Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:12
- S.49
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Freitag, 14. Dezember 1945
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Tiroler Togeszeitung
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Schwarze Tage für die S hwarze Börse
Ausgabe von Hülsenfrüchten und Keks an Stelle von Brot
Infolge unvorhergesehener Transportschwierigleiten ist es nicht möglich, das für die vorgeschene Brotration von 8.40 Kilogramm notwendige Mehl oder Getreide heranzuschaffen, Es muß dher die Brotration gekürzt werden.
die für den Brot= und Mehlverkauf durch Rado und Pressenotiz angeordnete Wochenbindung mifällt. Hingegen werden auf die nachstehenden usammenhängenden Abschnitte an Stelle von brot, Nährmittel, Hülsenfrüchte und Keks abgegeben:
Lebensmittelkarte für Normalverbraucher aller Altersstufen:
Zusammenhängende Abschnitte 23, 24 ia Stelle von 2000 Gramm R=Brot 250 Gramm hülsenfrüchte.
Zusammenhängende Abschnitte 33, 34 und 35 an Stelle von 300 Gramm Brot 250 Gramm Keks.
Lebensmittelkarte für nicht landwirtschaftliche Selbstversorger in Butter aller Altersstufen:
Zusammenhängende Abschnitte 123, 124
an Stelle von 2000 Gramm R=Brot 250 Gramm Hülsenfrüchte.
Zusammenhängende Abschnitte 133, 134 und 135 an Stelle von 300 Gramm Brot 250 Gramm Keks.
Lebensmittelkarte für nicht landwirtschaftliche Selbstversorger in Fleisch und Schlachtfetten aller Altersstufen:
Zusammenhängende Abschnitte 223, 224 an Stelle von 2000 Gramm R=Brot 250 Gramm
Hülsenfrüchte.
Zusammenhängende Abschnitte 233, 234 und 235 an Stelle von 300 Gramm Brot 250 Gramm Keks.
Brotkarte für landwirtschaftliche Selbstversorger:
Zusammenhängende Abschnitte 423, 424 an Stelle von 2000 Gramm R=Brot 250 Gramm. Hülsenfrüchte.
Abschnitt 430 an Stelle von 500 Gramm Brot 250 Gramm Keks.
Die Ausgabe von Brot oder Mehl auf diese Abschnitte ist verboten.
Der Run auf die Schalter der Sparkassen, der Banken und der Post hat eingesetzt. Umfangreiche Vorbereitungen sind getroffen worden, um den Andrang zwischen dem 13. und dem 20. Dezemver, der Woche des Geldumtausches, schnell und ruhig zu bewältigen. Den verschiedenen räumlichen und personellen Bedingungen, unter denen die Wechselstellen ihrem Amte nachkommen, entsprechen verschiedene Systeme der Abfertigung: vom „laufenden Band“ an der Stadtsparkasse, bei der jeder Arbeitsgang an einem anderen Schalter erledigt wird, bis zur Einzelabfertigung am Hauptpostamt, von dessen Schaltern die Schlangen der Wartenden in der Mitte der geräumigen Halle zusammenstrahlen, wo auf den Schreibpulten die
Kämpfe mit den Fragebogen entbrannt sind. So mancher gibt durch hilfesuchende Blicke und erhöhten Schweißausbru seiner Ratlosigkeit beim Ausfüllen des Doppelbogens mit den kabbalistischen Andreas= und sonstigen Kreuzen Ausdruck. Findige Naturen schaffen sich in solchen Fällen einen raschen Nebenverdienst: mit Pauspapier und Kopierstift sind sie schnell zur Hand und füllen den Bogen aus. Ein erleichterter, von einem papierenen Händedruck begleiteter Blick dankt ihnen die Hilfe.
Der Betrieb an den Schaltern geht ruhig von statten. Die geduldige Gelassenheit, mit der sich die Tiroler vom Währungschaos verabschieden, ist mithin ein Zeichen des Vertrauens zur neuen Währung und zur schrittweisen Rückkehr zu geord
Einwanderung nach Lienz gesperrt
Klagenfurt, 13. Dez. Der Bezirkshauptnann von Osttirol und der Bürgermeister der Stadt Lienz haben für die Stadt Lienz ein Zuugsverbot erlassen. Es wird darauf hingewiesen, dß Personen, welche gegen die Anordnung versoßen, von der Stadt weder Lebensmittel noch drennstoff erhalten.
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Meldung zum Christkindlmarkt. Es wird nochnals darauf hingewiesen, daß die Meldungen und Anforderungen von Ständen für den Christindlmarkt am Montag, den 17. Dezember, abeschlossen werden. Später einlangende Melduneen können nicht mehr berücksichtigt werden. Die berkaufstage sind der 21., 22. und 23. Dezemker. Gleichzeitig weisen wir nochmals darauf hin, daß die Aussteller nach Möglichkeit selbst testrebt sein sollen, für Beleuchtung ihrer Stände zu sorgen, da infolge der schwierigen Lage an Leitungsmaterial es unsicher ist, ob eine für alle Stände gemeinsame elektrische Beleuchtung durch das E. W. J. eingerichtet werden kann. Für gard Beleuchtung wäre bei rechtzeitiger Anneldung durch das Marktamt unter Umständen Karbid zu beschaffen.
Vem gehört das Damenfahrrad? Bei der Krininalpolizei in Innsbruck befindet sich ein Daenfahrrad, das von einem Diebstahl stammt, ser vor Jahresfrist erfolgt sein dürfte. Das Rad sat die Nr. 24.754, ist markenlos, Rahmen schwarz. Lenkstange verchromt, Handbremse, Handglocke, Lenkstange mit Holzgriffen, Kometsteilauf, Rückstrahler, Ballonbereifung, Felgen vternickelt, bzw. verchromt, Pedal mit Gummi.
Das Auge des Gesetzes wacht... Die Innsbrucker Kriminalpolizei hat im Monat November 91 Verhaftungen vorgenommen und zwar 2 wegen Mord, 3 wegen Raub, 6 Plünderungen, 11 wegen Einbruch, 18 wegen Diebstahl, 10 wegen Betrug, 7 wegen Veruntreuung, 3 wegen Körperverletzung 14 wegen Verstoß gegen die kriegswirtschaftsverordnungen, 8 wegen Versoß gegen die Reisevorschriften und 9 wegen Erverbsunzucht. — Im gleichen Zeitraum wurden 33 Anzeigen an die Staatsanwaltschaft erstatiet, darunter 179 gegen unbekannte Täter. — die Gendarmerie von Tirol hat im Monat Noember 278 Personen verhaftet, und zwar 77 über Auftrag der Militärregierung, 47 im Auftag der österreichischen Behörden und 154 aus eigenem Antrieb.
Einbrüche in Lebensmittelgeschäfte. In den
vergangenen Nächten wurden in Innsbruck mehrere Geschäftseinbrüche verübt. In der Hauptsache haben es die Täter auf Lebensmittelbetriebe abgesehen. So wurden in einem Kiosk in der Neuhauserstraße, in einem Lebensmittelgeschäft am Innrain und in einem Konditoreibetrieb in der Adamgasse nach erfolgten nächtlichen Einbrüchen größere und kleinere Mengen Lebensmittel entwendet. Bei einem Einbruch in ein Modegeschäft in der Museumstraße wurden von den Tätern Stoffe im Werte von ungefähr 2000 RM gestohlen. — Aus dem Hofraum Innrain 36 wurde einem Kaufmann aus Hötting während der Nachtzeit ein Personenauto Marke Fiat entwendet.
Weihnachtsbescherung
Es wird uns berichtet: Der Österreichischen Volkspartei, Parteileitung Innsbruck und Innsbruck=Land, ist es gelungen, den armen und ärmsten Landsleuten eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Um eine gerechte Verteilung der Sachen zu gewährleisten, wurden durch die Heimkehrerstelle, durch die Landesstelle Südtirol und dem Stadtmagistrat Innsbruck eine Lisie über Bedürftige zur Verfügung gestellt. Alle in Frage Kommenden werden durch eine schriftliche Einladung in Kenntnis gesetzt. Die Weihnachtsbescherung wird am Samstag, 15. Dez., 14.30 Uhr, in der Kantine des Neuen Landhauses durchgeführt unter Mitwirkung der „Tiroler Heimatbühne“ und der „Harmonikagruppe Rogler“.
Bund der Opfer nationalsozialistischer Unterdrückung in Tirol
Wir bringen allen unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß wir am kommenden Samstag, 15. Dez., um 20 Uhr in den Kammerlichtspielen einen „Bunten Abend“ mit Glückstopf veranstalten. Prominente Künstler haben uns ihre Mitwirkung zugesagt. Die zahlreich eingegangenen Spenden ermöglichen uns die Durchführung eines Glückstopfes, der für jung und alt viel Begehrenswertes enthält.
Am darauffolgenden Sonntag, 16. Dez., um 15 Uhr sind alle dem Bund gemeldeten Kleinkinder (bis 12 Jahre) zu einer Christbaumfeier, die im Gasthof „Zum Bären“, Hötting, Schneeburggasse 31, stattfindet, geladen. Anschließend an die Jause werden die Kinder beschert. Kaffeetassen sind mitzubringen.
Zu den beiden vorsiehenden Veranstaltungen haben nur Mitglieder mit den Familien Zutritt. Am Sonntag, den 16. Dez., sind nur die Kinder in Begleitung einer erwachsenen Person eingeladen. Die Eintrittskarten für den bunten Abend sowie für die Christbaumfeier sind gegen Vorweis des Mitgliedsausweises in unserer Geschäftsstelle, Museumstraße 12/I, abzuholen. Die Räume werden geheizt. Obmann: Major Marincovich.
pier in seiner Hand erblicken kann. Gerade kommt ein altes Weiblein vom Schalter und birgt ein paar nagelneue Zwanzigschillingscheine mit zittrigen Fingern in seiner schwarzen Handtasche. Es hatte kaum die Hälfte der Kopfquote besessen, die es hätte umtauschen können! Verkehrte Welt! Was der eine zu viel hat, hat der andere zu wenig!
neten Verhältnissen. Nur manchem geht das Schillinggesetz etwas gegen den Strich: so zweifellos jener Gruppe mit schmieriger Eleganz gekleideter jüngerer Männer, von deren aufgeregter Unterhaltung slawische und ungarische Wortfetzen herüberschwirren ... Auch jenem Herrn in mittleren Jahren mit dem Casanovabärtchen, den man schon in vielen Cafés der Stadt gesehen zu haben glaubt und der seinem lauernden Umherstreichen um die Schalter und Schreibpulte wie in schwer erkämpftem Entschluß ein Ende setzt, indem er sich ans Ende einer der Schlangen stellt. Es mutet wie ein Zeichen resignierter Rückkehr zu Lauterkeit und Ordnung an ...
Ein Bäuerlein kratzt sich am Kopf und betrachtet in komischer Verzweiflung ein dickes Bündel Banknoten in seiner Hand: „Dö Kuah, wann i nur no net verkauft hätt! Hiaz is hin!“ Sein Blick verrät, daß er gar kein gesundes Verhältnis zwischen seiner „Kuah“ und dem Haufen Pa
Ja, verkehrte Welt! Seit dem 1. Dezember wurden den Gläubigern von den Schuldnern die Türen eingerannt. Sie ließen sich verleugnen! Jeder wollte seine Schulden bezahlen und niemand wollte das Geld nehmen!
Um einen entschlossen aussehenden Mann, über dessen hochgerötetem Gesicht ein Gamsbart warnend zittert, hat sich ein ehrfürchtig lauschender Hörerkreis gebildet. Mit dozierendem Tonfall gibt er seine Ansicht „über den Fall“ kund: „Wanns a von 30, 40 oder 70 Prozent schreibn tan — dös Geld is hin! Hundertfufzg Schülling kriagt a jeder und damit basta! Einheitsiöhne werden kumma, solang ka War da is — und was wird die Folge sein? Die Leistung wird sinken, weil a Bankdirekter net mehr zahlt kriagn wird wia a Kanäuramer ...“ Ein paar aus der Schar der Hörer gehen wieder, das Weltbild des wippenden Gamsbartes scheint ihnen nicht zuzusagen.
Die flintenbewehrten Posten der französischen Alpenjäger kommen sich ein wenig überflüssig vor. Es geht alles ordnungsgemäß vor sich. Eine Frau hat Pech gehabt: Sie hat den Namen ihres Mannes auf die Vorderseite des Fragebogens und ihren auf das Doppel geschrieben und erfährt am Schalter, daß sie den Bogen richtig ausgefüllt noch einmal präsentieren muß. Eine Stunde Stehens umsonst.
Obwohl der Vorgang des Geldumtausches nach mancherlei Mißverständnissen nunmehr ziemlich klar geworden ist und eigentlich jeder überlistung des Gesetzes Schranken gesetzt worden sind, wird immer wieder versucht, den „Paragraphen“, wie man meint, ein Schnippchen zu schlagen. So gibt mancher seinem Wunsch, erst am 1. Jänner 1943 oder später fällige Hypotheken jetzt noch in Mark zu tilgen, oft von deutlichen Winken mit der Speckschwarte unterstrichenen Nachdruck. Aber alle ziehen enttäuscht wieder ab. Und sie reihen sich schließlich auch an irgend eine Schlange, um nur das zu beheben, was ihnen zusteht. Und nicht mehr! Leo Ulbrich.
Das Postamt Innsbruck I, Maximilianstraße 2, ist in der Zeit vom 13. bis 22. Dezember ausschließlich für den Notenumtauschverkehr eingerichtet worden. Briefmarken, Einschreibsendungen sowie Einzahlung der Fernsprechgebühren können bei den übrigen Zweigpostämtern im Stadtgebiet durchgeführt werden. Da die Amter ein Wechseln großer Noten nicht durchführen können, so ist das abgezählte Geld bereit zu halten, andernfalls die Annahme verweigert werden kann.
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Alle Rechte Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart
„Wollt Ihr hier übernachten?“ fragte der Hirt. „Was weiß ich“, wich der andere aus. „Viellicht gehe ich weiter.“
„Sie wird Euch nicht lassen.“
„Wer?
„Unsere Frau.“
„Sie scheint nicht so gastwillig.“
„Sie macht keine Umstände. Aber es geht hier nemand vorbei, wenn es so nah an Nacht ist.“ Markus sah ins Leere. Er gewahrte. daß die kotmundin das Haus erreicht hatte. Die Schästenden waren auseinander gefahren. Der Hund leß die Hühner und sprang auf seine Herrin zu. aus dem Haus trat ein Mann und entblößte den kopf. Er hatte dieselbe achtungsvolle Haltung, sie vordem der Hirt gehabt. Sie mußte Ansehen besitzen, dachte Markus.
Da nahm der Hirt wieder das Wort: „Habt chr nie von Frau Sixta Rotmund gehört?“
„Nicht daß ich wüßte“, entgegnete er ärgerlich. Der Hirt Pankraz sah ihn kühl und gerade an.
müßt weit her sein“, sagte er. Er hatte stau Sixta gekannt, als sie noch ein Kind war. kr hatte sein Leben in diesem weibsarmen Geurg verbracht, hatte Frau Sixta aufwachsen und ihre Schicksale tragen sehen. Vielleicht, weil sie iine von wenigen war, die er kannte, war sie im die einzige.
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sagen. Aber unter den Augen des Weißbarts wurde die Frage bescheiden und still.
„Ihr Leben ja“, antwortete Pankraz.
Markus Graf sah vor sich nieder; es lag ihm irgendwie nicht, daß er hier durch den Knecht von der Herrin hören sollte. Sie hätte ihm schließlich selbst erzählen können, dachte er.
„Es war Gedächtnis in Bergmatten“, schwatzte Pankraz weiter. Er war sonst nicht redselig. Er hatte nur heute seinen Tag, an dem ihm Erinnerungen kamen, und während er weidete, war ihm heute die Seele von Frau Sixta voll gewesen.
„Der Mann ist in die Lawine gekommen. Es war heute der Dreißigste seines Absterbens“, fuhr er fort. Er sprach fast mit sich selber.
Markus faßte etwas an, was wie Neugier oder dunkler Zwang war. Da kam eine Magd auf ihn zu.
„Ihr sollt hereinkommen“, richtete sie ihn aus. Er zögerte und sah sich nach dem Hirten um. Doch der hatte sich abgewandt und trieb seine Kühe zum See. Seltsam, daß der Fremde von Frau Sixta nicht gehört hatte, dachte er.
Aber Markus folgte der Magd halb angezogen, halb widerstrebend nach dem Hause.
Zweites Kapitel
Im Augenblick, da Markus Graf auf die Schwelle der Wirtsstube trat, verabschiedete sich dort der Eigentümer des vor der Tür stehenden Fuhrwerks, der Talammann Julian Furrer, von Frau Sixta und einer blonden, hübschen, breithüftigen Kellnerin. Der hochgewachsene Mann mit dem rötlichen Bart und den kleinen unsteten Augen kniff die Anna Lußmann, die Kellnerin, unbemerkt in den Arm, aber vor Frau Sixta gab er sich als der angesehene und einflußreiche Vorsteher, der er
war, und reichte ihr mit der Würde und dem Ernst, den ihre junge Witwenschaft verlangte, die Hand „Wenn ich Euch bei den Erbgeschäften noch irgendwie nützen kann, so berichtet mir“, sagte er. „Ich bin Euch immer gern zu Diensten.“
Sich umdrehend, stand er vor Markus. Die Blicke der beiden Männer trafen sich. Aber Furrer schien es, daß er irgend einen rasch vorbeiziehenden Wirtshausgast vor sich habe. Ein solcher kümmerte ihn nicht. Und er schritt gleichmütig davon.
Markus war betkoffen. Irgendwie mißfiel ihm das Gesicht, in das er geblickt hatte.
Da trat Frau Sixta auf ihn zu. Sie hatte dem Talammann etwas obenhin gedankt, sie gedachte ihre Erbschaftsangelegenheiten selbst zu erledigen. Und sie überließ es der Kellnerin, den Gast hinauszugeleiten. Aber zu Markus sagte sie: „Ich dachte, Ihr wolltet gar nicht hereinkommen.“ Sie stand in der Mitte der Stube und erschien Graf noch größer und stattlicher als vorher. Auch überraschte ihn noch mehr der zwingende, fordernde Ausdruck in ihren Augen. Er antwortete unfrei und mit leisem Verdruß: „Ich wußte nicht, ob Ihr mich aufnehmen wollt.“
Sie überhörte den Vorwurf nicht. Ein seltsamer Mensch, dachte sie wieder. Dann lud sie ihn ein: „Ich will Euch Eure Kammer zeigen. Nachher müßt Ihr etwas essen kommen.“
Sie schritt ihm voran, eine knarrende Holztreppe hinauf, über einen tannenen Flurboden und tat eine der vielen Türen auf, die auf den Gang gingen.
Markus blickte in ein schmales, sauberes Zimmer, in dem Bett und Waschtisch standen und ein Fenster einen weißen Vorhang trug.
„Legt ab“, sagte Frau Sixta und ließ ihn ein
treten Sie selbst kehrte noch im Flur um, und er hörte sie die Treppe wieder hinuntersteigen. Er zog die Tür zu.
Nun war es still Er trat ans geschlossene Fenster Unten ging die Straße vorbei. Drüben lag der dunkle, schwermütige See. Dahinter standen in violetten Schatten die Berge. Etwas Heimatliches umwehte ihn, etwas, was in den oft mehr als bescheidenen Herbergen, in denen er unterwegs abgestiegen, nicht gewesen war. Seltsam, daß er hier auf einmal Unterkunft hatte! dachte er Und die Wirtin! Sie machte nicht viel Umstände. Es war wie eine Auszeichnung, daß er, der Wegfahrer, der ihr seine Mittellosigkeit gestanden, in einer richtigen Gastkammer wohnen durfte. Und wie sie einen anschaute! Man wurde nicht klug aus ihrem Blick. Aber sicher würde er einen lange verfolgen.
Er begann seinen Rucksack auszupacken. Aber seine Gedanken entrannen ihm und kehrten wieder zu Frau Sixta zurück. Also eine Witwe war sie und Unglück ihr nicht fremd? So hatte der Knecht erzählt Hm, es lag auch in ihrem strengen Gesicht. Man bekam unwillkürlich ein Bedürfnis, ihr zu sagen: Mir ist das Leben auch nicht leicht. Er war gespannt, ihr wieder zu begegnen Und schon legte er seine Hund wieder auf die Türklinke. Aber in vlötlichem Trotz zog er sie zurück. Wie sollte er der Wirtin nachlaufen? Die chatte wohl auch schon längst wieder um anderes als um ihn sich zu kümmern Aber er war merkwürdig an sein eigenes Schicksal erinnert und fühlte mehr als je seine Entwurzeltheit und Ziellosigkeit Mechanisch strich er mit dem Kamm durch sein langes Haar.
Dann erinnerte er sich, daß Frau Sixta ihn geheißen, nachher zum Essen zu kommen. Da ging er hinab. (Forts. folgt!)