Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:11
- S.65
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Tiroler Tageszeitung
20. November 1945
Nr. 128 Seite 3
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Desuch in der Innsbrucker Kartenstelle
Von unserem ständigen Mitarbeiter Max Rieder
Rübsam arbeite ich mich durch die vielen Menen die den breiten Gang zwischen den Kartenausgeschaltern füllen, das heißt ich komme mir vor wie * Wellenbrecher. Von hinten werde ich gedrückt und hoben und vorne wollen die Leute einfach nicht satz machen. Plötzlich zieht mich jemand gewalttätig Armel zurück und ehe ich noch fähig bin, Protest pulegen, herrschi mich eine Baßstimme an, daß ich erschrocken zusammenfahre. „Sie da, ja Sie, Sie izer, wollen Sie sich nicht hinten anstellen oder tuben Sie, weil Sie so eine lange Figur haben, duen Sie einfach vorgehen?“ Schüchtern wende ich daß ich doch nur etwas fragen möchte, aber Thricht es über mich herein wie ein Angewitter. Die zn Schlange vor und hinter der Baßstimme teilt mit, daß alle nur etwas fragen
möchten und ich ##e mich nur schön gedulden und warten, bis ich an * Reihe wäre.
solständig eingeschüchtert und niedergeschmettert m#ich das Ende der Schlange zu ermitteln und Amit Entsetzen fest, daß es sich fast am Ausgang zien befindet. Aber was bleibt mir schließlich üb
alieber als mein Ende in dieser gärenden, zischenbis zum Hals mit Explosivstoff geladenen Menge finden, entschließe ich mich schweren Herzens das z Glied in der Reihe zu bilden.
bald schon schließen sich Neuankömmlinge hinter i an und ruckweise Stück für Stück nähern wir i der Stelle, wo sich meiner Schätzung nach der iabeschalter befinden muß. Vor mir zieht ein elbeleibter Herr
einen Rettich und ein Stück Brot
s der Tasche, schneidet abwechselnd kleine Stückchen snon ab und verspeist sie mit sichtlichem Wohlbehan Das reizt anscheinend den Gaumen meines Hinmannes, denn er bringt ein Stück Emmentaler zum #shein, der sich in der Hauptsache durch seinen sauch bemerkbar macht. Rechts von mir erzählt eine im Frau ihrer Freundin die neuesten Klatschgesetten ihres Viertels und hinter meinen Rücken singt eine weibliche Stimme in den Wohlgenüssen, nan sich heute nicht mehr leisten kann. Es beut ihr anscheinend Spaß, sich in Gedanken die unsten Eierspeisen und Kalbskotteletts mit Rahmje vorzugaukeln. Diese ihre Halluzinationen teilt sie beredter Weise ihren Mitmenschen mit, bis schließlich einem terpulenten Herrn der Geduldsfaden reißt: Heams sagt er, wenns net
bald aufhearn, dann zrgeßismi no!“ Doch da mischt sich eine andere nibliche Stimme darein: „Sie, was geaht denn dös k mn, Sie unhöflicher Mensch, Sie!“ „Mir können Anzähln, was wir wolln, versteahns mi, Sie Wein Bazi“ „Was sagns da, Weaner Bazi habns. in Sie san Eahner wohl gar net bewußt, was S"
agt ham, Sie schamlose Person, Sie!“ „Halts sal Du Wampeter!“ ruft einer von der anderen ##herüber und schon ist der schönste Tumult ferIn links und rechts entladen sich die erregten süter, so daß schließlich die beiden Polizisten am
Eingang darauf aufmerksam werden und auf ihre Amtsgewalt pochend schlichtend zwischen die Parteien treten. Nachdem auf diese Weise
der Frieden wiederhergestellt ist, herrscht tiefe Stille, nur der aufgeregte Wiener murmelt noch ein paarmal die Worte: „Die ihn so tief erregt hatten.“ Inzwischen sind wir ein gutes Stück näher an den Schalter gerückt und die leise gehegte Hoffnung, daß ich auch noch drankommen könnte, findet neue Nahrung. Endlich ist es auch soweit, daß ich dem blonden Schalterfräulein mein Anliegen vortragen kann. „Mein Name ist so und so, ich komme von der Tageszeitung und möchte Sie gerne fragen.“ „Wenn Sie etwas fragen wollen, dann wenden Sie sich bitte an den Hern dort hinten,“ fällt Sie mir ins Wort, „der gibt Ihnen Auskunft!“ „Der Nächste bitte!“ Ich will noch etwas sagen, aber schon hat mich mein Hintermann weggeschoben und um eine Enttäuschung reicher wende ich
mich an den besagten Herrn. „Ja, sagt dieser,
da müssen Sie zu Frau Bayerl gehen, die kann Ihnen da bestimmt Auskunft geben. Warten Sie einen Moment, ich geh mit Ihnen!“ und da ist sie auch schon, eine Dame in den mittleren Jahren mit dem Blick eines Untersuchungsrichters. „Der Herr hier ist von der Zeitung, sagt mein Begleiter und er möchte Sie gerne etwas fragen, Frau Bayerl!“ Schüchtern bringe ich nun mein Anliegen vor und wie die Dame hört, daß ich weder einen Bezugschein für einen Hut noch für einen Sockenhalter zu erwerben gedenke, wird sie plötzlich freundlich und in bewegten Worten schüttet sie mir ihr geplagtes Herz aus: „Wissen Sie“, sagt sie, die Kaufleute, die könnte ich nur so in die Luft sprengen. Alle reservieren sie für ihre Freunde und Angehörigen, Anzüge und Mäntel, und ich habe bald
nichts anderes mehr zu tun, als unter den riesigen Stößen von Bezugscheinanträgen jene dieser Leute herauszusuchen. Und wissen Sie, wenn man hier länger ist, dann bekommt man den Eindruck, daß jeder Innsbrucker nur den Anzug hat, den er am Leibe trägt und am Sonntag nicht aus dem Hause gehen kann, weil er sein einziges Hemd waschen muß. Ich sage Ihnen, man könnte verzweifeln. And seit wir in Innsbruck 4 Kartenausgabestellen haben, ist überhaupt alles so umständlich. Früher als noch alles in einem Hause war, da ging es noch, aber heute, könnte man direkt Selbstmord begehen. Aber entschuldigen Sie mich bitte, es stehen wieder zu viele Leute hier, ich muß doch sehen, daß ich sie wieder weiterbekomme.“
And da geht es auch schon wieder los: Bezugscheine für Mäntel, Socken, Hüte und Anzüge. Jeder der Eintretenden hält seine Sache für die dringendste. Langsam steuere ich wieder dem Ausgang zu, nach wie vor ist der breite Raum zwischen den Schaltern angefüllt mit stoßenden, drückenden Menschen, bei denen ein Funke genügt, um ihr Inneres zur Explosion zu bringen. Ja, die lieben Schalterbeamten sind bestimmt nicht zu beneiden!
Feste im Billertal
Von unserem Sönderberichterstatter Franz Baldauf
Mayrhofen, 19. November.
eanz still in das Dunkel der beginnenden ch gebettet liegt Mayrhofen. über die schneenäten Berggipfel, die schroff in den sattblauen #mel ragen, huscht das Silberlicht des aufzienden Vollmondes. Still ist das Dorf — und nicht still. Aus den blumen= und fahnenshnückten Häusern von nah und fern strömen Bewohner — alt und jung — im Festtags#and, die meisten im grauen Tuxer, vor das stal der hübschen Barockkirche, um ihren shirten zu empfangen.
in 7 Uhr abends begrüßt den Fürsterzbischof Kohracher Bürgermeister Kröll unmittel#vor den vier neuen Glocken der Dorfgemeinde, ##or der Kirche ihrer Weihe harren. Ihre Aufist es, wi: der Bürgermeister hervorhebt, die Enden zu rufen, die im Dorf, und die noch fern feuropa verstreuten Kinder des Dorfes, die auf Heimkehr warten. Wir alle mit ihnen. Sie e aber auch die Toten, die in der Heimaterde, Kalle, die irgendwo fremd liegen zwischen dem dap und den Wüstensteppen Afrikas; ihnen n sind sie ein Gruß der Heimat. Und sie bre#die Ungewitter, vor denen uns der Herr verEnen möge.
nach dem Einzuge des Erzbischofs in die Kirche #ch Dr. Royracher zur Pfarrgemeinde über den In des kommenden Festes: Die Glocken selbst beimkehrer. Vör dreißig Jahren wurden sie * Turme genommen und seit dem ersten Welt#g ist Mayrhofen zu keinem klangschönen Gede mehr gekommen. Am kommenden Samstag werden sie erstmals erklingen; ihr erstes #en soll den toten Helden des Dorfes gelten. sie den Gruß ihrer Lieben übermitteln werSie sind vor allem aber Künder Christi, der Anfalls wieder Heimkehrer in Familie und i, wie im öffentlichen Leben des Volkes werin soll.
Sonntag=Vormittag leuchtete in herrlichSonnenglanz. Ein Festwetter, wie man es s schöner zur Feier dieser Glockenweihe nicht
hätte wünschen können. Das ganze Dorf spiegelte diesen Festjubel wider. In seiner Predigt während der Pontifikalmesse verwies Fürsterzbischof Dr. Rohracher auf den Sinn und die Bedeutung der Namensgebung der vier Glocken, deren erste dem Bundesherrn Tirols, dem göttlichen Herzen Jesu, geweiht wird. Es werden im kommenden Jahr hundertfünfzig Jahre sein, daß das Tiroler Volk und seine Regierung in Bozen in ernstester Stunde des Landes diesen in der gesamten Weltgeschichte einmaligen Vertrag eingingen. Er wurde geschlossen, da Tirol selbst vor der Frage seines Bestandes stand. Der Bundesherr hat den Vertrag gehalten. Heute allerdings ist der kostbare Edelstein, dieses herrliche Land, wieder in drei Teile zerschnitten. „Wir alle hoffen und bangen
darum, daß die Einheit des Landes wieder hergestellt wird. Möge das kommende Jahr mit der Jubiläumsfeier des Vertrages von Bozen zugleich die Rückkehr des verlorenen Landesteiles bringen. Dies wird um so sicherer sein, je mehr sich das Tiroler Volk auf die Treue gegenüber seinem Vertragspartner besinnt, denn diese Treue ist gerade in den letzten Jahren nicht ohne Schuld unseres Volkes gebrochen worden.“
Nach der Messe fand vor der Kirche die Benediktion der Glöcken durch den Fürsterzbischof statt. Es ist eine sinnvolle Feier, mit der die katholische Kirche eine solche Weihe verbindet. Gerade die Jetztzeit muß diese Sprache einer Glockenweihe um so besser verstehen, als die Liturgie aus den Tiefen der Niederungen und der Not sich in immer herrlicheren Gesängen des Lobes emporschwingt, bis die Stimme des Allerhöchsten selbst in den neuen Glocken sich versinnbildlicht. Tief ergreifend war der Augenblick, da der Fürsterzbischof die kleinste Glocke weihte, die den Engeln zugeeignet ist. Da er unter der Glocke stand, klang das Lied vom Guten Kameraden auf. Denn diese Glocke und ihre Schutzgeister sollen die Wächter an den fernen Heldengräbern sein, überall
dort, wo die Söhne der Gemeinde
Ausgabe von Trockenmilch
Das Ernährungsamt der Landeshauptstadt Innsbruck gibt bekannt:
An die Verbraucher in Innsbruck gelangen in den nächsten Tagen 125 Gramm Vollmilchpulver zur Ausgabe. Der Bezug erfolgt auf den Abschnitt 44 der Lebensmittelkarten für Normalverbraucher (7. Zuteilungsperiode) für Erwachsene und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren; außerdem auf den Abschnitt 244 der Lebensmittelkarten für Teilselbstversorger in Fleisch und Schlachtfetten (7. Zuteilungsperiode) für Erwachsene und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren. Kinder bis zu
6 Jahren, Teilselbstversorger in Butter und Vollselbstversorger haben auf diese Zuteilung keinen Anspruch.
Zum Bezug ist gleichzeitig die Innsbrucker Haushaltskarte vorzuweisen, auf der der Abschnitt 31 von allen Verteilerstellen bei der Abgabe zuverlässig zu entwerten ist.
Die von den Lebensmittelkarten abgetrennten Abschnitte E 44, Igd. 44 sowie E 244 und Igd. 244 sind in der üblichen Weise bis spätestens Ende dieser Zuteilungsperiode beim Ernährungsamt der Stadt Innsbruck abzurechnen.
Eröffnung einer französischen Bücherei in Innsbruck
Demnächst wird in dem ehemaligen Kleiderhaus Schirmer, Ecke Maria=Theresien=Str.=Anichstraße eine „Französische Bücherei“ eröffnet werden, deren Einweihung im Prinzip auf den 22. November festgelegt ist. Der Sinn dieses Werkes französischer Propaganda soll es sein, österreichern französische Literatur näherzubringen und ihnen einen Einblick in französisches Geistesleben zu geben.
Die „Französische Bücherei“ ist, was die Leihbücherei betrifft, ausschließlich Österreichern vorbehalten, während die Verkaufsabteilung für die Okkupationstruppen sowie auch für Österreicher bestimmt ist.
Man wird dort die neuesten französischen Werke der künstlerischen und technischen Literatur vorfinden, sowie Wörterbücher und die wichtigsten Zeitschriften und Modejournale, die derzeit in Frankreich erscheinen. Auch ein Lesesaal wird der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.
Gegen die Verkehrswildlinge
Die Innsbrucker Polizei führte am Ende der vergangenen, Woche an zwei Tagen eine Razzia gegen Verkehrssünder durch. Es wurden 204 Anzeigen erstatte und 80 Organmandate eingehoben. Außerdem wurden ein gestohlenes Motorrad und ein gestohlenes Fahrrad sichergestellt. — Solche überprüfungen des Straßenverkehrs werden in den nächsten Tagen fortgesetzt.
Schwarzhändler verhaftet
Ein Schwerkriegsbeschädigter wurde von der Innsbrucker Kriminalpolizei wegen Schleichhandel festgenommen. Er hatte große Verkäufe und Tauschgeschäfte mit Fleisch, Uhren und Schnaps betrieben.
Tote
In Mutters starb am 17. November im 76. Lebensjahre Frau Notburga Resch, Buchhalterswitwe und Mutter der Muttereralmwirtin. Beerdigung am Mittwoch, 21. November, um halb 9 Uhr in Mutters.
In Hall starben: Anna Torggler, Hofratswitwe, 74 Jahre alt; Franz Kofler, Bergarbeiter, 69 Jahre alt.
In Schwaz starb Oberlandesgerichtsrat Anton Habersatter, Gerichtsvorsteher in Hallein.
Silberne Hochzeit. Oberst Franz Gamisch und Maria Gamisch, Innsbruck, feiern am 23. November das Fest der Silbernen Hochzeit.
Knaben= und Mädchenschule Hötting. Der regelmäßige Unterricht an der Höttinger Knaben= und Mädchenhauptschule beginnt am Montag, den 26. November 1945, 8 Uhr früh.
Amtliche Mittellungen
Die Wegräumung des Schuttes in Innsbruck
Dienstag, 20. November, 12.15 Uhr Einsatzgruppe I: Sammelplatz Ursulinenkirche— Innrain: Freisingstraße 1, 3, 7, 9, 11; Schöpfstraße 6, 8, 12, 14, 16, 18, 22, 24; Fischergasse 40, 42, 44, 46, 48, 50, 52, 54; Peter=Mayr=Straße 12, 14, 18. 20, 22.
Einsatzgruppe II: Sammelplatz Ecke Ing.=EtzelStraße—Bienerstraße: Erzh.=Eugen=Straße 30, 32, 34, 36, 42, 44; Schubertstraße 3, 4, 5, 6.
Mittwoch, 21. November, 12.15 Uhr Einsatzgruppe I: Sammelplatz UrsulinenkircheInnrain: Karwendelstraße 2, 4, 5, 6, 7, 9a, 9b, 9e, 9f, 10, 9, 11. 12, 13, 14, 15; Ing.=Riehl=Str.= 2, 2a, 4. 6, 8.
Einsatzgruppe II: Sammelplatz Ecke Ing.=EtzelStraße—Bienerstraße: Schubertstraße 7, 8, 9, 11, 12, 13, 14, 15.
Donnerstag, 22. November, 12.15 Uhr Einsatzgruppe I: Sammelplatz Ursulinenkirche— Innrain: Wiltenberg 1, 1a, 2, 2 Stöckl, 14; Egger=LienzStraße 51, 53, 55, 88a, 90, 92. 94, 96, 116a, 132.
Einsatzgruppe II: Sammelplatz Ecke=Ing=EtzelStraße—Bienerstraße: Schubertstraße 16, 17, 18; Mozartstraße 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10.
Eröffnung der landw. Schulen in Rotholz Die landw. Landeslehranstalt und die Haushaltungsschule Rotholz, die beide bis 1938 unter der Leitung des derzeitigen Landeshauptmanns Ing. Dr. Weißgatterer auf eine für ganz Österreich beispielgebende Höhe aufgebaut worden waren, sind Dienstag, den 6. November, wieder neu eröffnet worden. Der derzeitige Dir. Junker konnte mit tatkräftiger Unterstützung des Herrn Landeshauptmanns Dr. Weißgatterer und des Landesobmanns der Tiroler Bauernschaft O.=R. Muigg alle die großen Schwierigkeiten, die sich der rechtzeitigen Eröffnung der Schulen entgegenstellten überwinden und die umfangreichen Anstaltsgebäude, die durch die Ereignisse des Umsturzes schwer gelitten hatten, wieder völlig instandsetzen und ausreichend
einrichten. Die landw. Lehranstalt Rotholz ist damit eine der wenigen landw Schulen, die bereits jetzt ihren Schulbetrieb aufnehmen konnte. Es stellte sich auch darum eine außerordentlich große Anzahl von Anfragen um Aufnahme ein, die nur zu einem geringen Bruchteil berücksichtigt werden konnten, obwohl die landw. Lehranstalt mit über 100 Schülern und die Haushaltungsschule mit rund 50 Schülern einen noch nie dagewesenen Höchststand an Schülern aufweist.
Mit einer schlichten Feier, an der Landeshauptmann Ing. Dr. Weißgatterer, Landesobmann Okonomierat Muigg, Landesobmannstellv. O.=R. Graus, der Dir. der Landesbauernschaft Ing. Dr. Lechner und Dr. Guth vom Präsidium der Landeshauptmannschaft teilnahmen, wurde die Wiedereröffnung der Anstalten begonnen. In den Ansprachen an die Schüler und Schülerinnen wurden die außerordentlichen Verdienste des derzeitigen Dir. Junker um die Ermöglichung der rechtzeitigen Eröffnung der Schulen besonders gewürdigt.
in fremder Erde ruhen, entbehrend des Besuches und der sorgenden Ha ihrer Lieben.
Nach der Weihe grüßte Landesrat Professor Dr. Gamper die Bevölkerung von Mayrhofen namens der Tiroler Landesregierung. Er verwies darauf, daß nun schon zweimal die Glocken von den Türmen genommen wurden. „Das erstemal haben wir sie bekränzt und gaben sie freudig hin, weil wir des Glaubens waren, für eine gerechte Sache zu kämpfen. Das zweitemal haben wir mit Trauer und Zähneknirschen die Glocken in den Dienst des Krieges gestellt. Heute aber hoffen und wünschen wir, daß diese neuen Glocken nie mehr von den Türmen steigen, um ihrer Aufgabe des Friedens und der Erhebung entweiht zu werden.“
An der Glockenweihe nahm auch der Gouverneur von Tirol, Exzellenz Dutheil, teil, der anläßlich des anschließenden Festmahles folgende Ansprache hielt:
„Es ist eine hohe Ehre für mich, bei diesem großartigen Fest und in Anwesenheit des höchsten kirchlichen Würdenträgers des Landes die französische Militärregierung in Österreich zu vertreten. Auf Anordnung des Generals Bethouart, meines Oberbefehlshabers, sind die Glocken der Kirchen Tirols und Vorarlbergs wieder in ihre Türme zurückgekehrt und senden wieder wie einst ihren friedlichen Aufruf zum Gebet in die Weite. Frankreich hat diese Geste getan, denn Frankreich ist das Land der Freiheit und ist stolz darauf, allen Ländern, die es unterstützt und leitet, oder denen es auch nur nahe rückt, diese Freiheit zu bringen: Gedankenfreiheit.
Handlungsfreiheit, Lebensfreiheit Die Knebelung der Glockentürme war das Werk des Nazismus. Frankreich hat es erreicht, daß sie wieder hell und klar in den Himmel Österreichs klingen können. Wenn unser Wirken hier zu Ende sein wird, und wenn ihr beim Rufe der Glocken zu euren Kirchen und Kapellen eilt, so denkt noch manchmal daran, Christen von Tirol, daß einmal Franzosen hier waren, daß sie vielleicht ein wenig lästig fielen, aber daß ihr höchstes Streben war, euch die Freiheit zurückzugeben und eine große Nation aus Öster
reich zu machen! Habt Vertrauen — schaut auf Frankreich! Fürchterliches hat unser Land mitgemacht; aber es hat sich aufgerafft, dank der Energie seiner Söhne. Gott konnte die „Alteste Tochter der Kirche“ nicht untergehen lassen. Euch österreichern wird genau so geholfen werden, wenn ihr es wollt und wir werden euch dazu beistehen. Das ist die Botschaft, die ich heute bringe. Hört sie klingen durch die heute zurückgekehrten Glocken von Mayrhofen!“
Die Rede des zuverneurs, ins Deutsche übersetzt, wurde von lang anhaltendem Beifall aller Versammelten ausgenommen.
Nachmittags fand in Stumm die Glockenweihe statt. Die Glocken von Stumm, das nur mehr eine einzige Glocke im Turme hat, sind durch denselben Guß von der Firma Graßmayer in Innsbruck gefertigt worden wie jene von Mayrhofen. Nur ist das Geläute noch schwerer. Die größte Glocke (H) wiegt 2400 Kilogramm, die drei anderen 1200, 700 und 500 Kilogramm. Kaum waren die alten Glocken zur Einschmelzung für die Rüstungsindustrie aus dem Turme genommen worden, meldete der verdiente Glockenobmann Stiegler schon bei Graßmayr den Neuguß an. Und so bald nach dem Kriege ist es nun der Gemeinde, vor allem ihrem rührigen Pfarrherrn Baumann, gelungen, neue Glokken zu erhalten. Die im Turm verbliebene Glocke soll übrigens auch auf das neue Geläute
umgestimmt werden, so daß Stumm über eine ganz ansehnliche Klangfülle verfügen wird. Ahnlich wie in Mayrhofen, war die Glockenweihe in Stumm ein Fest des ganzen Dorfes. Musikkapelle und Schützen, der Chor und Volksgesang der Kinder umrahmten die Feier, die bis in die Spätstunden des Nachmittags sich ausdehnte, da bereits die Schatten der Berge schon tief in das Tal fielen.
Mag auch die Stadt ein Fest gewaltiger und rauschender zu gestalten verstehen, es wird kaum eindrucksvoller sein als auf dem Dorfe, im Gegenteil, es wird immer gegen solche Feste einer Dorfgemeinschaft abfallen. Der Sonntag jedenfalls war im Zillertal ein Fest echt österreichischer Heimatliebe und tirolischen Glaubensgeistes.