Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:7

- S.33

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Donnerstag, 19. Juli 1945
Tiroler Tageszeitung
Nr. 24 Seite 3
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Der Befehlshaber der französischen Besatzungstruppen in Österreich Divisionsgeneral de Hesdin hat bereits eine erfolgreiche militärische Laufbahn zurückgelegt. Geboren am 30. September 1890 in Chailly im Departement Seine et Marne, wurde er im Jahre 1914 als Unterleutnant aus der Kriegsschule in Saint Cyr ausgemustert. Am Ende des Krieges von 1914/18, dessen hauptsächlichste Schlachten er mitgemacht hatte und in deren Verlauf er zweimal verwundet und wiederholt ausgezeichnet wurde, finden wir ihn im Generalstab und als Inhaber des Ritterkreuzes der Ehrenlegion. In den Jahren 1919/20 verrichtete er Generalstabsdienste in Griechenland, Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Wir finden ihn später in der Levante, in Syrien und Zilizien. Als Generalstabschef der Streitkräfte im Taurus und im Amanus erwarb er sich neue
Auszeichnungen. Im Jahre 1922 erlangte er seine übersetzung zur Artillerie. Im Jahre 1937 wurde er nach leistung neuer Dienste im Generalstab zum Oberstleutnant und zum Stabschef des Militärgouverneurs von Paris ernannt. Beim Ausbruch des Krieges im Jahre 1939 wurde ihm ein hoher Posten im Generalstab der 1. Heeresgruppe anvertraut. 1940 erfolgte seine Beförderung zum Obersten. Wegen einer hervorragenden Waffentat wurde er im Armeebefehl genannt. Im Juli 1940 finden wir ihn als Generalstabschef des Generalinspektors des 9. und 12. Militärbereichs. Im
Der Gouverneur für die von Frankreich besetzte Zone Österreichs ist, wie wir bereits berichtet haben, Exzellenz Pierre Voizard. Es ist eine besondere Auszeichnung für Österreich, daß dieser hervorragende Fachmann auf den so verantwortungsvollen und einflußreichen Posten berufen worden ist. Exzellenz Voizard wurde im Jahre 1896.in Metz geboren. Seine Laufbahn führte ihn sehr rasch zu hohen Stellen. Den größten Teil seiner Dienstzeit verbrachte er im Mutterland und in den nordafrikanischen Kolonien Frankreichs. Während der letzten Jahre vor dem Kriege war er Präfekt der Departements Aude und Seine et Marne. Eine Zeitlang bekleidete er auch das Amt eines Generalsekretärs des Protektorates von Französisch=Marokko. Exzellenz Voizard hat sich auch als Soldat bewährt. Schon als Siebzehnjähriger diente er unter den
Waffen. Gleich am Beginne des Weltkrieges von 1914 finden wir ihn bei der Infanterie und bei den Fliegern. Wiederholt wurde er ausgezeichnet und ebenso wurde er mehrmals schwer verwundet.
Im Kriege von 1939 trat er neuerdings als Freiwilliger ins Heer ein. Er diente bei der motorisierten Kavallerie. Auch diesmal zeichnete er sich in hervorragender Weise aus. Bevor er seine nunmehrige hohe Stelle in österreich antrat, war Exzellenz Voizard Kabinettschef des Generals Juin, Stabschef der Landesverteidigung.
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Mai 1941 wurde er über sein Verlangen nach Tlemcen entsandt, wo er das Kommando des 68. Artillerieregiments übernahm. Im November 1942 wurde er zum Befehlshaber der gesamten Artillerie von Tunis ernannt. Der Feldzug in Tunis 1942 sieht ihn als Brigadier. Im März 1943 übernahm er ein höheres Kommando in der Artillerie. Im Januar 1944 wurde er nach Italien berufen, um an die Spitze des Generalstabes der Armee des Generals de Lattre de Tassigny zu treten. Im Juni des gleichen Jahres wird er Vizegouverneur in Rom. Im August 1944 wird er zum Chef der französischen Militärmission der 7. amerikanischen Armee ernannt. In dieser Eigenschaft beteiligt er sich an den Landungsoperationen in Südfrankreich. Am 15. Dezember 1944 tritt er an die Spitze der 4. marokkanischen Division. Als Divisionär nimmt er an den Kämpfen
im Elsaß, im Dezember
1944 und Jänner 1945 hervorragenden Anteil. Am 29. Jänner 1945 wurde er durch eine Gewehrkugel verwundet. Am 10. Februar
1945 erfolgte seine Ernennung zum Divisions
general und am 11. Februar zum Kommandeur des Ordens der Ehrenlegion. Nachdem er im April 1945 an der Spitze seiner Division an den Kämpfen in Deutschland und Österreich teilgenommen hatte, wurde er zum
Truppenkommandanten von Vorarlberg erhoben. Seit dem 10. Juli ist der hervorragende Offizier in der gleichen Eigenschaft über alle französischen Truppen in österreich gesetzt worden.
als Schauplatz großer Geschichte
Bürgermeister Dr. Melzer führte in einer Ansprache an General Bethouart aus:
„Diese Stadt, in der Sie heute Ihren Einzug halten, ist mit der Geschichte der letzten sieben Jahre und somit mit der Weltgeschichte in besonderer Weise verbunden. Auf dem Boden dieser Stadt machte das ehemalige österreich seine letzte Anstrengung im Kampfe gegen HitlerDeutschland; auf dem Boden dieser Stadt wurde die Proklamation vom 9. März 1938 erlassen, in der das österreichische Volk zur Volksabstimmung gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde. Um diese
olksabstimmung zu verhindern, die hier in Innsbruck verkündet worden war, marschierte Hitler zwei Tage später in österreich ein und trat es zu Boden.
Auf dem Boden dieser Stadt wurde das letzte Kapitel des Dramas Österreich geschrieben und das erste Kapitel eines neuen Dramas, des Dramas Europa, begonnen. Das kleine und schwache Österreich wurde überwältigt, wie die 300 Spartaner vor den Thermopylen überwältigt worden sind. Aber wie diese Spartaner von der Weltgeschichte nicht vergessen wurden, so ist auch der Fall Österreich vor dem Weltgewissen nicht unbemerkt geblieben. Von diesem Augenblicke an, wie von einem Blitzstrahl durchzuckt, begannen sich die Widerstandskräfte des ganzen Erdballs zu sammeln und zu mobilisieren zum Kampfe gegen Tyrannei und Vergewaltigung. Es war ein unendlich weiter und furchtbarer Weg von der Innsbrucker Proklamation de österreichischen Volksabstimmung bis zum heutigen Tage, an dem Sie als Vertreter Frankreichs
in Innsbruck einziehen. Ich glaube daher sagen zu dürfen, daß der Boden Innsbrucks ein historischer Boden ist und daß der Tag, an dem Sie hier Ihren Einzug halten, als historischer Tag in die Geschichte unseres Landes eingehen wird.
Sie ziehen, Herr General, als Vertreter der Alliierten Mächte ein, welche uns die
Freiheit versprochen haben. Sie bringen uns die Freiheit der Gesinnung, die Freiheit des Wortes, die Freiheit vor Furcht und auch — ich bitte Sie darum — die Freiheit von Not.
Ich weiß, es wird ein steiler und beschwerlicher Weg sein, der uns dorthin führt, wohin wir streben. Aber wir Tiroler sind ein Volk mitten in den Bergen und sind steile und beschwerliche Wege gewohnt.
Wenn Sie den Blick rings um unsere Stadt werfen, sehen Sie überall Berge und Gletscher und viele davon sind so hoch, daß ihre Gipfel in die Wolken ragen. Nehmen Sie dies als Symbol für unser Herz und unsere Seele. Gerade bei den Besten von uns ist die Stirne, das Herz und die Seele von Wolken umhüllt vor Kummer und Schmerz über all das, was seit dem Verlust unserer Freiheit über uns gekommen ist, und wie die Sturzbäche unserer Gletscher fließen noch immer die Tränen, die niemand trocknen konnte.
Mein Heimatland Tirol und meine Vaterstadt Innsbruck sind noch nicht so, wie sie einmal waren und wie sie sein sollten.
Ich bin überzeugt, daß Sie meine Gefühle begreifen werden, denn auch in Ihrem Vaterlande Frankreich ist kein Strom so groß wie der Strom der Tränen, welche die Kinder und Söhne, die Frauen und Mütter Frankreichs vergießen.
Daß Sie trotz der Sorgen, die in Ihrem eigenen Vaterlande noch herrschen, zu uns gekommen sind, um uns zu helfen, verpflichtet uns zu besonderem Dank und ich bin überzeugt, daß wir mit Ihrer Hilfe und durch unsere Arbeit das wieder erreichen werden, was wir alle ersehnen und erstreben: eine freundliche, gastfreie Stadt Innsbruck, die wie ein Edelstein zwischen den Bergen eingebettet liegt, ein glückliches Land Tirol und ein freies, glückliches, selbständiges Österreich!“
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Konferenz der bayrischen Bischöfe
München, 17. Juli. Unter Vorsitz Kardinal Faulhabers fand in Eichstätt eine Konferenz der bayrischen Bischöfe statt. Die Veröffentlichung eines Hirtenbriefes ist zu erwarten.
Ein Abgesandter aus Wien in
London, 18. Juli. Die provisorische Regierung österreichs in Wien sandte den sozialdemokratischen Rechtsanwalt Dr. Lamberth, der sich während des Krieges in Frankreich als einer der Leiter der Untergrundbewegung aufgehalten hatte, als ihren Vertreter nach Westeuropa. Dr. Lamberth erklärte in einer Pressekonferenz in Paris, daß man sich innerhalb der russischen Besetzungszone ganz frei bewegen kann. Die Zivilverwaltung liege in österreichischen Händen. Politische Vereinigungen seien erlaubt und es gebe drei Parteien: Kommunisten, Sozialdemokraten und Christlichsoziale. Theater und Kinos seien zugelassen und spielen vor ausverkauften Häusern. Die Russen stehen auf dem Standpunkt, daß das Privateigentum in Österreich ihnen als Kriegsbeute zugefallen sei. Sie haben in großem Umfang Fabrikseinrichtungen
abtransportiert. Die Lebensmittellage sei eine Zeitlang sehr schlecht gewesen. Durch Maßnahmen der Russen sei sie gebessert worden. Freilich entspreche der gegenwärtige Stand noch nicht dem zur Erhaltung der Volksgesundheit notwendigen Standard. Es bestehe die Gefahr einer Typhusepidemie.
Präsident Truman Vorsitzender der Dreierkonferenz
Berlin, 17. Juli. In der Mitteilung über die Eröffnung der Konferenz TrumanChurchill=Stalin heißt es, daß der Präsident der Vereinigten Staaten von den beiden anderen Regierungschefs aufgefordert wurde, den Vorsitz in den Sitzungen der Konferenz zu führen. Es fand ein vorläufiger Meinungsaustausch über jene Fragen statt, die eine Entscheidung der Oberhäupter der drei Regierungen erfordert.
Die Begrüßung Vorarlbergs
Landeshauptmann Ilg von Vorarlberg sprach folgende Begrüßungsworte:
„Im Namen der Landesregierung und des Volkes von Vorarlberg entbiete ich Ihnen meinen Gruß als dem Chef der Militärregierung. Man sagt von uns Vorarlbergern, wir seien Leute mit kaltem Kopf und ruhigem Blut, aber eingefleischte Demokraten und Föderalisten. Auf Grund der letzteren überzeugung hat das Volk von Vorarlberg die Wiederherstellung der von den Nazi geraubten Freiheit heiß ersehnt. Wir werden niemals den Dank vergessen, den wir der großen Armee Frankreichs für unsere Befreiung schulden.
Das Vertrauen der franzosischen Militärregierung hat uns zu verantwortlichen Funktionären der Zivilverwaltung gemacht. Wir folgten diesem Rufe in der überzeugung, daß wir alle unsere Kräfte für den Wiederaufbau unseres geliebten Vaterlandes anstrengen müssen. Wir leisteten diesem Rufe Folge, weil wir die überzeugung hegen, daß eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Militärregierung uns die Schwierigkeiten überwinden hilft, die sich auf dem Wege zur Wiederherstellung österreichs erheben. Bis zu diesem Tage haben wir uns bemüht, das Vertrauen, das
Besinnung auf das wahre Österreichertum
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Namens der österreichischen demokratischen Freiheitsbewegung erklärte Major Molling in seiner Ansprache:
„In Ihnen grüßen wir Frankreich, die große Nation, die uns bereits in den schweren Jahren nach dem ersten Weltkrieg in besonderer Weise Hilfe und Freundschaft entgegenbrachte. In Ihnen grüßen wir den französischen Freiheitshelden de Gaulle, der sein Vaterland aus tiefster Erniedrigung wieder zur Größe einer Weltmacht führte. In Ihnen, Herr General, sehen wir nicht nur den Hochstkommandierenden der französischen Besatzungstruppen in Österreich, sondern vor allem auch den großen Patrioten, der in den Reihen der französischen Widerstandsbewegung als führender Mann entscheidend zum Wiederaufstieg seines Vaterlandes beitrug. Aus diesem Grunde bringt Ihnen die österreichische Widerstandsbewegung ein großes Vertrauen entgegen. Wir sind fest davon überzeugt, daß Sie die Bedeutung unserer Leistungen und Opfer für
die Wiedergeburt unseres Vaterlandes würdigen und uns auf unserem weiteren Wege unterstützen. Unsere Aufgaben sind noch nicht beendet. Wir yaben gegen den Nazismus für ein demokrahisches österreich gekämpft. Die Macht des
Nazismus ist gebrochen. Für eine gesunde Entfaltung des demokratischen Lebens in unserem Vaterlande ist jedoch die Besinnung jedes einzelnen auf Wert und Wesen wahren Österreicher tums erste und unerläßliche Voraussetzung. Diese Besinnung wollen wir in allen Herzen verankern. Das österreichische Bewußtsein muß in jedem so stark werden, daß vor ihm alle Sonderinteressen zurücktreten. Damit ist auch gleichzeitig die Grundlage für eine energische, alle Schichten des Volkes erfassende Aufbauarbeit gegeben. Um jede Sabotierung dieser Ziele auszuschalten, sind wir fest entschlossen, die bereits eingeleitete Säuberung aller Gebiete des öffentlichen und privaten Lebens von vaterlandsverräterischen Elementen konsequent zu Ende zu führen. Jedem Österreicher aber, der sich rückhaltlos zu seinem Vaterlande bekennt, wird
ein Leben nach den vier Freiheiten der Atlantik=Charta gewährleistet sein. Die Österreichische Widerstandsbewegung, die sich von nun an gemäß ihren Zielen österreichische Demokratische Freiheitsbewegung nennt, ist der Garant dafür, daß diese Freiheiten niemals mehr mißbraucht werden können in unserem Vaterlande Österreich.“
man auf uns setzte, zu rechtfertigen. Wir hoffen, daß es uns wenigstens zum Teile gelungen ist, die gewaltigen Schwierigkeiten, die sich sowohl in der Verwaltung wie in der Wirtschaft ergaben, aus dem Wege zu räumen. Der Beginn dieser neuen Epoche österreichs ist mit dem Namen und der Ehre Frankreichs aufs engste verbunden. Wir setzen alles daran, um die gegenseitigen Sympathien zu vertiefen. Wir wissen, daß Frankreichs Möglichkeiten, uns materielle Hilfe zu leisten, derzeit beschränkt sind, da es selber leidet.
Das Wesen des Erfolges hängt vor allem von der guten Zusammenarbeit zwischen der Militärregierung und der Zivilverwaltung ab.
Wir versichern Sie, daß wir diese Mitarbeit nicht nur entgegennehmen, sondern auch geben wollen. Diese Gesinnung gewährt uns die Hoffnung, daß wir bald größere Freiheiten erlangen werden, um als Österreicher zu der wirtschaftlichen und kulturellen Erneuerung Europas beizutragen. Vorarlberg ist wohl das kleinste Bundesland österreichs aber durchaus nicht das letzte, wenn es sich um die Erfüllung von Pflichten handelt.“
Ein Brief König Leopolds an das belgische Volk
Brüssel, 17. Juli. Im Rundfunk wurde heute ein Brief Konig Leopolds an das belgische Volk verlesen. Der König schreibt:
„Nachdem meine durch die lange Gefangenschaft schwer geschädigte Gesundheit hinreichend wieder hergestellt war, teilte mein Bruder den belgischen Ministern meine Absicht mit, die mir verfassungsmäßig zustehenden Rechtewieder auszuuben. Ich erklärte der Regierung, daß es mein Wunsch sei, noch vor meiner Rückkehr nach Belgien ein Kabinett zu bilden. Ich beriet mich deshalb mit den Präsidenten des Abgeordnetenhauses und des Senats, denen ich meinen Wunsch zum Ausdruck gebracht hatte, das enge Einvernehmen mit dem Parlament wieder herzustellen. Aus meinen Verhandlungen mit Mitgliedern der Regierung und Vertretern aller Parteien gewann ich die überzeugung, daß es derzeit unmöglich sei, eine Regierungzubilden, die der parlamentarischen Mehrheit entspricht. In der Krise, die unser Land gegenwärtig zu
bestehen hat, habe ich beschlossen, mich streng an die Grundsätze unserer Verfassungsgesetze und =einrichtungen zu halten. Die Verfassung sieht vor, daß alle Macht vom Volke ausgeht und verlangt, daß das Parlament alle vier Jahre neu gewählt werde. Die ungleichmäßige Verteilung der Gewalt zwischen Parlament und Volk, die durch die augenblicklichen Umstände verursacht ist, gibt mir derzeit keine Möglichkeit der Feststellung, welches der Wunsch des Volkes ist. Ich werde daher mit meiner endgültigen Entscheidung solange zuwarten, bis ordnungsgemäße Wahlen die Zusammen
setzung der Kammern der politischen Einstellung der Staatsbürger, die von den Kammern vertreten werden, angeglichen haben. Ich bin entschlossen, mich dem Willen der Nation zu beugen, der durch unsere verfassungsmäßigen Einrichtungen zum Ausdruck gebracht wird, doch kann mich nur der Wille der Nation veranlassen, die hohe Verantwortung als König der Belgier, mit der mich die Nation betraut hat, zurückzulegen. Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, daß ich mich dieser Verantwortung würdig gezeigt habe und immer nur Sorge um mein Volk im Auge hatte, dessen Schicksal ich, wie ich behaupten darf, in guten und schlechten Tagen geteilt habe. Ich hatte gehofft, eines Tages in der glücklichen Lage zu sein, in einem von den heldenhaften Männern der Widerstandsbewegung und den ruhmreichen. Armeen unserer großen
Alliierten befreiten Belgien selbst wieder die Freiheit genießen zu dürfen. Doch das Schickfal hat es anders gewollt. Um des Friedens willen verzichte ich auf meine Absicht, in mein Land zurückzukehren, bevor die Nation ihre Meinung kundgetan hat. Ich danke allen jenen, die mir ihr Vertrauen schenkten und meine Rückkehr abwarten wollen, um sich meinen Entscheidungen zu fügen und die sich inzwischen im höchsten Interesse des Landes und der Dynastie um den Regenten scharen. Ich neige mich im Geiste vor allen unseren Landsleuten, die ihr Leben für unser Land gegeben haben. Ihr Mut und Opfersinn wird dazu beitragen, die gerade jetzt so notwendige Einigkeit aller Belgier noch fester zu schmieden.“
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