Tiroler Tageszeitung 1945

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Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der T. T.“, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4, Telephon Nr. 39 41. — Druck: Tyrolia, ebendort.
Samstag, 1. Dezember 1945
Materials
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KUNST
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Die „Jageszeitung“ bringt heute:
Sensation im Nürnberger Prozeß Eine Woche internationale Politik Wahlstatistik im Bilde Ihre Kunst- und Literaturbeilage Die Sportschau am Wochenende Witze der Woche
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7.
Neue Wendung
Die neueste Botschaft, welche Präsident Truman durch Vermittlung einer Pressekonferenz an die Welt richtet, wird Staunen und Befriedigung zugleich hervorrufen. Staunen deshalb, weil sie das Ende einer Epoche bedeutet, die man wohl für überaltert, aber noch nicht reif zum Vergehen hielt. Befriedigung, weil sie den Beginn eines neuen Versuches verkündet, um die verfahrenen Angelegenheiten der Welt durch die vereinigte Nitarbeit aller Völker zu ordnen.
Sicherlich wurde in San Franzisko ein vortrefflicher Plan ausgearbeitet und beschlossen, um für die Zukunft den Frieden der Welt aufrecht zu erhalten. Wie aber sollten die laufenden Fragen bereinigt werden? Gab es doch unmittelbar nach dem großen Waffengange eine Fülle von Problemen, die der sorgsamsten Betreuung bedurften! Für diese Arbeit stand nur eine Autorität zur Verfügung. Der Rat der großen Drei! Im Kriege hatten sich diese Zusammenkünfte und diese Zusammenarbeit der führenden Staatsmänner der drei größten Mächte der Welt außerordentlich bewährt. Es mußte nicht sein, daß eine Einrichtung, die in einer Zeit, wo die straffste Zusammenfassung der Kräfte oberstes Gebot war, ausgezeichnete Dienste leistete, in der gleichen Weise erfolgreich arbeiten
konnte, wenn die Notwendig###emer straffen Zügelführung gewichen war undinenn stärker als die gemeinsame Notwendglet die einzelnen Interessen sich zum Worte nelden würden. Schon die Beschlüsse von Potsdam zeigten, daß dieser bisherige oberste Rat der Velt den Anforderungen, die die Erfordernisse des Friedens an ihn stellten, nicht gewachsen war. Der schlimme Ausgang der Botschafterkonferenz in London hat diese Befürchtungen nur zu sehr gerechtfertigt. Man glaubte, daß vielleicht eine Zusammenkunft der großen Drei die Verhandlungen wieder in Gang bringen könnte. Dieser Optimismus konnte sich nicht bestätigen, denn er zerschellte an der Tatsache, daß die Auseinandersetzungen zwischen den angelsächsischen Mächten und Rußland kaum für die
Vorbereitung einer Atmosphäre des vollen Vertrauens dienlich waren. Konnte aber diese Vertrauenskrise nicht gelöst werden, so war der bisherige Mechanismus der internationalen Angelegenheiten nur mehr von sehr beschränktem Nutzen. Wenn Präsident Truman heute ankündigt, daß der Rat der großen Drei sich nicht mehr mit den Angelegenheiten der Welt befassen wird, so sagte er damit, daß die Erstellung der Friedensverträge vor ein neues Forum gelangt. Der Rat der grozen Drei hat nicht nur aus den oben genannten psychologischen Gründen versagen müssen. Sein Aufbau war an und für sich nicht geeignet, mit größeren Konstruktionsaufgaben belastet zu werden. Die Kriegführung fordert andere Methoden als die wohl abgewögene, auf lange Sicht hinaus
slanende Arbeit der Friedensschlüsse. Sehon als die großen Drei in Potsdam über einige Ange
legenheiten der künftigen Friedensregelung verhandelten, mußten sie eine heftige Kritik in Kauf lehmen. Waren doch die beiden Großmächte Fankreich und China nicht beigezogen worden, stwohl die Verhandlungen deren Interessen sehr fark betrafen. Aus diesem Grunde ist ja schließ
ich die Ausarbeitung der Friedensinstrumente der Ltschafterkonferenz übertragen worden. * Wenn wir die Erklärungen des Präsidenten Zuman richtig auffassen, so haben wir zu ge
rärtigen, daß die Grenzziehungen und die Fest
Tietzungen der finanziellen und wirtschaftlichen #tiedensbedingungen nicht mehr von einer Körserschaft wie der Botschafterkonferenz, sondern vom Rate der Vereinten Nationen, also von einem größeren Kreise vorgenommen werden wird. Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Erweiterung des Rahmens der Autorität der Beschlüsse, durch welche der Krieg Päquidiert werden wird, neue höchste Geltung verschaffen werden. Es könnte aber auch sein, daß Idie Besiegten sich mit Beklemmung fragen, wie #lange sie darauf warten müssen, bis ihnen klare Verhältnisse vorgezeichnet sind. Italien hat wieterholt sehr eindringlich um den Friedensvertrag gebeten, Ungarn hat neulich ein ähnliches Ersuchen der öffentlichkeit vorgelegt. In allen die
Aingestallung in der Wenpontit
Washington, 30. November.
Präsident Truman erklärte auf einer Pressekonferenz in Washington, er halte weitere Konferenzen der Regierungschefs der drei Großmächte nicht für zweckdienlich und ziehe es vor, die Aufgabe der Lösung internationaler Schwierigkeiten den Vereinten Nationen zu überlassen. Präsident Truman erklärte weiter, er hoffe, die Vereinten Nationen werden in den nächsten drei Monaten mit der Bearbeitung aller jener Probleme beginnen, die früher den drei Staatschefs vorbehalten gewesen seien.
Der Präsident gab bekannt, daß die Alliierten gegenwärtig die Revisinn gewisser Bestimmungen der Potsdamer Erklärung verhandeln. Die Vereinigten Staaten wünschen eine Abänderung der Bestimmung, derzufolge der alliierte Kontrollrat in Berlin nur ein
stimmige Beschlüsse fassen kann. Dieser amerikanische Wunsch sei, so erklärte der Präsident, das Ergebnis des Berichtes von Byron Friee über die Möglichkeit eines Scheiterns der amerikanischen Politik in Deutschland.
Stalin verlängert seinen Erholungsurlaub Moskau, 30. November.
Eine Meldung aus Moskau besagt, daß Stalin sich entschlossen habe, seinen Urlaub zu verlängern und sich vor seiner Rückkehr nach Moskau noch eine ziemlich lange Erholungspause gönnen werde. Wie die Meldung aus zuverlässigen Quellen noch hinzufügt, erfreut sich Stalin einer guten Gesundheit, wird aber vor Neujahr nicht in die Hauptstadt zurückkehren.
Eisenhower kehrt nicht nach Europa zurück
Washington, 30. Nov. (and). General Eisenhower wird vor übernahme seines neuen Postens
nicht nach Europa zurückkehren. In einer Botschaft an seinen Nachfolger General Narney sagte Eisenhower: „Ich werde es stets bedauern, daß gewisse Umstände meine Rückkehr nach Europa verhindert haben, um mich zu verabschieden.“
Frankreich und Deutschland
80. November.
Ein Sprecher des französischen Außenministeriums erklärte, in der französischen Politik gegenüber Deutschland würde keine Anderung eintreten. Eine Zentralverwaltung in Deutschland würde wieder zum früheren Imperialismus führen. Die Schwierigkeiten, unter denen Deutschland gegenwärtig lebt, sind nicht auf Frankreich zurückzuführen, sondern auf die gewaltige Verschiebung von Menschenmassen und auf schlechte Abgrenzung der Zonen.
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IIIHI
Jugoslawien — „Föderative Volksrepublik“
Belgrad, 30. November.
In Belgrad ertönten gestern abends Geschützsalven zur Feier der Absetzung König Peters und Proklamation der Republik Jugoslawien. Die Nationalversammlung nahm zwei Anträge an, einen auf Gründung der Republik, die den Namen „Föderative Volksrepublik Jugoslawien“ führen wird, und den zweiten auf Abschaffung der Monarchie. König Peter II. und die Dynastie Karageorgewitsch wurden sämtlicher verfassungsmäßigen Rechte entsetzt. Der Vorsitzende der Versammlung, Stankovic, erklärte, die kürzlich abgehaltenen Wahlen bedeuteten tatsächlich einen Volksentscheid zugunsten der Republik.
Ein Protest König Peters II.
König Peter II. gab in London folgende Erklärung ab: Die Abschaffung der Monarchie ist das Ergebnis einer Anzahl von Handlungen Marschall Titos, durch die eine solche Entscheidung aus der Hand des Volkes genommen wurde. Einzig und allein dem König selbst und dem Volke stünde die Entscheidung zu.
Wird London König Peter weiter unterstützen?
London, 30. November. (Drahtbericht.)
Eine Erklärung des Reuterbüros stellt fest, daß England keine Veranlassung habe, sich in diese Frage einzumischen. Ebenso heißt es in einem Artikel des „Manchester Guardian“: „König Peter hatte weder in seiner Politik noch in der Aus
wahl seiner Berater eine glückliche Hand bewiesen. Sein Anteil an dem Widerstand seines Landes gegen die Deutschen ist achtbar und wird nicht vergessen werden.“
Auf ieg und Sturz
Karageorgewit
Die Dynastie Karageorgewitsch ist jungen Ursprunges. Ihre, Vorväter, besonders der sogenannte „schwarze Georg“, spielten bei den Befreiungskämpfen der Serben gegen die Türken eine führende Rolle. Den Karageorgewitsch stan
sen Ländern herrscht die Befürchtung, daß die Unklarheit der Zustände der fruchtbarste Nährboden für innerpolitische Gärungen sei. Andererseits kann nicht geleugnet werden, daß die amerikanische Auffassung, man dürfe die Friedensverträge nicht überstürzen, sondern müsse sie ausreifen lassen, nicht ohne Berechtigung ist. Die Amerikaner und auch die Engländer behaupten, die Friedensverträge von 1919 seien deshalb so schlecht gewesen, weil man Postarbeit geleistet habe. Es sei vorteilhafter, mit einer gewissen Ruhe und von einem Standpunkt aus, der der Hitze der abgelaufenei. Kämpfe weit entrückt ist, jene Maßnahmen zu überlegen, mit denen die Welt dauernd gegen Kriegsunfälle gesichert werden kann. Mit großer Spannung wird man auf das Echo harren,
welches die Erklärungen des Präsidenten Truman bei den anderen Ländern auslösen wird.
den als Todfeinde die Obrenowitsch entgegen. Nach Balkansitte vertieften gegenseitige Bluttaten die erbitterte Feindschaft der beiden Fürstenhäuser, die während des ersten Jahrhunderts nach der Befreiung auf dem Throne wechselten. Diese aus der Blutrache hervorgewachsene Todfeindschaft steigerte sich in dem furchtbaren Königsmord vom 12. Juli 1903 zur höchsten Dramatik. Damals wurde der letzte Sproß des Hauses Obrenowitsch, König Alegander Obrenowitsch, mit seiner Gemahlin Draga Maschin im Belgrader Königsschloß aufs grauenvollste ermordet. Als Urheber dieses Anschlages wurde allgemein der im Exil lebende Karageorgewitsch bezeichnet, der nunmehr als Peter l. den serbischen Thron bestieg. Die Politik König Peters lehnte sich im Gegensatz zu
den Obrenowitsch an Rußland an. Unter König Peter I. trat Serbien in den ersten Weltkrieg ein, den es durch den Mord an dem österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand ausgelöst hatte. Als die Friedensverträge von 1919 geschlossen wurden, entstand der jugoslawische Staat. So schien König Peter eine der erfolgreichsten Herrscherlaufbahnen durchlaufen zu sein. Sein Sohn König Alexander II. übernahm jedoch ein mit der schweren Hypothek scharfer innerer Auseinandersetzungen belastetes Erbe.
Der Zentralismus Altserbiens stieß hart gegen die Forderung nach einer freieren Föderation, welche die kroatischen und slowenischen Gebiete stellten. Innere Krisen, noch mehr vergiftet durch chwere Bluttaten, erschütterten das Land, das nicht zur Harmonie finden konnte. Am Beginn des September des Jahres 1943 krachten in Marseille die Schüsse, denen König Alexander wie der französische Außenminister Barthou, der ihn abgeholt hatte, zum Opfer fielen. Es war ein Vorzeichen des schweren Gewitters, das über Europa heraufzog. Ein Regentschaftsrat, der den noch unmündigen Sohn des Königs, Peter II., betreuen sollte, vermochte in Jugoslawien noch weniger, als der ermordete König es gekonnt hatte, den inneren Frieden herbeizuführen. Diese Zerrissenheit des
Landes kam Nazi=Deutschland zugute, das im Frühjahr 1941 den überfall auf Jugoslawien durchführte.
Der junge König Peter II., der erst im Exil die volle Mündigkeit erreichte, widersetzte sich der Annahme des deutschen Ultimatums, während sein Onkel und Vormund Prinz Paul zu dessen Annahme riet. Jugoslawien wurde von den deutschen Armeen überrannt. Das freiheitsliebende Volk jedoch sammelte sich zum Widerstand. Die Führer dieser Widerstandsbewegung stammten politisch aus getrennten Lagern. Allmählich gelangte die Richtung des Marschalls Tito zum Siege, nicht nur über die Deutschen, die das Land besetzt hatten, sondern auch über seine politischen Gegner. Marschall Tito hat nun aus seinen Erfolgen die Folgerungen gezogen, indem er den Ausgang der Wahlen als eine Zustimmung des Volkes zu seinen politischen Zielen betrachtete. Das sind die
Hintergründe, die den Beschluß der verfassunggebenden Nationalversammlung auf Abschaffung der Monarchie erklären. Sicherlich besteht im Lande eine starke Gegnerschaft gegen Tito weiter. In der Auseinandersetzung zwischen Tito und der Dynastie Karageorgiowitsch muß daher vielleicht auch noch nicht das letzte Wort gesprochen sein.
zerstückelte Tirol
Eine englische Stimme über Südtirol
Capt. Alan Graham nimmt in einem Brief an den Herausgeber des „Daily Telegraph“ unter dem Titel „Das zerstückelte Tirol, ein Verbrechen, das nach Wiedergutmachung schreit“, folgendermaßen für Südtirol Stellung:
Die „Großen Drei“ haben ihrem Wunsche nach einem unabhängigen Österreich Ausdruck gegeben. Doch ist das nur dann vollkommen zu erreichen, wenn ihm Südtirol und seine Bevölkerung zurückgegeben wird. Bei Fortdauer der Abtrennung verspürt Nordtirol natürlicherweise einen gewissen Zug zu Deutschland hin, aber wenn sie einmal wieder miteinander vereinigt sind, werden die Tiroler jeder Versuchung zum Anschluß an Deutschland ebenso entschieden widerstehen wie gegenüber Bayern unter Andreas Hofer 1809.
Es ist jetzt die absolute moralische Pflicht der Vereinten Nationen, Südtirol und seine Bevölkerung wieder mit Österreich zu vereinigen.“
Österreich wünscht Verminderung der
London, 30. November. (Reuter.) Der Unterstaatssekretär im auswärtigen Amt Hector MeNeil erklärte heute auf eine Anfrage im Unterhaus über die Besatzungszone in österreich folgendes:
„Die britische Regierung erwägt derzeit die allgemeine Frage, wie auf Grund der österreichischen Wahlen die künftige Kontrollpolitik zu gestalten sei. Die britische Regierung wäre gern zu einer zahlenmäßigen Herabsetzung der Besatzungstruppen bereit, könne jedoch allein darüber keine Entscheidung treffen. Die britische Regierung stünde mit den anderen Regierungen über diesen Punkt in Verhandlungen.“
Ein UNRRA=Komitee in Wien
Wien, 30. Nov. Auf Einladung des Alliierten Kontrollrates ist ein UNRRA=Komitee in Wien eingetroffen. Das Komitee wird sich sogleich an die Bearbeitung der Versorgungsfragen begeben, wenn die URRRA auf die Einladung des Alliierten Kontrollrates hin, die Verantwortung für die Herbeischaffung von Vorräten zur Hilfe und zum Wiederaufbau Österreichs übernimmt. Der Aufforderung des Alliierten Kontrollrates, dieses Untersuchungskomitee nach Wien zu senden, folgte ein Beschluß des UNRRA=Rates, wonach es der UNRRA gestattet werde, Hilfsaktionen in Österreich auf Aufforderung und mit der Zustimmung der entsprechenden Behörden, denen die Verwaltungskontrolle des Landes obliegt, vorzunehmen. Bisher hat die UNRRA in österreich sich bei den Aktionen für
die Verschleppten betätigt.
Die Anklage gegen Abetz Wie Radio Paris meldet, wurde der ehemalige deutsche Gesandte der Vichy=Regierung, Otto Abetz, offiziell wegen Totschlages, Plünderungen und Denunziation angeklagt. Abetz war im Oktober in der von den Franzosen besetzten Zone Deutschlands verhaftet worden. Er befindet sich im Cherche=Midi=Gefängnis in Paris.