Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:7

- S.17

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Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Sinzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung
Nummet 17/ 1. Jahrgang
Redaktionelle Sinsendungen und Anfragen sind zu richten an Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Mittwoch, 11. Juli 1945
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„Wir danken ..
Wahrscheinlich brauchen wir nur mit diesen Worten zu beginnen und die meisten Leser, wenigstens jene, die im Jahre 1938 fähig waren zu lesen und zu hören, werden die Fortsetzung, die dazu gehört, von selber finden. Zu laut und zu grell hat man es uns in jenem unheilvollen Jahre mit Plakaten und den damals so beliebten Sprechchören in die Augen und in die Ohren geschrien: „Wir danken unserem Führer“ Jawohl, die Propagandalautsprecher des Dritten Reiches hatten eine wahrhaft überwältigende Lungenkraft, um ein Dankgefühl auszustoßen dafür, daß Hitler Oesterreich vergewaltigt, beraubt und den österreichischen Menschen seiner Freiheitsrechte entkleidet hatte, dafür, daß er den ruhm= und ehrenvollen Namen Oesterreichs aus der Geschichte auslöschen wollte.
Es mag für jene, die damals vielleicht zustimmend und bewundernd vor den Dankesplakaten standen, heute nicht sehr angenehm sein, an die Zeit jener Verirrungen erinnert zu werden. Trotzdem kann ihnen diese Auffrischung des Gedächtnisses nicht erspart werden. Schon deshalb nicht, weil Politik eine ernste und nüchterne Sache ist, bei der man nicht nach Gefühlen, sondern mit dem wägenden Verstande zu handeln hat. Es ist eine Zeitperiode verflossen, die einen Rechenschaftsbericht verlangt. Es ist der Augenblick für eine Bilanz gekommen, die man ausrechnen muß, weil ihre Ergebnisse für eine gesündere Zukunft unseres Landes von unmittelbarer Bedeutung sind.
Wofür also hat man denn im März 1938 Adolf Hitler einen so großen Vorschuß an
kluge doch die darstelle
ch die Blüte der Klugheit und Intelligenz rstellen — danken erst, wenn sie gesehen haben, daß gegebene Zusagen eingehalten werden. Und wie hat Hitler diese BlankoVollmacht des Dankes erwidert? Wofür also haben sie damals dem Führer gedankt? Dafür, daß er — um nur die größten Dinge anzuführen — Oesterreich in den von seinem Größenwahn entfesselten Krieg hineinriß. Dafür, daß die Massengräber der europäischen Schlachtfelder sich mit den Leichen unserer Jünglinge und Männer füllten. Dafür, daß Hunderttausende von jungen blühenden Menschen zu verstümmelten, um ihre Lebenshoffnungen betrogenen Krüppeln wurden. Dafür, daß Hunderttausende von Kindern der Verwaisung anheimfielen. Dafür, daß unsere Städte und nicht wenige von den schmucksten unserer Dörfer mit Trümmern übersät worden sind. Dafür,
daß wir alle Folgen zu tragen und zu spüren haben, die der vom Dritten Reich verlorene Krieg für alle Länder mit sich bringt, die es an sich gekettet hatte. Dafür, daß wir seit Jahren Mangel leiden und nicht wissen, wann das Ende der Entbehrungen gekommen sein wird. Dafür, daß unser Land die Lasten einer Besatzung tragen muß. Dafür, daß wir finanzielle und wirtschaftliche Einschränkungen noch längere Zeit auf uns nehmen werden müssen. Bei allen Schwierigkeiten und Sorgen, die uns im Laufe des nächsten Jahrzehnts als schweres Los zufallen werden,
müssen wir daher an die Plakate denken, auf denen es einst hieß: „Wir danken unserem Führer!“.
Kann jemand leugnen, daß diese Bilanz richtig ist? Vermag jemand in Abrede zu stellen, daß sie erschütternd wirkt? Sie entspricht voll und ganz der furchtbaren Wahrheit. Einer Wahrheit allerdings, gegen die diejenigen sich abschirmten, die entweder aus Bosheit oder Verblendung in den Chor einstimmten: „Wir danken unserem Führer!“
Noch nie hat sich in solcher Weise ein gedankenloseres Danken gerächt, noch nie ist die verbrecherische Gesinnung politischer Gruppen so rasch enthüllt und vom Gericht der Geschichte ereilt worden. Wenigstens eines aber ist gewiß. Die Verantwortung für alles Unheil der Vergangenheit und für die Schwierigkeiten, welche Gegenwart und Zukunft bieten, ist eindeutig und unverrückbar festgestellt.
Dr. Anton Klotz.
Übernahme der Militärregierung durch die Franzosen
Innsbruck, 10. Juli. Am 10. Juli um 3 Uhr nachmittags fand im großen Sitzungssaal des alten Landhauses in feierlicher Form die Uebernahme der Militärregierung in Tirol durch die Franzosen statt. Hiebei stellte sich Herr Lt. Colonel Thomazo als Repräsentant Frankreichs und als Vertreter de Gaulles vor. Er führte unter anderem aus:
„Ich komme zu ihnen als Vorgänger und Wegbereiter des Generals Bethouard, der durch Erlaß des Generals de Gaulle, Präsident der Provisorischen Regierung der Republik Frankreich, soeben zum Obersten Befehlshaber der französischen Besatzungstruppen ernannt, worden ist. In dieser Eigenschaft und in meiner Eigenschaft als Generalsekretär der französischen Militärregierung in Oesterreich ist es mir ein Bedürfnis, ihnen zu sagen, wie sehr wir uns als Franzosen und als Offiziere darüber freuen, daß durch interalliierte Vereinbarungen Tirol zur französischen Besatzungszone erklärt worden ist. General Bethouard wird am 14. Juli seinen feierlichen Einzug in die Stadt Innsbruck halten. Ich komme als sein Vorgänger, um seinen Einzug vorzubereiten und ich rechne damit, daß die österreichischen Behörden im Geiste der Freundschaft
mit mir und meinen Offizieren zusammenarbeiten werden, damit der Einzug des Generals in Innsbruck der Vergangenheit und der Größe Frankreichs und Oesterreichs würdig ist. Es steht mir nicht zu, ihnen heute schon zu sagen, was General Bethouard am 14. Juli ihnen über den Geist, in dem Frankreich seine Mission hier in Tirol ausüben wird, eröffnen wird.
Zur Ernährungsfrage
Doch weiß ich, daß sie von uns jetzt schon Erklärungen erwarten über ein Problem, das ihnen besonders am Herzen liegt und das schwierig ist. Es ist dies die Frage der Lebensmittelversorgung Oesterreichs. Zu diesem Punkt möchte ich Ihnen sagen, daß die französische Militärregierung in Oesterreich in erster Linie diesem Problem seine ganze Aufmerksamkeit widmen wird, ist doch die österreichische Bevölkerung vom deutschen Feind ausgeplündert worden. Auch unser Land, Frankreich, wurde vom Nazifeind ausgeplündert und verwüstet, so daß es für uns schwierig sein wird, Lebensmittel nach Oesterreich einzuführen, die uns in fehlen. Doch wissen wir, daß es im Land
Tirol eine große Anzahl von Ausländern gibt, die die Wirtschaft belasten. Wir werden uns in erster Linie dafür verwenden, daß diese Ausländer im Einvernehmen mit unseren Alliierten in ihre Heimatländer zurückgeführt werden, was die Versorgung erleichtern wird. Unsere Wirtschaftspolitik wird besonders den Austausch von Waren fördern. Wir wissen, was ihr produziert und was euch fehlt. Wir wissen, daß in angrenzenden Ländern Waren sind, die euch fehlen, und wissen auch, daß gerade diesen Ländern Salz und Milch fehlen. Wir wollen deshalb den Warenaustausch fördern, aber die Austauschwaren müssen reichlich vorhanden sein. Deshalb sind die höchsten Anstrengungen der Tiroler erforderlich, um im Einvernehmen mit uns und unter unserer Leitung die Produktion möglichst zu steigern.
Am 14. Juli, ich wiederhole es, wird General Bethouard selbst im Auftrag von General de Gaulle ihnen sagen, was Frankreich über Oesterreich denkt und was es für Tirol tun will. Ich will deshalb heute nicht weiter über die wirtschaftlichen Probleme sprechen. Warten sie bitte noch drei Tage. Ich bitte sie nur noch, mit aller Freundschaft, mit aller Autorität und mit aller Umsicht daranzugehen, den Einzug des französischen Generals so feierlich wie möglich zu gestalten. Hierzu bemerke ich, daß seit heute Mittag Frankreich in diesem Gebiet hier die Befehlsgewalt hat.
Ich ermächtige sie, ihre Häuser mit den sterreichischen Fahnen zu beflaggen. Ich hin überzeugt, daß es ihnen am Herzen liegt, uns Franzosen an diesem historischen
Tag des 14. Juli ihren tiefen Willen zur freundschaftlichen, vorbehaltlosen Zusammenarbeit mit uns zu bekunden, deren höchstes Ziel es ist, die Unabhängigkeit Oesterreichs wiederherzustellen.“
Landeshauptmann Dr. Gruber
dankte dem Vertreter der französischen Militärregierung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich die Zusammenarbeit zwischen den französischen Militärbehörden und der Landesregierung als gut und glücklich gestalten möge.
„Es ist uns klar“, sagte er, „daß wir in Oesterreich vor sehr schweren Problemen stehen. In Tirol macht sich besonders das Fehlen einer größeren Landwirtschaft bemerkbar. Wir hoffen dabei auf die Hilfe Frankreichs und glauben, daß sich auch dieses Problem in vereinter Arbeit bewältigen läßt. Wir sind überzeugt, daß besonders Frankreich, das auch selbst unter der Nazibesetzung sehr schwer zu leiden hatte, unserer Lage größtes Verständnis entgegenbringen wird.“
Er dankte hierauf für die freundschaftlichen Worte, die der Vertreter der französischen Militärregierung für Tirol gefunden hatte und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß sich die französischen Offiziere in Tirol wohlfühlen werden.
Hierauf richtete Bürgermeister Dr. Melzer folgende Worte an die französischen Offiziere:
„Die Stadt Innsbruck, deren Bürgermeister zu sein ich die Ehre habe, ist vielleicht eine der schönsten Städte Oesterreichs, und jeder, den sie beherbergte, ist noch gerne hierher zurückgekommen. Heute sehen sie leider sehr viele Ruinen in unseren Straßen, und auch die Bevölkerung hat sieben Jahre Knechtschaft und Unterdrückung durch Gestapo und Naziterror zu erdulden gehabt. Es ist daher nicht mehr so, wie es war, aber ich glaube, daß sie sich trotzdem gut einleben werden. Wenn sie etwas bemerken, das ihnen nicht so gefällt, dann führen sie es bitte auf die Last der vergangenen zehn Jahre zurück. Wenn ihnen jedoch etwas gefällt; dann denken sie, daß das der wahre Geist ist. der unsere Bevölkerung erfüllt. In diesem Sinne begrüße ich den Chef der französischen Militärregierung und hoffe, daß sie uns helfen bei Beseitigung
der Schwierigkeiten und bei dem Wiederaufbau Oesterreichs.“
Verhaftung deutscher Industrieller
Europa braucht 20 Millionen Tonnen Weizen aus
der
Washinaton, 9. Juli. Die Getreide=, versorgung Europas bedarf für das nächstJahr 20 Millionen Tonnen Weizen aus den Vereinigten Staaten u. Kanada. Das anerikanische Landwirtschaftsministerium, von dem diese Schätzung ausgegeben wird, nennt als Ursache für diese Getreidekrise Europas: Die große Trockenheit in den Mittelmeerländern, die verringerte Aussaat in den vom Kriege betroffenen Ländern, den Mangel an landwirtschaftlichen Maschinen, ebenso wie den Mangg an Transportmitteln. Die große Trocksheit hat den Getreideasbau in Französisch Nordafrika, Portugal, Spanien, Italien und teilweise auch den Balkan betroffen. Verringerte Aussaat wird aus Frankreich, Holland, Mittel= und Osteuropa berichtet. In England sind die Aussichten der Getreideernte zwar besser als vor dem Kriege, aber schlechter als im vergangenen
Jahre. Nur aus Rußland wird eine Steige
rung der Aussaat gemeldet. Der Getreideanbau liegt hier über dem Stande von 1940.
Gute Aussichten für die europäische Wolleindustrie
New York, 9. Juli. Das „Journal of Commerce“ erklärt, die Zustände in der europäischen Wolleindustrie seien besser als man angenommen hatte. Es werde sich daher die Sendung von Wolleprodukten nach Europa für Zwecke der Nachkriegshilfe erübrigen. Der Bericht sagt: „Die holländischen, norwegischen, italienischen, polnischen, tschechoslowakischen und dänischen Webereien sind zum größten Teil unbeschädigt geblieben, obgleich sie Maschinenersatzteile und Reparaturen benötigen. Die Zahl der Fach arbeiterkräfte ist auch groß genug. Es werden baldigst große Mengen von Naturwolle an alle Nationen gesendet, die imstande sind, die Verarbeitung zu übernehmen.
London, 10. Juli. Die amerikanischen Besatzungsbehörden haben während der letzten Tage beinahe hundert prominente Industrielle, Geschäftsleute und Bankiers verhaftet. Viele von ihnen waren am Hermann=Göring=Konzern, an den SiemensSchuckert= und Messerschmittwerken sowie ähnlichen Unternehmungen beteiligt. Die meisten waren Bevollmächtigte des Vierjahresplanes und Naziverwaltungsbeamte in den Gebieten unter deutscher Besetzung. Sie werden 30 Tage in Haft bleiben und dann, falls nichts gegen sie vorliegt, auf freien Fuß gesetzt werden. Allerdings werden sie ihre Geschäfte nicht weiterführen können, da ihre Bankguthaben vorläufig bis zu einer Entscheidung der alliierten Regierung gesperrt sein werden.:
Hinrichtung deutscher Kriegsgefangener in den Vereinigten Staaten
Eavenworth (Cansas), 10. Juli. Fünf deutsche Kriegsgefangene, die am 25. Jänner 1944 einen ihrer Kameraden ermordet hatten, wurden heute hingerichtet. Sie gehörten dem Afrikakorps Rommels an.
Brauchitsch aufgefunden
Berlin, 10. Juli (Reuter). Brauchitsch, der frühere Oberbefehlshaber der deutschen Armee, lebt zurückgezogen auf einem Bau
erngut bei einer kleinen Stadt östlich Kiel.
Im gleichen Hause leben seine Frau, sein Adjutant und acht oder neun Flüchtlinge mit ihren Kindern. Brauchitsch hat seinerzeit einen Versuch befürwortet, vor den Herbststürmen im Spätsommer 1940 in Großbritannien einzufallen. Er sah die Politik Ribbentrops für Deutschland als schädlich an. Gegenwärtig schreibt er eine Geschichte seiner Familie.
Barfs
dem
Ein gerechtes Gericht
Manila, 9. Juli. Japanische Spione, die auf Manila während der letzten Monate eine Reihe von Mordanschlägen auf General MacArthur verübt hatten, wurden festgenommen, vor Gericht gestellt und zum Tode durch Erhängen verurteilt. Die verurteilten Japaner richteten an das Gericht, das sie verurteilt hatte, folgenden Brief:
„Wir hatten erwartet, daß unfer Gericht lediglich Formsache sein werde. Man hielt jedoch ganz gegen diese Erwartung ein ordnungsmäßiges Gericht über uns, wofür wir aufrichtig dankbar sind. Wir wurden Tode verurteilt. Daß das die Strafe für Spionage während des Krieges ist, wußten wir. So ist das einzige Gefühl, das uns bewegt, Dankbarkeit für ein großzügiges Gericht. Wir wollen mit diesem Brief nicht schmeicheln — er drückt nur die Gedanken aus, die wir auf dem Rückwege zu ünserer Zelle hatten.“