Tiroler Tageszeitung 1945

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- S.43

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Littwoch, 14. November 1945
Tiroler Tageszeitung
Nr. 123 Seite 3
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Innsbrucker, haltet Verkehrsdisziplin!
die Bevölkerung Innsbrucks wurde schon mehrin Presse und Rundfunk, durch die franzöiche Militärregierung und die österreichische Pobei ermahnt, strengste Verkehrsdisziplin zu hal um Unfälle, die in der letzten Zeit leider sehr n sogar Menschenleben gekostet haben, zu verbiden. Die Verkehrsteilnehmer haben nicht nur u Anweisungen der Verkehrsorgane unbedingt zige zu leisten, sondern auch die aufgestellten zrkehrszeich. n, Ge= und Verbotstafeln zu betten und selbst durch erhöhte Aufmerksamkeit # Verkehr in keiner Weise zu stören. Jeder #ukehrsteilnehmer schützt sein und das Leben iner Mitmenschen durch seine Disziplin. Dies # insbesonders im Stadtinnern als auch auf Zufahrtsstraßen nach Innsbruck.
Leider muß noch immer die Wahrnehmung gesecht werden, daß sich Personen, insbesondere ugendliche, bei überfüllten Straßenbahnen Gerhalb der Wagen, nicht nur auf den Tritttern, sondern sogar rückwärts und auf der i den Aus= und Einsteigverkehr geschlossenen aenseite anhängen. Durch dieses Verhalten geuden diese Personen nicht nur ihr eigenes, son
dern auch das Leben der anderen Verkehrsteilnehmer.
Außerdem muß bei Kontrollen immer wieder festgestellt werden, daß Radfahrer und Fahrzeuge, welche von Menschen oder Tieren bewegt werden, die für diese Fahrzeuge seinerzeit mit erheblichem Kostenauswand gebauten Wege an der Kranebitter Allee ganz selten befahren, hingegen dafür die Hauptstraße, die für den motorisierten Verkehr freizuhalten ist, benützen.
Es ergeht nochmals an alle Verkehrsteilnehmer die dringende Mahnung, im Straßenverkehr jene volle Disziplin zu halten, die notwendig ist, um nicht unnützerweise Menschenleben zu gefährden und kostbares Volks zu beschädigen.
Alle Polizeiorgane, welche mit der Wahrnehmung der Ordnung im Straßenverkehr betraut sind, werden angewiesen, gegen Verkehrssünder jeder Art mit äußerst strengen und empfindlichen Strafen, in schweren Fällen mit Gerichtsanzeigen vorzugehen.
Diese Verlautbarung des Polizeipräsidiums verdient jedenfalls strengste Beachtung.
Todesfälle
zu Innsbruck starben: Alois Morizzo, tminalinspektor, 64 Jahre alt; Monika Kal#er, geb. Kirschner, Näherin, 81 Jahre seda Manner, Angestellte der Sicherheitsalzei, 22 Jahre alt; Flora Rappold, geb. schtmann, Private, 71 Jahre alt; Ulrich Jäzir Gerichts= und Kanzlei=Oberdirektor i. R., Jahre alt; Antonia Grünberger, Rentnei 7 Jahre alt; Peter Schwarz, Kaufmann, zahre alt; Alfons Steinwender, Bundes#mspektor, 43 Jahre alt; Johann Hausnnn Knecht, 38 Jahre alt; Alois Gatt, Almentner, 80 Jahre alt.
nKirchbichl starb am 10. Oktober b Wwe. Stöckl, geb. Kruckenhauser. Die ##digung erfolgte am 14. Oktober auf dem uagen Friedhose.
eüberne Hochzeit. Major a. D. Josef Arch und an Maria, geb. Redlich, akab. Malerin, feiern s lö. November ihre silberne Hochzeit. konmunistische Partei Österreichs. Am 15. No#nber findet im großen Saal der Arbeiterkammer um 1730 Uhr eine Versammlung der Poststatt. Es spricht Genosse Alfred Löh
mstoltsammlung für Reimkester
hebt, Hausfrauen, das Letzte, was
nch irgendwie verarbeiten läßt, sei es ein
schlissener Rock oder ein altes Hemd, gebt eine
#t freiwillige Spende
kunsere Heimkehrer!
Sammelstelle: Heimkehrerstelle, Museum
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Redaktionsbote gesucht die „Tiroler Tageszeitung“ stellt sofort einen gewissenhaften und ehrlichen Redak##boten ein. Vorstellung von 9—12 Uhr und 23—5 Uhr im Redaktionssekretariat der „Tii Tageszeitung“, Andregs=Hofer=Straße 4/I.
bdienerin, die auch gut waschen kann, für ## Vormittage in der Woche gesucht. Vorzustelzwischen 11 und 12 Uhr Andreas=Hofer=Str. 9, Stock, links.
Preisausschreiben
für den besten
Zeitungsreman
In der nächsten Zeit werden wir unseren Lesern einen täglich laufenden Roman bieten. Da die Beschaffung geeigueter Zeitungsromane heute schwieriger ist als zuvor, haben wir uns entschlossen um die Förderung dieser wichtigen Literaturgestaltung in Österreich in Angriff zu nehmen, ein Preisausschreiben für den besten, volkstümlichen Zeitungsroman zu veranstalten.
Ein Preis von 5000 Mark
wird jenem österreichischen Schriftsteller zuteil. der bis zum 31. Dezemberdieses Jahres einen Zeitungsroman vorlegt, der von der durch den Vorstand des Institutes für Österreichische Kultur Dr. Martin Groder präsidierten Jury als bester anerkannt wird. Für den zweit- und drittbesten Roman setzen wir einen Preis von 3000, bzw. 2000 Mark aus. Zur Beteiligung an dem Ausschreiben laden wir die österreichischen Schriftsteller und Schriftstellerinnen ein. Selbstverständlich nur solche, die politisch nicht belastet sind. Wir heben nochmals hervor, daß das Ausschreiben nicht dem Roman als solchen, sondern dem volkstümlichen Zeitungsroman gilt. Selbstverständlich steht den Verfassern der preisgekrönten Werke die Verfügung über ihr geistiges Eigentum voll und ganz zu. Der
ausgeschriebene Preis ist ein Preis und nicht ein Honorar. Wir behalten uns nur gegen entsprechendes Honorar den Erstabdruck vor.
Die Einsendungen sind bis 31. Dezember 1945 zu richten an:
Redaktion
„Tiroler Tageszeitung“, Innsbrud.
Hmimmmnmmnmmnntummmmmmmmmmmenmmnmmmmmmmmmmmmmmmmmmum
Hausgehilfin, die kochen kann, wird zu sofortigem Eintritt gesucht. Vorzustellen Freitag im Sanatorium Sennstraße 1 von 3 bis 4 Uhr.
Leser hat das
Vorschlag zum Platzmangel auf Straßenbahn und Obus
Der Kampf des Zublikums, der sich täglich auf den Verkehrslinien abspielt, ist bekannt. Viele haben es mit oder ohne Grund eilig, alle aber wollen „noch mit“. Hat der liebe Fahrgast auf dem Trittbrett Boden gewonnen“, dann läßt er sich erst einmal Zeit. Vorher aber gehörte er noch zu den Schimpfenden und bei der nächsten Station — wenn nicht schon bei der Abfahrt — lassen ihn die „Hinterbleibenden“ völlig kalt. Die energischen Ermahnungen zum „Vorgehen“ oder „Aussteigen lassen“ der bedauernswerten Schaffner gehen scheinbar niemanden etwas an und nicht selten ist dem Nachbarn die Empörung über derartige Zumutungen vom Gesicht abzulesen. Im Innern des Wagens ist aber tatsächlich noch Platz vorhanden. Diese Art von rücksichtslos=egoistischen
Fahrgästen ist unbelehrbar — jedenfalls solange es sich das andere Publikum gefallen läßt.
Es gibt ab auch Fälle, in denen man wohl den guten Willen hat, ihn aber nicht in die Tat umsetzen kann. Die Ursache liegt, meiner Ansicht nach, dann im beschränkten Platz des Mittelganges und würde sich beheben lassen, wenn man die rechte bzw. linke Sitzreihe auf Kosten der Bequemlichkeit entfernen würde. Wo sich die Heizung oder andere Einrichtungen befinden, müßten zweckmäßig die Sitze belassen werden. Das Publikum müßte aufmerksam gemacht werden, daß die Plätze, die noch übrig bleiben, für Kriegsbeschädigte und gebrechliche Leute unaufgefordert zu räumen sind. Durch die teilweise Entfernung der Sitze — auf alle Fälle aber der Plattformsitze — wird mehr Raum und Ausweichmöglichkeit geschaffen. Längs der Mitte der Fenster müßte eine
Haltestange (gleichzeitig Fensterschutz) angebracht werden, da schon die gegenwärtigen Festhaltemöglichkeiten nicht ausreichen. H. W.
Anmerkung Redaktion:
Der obige Vorschlag verdient in Erwägung gezogen zu werden. Neben dem täglichen Arger über die drangvoll fürchterliche Enge in den Straßenbahnen und Omnibussen und den abgerissenen Mantelknöpfen sind gerade in den letzten Tagen mehrere kleine Unfälle von herabstürzenden Trittbrett=Fahrgästen beobachtet worden. Wie wäre es, wenn die IVB an den wichtigsten Straßenbahnund Omnibushaltestellen nach vielfach bewährtem Muster numerierte Abreißbillets anbringen würde? Auf diese Weise würden die am längsten wartenden Fahrgäste entsprechend der vom Schaffner auszurufenden Nummer zuerst befördert werden.
Zum Wahlgesetz
Unter diesem Titel wurde in Ihrem Blatte
vom 7. November eine Klage vorgebracht, die sicherlich vollauf berechtigt wäre, wenn — die Tatsachen wirklich so lägen. Der Einsender sieht es als Unrecht an, daß Tausende Kriegsopfer lediglich deshalb vom Wahlrecht ausgeschlossen sein sollen, weil sie sich, um Unterstützung zu finden, in die Kriegsopferversorgung aufnehmen ließen und dadurch Mitglieder des NSKOV. wurden. Der Einsender ist aber mit dieser Auffassung im Irrtum. Die Zugehörigkeit zum NSKOVist kein Wahlausschließungsgrund. Die Mitglieder des NSKOV sind wahlberechtigt, soferne sie nicht etwa Mitglied der Partei, der SS, der SA oder Mitglied des NSKK oder des NSFK in der Verbotszeit, bzw. seit 13. März 1938 in Führerstellung vom Untersturmführer aufwärts waren. In der Verlautbarung „Das
Wahlrecht der Nazi“ (Tir. Tageszeitung vom 9. November) sind die Nichtwahlberechtigten vollzählig aufgeführt. Die Mitglieder des NSKOV fehlen darin und sind somit wahlberechtigt. Das Gleiche gilt für die Mitglieder der NSV, DAF, Kolonialbund und dergleichen.
AUs StTERREICNEIECNLTCHES
Der Devisenverkehr mit dem Ausland Wien, 13. Nov. „Das Kleine Volksblatt“ bringt eine Verlautbarung der österreichischen Nationalbank, der zufolge eine eigene Abteilung für Devisenbewirtschaftung mit der Bezeichnung „Österreichische Nationalbank — Prüfstelle für den Zahlungsverkehr mit dem Ausland“ geschaffen wurde. Durch sie soll der gesamte ausländische Zahlungsverkehr geregelt werden.
Flugverkehr zwischen USA. und österreich
Der direkte Flugverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und Österreich wird — Radio Newyork zufolge — in Kürze ausgenommen werden. Die Flugroute führt über Irland, Frankfurt nach Wien.
Die ersten Austrofiat=Wagen Wien, 11. November. Zwei leistungsfähige Vier= bis Fünf=Tonnen=Lastkraftwagen mit 110PS=Dieselmotor konnten am Donnerstag die Floridsdorfer Fabrik verlassen. Die Lastwagen sind für das Wiener städtische Elektrizitätswerk bestimmt.
österreichische Fremdenverkehrstagung Bischofshofen, 10. November. Die Landesorganisationen für Fremdenverkehr hielten Beratungen ab. Dem Staatsamt für Handel und Verkehr soll wieder die Oberleitung der gesamten Fremdenverkehrspflege zufallen. Ein aus den Vertretern von Salzburg und Tirol zusammengesetzter Arbeitsausschuß wird sich mit den Grundlinien einer weitgehenden Vereinheitlichung der Landesorganisationen befassen. Es soll ein Verkehrsverband der österreichischen Bundesländer gebildet werden. Als Vorsitzender der obengenannten Arbeitsgemeinschaft wurde Hofrat Hans Hoffmann=Montanus (Salzburg) gewählt.
Kirchenkonzert
Am 23. Rovember um 20 Uhr findet in der Pfarrkirche Wilten ein Kirchenkonzert statt, das vom Chordirektor Karl Koch geleitet wird. Es ist dies die erste kirchenmusikalische Veranstaltung, die vom österreichischen Institut für Kultur und Wissenschaft durchgeführt wird. Das Hauptwerk des
Konzertes ist das „Magnifikat“ von Joh. Seb. Bach für
Soli, Chor und Orchester. Dem großen Werke Bachs siehen zwei Werke Karl Kochs zur Seite und zwar: Der 50. Pfalm für vierstimmig gemischen Chor a capella „Erbarme Dich meiner“ nach Worten von Bruder Willram, und als zweites ein Frauenchor mit Orchesier und Orgel Op. 23 „Schmerzensreiche“.
Als nächsie kirchenmusikalische Aufführung ist die Erstaufführung der „Romantischen Messe“ von Prof. Franz Ledwinka (Salzburg) geplant, die unter der Leitung des Chorregenten Herbert Gschwenter stehen wird.
Osterreichischrs Instltut für Kultur und Wissenschaft
Heute, 17 Uhr, im Altmuttersaal Vorstandssitzung
Da der Leiter des Landesarbeitsamtes Dr. Neubauer über das Thema „Kultur und Jugend“ spricht, werden alle Mitglieder herzlichst eingeladen, bei dieser Sitzung zu erscheinen, die als Auftakt der geplanten Einbeziehung junger Kräfte in die kulturelle Aufbauarbeit gedacht ist.
Die Mitgliederaufnahmen erfolgen — wie schon verlautbart — täglich in der Zeit von 9—12 Uhr und von 14—17 Uhr. Da wiederholt angefragt wird, ob auch Mitglieder aufgenommen werden, die keiner größeren Fachschaft zugehören, oder sogar auch solche, die selbst weder Künstler noch Wissenschaftler sind, aber sonst ein weitesigehendes künstlerisches Interesse zeigen, diene zur Kenntnis, daß auch solchen Aufnahmen nichts im Wege steht. Für die letztgenannte Gruppe wird übrigens noch ein besonderes Statut geschaffen und in den Tageszeitungen bekanntgegeben.
Unaufgeforderte Cinsendungen werden von der Schriftleitung der „Tiroler Tageszeitung“ nicht zurückgereicht.
ubenspiel im X2
Siehe auch den Artikel „Rote“, „Grüne“, „Schwarze“, Nr. 119 „T. T.“ sine besondere Abart von Schutzhäftlingen wakdie mit einem rosa Winkel. Krankhaft verlgte, abnormale Menschen, die eigentümlicherde im kalten Norden häufiger vertreten sind in wärmeren Gegenden. Sie zeichneten sich surch aus, daß sie viel auf ihr äußeres hielten, sgar bemüht waren, Bügelfalten in ihre blauzu gestreiften Häftlingsbeinkleider zu pressen, Ktänzelnden Schritten kokettierend herumgin#und sehr damenhaft taten. #e Träger violetter Winkel, die „Bibelcher“, waren eine komische Gesellschaft. Diese Verbaren Heiligen, die „Zeugen Jehovas“, verAdeten die einzig von ihnen wahr ausgelegten Reworte Aber nur die des Alten Testamentes. & Neue Testament lehnten sie ab, wie sie den #st, die
kirchliche Hirarchie und alle WehrWaffendienste ablehnten, nur sich selbst nicht. N##uugen mit besonderer Ergebenheit ihr hartes Sund alle besonderen Schikanen, reihten dafür Peiniger in die Klasse der Dämonen ein, #r die Jehova nach der Schlacht von HermanHen oder wie dieser sagenhafte Truppenuugsplatz der Gerechten sonst hieß, sein Urteil Ein wird Sie hielten zusammen wie die Klet# standen unbeirrbar fest zu ihrer Lehre, warB unentwegt, aber vergeblich, neue Zeugen ###as, die sie während der Anwartschaft auf Nitgliedschaft in ihre Zukunft verwöhnten versorgten Sie konnten dies tun, denn sie estanden es meisterhaft, die nahrhaften Komfudos zu besetzen Man konnte Gift darauf Inen, daß überall dort, wo Lebensmittel ge
lagert oder verarbeitet wurden, in Magazinen und in Küchen, die Bibelforscher dominierten. Ein Andersgläubiger konnte aber ruhig neben ihnen zugrundegehen, nur ihre Brüder in Jehova waren die glücklichen Empfänger ihrer Liebesgaben. Eines muß man ihnen aber lassen: sie waren durch kein Mittel zu bewegen, ihren Glauben abzuschwören, trotzdem man ihnen sofortige Entlassung zugesichert hatte, so sie den Revers unterschreiben wollten. Abtrünnige, allerdings sehr vereinzelte Fälle, die der Versuchung doch nicht widerstehen konnten und unterschrieben, wurden dann zwar nicht entlassen, aber dafür wurden sie von den Glaubensfesten mit Verachtung gestraft. Mit bewunderungswürdiger Tapferkeit hielten sie an ihrer Irrlehre fest, scheuten keine Drohung und
Gefahr, weder schwerste Arbeit, noch Drangsal und Tod; sie blieben hartnäckige Bibelforscher, wie es in den Vordrucken ihrer Briefe hieß, die sie nur alle drei Monate mit 5 Worten Text heimschreiben durften. Unter sich hielten sie straffe Zucht und Ordnung und waren, im allgemeinen betrachtet, Ehrenmänner, die man sonst ihrer Anständigkeit und Charakterfestigkeit wegen achten mußte.
Später kamen dann noch „S. V.er“ dazu, Grüne mit gerichtlich ausgesprochener Sicherheitsverwahrung, ganz schwere Brüder. Da wurde die ohnehin nicht sehr vornehme Gesellschaft noch gemischter ab 7
Ganz besonders mussen aber die Juden erwähnt werden. Diese bevölkerten in ganz ausgiebigen Ausmaße das Lager Sie trugen ihren Winkel, den roten. schwarzen oder grünen, auf einem gelben so, daß der „Fleck“ die Form eines Davidsternes hatte. Sie waren geschlossen in sich in eigenen Blocks (Holzbaracken) untergebracht und genossen natürlich eine „Sonderbehandlung“
von Seite der SS. und — man muß es leider sagen — auch mitunter von Seite SS=gefügiger Häftlinge. Diese Parias des Lagers, die ärmsten der Armen, hatten ganz Schweres durchzumachen. Ein besonderes Kapitel deutscher Kulturgeschichte!
Erwähnt müssen noch die „Rückfälligen“ werden, kenntlich gemacht durch einen Balken in ihrer Farbe, den sie über dem Winkel trugen. Sie waren bereits einmal in Freiheit und wurden wieder geschnappt. Auch sie durften nur alle drei Monate heimschreiben und Briefe empfangen und waren vom Kantineneinkauf ausgeschlossen wie die Bibelforscher und die Angehörigen der Strafkompagnie, die überhaupt nicht schreiben durften.
Die Strafkompagnieinsassen waren streng isoliert. Teils kamen sie schon mit der Bestimmung ins Lager oder sie wurden wegen irgend eines Vergehens im Lager hineingesteckt. Sie trugen unter dem Winkelspitz einen schwarzen Punkt. Strafkompagnie war etwas furchtbares. So ein Schicksal darf man nicht einmal seinem Todfeind wünschen.
Der Vollständigkeit halber müssen noch die „Fluchtpunktträger“ angeführt werden, durch einen großen rot=weißen kreisrunden Fleck, auf Brust. Rücken und Hosenbein kenntlich gemacht „Rückstrahler“ nannten wir sie. Diese Fluchtverdächtigen trugen ihre Bezeichnung, weil sie bei einem Fluchtversuch erwischt worden wairen. Mit ganz vereinzelten Ausnahmen war wirkliche Flucht der Tod. Die Fluchtpunktträger durften außerhalb der elektrisch geladenen Umzäunung nicht arbeiten.
Alle diese voneinander so verschiedenen Gruppen waren. in sich geschlossen, in Blocks untergebracht, die Politischen= die S.Ver, die Rückfälligen!
in Steinbauten, die anderen in Holzblocks, vermischten sich aber bei den Arbeitskommandos. In der Freizeit war der Verkehr untereinander nicht verboten. — „Zeige mir, mit wem du gehst, und ich sage dir, wer du bist“, das galt auch hier. Von diesem Gesichtspunkte aus waren die Mithäftlinge zu werten.
Es lag ein wohldurchdachtes System in der Lagerbeschickung. Eine Gruppe wurde gegen die andere ausgespielt. Auch in den Blocks herrschte keine Einigkeit. Von Kameradschaft, wie sie sonst sich in Notgemeinschaften zeigt, war damals noch gar keine Rede. Man traute einander nicht, fürchtete sich sogar, sich zu kleinen Zirkeln zusammenzuschließen, war steter Beobachtung und der Gefahr des Bespitzelns und der Auslieferung an die SS ausgesetzt. Die Zinkerei, wie in der Gaunersprache das Denunzieren heißt, war an der Tagesordnung. Um eines geringen Augenblickvorteils wegen wurden „Lampen gebaut“, wie der Zuchthäusler den Verrat nennt.
Rücksichtslosester, brutalster Kampf ums Dasein. Wenn es sein mußte, auch auf Kosten der Schicksalsgenossen seine Lage zu verbessern, nur auf sich selbst zu sehen, das waren die Parolen des Lagers.
Eine rühmliche Ausnahme bildeten gottlob die österreicher Die hielten noch am besten zusammen, halfen sich gegenseitig und — je länger die Haft währte desto inniger schloß sich das Freundschaftsband um unsere Landsleute, ohne Rücksicht auf Stand oder Parteizugehörigkeit, bis schließlich die letzten 280 österreicher Buchenwalds eine Gemeinschaft bildeten, die uns — als einziger Lichtblick unseres Jammerdaseins — immer in lieber Erinnerung bleiben wird.
Major Alfons Marincovich,
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