Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:12

- S.28

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Seite 6 Nr. 143 Tiroler Tageszeltungf Dezember 19m Preite
KUNST „ LITERATUR„ WISSENSCHAFT"
DIE BAUSTEINE DER WELT
DAS GEHEIMNIS DER ATOMKERNE Von B. H. Bürgel
Kürzlich habe ich lange nachdenklich vor dem Setzerkasten einer kleinen Druckerei gestanden. Es ist doch eigentlich eine großartige Sache, sagte ich mir, daß man mit den fünfundzwanzig Buchstaben des Alphabets alles auszudrücken vermag. was die Dichter und Denker aller Völker und Zeiten sagten und schrieben. Der Setzer kann, indem er diese fünfundzwanzig Buchstaben in unzähligen Verknüpfungen aneinanderreiht, jedes denkbare Wort, jeden Satz, jedes Kapitel wiedergeben. Die gleichen Buchstaben, mit denen er etwa heute einen trockenen Börsenbericht oder einen Geschäftskatalog herstellt, kann er morgen verwenden, um die Liebeslieder der Li—tai—pe, die Gedanken Platos oder Goethes „Faust“ zu setzen.
Aber ist es nicht mit einem Berg Ziegelsteinen das gleiche? Ein Baumeister kann aus diesen Ziegeln eine Kirche oder ein Kino bauen, einen Bahnhof oder ein Warenhaus, ja Gottvater hat. als er die Welt schuf, die Sache noch ungemein vereinfacht, denn die ganze Welt in allen ihren Höhen und Tiefen besteht aus einigen wenigen Grund=Bausteinen, die alle Atome, alle Moleküle zusammensetzen. Die abertausend Dinge der Natur. handle es sich nun um das Sandkörnchen zu unseren Füßen oder um die feurigen Elemente auf der fernen Sonne, um einen Knochen in unserem Körper, um ein Blatt am Baum oder um Regentropfen, die aus dem Luftmeer niederfallen. immer ist es derselbe Grundstoff in anderer Form.
Es war einer der genialsten Geistesblitze der Menschheit, als im fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung der griechische Denker Demokrit aus Abdera zum erstenmal die Vermutung aussprach, daß diese so vielgestaltige Welt nicht aus unzähligen vielgestaltigen Bausteinen, Formen, Stoffen zusammengefügt sei. sondern daß wenige Bausteine in immer wechselnder Gruppierung genügen mögen, all diese Wunder zu schaffen. Alle „Formen in der Natur, alle Umänderungen dieser Formen kommen nur dadurch zustande, daß diese kleiner Teilchen sich verbinden und auch wieder trennen um neue Formen zu bauen“. So der Weise von Abdera.
Lange hat es gedauert, bis der Mensch Klarheit gewinnen konnte über die Grundbausteine, die schon Demokrit „Atome“ gannte und die auch er schon für so klein hielt, daß sie unsichtbar bleiben müßten. Erst in den letzten Jahrzehnten konnte die Wissenschaft bis zuden wirklich letzten Urformen alles Seienden vorringen, zu denen diese Atome zusammenfügenden Typen im Setzerkasten des Herrn der Welt mit euen diese große Götterdichtung, die wir Allnatuigennen, zusammengestellt wird. — Es ist nichsunsere Absicht. hier den Bau der Atome bis in dieletzten Einzelheiten klarzulegen und auf die shr schwierigen Probleme einzugehen, die da sowoh den Physiker wie den Natur=Philosophen noch bechäftigen; der Mensch schaut hier in den Kern derNatur, es ist
phantastisch, daß es ihm möglich wude. Wir müssen uns vorstellen, soweit man sich ds vorstellen kann, daß ein Atom den hundertmilonsten Teil eines Zentimeters groß ist, ja der tern dieses Atoms ist noch annähernd zehntausehmal kleiner; er ist der Herrscher dieses unendlie winzigen und doch so wichtigen Reiches und um in kreisen in „weiten“ Bahnen seine Trabanten, wie die Planeten um die Sonne kreisen.
Eine gewaltige Arbeit ist in den Foichungslaboratorien geleistet worden, um das Geeimnis der Atomkerne zu entschleiern. Es treten i Atom einige unendlich winzige Elementarteilche auf, die Protonen, Elektronen, Neutronen, Posiynen, die positive oder negative elektrische Ladun führen oder, wie das Neutron, ohne eine solch Ladung sind. Man kann diese Winzigkeitenals „Atome der Elektrizität“, als kleinste elektiche Kraftimpulse bezeichnen.
Es ist fraglich, ob wir heute schon hier den Ken aller Weisheit in Händen halten. Fast scheints,
DAS MENSCHLICHE
Es giht Menschen, von denen man immer lernt. und Menschen, aus denen man niemals klug wird.
Es giht Menschen, die man an ihren Freunden. Menschen, die man an ihren Feinden, und Hen. schen, die man überhaupt nicht an irgend einer Spiegelung in andern Menschen erkennt.
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Es gibt Menschen, die jeden Augenblick sh, nehmen, in dem sie sich zerstreuen Können. Und es gibt Menschen, die keinen Augenblick v# säumen. der ihmen die Möglichkeit gibt, sich m
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Es gibt Menschen, die jeden Verdruß zum schwinden bringen. Und es gibt Menschen, die um jede Freude verderben können.
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Es giht Mensehen, die niemals pünktlich und Sie halten jeden pünktlichen Meuschen für einen Pedanten. sich selbst für um so großzügiger. Se wissen nicht, wie unerzogen sie sind.
Was wir in andern gepflanzt haben, wissen gü immer erst dann genau, wenn wir sehen, wie viel davon aufgelien durfte.
Immer wieder steben Sterne bell ob unserem Haupt, ob du auch in dunkler Ferne kaum an sie geglaubt.
Selbst der Zauberkreis der Tiere an dem Rand der Welt, daß ich mich nicht dran verliere, ist er aufgestellt.
Keine Nacht erscheint dir milder, als wenn Träume nahn, gleichnishafte, tiefe Bilder:
Leier, Fisch und Schwan.
Und du gebst durch viele Zeichen . wie durch Schlangenbant.
Sieb das Rad, von dessen Speichen Licht berniedertaut!
Soll ich dir Gebeimstes sagen! Ach, du kennst es wobl! Unablässig lereist der Wagen um den gleichen Pol.
Gottes Wesen ruht im Kerne als der kelare Schein.
Gebe durch die Welt der Sterne zu dir selber ein!
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als ob die Welt am Ende von zwei Kraft=Impulsen gezeugt und gebaut wird, von den Trägern der positiven und negativen Elektrizität, die gewissermaßen das männliche und weibliche Prinzip der Allnatur darstellen, das ewig Schaffende.
Mag manches sich in unsern Erkenntnissen da noch ändern, eines bleibt bestehen, und das allein interessiert uns hier: Einige wenige, vier, vielleicht sogar nur zwei Ur=Bausteine oder Ur=Kräfte schaffen die Welt, setzen die kompliziertesten Formen der Allnatur zusammen. Trennen wir das Gefüge irgend einer Form, reißen wir die Bausteine auseinander, so können wir mit ihnen neue Formen aufbauen, wie der Setzer, wenn er den Satz auseinandernimmt, die Buchstaben anders gruppiert. aus einem politischen Leitartikel eine
Novelle aufbauen kann, der Baumeister aus den Ziegelsteinen einer niedergerissenen Fabrik ein Theater aufzuführen vekmag. In der Tat sind solche Verwandlungen eines Elementes in ein anderes schon in den Laboratorien vorgenommen worden. Wir können wirklich aus Blei Gold machen, nur sind unerhört kostspielige Einrichtungen nötig, um die Formen der Natur auseinanderzureißen und aus den Bausteinen neue, gewünschte Formen, eben etwa Gold, zu erzeugen.
Sicher ist jedenfalls eines; daß in allen physikalischen und chemischen Laboratorien der Welt heute, im Zeitalter der Atombombe, mit enormen Mitteln und intensiv gearbeitet wird, um tief in das Gefüge der Natur einzudringen, es sich diensthar zu machen.
Wer seine kleinen Fehler nicht korrigiert, vun dere sich nicht, wenn andere alshald größere Fehle: an ihm bemerken, die er auf keine Art loswerde kann.
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Wer alles auf einmal begreifen will. wird imme wieder einmal bemerken, dal er überhaupt nich begriffen hat.
Alles Pausenlose ermüdet den einen früher, de andern später, schließlich jeden, der von einen Cbermenschen verschirden ist.
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Das Moralisieren verdirht den CharakterDa gute Beispiel entwickelt ihn oder er ist überbaßt nicht entwickelbar.,
Es gibt Menschen, die für alles eine Ansrede haben. Sie sollten, sich sagen lassen, was von einet zureichenden Begründung zu fordern ist.
Es gibt Menschen, die stets auf der Kippe steben, und Menschen, die immer im Gleichgewicht sind.
Es giht Menschen, denen es niemals zustöß, db sie irgend etwas zerbrechen. Und es gibt Mensche, die alles zerschlagen, was mian in ihre Hände les.
Niemand hört lieber, daß wir nichts wissen! nen, als der Faulpelz, dem am wohlsten zum ist, wenn er gar nichts zu wissen braucht.
SIEBENMAL WINTER
spätsommerlich=frühherbstlichen Gala. Ist es zum Lachen oder zum Weinen? Ins Freie drängt es Von Dorothy Anderl einen jedenfalls kopfschütteind mustert man die fast verlorene Straße. Und soll man sich nicht Siebenmal Winter: so geht die Rede in den pundern über die weißen Vorten, mit denen der Bergen. Nämlich, daß es zwischen Herbst und Schnee Stockwerk um Stöckwerk, Fenstersims um Frühling siebenmal einen rechten Winter mit tüch
tigem Frost und viel Neuschnee geben müsse. Sonst stehe kein gutes Wuchs= und Fruchtjahr bevor. Dabei kann es sich freilich ereignen, daß sich Frau Holle ihrer Verpflichtungen erst zu spät bewußt wird und ihre Betten zum siebenten und letzten Male noch im Mai oder Juni ausschüttelt, ungeachtet der schon reichbeblätterten Buchen, die ihre strahlenden Häupter aus der Dunkelheit des Tannenwaldes aufheben um dann, ist der Schnee in der ersten Sonne wieder verlaufen, gleich welkgewordenem Salat zurückzubleiben.
Es kann aber auch passieren, daß der Schneemann drei Posttage zu früh anrügkt und dem jungen Herbst, der kaum seine bunten Farben noch auf die Palette gedrückt hat, mit seinem groben weißen Besen das Bild verdirbt, ehe es recht be
weißen Besen das Bild verdirbt ehe es recht gonnen ist.
Denn eben erst hat sich ja das wilde Weinlaub verfärbt; noch strahlen die Astern in den Gärten, zwei, drei Rosen wehren sich wie Heldinnen tapfer; schwer mahlt der Pflug in den Kartoffelfurchen und wirst den knolligen Segen zu Tag, von Weibern und Kindern eingesammelt. Da geht der kurze Tag schon zu Ende. Lauernd hat sich der Himmel verhangen, die frische Oktoberluft ist zum lauwarmen Brodem geworden. Tropfen klappern des Nachts auf die Dächer und gegen die delten Wände des Hauses. Doch die letzte Wahrnehmung, ehe du in Schlaf finkst, meldet deinem Ohr eine ungewohnte, wie vergessene katzenpfötige
Am Morgen liegt der Schnee fußhoch auf der
Sims bis hinf zu den schwer beladenen Dächern bezeichnet hatslicht über die buntbemützten Kugelaboxne, dieie zum Spaß sich dickweiß wattierpelz über die schneeigen Knäuel, die in Kolt and Kastanien — selbst sie haben
ihre sommersprossigen Blätterhände noch nicht abgeschüttelt — zu nisten scheinen? Und seht nur die Gemüsegründe des Gärtners an! Der Kohl hat wahre Riesenkronen von Schneekarfiol geheckt, und der Zwiebelacher trägt biühende Ausgeburten winierlicher Spottlust. Von den Zweigen der Kirschbäume hängen die schmalen Blätter wie fahle Zapfen herab. indessen die Apfel, dichtgereiht, an den Zweigen, ihre Bäckchen rot vor überraschung aus dem verschneiten Blattwerk glühen lassen. Nur die empfindsamen Birnenbäume haben die Partie bereits aufgegeben, stumm recken sie ihre schwarze Kahlheit gen Himmel Das Droben aber haben die Krähen in Besitz genommen. Ließen sie sich bislang nur in aller Morgenfrühe hören oder wenn sie abends wieder zu Holze
zogen, so ist ihr Reich nun gekommen: erfrorene. Vögel, verirrte Mäuse und was sonst noch ringsher verelendet und verludert, halten Jaad= und Mordlust und krächzendes Geschmetter den ganzen grauen Tag über wach. Aber damit man nicht meine daß sich der Mensch nun so ohne weiteres dem Schwarz und Weiß und Grau in Grau unterwerfe, so kommen den Hochweg herab Arm. in Arm, lachend und lärmend. halb stolpernd, halb gleitend, vier, fünf, sechs panageienbunte Mädels. lustig bemützt, fröhlich behost, denen nichts mehr fehlt als die Skier unter den Sohlen um dem Winter nasenstühernd zu beweisend daß seine Griesgrämlichbei; keineswegs ein ernst zu nehmendes Ding sei
Zwei drei Tage währt der Spuk. dann ersäuft er im Föhn Es rinnt von den Dächern von den Bäumen von den Höhen ein goldig=durchsonntes Aquarium Dann im hlaß gewardenen Nachmittag. taucht die herbstliche Landschaft wieder auf
Sie ist nicht lebfrisch, wie sie vorher sich anzuschicken bereit war, mit dem klaren, harten Reichtum ihrer Farben: nein. ein=Sanfteres. gleichsam Durchgeistigtes ist zurückgeblieben, der kaum noch
angestimmte Brustton der überzeugung istun # mezza voce geworden Ein Symbol des Hefes Ua der Herbst, nicht mehr ist es, was da dee und ## steht; eine Paraphrase des Herbstes in uns zeer sprechlich verhaltenen Tinten und Tönen. Und wiederum braucht es einige Tage, bis## ## der Herbst auf sich selbst besonnen und sen F Kräfte gesammelt hat. Ah. noch ist es nicht * . weit, daß wir uns für besiegt erklären, noch # r der Tod keine Macht über uns gewonnen # bar auch der Leib unter dem rüden Grif des worsed voe gen Winters zu Schaden gekommen sein, du arGeiste hat die eisige Faust noch nichts anhabe b# köngen. Und so bauf er sich seinen ramponierte ne Körper noch einmal auf Schöner als zuvor Aui ne erst erstrahlen die hohen Birken, als wären Aes an
ihnen aufgehängt darin hunderttausend ####en dene Fischlein zappeln. nun erst gewinnen d kol Eichen die solide Lederfarbe, die sie unerschree bis weit ins nächste Frühjahr hinein gehißt h werden: nun erst stehen die Buchen wie fahle Tue panen, purpurroten Laubs auf bleich=violettes Stengel: nun erst spiegeln uns die Kulissen descht Nadelwaldes den Himmel zurück, blau oder ara ## hell und dunkel, klar oder verschleiert, bei Nachls ier aber schwarz und wie von Sternen durchsunkel dier Oh vom Mond kein Wörtlein zu sagen. „hr
Wie liegt es sich nun gut auf dem Balion 3 am der Sonne! Die letzten verfuchsten Grasstohen. der Wiese werden noch einmal gemäht und schichet ein ihren herben Duft herüber Welches Geschenk all dia es auszukosten, sommerheiteres Glücz, das i ain noch einmal für ein vaar Stunden streift Allbald werden Stürme und Regenwetter ein“ zan braufen allebald wird uns der zweite, der dult, der der vierte Winter übermannen So wird es sin. Pei so war es stets Und so trösten wir uns mit den din Zuspruch des alterfahrenen Dichters, der sich in arger Lage wohl vorzuhalten wußte, daß er „scher anderes, Hündischeres ertragen habe“.