, vertritt. Wir übersehen
nicht die Vielfalt der Hindernisse, die unseren Weg hemmen könnte. Hindernisse, zu deren Beseitigung wir nichts beitragen könnten, weil sie aus der internationalen Lage hervorwachsen, und Hindernisse, die wir uns selbst bereiten. Diese letzteren müssen wir überwinden, dann werden uns die ersteren niemals zum Verhängnis werden. Dieser gute Wille sei uns Wegzehrung beim Eintritt in das neue Jahr. Dann wird auch der Tag kommen, wo Gottes Sonne wieder über ein glückliches Österreich erstrahlen wird.
HUMOR
Von W. Busch
Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim, Ein schwarzer Kater schleicht herzu, Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher Kommt er dem armen Vogel näher. Der Vogel denkt: Weil das so ist Und weil mich doch der Kater frißt,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquillieren Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.
Originalzeichnung für die „T. T.“ von W. Gotschke Der heilige Florian
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Auf die Frage, ob Städte überhaupt notwendig seien, antwortete ein berühmter amerikanischer Soziologe: „Die Stadt ist und bleibt der Ort stärkster wirtschaftlicher und kultureller Kräftekonzentration.“ Die Fragen des Städtebaus sind äußerst kompliziert und können nicht mit ein paar Strichen gelöst werden. Unsern heutigen Städten lagen schon bei der Gründung ganz bestimmte Faktoren zugrunde, zu denen in der weitern Entwicklung immer noch neue kamen. Jeder Stadt ist der ihr eigene Wachstumsverlauf vorgezeichnet, der um so ausgeprägter und eindeutiger ist, je besser die treibenden Kräfte bekannt sind und gelenkt werden können. Das war in der antiken und mittelalterlichen Stadt der Fall, ja auch noch in den Städten der Renaissance und der Folgezeit bis ins 18.
Jahrhundert. aber es wurde anders, als neue Produktions= und Verkehrsmöglichkeiten mit der Einführung der Maschine auftauchten und das Ende der in sich gefestigten Stadt kam. Von dieser Zeit an ist das Wachstum der Städte ein chaotisches, zufälliges. Die Erkenntnis daß die Stadtentwicklung nicht weiter sich selbst und dem Zufall überlassen werden kann, hat nach einer neuen Wissenschaft, der Stadtplanung, gerufen, die zwar noch jung ist, aber dennoch bereits verschiedene grundsätzliche Klarheiten geschaffen hat, die für den Wiederaufbau zerstörter Städte und auch die Lenkung der Stadtentwicklung in verschonten Gebieten von großer Wichtigkeit sein werden. Der heutige Städtebauer sieht die Stadt als Ort verschiedener, klar zu erfassender Funktionen, die
folgenden Zwecken dienen: dem Wohnen, dem Arbeiten, dem Verkehr, der Erholung und der Verwaltung. In der heutigen Stadt sind die Wohnverhältnisse unklar, da sie sich zufällig und unabhängig von den örtlichen und landschaftlichen Bedingtheiten entwickelt haben. Die meisten Wohnquartiere sind nicht nur in ihrer topographischen Lage innerhalb des Stadtkreises zufällig und planlos angelegt, sondern sie werden auch noch durch vorhandene Industrien und Verkehrsadern in ihrer Ruhe und gesundheitlichen Lage beeinträchtigt. In der moderyen Stadt will man den Wohnquartieren grundsätzlich die landschaftlich und klimatisch beste Lage geben. Verkehrslärm, Rauch, Staub, störende Winde, kurz alles, was ein ruhiges. ge¬( sundes Wohnen verunmöglicht, will man von
ihnen fernhalten. Sie sollen mit den nötigen Grünflächen versehen werden, und die Zugangsstraßen müssen möglichst kurz und für groß und klein gefahrfrei sein. Ein modernes Wohnquartier
soll so durchgebildet werden, daß jede Wohnung genügend Luft, Licht und Sonne hat, d. h. die Bauabstände müssen in ein richtiges Verhältnis zu den Bauhöhen gebracht werden. Es darf keine Korridorstraßen mehr geben, denen entlang die Häuser gedankenlos aufgereiht werden, vielmehr sollen die Baublöcke senkrecht zur Straße verlaufen, damit die Wohnungen freien Ausblick in den ruhigen grünen Raum zwischen den Baukörpern gewähren. In den Bauten sollen verschiedene
Höhen zur Anwendung kommen vom zweigeschossigen Reihenhaus bis zum mehrstöckigen Apartmenthouse.
Auch für die Arbeitsstätten sollen die bestmöglichen hygienischen Bedingungen geschaffen werden. Man wird spezielle Zonen für die Fabriken vorsehen und verbieten, daß innerhalb der Wohnquartiere neue störende Betriebe errichtet werden. Durch breite Grünstreifen werden die Industriezonen von den Wohnvierteln abgetrennt. Auch den in einer Stadt beschäftigten zahlreichen Bureauangestellten trägt die neue Stadtplanung Rechnung und bietet ihnen einwandfreie Arbeitsbedingungen. Falls man sich zu Hochhäusern entschließt, dann sollen diese soweit auseinandergerückt werden, daß Grünanlagen mitten in der Stadt entstehen können.
Den neuzeitlichen Industrieanlagen wird eine spätere Beilage gewidmet sein Die Fragen des Verkehrs, die Regelung des Straßen=, Luft=, Eisenbahn= und Schiffsverkehrs können nur im Hinblick auf die Stadt als Ganzes gelöst werden. Die riesigen Verkehrsstockungen der heutigen Stadt lassen sich nur beheben, wenn man dem Durchgangsnerkehr besondere Straßen zur Verfügung stellt, die die Stadt nur tangieren. Auf
jeden Fall dürfen diese die Wohnquartiere nicht durchkreuzen. Wir werden die Verkehrsprobleme in der nächsten Beilage behandeln.
Unsere Städte bringen den Bewohnern nur wenige oder schwer zugängliche Erholungsmöglichkeiten. Die modernen Städtebauer trachten darnach, die Stadt im Grünen zu verwirklichen. Die Stadt von morgen will den Menschen körperliche und geistige Erholung bieten, und wir werden in einer besonderen Beilage zeigen, wie das gemacht werden könnte. Die Pläne für eine wiederaufzubauende oder auch für eine verschonte Stadt sollen großzügig sein, damit sich die Entwicklung auf Jahrzehnte in gesunder Richtung vollziehen kann. Aber trotzdem dürfen nicht etwa historisch wertvolle Baudenkmäler leichtfertig beseitigt werden, denn sie bestimmten das kulturelle Gesicht der Stadt und sind oft Zeugen einer gro
ßen Vergangenheit. Es wird Sache verantwortungsvoller Prüfung sein, zu bestimmen, was auch für die neue Stadt noch wichtig sein kann.
Die gewaltigen Aufgaben des Wiederaufbaus zerstörter und die Lenkung der Entwicklung verschonter Städte wird nur möglich sein, wenn die Fachwelt und die öffentliche Verwaltung harmonisch zusammenarbeiten und auch jeder einzelne seinen Beitrag dazu leistet. Es werden einschneidende gesetzgeberische und wirtschaftliche Maßnahmen getroffen werden müssen, zu denen vor allen Dingen das Verfügungsrecht über Grund und Boden einer Stadt gehört. Städtebau ist nur dann praktisch möglich, wenn, wie es schon im Mittelalter und früher der Fall war, die einzelnen privaten Grundparzellen zu größeren Komplexen zusammengelegt werden können, über die die Gemeinschaft der Bürger entscheidet.
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KALENDER
Im Mai, da blüht der Flieder,
Schön violett und rot und weiß,
Der Storch kum längst schon wieder, Und auch die Blume Ehrenpreis.
Nun schüttelt sein Gesieder Der ungetreue Kuckuc schon,
Der Wald singt grüne Lieder.
Wie trunken eilt der Bach davon.
Nun gilt"s zu stehn und warten:
Der Juli kommt, bunt wie ein Pjan, August dehnt sich im Garten Wie eine nackte, seife Frau.
September und Oktober,
Die haben Runzeln im Gesicht:
Du, Dichter, bist ein Lober,
Und lobst sie dennoch im Gedicht!
Dann kommt der weiße Winter,
Mit Eis und Schnee, #ie", immer war Und eein wird, und dabinter Blickt tröstlich bei der Tebruar
Von Georg Britting
Dann wieder März, und wieder Schon kommt der schöne Mai,
Und wieder blübt der Flieder,
Und wieder tönt der Kuchucksschrei.
Der Storch sei nicht vergessen:
Im frühen Tag, beim Abendgold
Hat er sich unterdessen
Die Natter aus dem Sumpf geholt.
Der Regen fiel. Gewitter Erbauten sich die Purpurwand.
Es donnerte Und bitter
Wie Schlaf und Mohn roch rings das Land.
Bei Nacht saben die Sterne,
Die Venus, vol, der upiter,
Neugienig am der Ferne Auf unseren Kalender ber.
Und der hat nie ein Ende.
Du stirbst. Es wird ein Kind gebor"n.
Und binter jeder Wende Beginnt das alte jahr von vorn.