Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:12

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Seite 2 Nr. 148
Tiroser Tadeszellung
Freitag, 14 Dezember 1945
Selbstauflösung der Österr. Widerstandsbewegung in Tirol
Die Aktivisten der Österreichischen Widerstandsbewegung kämpften für ein freies und demokratisches österreich. Ihr militärisches Ziel wurde am 3. Mai 1945 mit der Zertrümmerung des Nazistaates, ihr politisches Ziel durch die freie Wahl am 25. November 1945 erreicht. Das österreichische Volk hat in dieser Wahl drei Parteien mit der Vertretung seines politischen Willens beauftragt.
Die weitere Tätigkeit der Widerstandsbewegung ist sinnlos und unter Umständen der politischen Entwicklung Österreichs abträglich.
Die Unterzeichneten, Leiter und Aktivisten der Österreichischen Widerstandsbewegung in Tirol, sind gegen den Fortbestand jeder Sonderformation, so auch der Österreichischen Widerstandsbewegung.
Sie fordern alle Aktivisten auf, eine politische Tätigkeit nur im Rahmen einer Partei zu entfalten.
Mit der Wahrnehmung der Interessen der Aktivisten der Widerstandsbewegung wird durch den Herrn Landeshauptmann ein Mitglied der neuen Tiroler Landesregierung betraut. Ihm obliegt
auch die Versorgung der Verwundeten sowie der Angehörigen der Gefallenen der Widerstandsbewegung.
Minister Dr. Karl Gruber, Chef der Widerstandsbewegung in Tirol, dessen Stellvertreter bei der Widerstandsbewegung Fritz Würthle, Josef Moser (Abgeordneter der SWB. im provisorischen Tiroler Landtag), die Mitglieder des Exekutivausschusses der SWB. Landeshauptmann Dr. Weißgatterer, die Landesräte Muigg. Prof. Dr. Gamper, Hüttenberger, Ronczay, Reg.=Dir. Hofrat Kundratitz sowie Prof. March und folgende Leiter und Aktivisten: Josef Schneeberger, Dr. Stricker, Ludwig Steiner, Hirnschrott, Todeschini Guido, Huber Toni, Dr. Eckl, Dr. Leo Praxmarer, Czermak Bruno, Fritz Molden, Hans Zelger, Hundegger Ernst, Prantl Peps, Baumgartner Richard, Doktor Gleischer, Platzer, Dr. Feurstein, Dr. Grinthammer, Dr. Steiger, Dr. Toni Schmidt, Dr. Islitzer, Dr. Schlorhafer,
Dr. Wörgetter, Rolf Winkler, Lechner Erich, Dr. Hörtnagl, Haller Richard. Egger Josef, Josef Schindler, Egger Franz, Doktor Veit Gufler, Dr. Groß, Dr. Vorderwinkler. Russinger
AUS DEM UBRIGEN GSTERREICE
Der ehemalige Polizeipräsident von Wien,
Dr. Brandl, verhaftet
Es ist der Staatspolizei gelungen, den unmittelbaren Nachfolger des seinerzeitigen Bundeskanzlers Dr. Schober im Polizeipräsidium, Dok tor Brandl, zu verhaften. Dr. Brandl bevorzugte während seiner Polizeipräsidentschaft die Aufnahme von Nationalsozialisten in die Wiener Polizei. Das hinderte ihn jedoch nicht, auch gute Beziehungen zu dem Bankhaus Bosel aufrecht zu erhalten, dessen Chef Siegmund Bosel im Jahre 1940 nach Polen verschleppt und dort ermordet wurde. Anläßlich der Liquidierung des bekaanten Privatbankhauses Auspitz, Lieben u. Co. meldete Brandl ein eigenes Vermögensdepot von zwei Millionen Schilling an. Nach der Okkupation Österreichs wurde Brandl an Stelle des durch Selbstmord geendeten Fey zum Präsidenten der
Donau=Dampfschiffahrt=Gesellschaft ernannt.
Neuer Landeshauptmann in Salzburg
Salzburg, 13. Dez. Die am 25. November gewählten Mitglieder des Salzburger Landtages traten am 12. Dezember in Anwesenheit von Vertretern der amerikanischen Militärregierung zur Eröffnungssitzung zusammen. Zum Landeshauptmann wurde durch die SVP. Ministerialrat Ing. Albert Hochleitner vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Landeshauptmannstellvertreter wurden Oberregierungsrat Anton Neumayr (SPö.) und Hofrat Dr. Adolf Schemel (SVP.), Landesräte Bartlmä Hasenauer und Franz Peyrl. Als Vertreter im Bundesrat entsendet die ÖVP. Altlandeshauptmann Regierungsrat Dr. Josef Rehrl und Landeshauptmann Ing. Hochleitner, die SPö. Franz Mooshammer.
Neubildung der österreichischen Kunststelle
Wien, 13. Dez. Die österreichische Kunststelle wurde unter dem Präsidium von Dr. Rudolf Henz neu gebildet. Sie ist als eine überparteiliche Publikumsorganisation für das ganze Bundesgebiet gedacht und soll das Spiegelbild aller kulturellen und volksbildnerischen Bestrebungen Österreichs werden. Als Vizepräsidenten fungieren Landtagsabgeordneter Dr. Obretschek und Dr. Seefellner.
Einstellung von Arbeitskräften an Zustimmung
des Arbeitsamtes gebunden
Wien, 13. Dezember. Vom Staatsamt für Soziale Verwaltung wird amtlich verlautbart: In der letzten Zeit wurde im zunehmenden Maße die Beobachtung gemacht, daß Unternehmer Arbeitskräfte ohne Zustimmung des Arbeitsamtes einstellen. Hiezu wird darauf hingewiesen, daß nach den bestehenden Vorschriften Arbeitskräfte aller Art, also Arbeiter, Angestellte, Hausgehilfen und Lehrlinge usw. auf Arbeitsplätzen nur eingesetzt werden dürfen, wenn vorher die Zustimmung des Arbeitsamtes erteilt wurde. Das gilt auch dann, wenn der Arbeitgeber die Arbeitskräfte selbst geworben hat. Die Einschaltung des Arbeitsamtes besteht für alle privaten und öffentlichen Betriebe und Verwaltungen sowie für die Haushaltungen, ausgenommen sind Betriebe der Landwirtschaft. Die
Beschränkung in der freien Aufnahme von Arbeitskräften hat ihren Grund darin, daß bei dem herrschenden Mangel an Arbeitskräften getrachtet werden muß, die vorhandenen Arbeitskräfte dort einzusetzen, wo sie entsprechend ihren Fähigkeiten für die Instandsetzung der Wirtschaft am notwendigsten gebraucht werden und wo der beste Arbeitserfolg gewährleistet ist. Dabei werden tunlichst auch die Wünsche der Arbeitnehmer und der Betriebsinhaber berücksichtigt. Dienstgeber, die Arbeitskräfte benötigen, haben sie beim zuständigen Arbeitsamt unter Angabe der Arbeitsbedingungen mündlich oder schriftlich anzufordern. Wer Arbeitskräfte ohne Zustimmung des Arbeitsamtes einstellt, gefährdet den Wiederaufbau Österreichs und macht sich strafbar.
Österreichische Lokomotiven auf Ölfeuerung umgestellt
Ein Sofortprogramm sieht die Ausrüstung von 200 Lokomotiven auf Ölfeuerung vor. Durch diese Umstellung werden 70 Prozent der bisher benötigten Kohlenmenge eingespart.
Fischsterben in der Traun
Linz, 13. Dez. Durch einen Werksbruch im Altausseer Salzberg ergossen sich zirka 500.000 Hektoliter Sole in den Traunfluß. Dadurch wurden auf einer Strecke von 14 Kilometern sämtliche Fische vernichtet.
Das Urteil im Dachauer Prozeß
Dachau, 13. Dez. Im Kriegsverbrecherprozeß von Dachau wurden alle 40 Angeklagten schuldig befunden, die Gesetze und Gebräuche der Kriegführung verletzt zu haben und dadurch vorsätzlich den Tod von über 30 000 Menschen verursacht zu haben Weiter wurden sie der Begehung von Grausamkeiten an Insassen des Konzentrationslagers schuldig befunden, u. a. durch Versuche, Häftlingen Malaria zu infizieren, künstliche Blutvergiftungen hervorzurufen. Salzwasserdiäten zu geben oder die Opfer in eiskaltem Wasser unterzutauchen. Unter den Verurteilten befinden sich Dr. Klaus Schilling, dem der Todvon 3000 Menschen infolge seiner Experimente zur Last gelegt wird, Dr. Fritz Hintermeier. dessen Experimente über die menschliche Widerstandskraft mehr als 900
Gefangene töteten, ferner der Lagerkommandant Martin Weiß und der SS=Kommandeur Eichelsdorfer, der angeklagt war, jüdische Gefangene im Lager Landsberg gesoltert und ermordet zu haben.
Die Leitung der Industrieunternehmungen in der britischen Besatzungszone Deutschlands
Paris, 13. Dez. (Dana). Die Leitung der Industrieunternehmungen in Kiel wird mit 15. Dezember wieder in deutsche Hände gelegt. Ausgenommen hiervon sind jene Unternehmungen, die für die britischen Besetzungsbehörden arbeiten. Ahnliche Maßnahmen werden im ganzen von Großbritannien besetzten Gebiet Deutschlands ergriffen werden.
Wohltätigkeitsmarke bringt 5.8 Millionen
Reichsmark ein
Die im Werte von einer Reichsmark herausgegebene und zum Preise von RM 11.— ver
kaufte Wohltätigkeitsmarke hat einen Reinertrag von 5.8 Millionen RM ausgeworfen.
Personenverkehr mit Berlin eingestellt
Berlin, 13. Dez. Wie DANA meldet, ist der Personenverkehr von und nach Berlin seit dem 8. Dezember eingestellt. Infolge des plötzlichen Kälteeinbruches benötigte die Eisenbahnverwaltung alles rollende Material für die Heranschaffung von Kohle und Lebensmittel.
Wachsende Kindersterblichkeit in Berlin
Berlin, 13. Dez. „Der Tagesspiegel“ meldete Dienstag, daß die Kindersterblichkeit in Berlin ständig steigt. Gegenwärtig sterben von 1000 Neugeborenen 231.
Der symbolische Streik in Frankreich
afp. Paris, 13. Dez. Der symbolische Warnungsstreik der öffentlichen Angestellten ist ohn Zwischenfall und ohne daß das Leben des Landes beeinträchtigt worden wäre, verlaufen. Im ganzen und großen handelte es sich dabei um eine Episode des Wahlkampfes zwischen Sozialisten und Kommunisten.
Tschechoslowakei und Vatikan
Vatikanstadt, 12. Dez. Die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Vati
kan und der Tschechoslowakei steht unmittelbar bevor.
Welt und Wissen
Eine Kalkulationsmaschine
Wissenschafter in Großbritannien hoffen, die großartigste Kalkulationsmaschine der Welt herauszubringen. Augenblicklich werden Experimente von der neugegründeten Mathematies Division der britischen Abteilung für Seientific and Industrial Research durchgeführt. Wenn diese Experimente sich als erfolgreich erweisen — Mr. Wormsley, der Leiter der Experimente, ist davon überzeugt —, wird die Maschine nicht nur addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren — sondern durch Vornahme besonderer Anweisungen durch vorheriges entsprechendes Einstellen automatisch selbst beschließen, was sie in ganz verschiedenen Umständen zu tun hat, ohne jedes menschliche Dazutun. Die Kalkulationsmaschine, die jetzt in den Laboratorien der D. S. J. R. E. in Gebrauch
ist, hat die auffallendsten Resultate gezeigt. Kürzlich zum Beispiel hat eine Regierungsabteilung angefangen, eine Zahlentabelle für ein besonders dringendes und kompliziertes Problem auszuarbeiten. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, daß es ungefähr 300 Jahre Zeit beanspruchen würde, diese Tabelle zu beenden. Die Abteilung wandte sich darauf an die Mathematiker der D. S. J. R. E., die mit Hilfe ihrer Maschine die Tabelle in 50 Stunden fertig stellten — und jede Zahl wurde genau nachkontrolliert. Diese Mathematiker leisten augenblicklich den britischen Industrien in ihrem übergang zur Friedensproduktion einen sehr wertvollen Beitrag, indem sie ihnen eine schwere Bürde komplizierter statistischer Ausrechnungen abnehmen.
Heizen mit dem — brennenden Stein
Die Not macht erfinderisch, und so kam der Wiener Ingenieur Köhler, der sich schon lange mit der Konstruktion eines Düsenbrenners für Ölfeuerung beschäftigte, auf eine eigenartige Methode der Ölfeuerung für Zimmeröfen und Küchenherde. Keines seiner Modelle erschien ihm für so gefahrlos, daß er es ungeschulten Händen über
geben könnte. Da überlegte er, ob man nicht einen gewöhnlichen Ziegelstein, der ja ein System von unzähligen natürlichen Düsen darstellt, für Heizzwecke verwenden könne. Der Versuch gelang in überraschender Weise. — Der Teil eines Ziegelsteines — je nach der Größe des vorhandenen Rostes — wird in Dieselöl gelegt und saugt sich voll. Nach drei Stunden ist er verwendbar. Mit untergelegtem Papier angeheizt, brennt er einige Augenblicke rötlich, aber sehr rasch tauchen auf der ganzen Oberfläche des Steines blaue Flämmchen auf; die Poren wirken als Düsen und das Öl vergast. Nach 10 Minuten wird ein zweiter in Öl getauchter Stein darauf gelegt. Die Brendauer ist eine halbe Stunde und man kann beliebig oft nachlegen. Ausgebrannte Steine können wieder
verwendet werden, nur muß man warten bis sie auf zirka 60 Grad abgekühlt sind Zum Anfassen des Steines verwendet man eine Zange. Das Dieselöl ist das minderwertige Produkt der Erdöldestillation. Es ist in Österreich in groß Mengen vorhanden. Wenn sich das Heizen mitt dem „brennenden Stein“ einbürgern sollte, wird die Zuteilung von Dieselöl an den Wiener Handel organisiert werden.
Große Fortschritte der Katholiken in USA.
Der kürzlich veröffentlichten neuesten Ausgabe des Jahrbuches der amerikanischen Kirchen, das auf Grund offizieller Angaben zusammengestellt wurde, sind folgende Darlegungen zu entnehmen: Von allen Religionsgemeinschaften hat die katholische Kirche die größten Fortschritte gemacht. Ihr Mitgliederstand beträgt zur Zeit 23,5 Millionen, das ist ein Drittel aller Gemeinden. Auch was den Mitgliederzuwachs in den vergangenen drei Jahrzehnten anbelangt, stehen die Katholiken mit 8,7 Millionen an erster Stelle. Rund 44 Millionen Mitglieder zählen die proter stantischen Glaubensgemeinschaften, die fünf Millionen Mitgliederzuwachs in den letzten zwanzig Jahren hatten.
Die Dad Nützliches
Rleingeld des Reizene
In diesen bewegten Mark=Schilling=Tagen, da besonders das Kleingeld im Mittelpunkt unseres heftigsten Interesses stand, da haben wir es plötzlich schätzen gelernt. Früher kaum beachtet, mit spitzen Fingern angefaßt, haben wir nun diese oft recht unansehnlichen Fünfer, Zweier und Einser mit sorgsamer Hand ganz tief unten oder hinten in unsere Brieftasche gesteckt, jeden scharfen Bug oder jede zerdrückte Falte zärtlich glättend.
Wir dachten nicht mehr daran, daß es kleine Werte sind, wir erhoffen von ihnen, daß sie Wert behalten. Und darum liebten wir sie auf einmal.
Ist es nicht ein Symbol?
Wie viele kleine nge gibt es in unserem Leben, in unserem heutigen täglichen Leben, die kaum beachtet, unansehnlich, durch unsere Hand gehen und gewöhnlich an unserem Interesse vorbei. Die wir aber nur einmal, ein einziges Mal mit dem Herzen ergreifen und festhalten müßten. um ihren unverlierbaren Wert zu erkennen und daran zu gewinnen nach bleibender Währung.
Wir wissen nichts zu schenken zu Weihnachten Wir wüßten schon, aber es gibt nichts. Es ist eine arme Zeit, noch immer. Wir tragen schwer daran, es ist uns ein Leid. Wir wären ja so gerne bereit, ganze Reichtümer auszubreiten vor unseren Lieben, besonders auch vor unseren heimgekehrten Lieben. Aber haben wir in dem aufsteigenden Groll darüber auch wirklich nur einmal
und Plaudereien für freie Stunden
ernstlich daran gedacht, unsere Hand schmückend auf alte Dinge zu legen, vielfach mißachtet und verachtet, eben weil sie alt sind? Ein echt fraulicher, erfinderischer Gedanke darum, in die Wirklichkeit umgesetzt, und dieser Gegenstand wird plötzlich neu. Ein Geschenk, als kleine, wertvolle Liebe von unserem Herzen ausgegangen und deshalb kostbar.
So viel Arbeit gibt es. Lächerliche und unnütze, Zeitverlust, totes Warten. Wir möchten das ärgerliche und ungeduldige Wort, das uns auf der Zunge brennt, so gerne aussprechen, eine Entlastung den Nerven. Statt dessen sagen wir plötzlich ein abgerungenes, fröhliches. Viele hören es, wechseln die goldene Scheidemünze dieser kleinen, großen Kleinigkeiten um und legen dazu aus eigenem.
Wir haben es eilig. Wann hätten wir dies heute nicht? — Wir zappeln. Das und jenes läuft uns davon, wenn wir uns nicht darnach tummeln.
Nun steht jenes alte Mütterlein da, dieser greise Bekannte, und sie halten uns auf mit ihren seligen, langwierigen Gesprächen aus der Jugendzeit. Sie klammern sich sozusagen an unseren Armel und sind nicht weiterzubringen. Wir könnten sie abtun mit einem harten Wort. Aber dann würden sie noch einsamer sein in dieser Weihnachtszeit. Daher bitten wir sie, später zu uns zu kommen. An unseren warmen Herd, den wir haben, weil wir jung und kräftig sind, sie aber, die Alten, Müden, vielleicht nicht.
Unsere Kinder wollen Schneeball spielen mit
den guten, wollenen Handschuhen. Immer wollen sie das was wir nicht wollen und was uns so viel Mühe und Arbeit macht. Aber ihre Freude will die unsere sein.
Auf das gute Buch am Abend freuen wir uns den ganzen Tag. Nun kommt ausgerechnet der Mann, legt den Arm um unsere Schulter, ganz frisch und aufgeräumt ist er. „Eine Partie Schach zusammen, ja?“
Was für Mist uns nur die Vögel vor den Fenstern machen! Immer möchten sie Futter, was sollen wir ihnen denn geben, wenn wir selber nichts haben? Aber sie schauen uns an mit dem stummen Blick der Kreatur und warten.
O, so vieles wartet auf uns und wir auf dieses. Selten ist es Großes, meist Einser, Zweier, Fünfer. Oft muß es noch zurechtgeglättet werden, denn die Menschen haben es verlernt, Banknoten der Liebe zu nehmen. Es war zu viel Haß in der Welt. Aber wer diese Valuta anhäuft — Kleingeld des Herzens — der steht vor seinen Schätzen und wird reicher daran, wieviel er auch davon wegnimmt. Amri.
#Net denkt datan?
Daß man bei großer Abgespanntheit eine schwache, laue Salzwasserkompresse ein Weilchen auf die geschlossenen Augenlider legt und wieder frisch wird?
Daß Augen einen schönen Glanz bekommen, wenn man sie, „offenen Auges“ öfter wäscht?
Daß Zeitungspapier um die Füße geschlagen, die wärmste Hülle ist?
Daß man beim Strümpfestopfen sehr darauf! achten muß, den Faden nicht über den Lochrand; zu ziehen, damit das Unglück nicht noch größer wird?
Kleine Modenschau
Hübsch frisiert
Wichtig ist wohl immer, wie es im Kopf##wendig aussieht. Aber manchmal auch nurec klein wenig unwichtiger, wie der Kopf selbstisch präsentiert. Natürlich sitzt er beweglich auf dem Hals, wer sich heute nicht tüchtig umschaut, ist verloren. Aber auch das, was auf dem Kopfe ist, dieses blonde, braune oder schwarze Gewuschel, von pastellfarbenen Tönen ganz zu schweigen, zu betrachten, ist einmal reizvoll.
Gewuschel ist natürlich nicht überall. Nur da, wo es angebracht ist. Aber wo ist es angebracht? Das ist die große Streitfrage der Mode.
über der Stirne, besonders wenn sie jugendlich blank und klar ist, machen sich die verschiedenartigsten duftigen Haariuffs wie wir sie heute sehen, sehr anmutig. Sie lassen sich gut von der Kopfhülle ausnehmen, besonders wenn sie vorwitzig aus der breiten Kapuze hervorlugen oder sich aus einem knappen Seidentüchlein freimachen.
Aber auch der schlichte, etwa nur sanft gewellte oder auch ganz strenge Scheitel kann außerhalb der Hochmode die Mode eines Gesichtes sein.
Locken seitwärts, Locken rückwärts, Haar, weich fallend oder aufgesteckt, samt Locken, ohne Lokken — o. man muß es gesehen haben, um zu wissen, wie viele zarteste Variationen es da gibt.
Wieviel ursprünglicher Geschmack da aber auch zur Geltung kommt, oft mit den einfachsten Mitteln, ist beuchtenswert Geschmack und Geschick der Frauen hilft sich selbst.
Regel gibt es nur eine: Hübsch muß es sein, und hübsch ist. was gefällt. Das aber erreichen wir noch, wenn wir auch in der vergangenen Zeit alle genug Haare lassen mußten, und manchmal erreichen wir es sogar so, daß auch — bemooste Häupter sich noch dran erfreuen