Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:7
- S.29
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Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Sinzelverkauf erhältlich. — Dorerst keine Postzustellung
Nummer 23 / 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen und Aufragen sind zu richten an Innsbruck,
Andreus=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreus=Hofer=Straße 4
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Mittwoch, 18. Juli 1945
Ein Lostag
General Bethouart, der heute als Oberbefehlshaber der französischen Besatzungstruppen in österreich den Boden unserer Stadt betritt, darf unseres Willkomms nicht nur wegen des hervorragenden Rufes, der ihm vorausgeht, versichert sein. Wir begrüßen ihn in besonderer Weise als den vertrauten Mitarbeiter des französischen Staatsoberhauptes General de Gaulle, dessen Namen nicht nur Frankreich, sondern die gesamte freiheitsliebende Welt mit Begeisterung nennt. Der neue Höchstkommandierende der französischen Truppen in österreich stand als Stabschef General de Gaulles an der Wiege der Wiedergeburt jenes neuen Frankreich, das durch die Größe seiner Anstrengungen die Größe des Unglückes überwand. General de Gaulle vollbrachte das Werk der Befreiung Frankreichs, weil er die Eigenschaften des Feldherrn mit
denen des Staatsmannes und des Diplomaten vereinigt.
General Bethouart wird von einem Kreis auserlesener Mitarbeiter umgeben sein: An ihrer Spitze Generalleutnant de Hesdin, der Befehlshaber der französischen Besatzungstruppen in österreich, weiters Exzellenz Voizard, Gouverneur der französischen Besatzungszone für Österreich, Generalmajor Bondis, Befehlshaber der Besatzungstruppen in Tirol, Generalmajor Dumas, Befehlshaber der Besatzungstruppen in Vorarlberg, Oberst Jung, Chef der Militärregierung von Vorarlberg, Oberstleutnant Thomazo. Generalsekretär der Militärregierung österreichs, Oberstleutnant Lebeau, beauftragt mit der Militärregierung Tirols, und Oberstleutnant Claracdu Vivier, der das Interim der Militärregierung österreichs geleitet hat.
Frankreich, das den ihm wegen seiner Verdienste, seiner Traditionen und seiner Macht gebührenden Sitz im Rat der Großmächte wieder eingenommen hat, arbeitet im Verein mit seinen Verbündeten an einer solchen Neugestaltung Europas, welche Sicherheit und Wohlfahrt verbürgen soll. Deshalb wünscht es die Wiederaufrichtung eines gesunden, freien und unabhängigen österreich. Wir freuen uns aufrichtig, daß die Beschlüsse der Allierten, die den Österreichern den Ausblick auf eine neue, schönere Zukunft eröff
nen, nunmehr in das Stadium der Ausführung gelangen. Es ist selbstverständlich, daß die Österreicher alles daransetzen, um die Erwartungen, die man auf sie setzt, zu rechtfertigen. Frankreich, das von seinen Verbündeten beauftragt wurde, im Westen Österreichs die äußeren und inneren Voraussetzungen für die Neubildung eines österreichischen Staates zu prüfen und vorzubereiten, wird, so glauben wir mit Bestimmtheit, durch die nähere Fühlungnahme mit dem österreichischen Volke nicht enttäuscht werden.
Die Politik General de Gaulles, die in den besten überlieferungen des tausendjährigen französischen Staatswesens wurzelt — Frankreich ist das einzige Staatswesen auf dem Kontinent, das eine ungebrochene Tradition von tausend Jahren aufweist —, zeichnet sich durch eine jugendfrische Aufgeschlossenheit aus, mit der sie an die Bewältigung der großen Fragen des Wiederaufbaues einer gesicherten internationalen Ordnung herantritt. Der französische Geist verfängt sich nicht in Träumen. Er webt keine Ideologien. Er liebt die Klarheit des Ausdruckes und die Bestimmtheit der Form. Das gilt auch für die französische Politik. Sie wünscht klare Verhältnisse. Der Franzose ist kein Kleinigkeitskrämer. Er ist, wo er Freundschaft und Verständnis findet, voller Großzügigkeit und Entgegenkommen.
Frankreich, das sich nach so schwerem Leid wiederum zu seiner alten Größe erhoben hat, wird in der Lage sein, unserem Vaterlande, das in diesen schicksalhaften Jahren durch alle Höllen des Unglücks geschritten ist, ein großes Verstehen entgegenzubringen. Es ist aus eigener schmerzlicher Erfahrung wohl vertraut mit allen Problemen, die in unserem Lande zu lösen sind. Wir stehen, wenn wir unseren Blick etwas über die Nöte des Tages erheben, an der Schwelle einer Epoche, in der sich ein neuer Gemeinschaftsgeist zwischen den Völkern und Staaten zu bilden vermag. Die Kulturtraditionen Europas, an denen der französische Geist in so hervorragender Weise beteiligt ist, werden ein großes Mittel der Wegbereitung zu der
so ersehnten neuen Ordnung des Friedens sein.
Die Gestalt General de Gaulles, dieses ritterlichen Vorkämpfers für die Freiheit seines Landes, war allen Österreichern, die unter dem Joche des Bedrückers seufzten, eine große Hoffnung für die Sache auch unserer Freiheit. Der Ritterlichkeit des französischen
Staatsoberhauptes, das diese Nationaltugend der Franzosen in einer so hervorragenden Weise verkörpert, erweisen wir an diesem Tage, da wir seinen Stellvertreter in unserem Lande begrüßen dürfen, die Huldigung eines Volkes, das ritterliche Art liebt und zu schätzen weiß.
Dr. Anton Klotz.
WILLKOMMGRUSS
der demokratischen Parteien an
GENERAL BETHOUART
Die in einer Arbeitsgemeinschaft geeinten österreichischen demokratischen Parteien (Tiroler Volkspartei, Sozialdemokratische Partei Österreichs, Kommunistische Partei Österreichs) entbieten Ihnen, General, und den Truppen der französischen Republik ihr
HERZLICHES WILLKOMMEN
und begrüßen Sie als die Erben der Großen Französischen Revolution, als die Hüter der Menschenrechte und als Garanten des demokratischen Lebens.
Alle Österreicher sind sich der historischen Beziehungen bewußt, die Frankreich und Österreich in gemeinsamer Arbeit für den Fortschritt, den Frieden und die europäische Zivilisation verbinden. — Als unser Land 1938 vom Hitler-Faschismus vergewaltigt wurde, da war es Frankreich, wo viele österreichische Patrioten eine Zuflucht fanden. Und als 1940 die französische Republik von den Hitler-Truppen besetzt wurde, da war es die tapfere französische Nation, die durch ihren heroischen Widerstand allen unterdrückten Völkern Europas ein leuchtendes Beispiel gab und auch unsere Hoffnungen neu entfachte. Die Augen der unterdrückten Österreicher richteten sich damals auf den heldenhaften Kampf der Pariser Patrioten.
Am 2. und 3. Mai brachen beherzte österreichische Patrioten die militärische Macht der Nazis in Tirol und begrüßten die Alliierten als Befreier.
Aber die demokratischen Parteien sind sich der Tatsache bewußt, daß der Kampf bis zur restlosen Ausmerzung des deutschen Hitler-Faschismus fortgesetzt werden muß, daß noch viel Aufklärungsarbeit zu tun ist und daß es darauf ankommt, die breitesten Schichten der Bevölkerung im Kampfe gegen die Nazis zu aktivieren.
Das ist die Aufgabe, die sich die
„Kampfgemeinschaft der demokratischen Parteien“
gestellt hat. Sie bittet Sie, General, und die französische Militärregierung um verständnisvolle Förderung der hiefür geplanten Maßnahmen.
Für die Kampfgemeinschaft der demokratischen Parteien:
Dr. Hans Gamper Josef Ronczay Franz Hüttenberger
General Bethouart
Ein Bild seiner Persönlichkeit
General Marie Emile Bethouart wurde am 17. Dezember 1889 geboren. Zur gleichen Zeit wie General de Gaulle bestand er im Jahre 1909 die Aufnahmsprüfung für die berühmte Kriegsschule Saint=Cyr. Während des ersten Weltkrieges erlitt er drei Verwundungen, darunter eine schwere am linken Arm. Am Ende des Feldzuges bekleidete er das Kommando eines Bataillons. Als Spezialist für den Gebirgskrieg wurde er nach Absolvierung der Kriegsschule Ausbildungsoffizier bei den Kursen für Gebirgstaktik in Grenoble. Bald führte er das Kommando des 24. Gebirgsjägerbataillons in Villefranche
Als Generalstäbler arbeitete er sowohl bei den militärischen Stäben von wie in Belgrad. Von 1934 bis 1938 Militärattaché in Jugoslawien, weilte er am Tage,
da König Alexander von Jugoslawien ermordet wurde, mit der Begleitung des Königs in Marseille. Nach Ausbruch des Krieges im Jahre 1939 führte General Bethouart eine Gebirgsjägerbrigade zuerst in den Alpen, dann in den Vogesen. Als Brigadier fuhr er im April 1940 nach Norwegen, um die erste leichte Jägerdivision zu befehligen. Nach der Landung in Namsos übernahm er in Rarstad das Kommando jenes Teiles seiner Division, der von einer polnischen Brigade und der 13. Halbbrigade der Fremdenlegion verstärkt worden war. Nachdem am 26. Mai der Befehl eintraf, sich aus Norwegen zurückzuziehen, führte General Bethouart im Einvernehmen mit Admiral Lord Cork und General Auchinleck den Angriff auf die Stadt Narvik. Die zehn Bataillone des Generals Dietl wurden bis zur schwedischen Grenze zurückgedrängt. Dem
Allüerten Expeditionskorps war damit die Möglichkeit eröffnet, ohne Verluste und ohne Wissen des
Osttirol will wieder zu Tirol
Einmütige Kundgebungen der Gemeinden Osttirols
Aus dem Landhaus wird uns mitgeteilt:
Im Jahre 1938, als die Nazi Österreich überfielen, erwiesen sie ihre besondere Zuneigung gegenüber Tirol dadurch, daß sie das Land verstümmelten, Osttirol aus seinem jahrhundertelangen Zusammenhang loslösten und Kärnten einverleibten. Man hat diese Zerreißung in Nordtirol wie in Osttirol als ein allerschwerstes Unrecht empfunden, das uns zugefügt worden war. So ist es nun wohl selbstverständlich, daß jetzt die Wiederherstellung des früheren Zustandes angebahnt wird Die Gemeinden Osttirols haben diesen Wunsch in eindringlichen Schreiben ausgesprochen. Soeben hat nun der Landeshauptmann einen Brief des Bezirkshauptmannes
von Lienz, Theodor von Hibler, empfangen, in dem es heißt:
„Die Wiedererrichtung des österreichischen Bundesstaates hat uns Osttirolern ganz besondere Freude bereitet. Nicht nur deswegen, weil unser liebes altes Vaterland Österreic wiedererstanden ist, sondern vielmehr [deshalb, weil wir uns heute wieder zum Bundeslande Tirol, unserem lieben alten Heimatlande gehörig und als ein Bestandteil [desselben betrachten können. Die Wiedererrichtung des Bundesstaates hat ja den einzelnen Bundesländern wieder die volle staatliche Souveränität gebracht und deren Gebietsbestand nach dem Stande des Jahres 1937 wiederhergestellt. Daß Ost
Heute Nachmittag dienstfrei
Auf Anordnung der Militärregierung haben anläßlich des Einzuges von General Bethouart sämtliche Betriebe und öffentlichen Amter ihren Angestellten heute nachmittag dienstfrei zu geben.
Feindes die befohlenen Bewegungen durchzuführen.
Nach dem Waffenstillstand von 1940 kehrte General Bethouart mit einem Teil seiner Division nach Marokko zurück. Er übernahm in der Folgezeit das Kommando der Division Rabat, die Präsidentschaft der französischen Waffenstillstandskommission in Marokko und dann das Kommando der Division in Casablanca. In dieser Eigenschaft hat er am 8. November 1942, nachdem er durch General Giraud von der Landung der Alliierten in Kenntnis gesetzt worden war, bei General Nogues eingegriffen, um jegliches Blutvergießen zwischen Alliierten und Franzosen zu vermeiden. Im Auftrage des Generals Giraud führte er eine Militärmission nach Washington, die mit dem amerikanischen Kommando über die Lieferung von Material für die Aufrüstung der französischen Armee verhandelte. Nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten im
Dezember 1943 wurde er zum Korpskommandanten befördert. Er führte ein Kommando im Expeditionskorps, bis er von General de Gaulle zum Chef [des Generalstabes der Landesverteidigung erhoben wurde. Für die aktiven Operationen des Befreiungskrieges übernahm er aufs neue das Kommando eines Armeekorps. Er siegte vor Belfort, erreichte den Rhein und befreite das Unterelsaß.
General Bethouart ist Inhaber hoher
[Orden. Für die Einnahme von Narvik wurde er zum Kommandeur der Ehren
legion befördert. Er erhielt für die gleiche Waffentat vom englischen König den order of the bath. Sowohl das norwegische wie das polnische Kriegskreuz schmückt seine Brust. Aus den Händen des Generals Marshall in Washington erhielt er das Offizierskreuz der Legion of Merite. Am 10. Februar 1945 wurde er in Mühlhausen von General de Gaulle zum Großsoffizier der Ehrenlegion ernannt.
tirol dabei ein Stück unseres alten Tirols schon ist und nicht erst werden muß, ist uns selbstverständlich.
Wenn trotzdem alle Gemeinden meines Amtsbezirkes Ihnen, sehr verehrter Herr Landeshauptmann, durch mich beiliegende Erklärungen überreichen lassen, so wollen Sie diese Erklärungen als ein Zeichen des einheitlichen Willens aller Bevölkerungskreise Osttirols und als einen Gruß der Osttiroler an ihr altes Heimatland werten.“
Die Tiroler Landesregierung hat diese Erklärungen mit großer Freude zur Kenntnis genommen. Sie wird nicht verfehlen, diesen Wunsch der Osttiroler kraftvoll zu vertreten.
Frankreich und das Bal 5"Aosta
Paris, 17. Juli. Die Nachricht, daß die italienische Regierung der französisch=sprechenden Bevölkerung im Aostatal die Autonomie gewähren will, hat in Frankreich große Befriedigung hervorgerufen. Die Presse weist darauf hin, daß Frankreich hinsichtlich des Val d"Aosta niemals an Italien territoriale Forderungen gestellt hat.
Feier für die erste Armee in Paris, 17. Juli. In Notre Dame fand ein Hochamt für die Offiziere und Mannschaften der ersten französischen Armee statt. Das Staatsoberhaupt General de Gaulle wohnte dieser Feier bei. Die erste französische Armee ist jene, die seinerzeit in Afrika aufgestellt, nach der Landung der Alliierten in Südfrankreich große Teile ihres Heimatlandes vom Feind befreite, dann als der äußerste rechte Flügel der Alliierten Streitkräfte gegen Deutschland vordrang und in Deutschland eindrang und die nunmehr in den von Frankreich besetzten Gebieten Österreichs und Deutschlands stationiert ist.