Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:12

- S.109

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Samstag, 29. Dezember 1945
Tiroler Tageszeilung
Nr. 159 Seite 3
Fettabgabe
Weitere 100 Gramm Fett werden in der vierten Woche der 8. Zuteilungsperiode auf folgende Abschnitte zu je 50 Gramm abgegeben: Normalverbraucher aller Altersstufen Abschnitt 39 und 40, Fettkarte für landwirtschaftliche Selbstversorger Abschnitt 439 und 440.
Ankunft eines Sanitätszuges aus Lienz „ in Innsbruck
Am 28. Dezember um 16 Uhr kam auf dem Hauptbahnhof in Innsbruck ein Sanitätszug aus Lienz an, der Verwundete aus der britischen Besatzungszone in die französische und amerikanische Zone Österreichs brachte. In Innsbruck wurden 59 Verwundete ausgeladen, die in der französischen Besätzungszone beheimatet sind und deren Entlassung dank des besonderen Entgegenkommens der französischen Besatzungsbehörden zum Teil noch im Zuge durchgeführt werden konnte. Außerdem wurden 147 deutsche Soldaten aus der französischen Besatzungszone Deutschlands nach Innsbruck überführt, um von hier aus bald den Weg in ihre Heimat anzutreten. Die restliche Belegschaft des Zuges von 187 Verwundeten setzte ihre Reise in die amerikanische Zone fort.
Wie Dr. Zibell, der Leiter des Transports und alter Lazarettzugfahrer, versichert, sind die Verwundeten soweit wiederhergestellt, daß sie sich in häusliche Pflege begeben können. Sobald aus den Lazaretten der britischen Zone wieder eine genügende Anzahl von Verwundeten entlassen werden kann, ist mit einem weiteren Eintreffen solcher Transporte zu rechnen.) L. Ulbrich.
Kommerzialrat Anton Fröhlich
75 Jahre alt
Am kommenden Silvestertag vollendet ein Mann sein 75. Lebensjahr, der zu den bekanntesten Persönlichkeiten unserer Landeshauptstadt zählt, Kommerzialrat Anton Fröhlich. Am 31. Dezember 1870 in Hötting als Sprosse einer alten einheimischen Gärtnerfamilie geboren; die seit mehr als 100 Jahren ihren eigenen Gärtnereibetrieb führt, erhielt Anton Fröhlich im In= und Ausland eine gründliche berufliche Ausbildung, die ihn befähigte, seine Gärtnerei zu einem fühunden Großbetrieb auszugestalten. Fachliche
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Tüchtigkeit und unermüdliche Schaffenskraft erwarben Fröhlich das Vertrauen seiner Kollegen im besonderen Maße; viele Jahre leitete er als Obmann die Gärtner=Genossenschaft Tirols und stand auch längere Zeit als Präsident an der Spitze des Tiroler Gewerbebundes. Neben seiner erfolgreichen Berufsarbeit wirkte Kommerzialrat Fröhlich aber auch mit besonderem Eifer als begeisterter Patriot und Hüter der Tradition leitend im Tiroler Landes=Krieger= und Schützenbund, der ihm in Anerkennung seiner Verdienste die Würde eines Ehrenpräsidenten verlieh. Schon im ersten Weltkrieg nahm sich Fröhlich besonders der Invaliden= und Verwundetenfürsorge an und erhielt hiefür verschiedene hohe Auszeichnungen, darunter das goldene Verdienstkreuz mit der Krone, das
Ehrenzeichen des Roten und des Schwarzen Kreuzes und den päpstlichen Orden „Pro ecclesia et Pontifice“. Bei dem schweren Bombenangriff auf Innsbruck=Wilten am 20. Oktober 1944 wurde die Gärtnerei Fröhlich vollkommen, zerstört; dessenungeachtet ist der Jubilar, der seinen Ehrentag in seltener körperlicher und geistiger Frische im Kreise seiner Kinder und Enkel verlebt, gewillt, in ungebeugter Schaffenskraft seinen Betrieb wieder neu aufzubauen.
Kinderbescherung und E"rif baumfeier im Gasthof „Templ“
Es wird uns berichtet: Am Sonntag, den 30., und Montag, den 31. Dezember, findet im Gasthof „Templ“ eine Kinderbescherung statt. Die Einladungen sind bereits an die zu beschenkenden Kinder ergangen. Es kommen über 500 Kinder zum Zuge, die aus den Reihen der Bedürftigsten genommen wurden, also in erster Linie Bombengeschädigte, Flüchtlinge, Waisen, oder deren Vater noch in Gefangenschaft schmachtet, dann der Reihe nach, nach Ermessen der Amter und der Erhebungen der Sammler. Die Parteirichtung der Eltern spielt dabei keine Rolle, obwohl die Bescherung im Rahmen der ÖVP., Ortsparteileitung WiltenOst=West, durchgeführt wird. Es ist außer einem gemütlichen Programm auch für den Magen der Kinder vorbereitet. Dank der edlen Spenderschar
und dem Opfermut der Sammler ist ein schönes Ergebnis für den Nachmittag. (13.30 Uhr) zu erwarten. Wegen Platzmangel kann jedoch nur eein Elternteil mitkommen. Eßbesteck wird gebeten den Kindern mitzugeben. Der Gabentisch kann am Sonntag ab 11 Uhr vormittags von den Spendern und Interessenten ohne Kinder besichtigt werden.
Weihnachtsfeier im Imster Rathause
Man berichtet uns: Der Nachmittag des 22. Dezember versammelte im traulichen Imster Rathaussaale den Herrn Bürgermeister Josef Egger mit seinen Amts= und Betriebsmitarbeitern zu einer recht schönen und gemütvollen Weihnachtsfeier. Sie wurde verschönt durch eine herzliche Ansprache mit dem Danke des Bürgermeisters an seine Mitarbeiter, einer ebensolchen durch einen Vertreter der letzteren, durch angenehmes Zitherspiel, wobei besonders der kleine neunjährige Hansi Schöpf bewundernswertes leistete und nicht zuletzt durch die überraschende Bescherung und gediegene Bewirtung, zu der u. a. auch die hiesige Militärregierung durch eine schöne Geste beigetragen hatte. Wohltuend wirkte bei der heurigen Veranstaltung auch, daß am Kopfe der Tafel ein
schönes Kruzifix angebracht
Arztlicher Sonntagsdienst am 30. Dezember (von Samstag 12 Uhr mittags bis Montag 8 Uhr früh): Dr. Luis Brenn, Kochstraße 4, Tel. 32 15; Dr. Hubert Walnöfer. Hötting, Riedgasse 22.
Arztlicher Feiertagsdienst am 1. Jänner (von Dienstag 8 Uhr früh bis Mittwoch 8 Uhr früh): Dr. Sigmund Spiegelfeld, Ing.=Etzel=Straße 43, Tel. 45 33; Dr. Irmgard Seeger, Maria=Theresien=Straße 1, Tel. 42 78, Wohnung Tel. 7 1471.
Apotheken=Sonntags= und Nachtdienst. Dreifaltigkeitsapotheke, Pradler Straße 51, MariahilfApotheke, Innstraße 5, und St.=Anna=Apotheke. Maria=Theresien=Straße (nur Tagesdienst).
Trauung. Bregenz, 28. Dez. Am Donnerstag, 27. Dez., fand in der Stadtpfarrkirche von Feldkirch die feierliche Trauung des Bezirkskommandeurs von Feldkirch, Monneron, mit Fräulein Claude de Gasquet in Anwesenheit von General Dumas sowie sämtlicher Spitzen der französischen Besatzungsbehörden von Vorarlberg statt. Auch die zivilen Behörden des Landes Vorarlberg mit Landeshauptmann Ilg an der Spitze waren bei der Feier zugegen. Der oberste Feldgeistliche der französischen, Besatzungstruppen in Österreich, Leelerg vollzog die Trauung, während Bischof Tschann von Feldkirch die Brautmesse las.
Tote
Fabriksdirektor Ebenhöch
Ende November starb in einer Heilanstalt bei Wien, wie uns berichtet wird, der frühere Direktor der Continentalen, Elektrochemische Werke Landeck i. T., Dipl.=Ing. Rudolf Ebenhöch im 59. Lebensjahre. Nach dem überfall auf Öster entging er wegen einer Venenentzündung kurze Zeit der Verhaftung. Halbwegs hergestellt, wurde er in das Landecker Gefängnis gesteckt und dann von der Gestapo nach Innsbruck verschleppt Dort machten sich die ersten Anzeichen seelischer Störungen bemerkbar, die in den qualvollen Monaten
einer langen Haft sich zur fast völligen Umnachtung steigerten. In den letzten Monaten besserte sich der Zustand, doch das geschwächte Herz versagte. So wurde auch er ein Opfer des Naziterrors. Die Dienstwohnung wurde der Familie Ebenhöch genommen und sie zog auf ein kleines Landgütl in der Steiermark.
Ebenhöch war ein treuer Österreicher, Obmann des Christlich=Deutschen Turnvereines Landeck, ein vorbildlicher Katholik und ein sehr tüchtiger Fachmann. Für die Arbeiterschaft sorgte er nach Möglichkeit und es ging ihr besser als später unter der Naziherrschaft, da das Werk von dem deutschen Riesenkonzern J. G. Farben übernommen wurde. Zum Sterbegottesdienst in Landeck fanden sich die treuen Freunde und Bekannten ein, die dem Toten lange ein ehrendes Gedenken bewahren werden. Der so schwer betroffenen Familie wendet sich herzliche Teilnahme zu.
In Innsbruck starben: Elisabeth Huber, geb. Faes, Gattin eines Bündesbahnpensionisten, 59 Jahre alt; Rosa Maria Engl, geb. Zuchristian, Gattin des ehem. Direktors der Stubaitalbahn, 68 Jahre alt; Franz Xaver Klotz, Angestellter, 64 Jahre alt; Wilhelmine Kohlegger, geb. Hutter, Selchwarenfabrikantenswitwe, 81 Jahre alt: Johann Mair, Bauer aus Steinach, 43 Jahre alt; Raimund Eller, Landwirtssohn aus Schmirn, 16 Jahre alt; Anna Senft, geb. Putz, Kaufmannsgattin, 51 Jahre alt; Augustin Payr, Hilfsarbeiter, 72 Jahre alt; Maria Ladner, geb. Klimmer, Bundesbahngrbeitersgattin, 35 J. alt; Elise Seeber, geb. Eder, Obersägersgattin aus Zell a. Z., 49 Jahre alt; Gertrude Evers, Private, 80 Jahre alt; Antonia Gundolf, geb. Angerer, Gutsbesitzerin aus Mühlau, 84 Jahre alt; Anna
Kuprian, geb. Haselwanter, Hilfsämterdirektorswitwe, 77 Jahre alt: Josef Kuen, Bauernsohn aus Hötting, 15 Jahre alt; Emma Hofer, geb. Wolf, Witwe, 71 Jahre alt.
In Solbad Hall verschied der Südtiroler Umsiedler Alois Amplatz im 67. Lebensjahre. Er stammte aus Truden bei Neumarkt und war auch in der Bozner Gegend bekannt als Fachmann in der Obst= und Weinkultur. Sein sehnlichster Wunsch war immer, seine Heimat wiederzusehen, doch leider ging dieser Wunsch nicht mehr in Erfüllung.
KIRCHLTCHES
Ungarische röm.=kath. Bottesdienste in der Hofkirche, Innsbruck. Montag, 31. Dezember, nachm. 5 Uhr, Deum mit Predigt. — Dienstag, 1. Jänner, 10.30 Uhr,
Messe und Predigt. — Das ungar. Seelsorgeamt, KarlKapferer=Straße 7, sucht dringenst einen Organisten. Vorstellung zwischen 10—12 Uhr.
Macht Gebrauch vom Fahrkartenvorverkauf im Tiroler Landesreisebüro!
Keiten Aat
Unsitten haben ein langes Leben. So, zäh sind sie, daß sie oft sogar den Mißstand, dem sie ihren Ursprung verdanken, überleben. Während der Jahre, da das Führerprinzip galt, wurde auch die Kunst „ausgerichtet“ oder, besser gesagt: auf dem Exerzierplatz der Reglementierung „geschliffen“.
Die verschiedenen Führer bestimmten, was als Kunst zu gelten und wer als Künstler zu amtieren hatte. Wer von dem Gnadenstrahl eines Führers getroffen wurde, galt damit selbst als begnadet. Der Theaterdirektor, den ein Gauleiter bestellte, brauchte nicht lange, um in sich alle Führereigenschaften zu entdecken und von ihnen nach allen Seiten — außer natürlich nach oben — Gebrauch zu machen. Er wurde nicht nur der absolute Herrscher über die vor ihm sich demütig neigenden Schauspieler. Er brauchte sich in Hinkunft auch um die berechtigsten Wünsche des Publikums nicht mehr zu bekümmern.
Der Kritiker des gleichgeschalteten Blattes durfte es nicht wagen, die Bühnenhoheit zu kränken. Er wäre sonst von dem Zorn des Gewaltigen zermalmt worden. Der Kritiker war auch den Schauspielern gegenüber nur ein Robot ihres Beifallsbedürfnisses. Ein Schauspieler der Führerära mußte nur eine Kunst gründlich beherrschen: die Kunst „oben“ zu gefallen und von „oben“ gehalten zu werden. Verstand er das, so genoß er das unantastbare Privileg des Schutzes gegen jede noch so wohl verdiente und sanft vorgetragene Kritik an seinen künstlerischen Leistungen.
Eine wahrlich bequeme Schlummerrolle!
Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Theaterdirektoren wie die Mimen leben nicht mehr im Schlaraffenland der Freiheit von aller Kritik! Sie haben nicht mehr einen Kommandoposten inne, sondern sie müssen sich durch die sachliche Leistung die Gunst der öffentlichen Meinung erringen Das mag eine saure Arbeit sein, die nicht nach jedermanns Geschmack ist.
Wir können uns vorstellen, daß unfähige Bühnenautoren, die bisher ihrem Geltungstrieb in aller Ausgelassenheit frönen konnten, über diese Wendung der Dinge nicht entzückt sind. Selbstherrliche Theaterleiter, die sich bisher um die Wünsche der „misera contribuens plebs“ nicht zu kümmern brauchten, mögen darüber ungehalten sein, daß sich mit einem „Kleinen Herrn Niemand“ kein Haus mehr füllen läßt. Schauspieler, die bisher nur zwischen den Lorbeerbüschen des direkten Lobes herumspazierten, mögen ergrimmen, wenn ihre gebärdenreiche Hand an einen Dorn des Tadels gerät.
# Teater
Das alles ist verständlich. Trotzdem müssen solche Rückstände einer Unsitte raschestens beseitigt werden!
Die Kritik, welche sich mit dem Theater beschäftigt, hat von niemandem Befehle entgegenzunehmen, außer von den allgemein anerkannten Gesetzen der Bühnenkunst. Der verantwortungsbewußte Kritiker trägt nicht eine willkürliche Meinung vor, sondern er bildet seine Meinung auf Grund jener Asthetik, welche für die
Der Theaterdirektor ohrfeigt in einem Wutanfall eine Theaterkritikerin. (Zeitungsmeldung)
„Und siegt Natur, so muß die Kunst entweichen“
(Schiller)
dramatische Darstellung als solche und für deren Verkörperung durch den Schauspieler gilt. So sehr wir die Selbstherrlichkeit der Bühnenleitung ablehnen, ebenso sehr wäre eine Selbstherrlichkeit der Kritik zu verurteilen. Es ist jedoch klar, daß eine sachliche Beurteilung von Bühnenleistungen dem wohl verstandenen Interesse des Theaters wie des Publikums in gleicher Weise förderlich ist. Wir haltenes für notwendig, am Ende eines jeden Zeitabschnittes und am Beginn eines neuen diese Wahrheiten, die
man mancherorts vergessen zu habenscheint, mit aller Eindringlichkeit einzuschärfen.
Die Schriftleitung.
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(Zur Molière=Aufführung im Landestheater)
„Ich lese von Molière alle Jahre einige Stücke... Denn wir kleinen Menschen sind nicht fähig, die Größe solcher Dinge in uns zu bewahren, und wir müssen daher von Zeit zu Zeit immer dahin zurückkehren, um solche Eindrücke in uns aufzufrischen.“
Kein Geringerer als Goethe sprach diese Worte ehrfürchtiger Bewunderung und die zwingende Kraft Molières wird bei jeder Aufführung seiner Werke lebendig die durchaus nicht als bloße Typenkomödien aufzufassen sind, sondern den Charakter in viel reicherer Fülle und Differenzierung zeigen. Der Charakter ist die Grundlage der Molièr#eschen Komödie, er ist ihr Ausgangs= und Endpunkt und mit stärkster Plastik siehen die Charaktere schon nach wenigen Worten vor uns.
Diese Charakterfiguren sind aber keine skurrilen Naturen, sondern lebensvolle Menschen, wie sie zu jeder Zeit und in jedem Lande uns begegnen, und so ging auch Molière unter die Ewigen der drgmatischen Dichtung ein und hat die Weltliteratur aus dem Geiste Frankreichs heraus verschwenderisch bereichert.
Dieser französische Geist aber ist graziös, witzig, gewandt und man darf Molière nicht vergröbern, ohne das eigentliche Fluidum zu zerstören. Die Aufführung am Innsbrucker Landestheater unter der Regie unseres oft bewährten Paul Schmid versuchte uns Molzère dadurch näher zu bringen und aktueller zu gestalten, daß sie die burlesken Momente steigerte und Groteskes hereinbrachte, wodurch sich die echte Molièresche Luft und der Duft französischen Esprits jedoch verflüchtigten. Die Aufführung der Zwischenspiele, die aus dem Bühnenleben des 17. Jahrhunderts heraus zu verstehen sind, und auf die daher in neuerer Zeit stets verzichtet wurde, so u. a. auch von einem Mar Reinhardt, war vom theatergeschichtlichen Standpunkt aus interessant und wurde durch von
Professor Hlawa entworfene Bühnenbilder von apartem Reiz belebt, während das Bühnenbild der eigentlichen Komödie allzusehr mit Vorhängen arbeitete. Das farbenfreudige Malerauge zeigte sich auch bei der im übrigen sehr merkwürdig gelösten Kostümfrage ( so sah man zum Beispiel Allongeperücke mit Knickerbocker, Skihosen und sogar einen Matrosenanzug!!!). Die Musik von Rudolf Graf ließ sich vom Grundton der Aufführung, die das 17. Jahrhundert nicht gerade glücklich in das 20. zu transponieren trachtete, bestimmen, wobei wohl der Beginn des dritten Zwischenspieles am besten gelang.
Es wäre gewiß nichts dagegen einzuwenden, daß ein klassisches Stück in origineller Art modern herausgebracht wird, nur müßte eine solche Inszenierung aus einem ein: heitlichen Stilwillen heraus geboren sein und kein Kunterbunt der verschiedensten Stilelemente darstellen.
Gustav Waldau spielte den eingebildeten Kranken mit einem unerhörten mimischen Reichtum und feinster sprachlicher Modellierung, wozu die ukpersönliche Note und die überaus liebenswürdige Menschlichkeit des großen Künsilers kamen. Mit welchem Genuß vertiefte er sich gleich zu Beginn in die lange Reihe der ihm verabfolgten Medizinen, wie böse und beleidigt wurde er, wenn man an seinem
Kranksein irgendwie zweifelte, von welch köstlicher Komik war er in der Scheintodszene und wie graziös tänzelte er zur Doktorpromotion herein! Waldau benötigt nicht die drastischen Mittel, womit andere Darsteller des Argan oft die Hypochondrie betonen, er wirkt am stärksten in der Sparsamkeit der Mittel und in der feinen Liebenswürdigkeit seines Wesens, die in allen Rollen durchbricht.
Aus der großen Reihe der übrigen Darsteller, die im wesentlichen doch nur Folie für die Zentralgestalt sind, hebt sich als eine Art Gegenspielerin die einfallsreiche Zofe Toinette heraus, die von Marion Richter mit schalkhaftem Liebreiz und zungenfertigem Humor verkörpert wurde. Es ist nicht möglich, auf die vielen anderen Mitwirkenden, die durchwegs befriedigende Leistungen boten, einzugehen, es können nur einzelne herausgegriffen werden: Traudl Neuner, die die Tochter Angelique mit natürlicher=Innigkeit spielte, Trude Schneider, die die Episodenrolle der kleinen Louison sehr nett zur Wirkung brachte, Berthe Waeber als verschlagene Gattin, Wolf Floderer, der als Bräutigam ein Talent für drastische Komik zeigte, Hermann Kellein als sympathischer Cleanthe. Von den
Personen der Zwischenspiele fielen vor allem Vigil Breiner als köstlicher Polichinelle, Gretl Fleischer als herzige Colombine und Rudolf Schücker als Präsident der Arzte auf.
Das Publikum nahm die eigenwillige Aufführung, die die feine und geisterfüllte Komödie Molières oft in das Gebiet der Posse hinüberzog, mit zurückhaltendem Beifall auf. Dr. =Tepser.
Landestheater Innsbruck
Die für den heutigen Samstag angesetzte „TroubadourkAufführung verspricht unseren Opernfreunden einen besonderen Kunstgenuß. In der Partie des Grafen Luna gastiert der weltberühmte Bariton der Mailänder Scala, Giuseppe Taddei, dessen Konzert in Salzburg in diesen Tagen einen aufsehenerregenden Erfolg zu verzeichnen hatte.
Eine neue Art von „Buntem Abend“ bieten wir unseren Theaterbesuchern in der Veranstaltung „Großes Silvesierbrettl“ in Verbindung mit Radio Innsbruck, das als eine sogenannte musikalische Revue gedacht ist und in der musikalischen Leitung eine besondere Überraschung bringt. Außer dem gesamten künstlerischen Personäl des Landestheaters werden als Gäste Toni Gerhold und Gretl Theimer zu sehen sein. Wir beabsichtigen jedenfalls, unseren Theaterfreunden durch ein paar unterhaltsame Stunden die richtige Einleitung für die Silvesternacht zu bereiten.
Kunstausstellung in Mayrhofen
Die ursprünglich für Ende Dezember geplante Eröffnung einer Kunstausstellung für Malerei, Plastik und Kunsthandwerk wird nun endgültig auf den 12. Jänner festgesetzt. Sie ist sowohl als Werbe= als auch als Verkaufsausstel, lung gedacht und verfolgt nicht nur den Zweck, bereits anerkannte oder auch wenigen bekannte Künstler der Offentlichkeit in Erinnerung zu bringen, sondern sie will — und dies vor allem — alle schaffenden Künstler des Zillertales auf dem Gebiete der Malerei, der Plastik und des Kunsihandwerks in nähere Fühlung zueinanderbringen. Damit unsere einheimischen Künstler und diejenigen, die der Zufall der Kriegsjahre ins Zillertal geweht hat, sich gegenseitig anregen und befruchten mögen. Die Ausstellung wird im Großen Saal des Gasthofes „Kramer“
gezeigt und soll voraussichtlich 2—3 Wochen andauern. Über die ausstellenden Künstler und ihre Werke berichten wir später an dieser Stelle. A. S.