Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:12

- S.111

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stummer 160 / 1. Jahrgang
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Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „T. T.“ Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4. Telephon Nr. 39 41. — Druck: Tyrolio, ebendort.
Montag, 31 Jezember 1945
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Jahresende im Jahre der Wende
Von Chefredakteur Dr. Klots
1945! Ein unvergeßlicher Begriff für die Zeitgenossen. Ein Merkjahr für alle künftigen Geschlechter. Das Ende einer Ars des blutigsten Schreckens. Der Beginn von Entwicklungen, die zu neuer Hoffnung berechtigen. Abschluß des größten Krieges aller Zeiten und, wie alle sehnen, Anfang eines Friedenszustandes, dem eine lange Dauer beschieden sein möge. Höllensturz des Menschenhasses und Triumph der Meuschenwürde und der Menschenrechte.
Alle diese tiefwirkenden Entscheidungen sind nicht plötzlich vom Himmel gefallen. Sie reiften allmählich, aber sicher heran. Man brauchte auch im Jahre 1939 nur einen Blick auf die Karte zu werfen, um zu wissen, daß Hitler wohl blitzartige Siege über einzelne Länder, niemals aber einen Endsieg gegen die ganze Welt erringen konnte. War es unschwer, schon im Jahre 1933 vorauszusagen, daß ein Regime der Unehrlichkeit und Gewalttätigkeit Deutschland in den Abgrund einer Katastrophe reißen mußte? Haben erleuchtete Geister, als Bismarck vor mehr als einem halben Jahrhundert „Blut und Eisen“ als das Gesetz der internationalen Regeln erklärte, nicht ihre warnende Stimme erhoben? Mit dem schmählichen Untergang des Dritten Reiches hat die geschichtliche
Gerechtigkeit ihren Tribut gefordert und zugleich die Menschheit vor die Frage gestellt, wie sie ähnliches Unheil in Zukunft verhindern will.
Noch während der Krieges haben die Mächte, welche Hitler überwanden, darauf geantwortet. Die Atlantic-Charta Roosevelts und Churchills vom Jahre 1941 war eine erste Botschaft wenn auch nicht neuer Ideen, so doch des ernsten Willens, den Frieden durch das Recht zu sichern und durch die Macht zu stützen. Der Weltsicherheitsvertrag von San Franzisko im Juli dieses Jahres hat die Grundlagen einer weltmächtigen Organisation geschaffen, die dieses Ziel verwirklichen soll. Verwirklichen vor allem durch den seelischen und materiellen Ausgleich der Gegensätze im Inneren der einzelnen Staaten. Hier stoßen wir auf einen neuen Gedanken, der wohl geeignet wäre, das Weltbild günstig umzuformen. Diese Menschenbruderschaft, die trotz der Eigenart, die jedem ihrer
Clieder zukommt, sich freundlich versteht und hilfreich begegnet, würde die Greuel, die uns erschüttert haben, weit von sich bannen. Ein schöner Ausblick fürwahr, der die müde und abgespannte Menschheit mit neuem Hoffnungsmut beleben kann.
Sie braucht diese Stärkung um so mehr, als gerade in dem Augenblick, de die Grundzüge der neuen großen Friedensorganisation entwickelt waren, der blitzende Tod der Atombombe als die furchtbarste Drohung über die bangende Welt heraufzog. Der Gebrauch der Atombombe hat den ! Krieg gegen Japan zwar nicht entschieden — die Entscheidung gegen Japan war schon längst gefallen —, wohl aber abgekürzt. Diese fürchterliche Waffe wurde eingesetzt, um dem Schrecken ohne Ende ein rasches Ende mit Schrecken zu bereiten. Was würde jedoch geschehen, wenn irgend eine angriffslustige Macht sich mit diesen neuen, den verborgensten Geheimnissen der Natur abgerungenen Kräften gegen friedliebende Völker wendet? Gibt es noch eine Sicherheit gegen die
unermeßlichen Gefahren, die sich nicht mehr in den verschlossenen Bureaus der Generalstäbe, sondern in den unheimlich schweigsamen Laborstorien der Gelehrten und Techniker vorbereiten?
Solange die Atombombe als erster Punkt auf der Tagesordnung der internationalen Gespräche sich befindet, werden die Angelegenheiten, die wir unter dem Begriff der Friedensverträge im engeren Sinne verstehen, nicht so recht in Fluß kommen. Das unmittelbare Ziel, das die alliierten Mächte zusammenführte, war die Abwehr der Bedrohung. Diese Zweckkoalition muß sich nach dem errungenen Siege über ihre Interessen, über deren Widerstreit auch während der Kampfhandlungen kein Zweifel bestand, auseinandersetzen. Interessen sind ein schwierigerer Fall als Grundsätze. Uber die letzteren kann man sich mit Hilfe schöner Formeln verständigen. Die Abgrenzung von Einflußsphären politischer Geltung und wirtschaftlicher Macht erfordert Klarheit. Es geht darum, die
Reichtümer einer ganzen Welt zu verteilen. Ein schwieriges Geschäft, das Umsicht, Voraussicht und nicht wenig Mut erfordert. Die Konferenz der Außenminister in Moskau kann Glockentöne in Schwingungen bringen, welche ein besseres Jahr verkünden. Diejenigen, auf deren Schultern heute die Verantwortung für die Gestaltung der Welt lastet, wünschen einen Ausgleich herbeizuführen. Wo gibt es einen Handel ohne Kniffe und Winkelzüge? Wer das bedenkt, wird sich davor hüten, gereizte Außerungen und drohende Gebärden als Vorzeichen eines neuen Konfliktes zu deuten. Niemand wünscht einen Zusammenstoß. Ein Zusammenprallen von Meinungsverschiedenheiten und Interessengegensätzen ist — zum guten Glück — noch lange kein Weltuntergang mit Hilfe von —
Atombomben.
Wenn wir während der letzten sieben Jahre zum Neujahrshimmel aufblickten, sahen wir ihn dicht mit düsteren Wolken verhängt. Diesmal zeigen sich an ihm die ersehnten blauen Flecken, die uns ankündigen, daß doch auch über dieser zerrütteten und verwüsteten Welt die Sonne aufgehen könnte. Nicht frei von großen Sorgen, aber doch auch beschenkt mit Hoffnungen, entläßt uns das alte Jahr. Möge das Glück es fügen, daß alles Gute weiter reift und gedeiht, das bereits ausgesät ist! Der hehre Walter über alles Menschenschicksal möge alles echte und reine Bemühen segnen, das zum Frieden führt! Seine Hand, die uns durch die Stürme geleitete, wolle uns über die Schwelle des neuen Jahres führen!
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