Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:10

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Siplomaten= erst keine Postzustellung. — Inseratenannahme: Innsbruck, Andr.-Hofer-Str.
summer 109/ 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „L. C.“, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Cyrolia, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 5
Samstag, 27. Oktober 1945
örung des Kon
ist nicht
zules Albert Jäger schreibt im „Journal de Geneve“ in einem aus Innsbruck datierten Bericht unter anderem:
„Es scheint, daß Österreich gegenwärtig in kuropa und außerhalb desselben ein beträchtiches Interesse erweckt. Das gilt nicht allein der plitischen und militärischen Lage. Man kann es iin und hin in der ganzen Welt hören, daß Wien eine der „Drehscheiben des Kontinents“ ist und daß man weder bei den Regime des Vertages von St. Germain noch auch in der gegenrärtigen unausgegorenen Lage verharren kann.. in einem merkwürdigen umfangreichen Werke, as dieser Tage in Paris erschienen ist, hat der Graf Saint Aulaire, ehemaliger Gesandter ENAr gankreichs, die vielgestaltige Erscheinung des
eenme kaisers Franz Josephs behandelt. Saint
1! kulaire hat den Kennern hiermit einen überblick
iter die Geschichte eines Jahrhunderts zur Dislussion vorgelegt. Bei dieser Gelegenheit setzt er nit Ausführungen von bemerkenswerter diplomadieser Bühne be¬ sischer und politischer Klarheit die hervorstechenditens des Östert. sei Gesichtspunkte über die Lösung des Donaunoblems auseinander, so wie sie in dem oft zternden Lichte der Gegenwart erscheint. Edouücherriot und Wladimir d’Ormesson ndmeten zwei Vorreden verschiedener Art, jeschvom gleichen Interesse für zwei Aufsätze, von inen der eine den Titel führt „Das Schicksal dierreichs“ und Herrn Lang zum Verfasser hat, rihrend der andere eine Neuauflage von Ernst sezet über das gleiche Thema ist.
De Tatsache, daß diese Arbeiten zur gleichen ##m Paris erscheinen, während in London, ##shington und auch in Oxford die Männer guten Glaubens sich mit dem österreichischen zroblem beschäftigen und der Chef des russivon Mendels= ischen Generalstabs in Wien sich vom Dr. GruMax Bruch ud ber über die Fragen Südtirols ins Bild Lelt) von Anmn gsehenlßt beweist ein Wiederaufleben des
ker Geigerin Else #teresses für die österreichischen Fragen. Ein nade her in bestet #ltem großer Hoffnungen und des Strebens nach Krektor Fr. Weid Emeuerung — nach demokratischer Erneuerung S findet am Don gehtüber das Land. Es erwartet, daß man orverkauf ab heute hmchüft und daß man es liebt, denn gemäß einem neuen Wort von Thomas Mann, das sich Erkauften Kompo= uf sein eigenes niedergeschmettertes Vaterland gische Tondichtern zzieht, ein Wort, das man besser zu Ehren Kerker= #s leidenden und wiedererstehenden Österreichs gbraucht: „Österreich wird lieben und wird von neuem geliebt werden.“ Man braucht nur zu einen meisterhaften vollen. Man braucht nur zu verstehen, um großedern stellt Hofer zügig zu sein.“
ordergrund und es
orwärtsgetriebenen Seneral Bethouart:
ns=Arie) nirgends Lei einem kurzen Aufenthalt in Paris machte discher Erfindung, Eeneral Bethouart, der französische Oberbefehlsirkem Beifall den faber in österreich, dem Vertreter des „Figaro“ interessante Ausführungen über die Lage in österreich. Dabei erklärte er:
WWenn man die Dinge vom internationalen Siandpunkt aus betrachtet, kann man versichern, dß sich die Besetzung Österreichs durch die Alli#iten augenblicklich im Stadium der konstrukiven Realitäten befindet. Die wirtschaftliche
PIEL
n in Salzburg
alzburg die erste rn= und Sporta. der Aufbau
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bei sehr guten 7ig, den
* Vorspiel der
Referat für Derr Jo Aufbau und der
Einladung, ihre chaft am Kulturnden Fragebogen, Ausfüllung für D am Institut in Sewerber aus der übermittelt. rovisorischen Aufespresse bekannt
die erste AuffühNontag, 29. Okt. nter dem Ehrenzer zugunsten des ragsfolge enthält
unten großen, v
andeum wird an Uhr vorm. als 2. „Paul OberAusstellung sehen sein.
v#gK tage wird, wie man sich denken kann, völlig vom Es 6 .5 PProhlem der Ernährung bestimmt.
der französischen Zone, die industriell gut ausge#eron) 18 Uhr sattet, aber landwirtschaftlich arm ist, stoßen wir allplatten). Fran sterzeit auf beträchtliche Schwierigkeiten. Bruckner etschafts, Rut:.: dar maralischen und
nigen, für die ich in Frankreich zahlreiche Mitarbeiter und wertvolle Unterstützung gewinnen will. Ich freue mich, auf diese Weise Gelegenheit zu haben, die öffentliche Meinung in Frankreich zu interessieren, die nicht das Recht hat, an solchen Problemen vorbeizugehen. Man darf das so ernüchterte Österreich nicht der Hoffnung berauben. Was uns anbetrifft, so dürfen wir nichts unterlassen, um diese Hoffnungen mit dem französischen Charakter in übereinstimmung zu bringen.“
4
General Clarc:
Paris, 26. Oktober. Wie der internationale Nachrichtendienst meldet, erklärte General Mac Clark am Mittwoch gelegentlich seines Aufenthaltes in Paris, daß die Besatzungsbehörden das Problem der Lebensmittelversorgung Österreichs in diesem Winter gelöst haben. Die Wohnungsknappheit sei aber noch sehr ernst. General Clark sagte noch, daß der Apparat der Besatzungsbehör
den reibungslos arbeite. General Mgc Clark befindet sich auf der Reise nach England, wo ihm der Ehrendoktor der Universität Oxford verliehen wird.
Im englischen Unterhaus:
London, 26. Oktober. Minister John Hynd, dem die Aufsicht über die Kommission für Österreich obliegt, erklärte, daß sich die Alliierten die größte Mühe geben, um die bestehenden Versorgungsknappheiten Österreichs zu mildern. Jedoch bleiben die Schwierigkeiten ungeheuer. Sie reichen weit über die Grenzen Österreichs hinaus. Auf anderen Gebieten seien gute Fortschritte auf dem Wege zur Rehabilitierung Österreichs durch den Neuaufbau eines gesunden Rechts und Erziehungswesens, die Organisation des Rettungsdienstes und der Krankenpflege durch die Bildung eines neuen zivilen Verwaltungsapparates und einer verläßlichen Polizeitruppe erzielt worden.
Verbrecherische Organisationen
London, 26. Oktober. In Nürnberg wurde eine Proklamation erlassen, in der folgende Gruppen und Organisationen angeklagt werden, verbrecherische Organisationen zu sein:
1. Die Reichsregierung, die sich aus folgenden Personen zusammensetzte:
a) Mitglieder des ordentlichen Kabinettes nach dem 30. Jänner 1933. Die Bezeichnung ordentliches Kabinett enthält die Reichsminister, die vollständige Zentralregierung, die Reichsminister ohne Portefeulle, Staatsminister als stellvertretende Reichsminister und andere Beamte, die zur Teilnahme an den Kabinettssitzungen berechtigt waren.
b) Mitglieder des Ministerrates für die Reichsverteidigung.
c) Mitglieder des Geheimkabinettes.
2. Das Korps der politischen Leiter der NSDAP., das sich aus Personen zusammensetzte, die zu irgend einem Zeitpunkt im Sinne der üblichen nazistischen Ideologie politische Leiter
irgend welchen Ranges oder Grades waren.
3. Die Schutzstaffel der NSDAP., allgemein als SS. bekannt, die sich aus dem gesamten der SS. und allen seinen Abteilungen und Dienststellen, Vertretungen und Reichsstellen, aus denen sie zu irgend einem Zeitpunkt bestand oder irgend einem Zeitpunkt mit ihr verkörpert waren, einschließlich der einfachen SS., der Totenkopfverbände, der SS.=Polizeiverbände und des Sicherheitsdienstes des Reichsführers der SS.
4. Die geheime Staatspolizei, allgemein als Gestapo bekannt, die sich aus dem Hauptquartier, den Abteilungen, Büros und den Reichsstellen und allen Mannschaften und Personal der geheimen Staatspolizei von Preußen und der anderen Teile des Reiches zusammensetzte.
5. Sturmabteilungen der NSDAP. (SA.).
6. Der Generälstab und das Oberkommando der deutschen Wehrmacht.
Selbstmord des Dr. Ley
Wiesbaden, 27. Oktober. Dr. Ley, der 55 Jahre alte Leiter der deutschen Arbeitsfront, beging Donnerstag abends im Nürnberger Gefängnis Selbstmord. Er erhängte sich mit einem zusammengedrehten Badehandtuch, das er an der Decke der Toilette befestigt hatte.
Otto Abetz verhaftet
Paris, 26. Oktober. Einer Meldung der heutigen „Newyork Times“ zufolge, wurde Otto Abetz, der frühere deutsche Botschafter von Paris während der Besetzung Frankreichs, verhaftet. Sein Name wird nun der Kriegsverbrecherliste zugefügt werden. Abetz war einer der ersten Fürsprecher der französischdeutschen Kollaboration und — wie die Meldung besagte. — reicht seine Propagandatätigkeit bis zum Kriegsausbruch zurück. Er gründete und leitete das „Braune Haus“ (das Nazihauptquartier) in Paris und wurde zuletzt aus dem Lande gewiesen." Er wird sich wegen der Erschießung von Hunderten von Franzosen zu verantworten haben.
auf dem Gebiet der moralischen und kulturelDanzmusik (Schal" sin Probleme sind weniger Hindernisse vorhan
richtendienst, 19.4 sten. Das ist der spezifisch französische Standpunkt # und Braucht sinsichtlich der österreichischen Frage. Materiell
richten, 19.45 ½, kann österreich unter den gegenwörtigen UmstänKonzent #e# di den nicht viel von uns erwarten, dagegen hat es
#es chagsplat= in Bezug auf Frankreich in kultureller und wisFünf A snschaftlicher Beziehung große Hoffnungen, die —fihr: Otto Stock“ nan nicht enttäuschen darf.
5 Uhr:— Das österreichische Volk, das seine Orientie
ung verloren hat, sucht sich jetzt an ein Ideal zu Verschienen. Du klammern. Ohne auf ein tatsächliches oder rechtober angekündn liches Monopol Anspruch zu erheben, muß FrankSprachführer ms#leich getreu seiner Mission in der Welt den An
eutsch“ (3.30# farderungen genügen, die es auf sich zukommen französischei fühlt. In Wien, der Pforte zu Mitteleuropa, kann nun nach die unser Land ein wunderbares Werk der Synthese wubringen
d nnn und
und. Hhandlun“ vollbringen.
len Buch##rhälts Es sind bereits feste Grundlagen geschaffen murain 11, 2%2 worden. Die Universität in Innsbruck und vor
iegsbe em die berühmte theologische Fakultät, an der
ler nachtrdsen die meisten amerikanischen Bischöfe studiert ha
auch in Er den, ist seit einiger Zeit wieder eröffnet. Ich ingeführte gheraf techne auch demnächst mit der Wiedereröffnung zerlag, die der der französischen Akademie in Wien, icht aufe vermin mit einer Zweigstelle in Innsbruck. nur ein beim de Endlich werde ich die Maßnahmen zur Veröffent
udan möge. 2“ lchung einer kulturellen Zeitschrift beschleu
General de Gaulle legt am Grabe des Unbekannten Soldaten in Brüssel einen Kranz nieder.
Erben
sellen
erhäl
ältlich.
Spendet fül den Kriegsopferionas!
Tirol — Fremdenverkehrsland
Von Landesrat Dipl.=Ing. Anton Hradetzky
Die vordringlichsten Fragen der letzten Monate lauteten Ernährung, Wohnungs= und Brennstoffbeschaffung, eine Rangstufung, die auch für die nächste Zukunft gegenüber allen änderen Problemen der Wirtschaft die Erstreihung behaupten wird.
Diese aus den Verhältnissen gegebene Realität darf jedoch nicht die notwendige Erörterung und Einstellung unserer Wirtschaftsplanung für die nähere und weitere Zukunft ausschließen. Im Gegenteil, es scheint zweckmäßig, die gegebenen wirtschaftlichen Voraussetzungen aus der Vergangenheit mit den Zukunftsmöglichkeiten abzustimmen.
In Tirol war es zusammen mit den beiden Hauptfaktoren unserer Landwirtschaft, Milchwirtschaft und Viehzucht, der Fremdenverkehr, der die gesamte Wirtschaftsstruktur unseres Landes weitgehend beeinflußt und bestimmt hat. Ein wesentlicher Teil unseres Volksvermögens ist in den Fremdenverkehrseinrichtungen Tirols investiert, von welcher Tatsache ausgehend die weiteren Schlußfolgerungen zu ziehen wären.
Zur näheren Beleuchtung seien nur einige Angaben in Zahlen angeführt.
Die letzten Zählungen vor Beginn des nationalsozialistischen Regims wiesen in Tirol rund 2000 Fremdenbeherbergungsbetriebe (Hotels, Gasthöfe, Pensionen, Schutzhütten) mit 37.000 Fremdenbetten sowie gegen 28.000 Privatbetten, zusammen also bei 65.000 Fremdenbetten auf.
Wenn man voraussetzt, daß in den letzten 10 Jahren vor 1938 bei Fremdenbeherbergungsneubauten als beiläufige Faustregel für die Bauund Einrichtungskosten etwa 2000 — 4000 Friedensschillinge pro Bett angenommen werden, so ergibt sich aus den obigen Ziffern eine oberflächliche Schätzung, nach der unseren Fremdenbeherbergungsbetrieben 1938 ein annähernder Wert von etwa 150 bis 250 Millionen Friedensschilling zu Grunde lag.
Hinzu kommen noch u. a, die Restaurationsund Jausenstätten, die verschiedensten ausgesprochenen Fremdenverkehrs=, Sport= und Saisongeschäfte, ferner insbesondere die Verkehrseinrichtungen wie z. B. 5 Lokal= und Kleinbahnen mit überwiegendem Fremdenverkehr, die 5 Tiroler Seilbahnen, die rund 70 Kraftwagenlinien mit etwa 2500 Kilometer Streckenlänge, die 120 Schwimm=, Strand= und Seebäder, bei 80 bis 100 Skischulen, die Sportplätze und Sprungschanzen usw., um nur einige markante Einrichtungen zur Veranschaulichung herauszugreifen.
Im Fremdenverkehrsjahr 1929/30, dem letzten Jahr vor Beginn der Wirtschaftskrisen und der späteren politischen Beeinträchtigungen des Verkehrs, wie 1000=Mark=Sperre usw., wies Tirol zirka 750.000 Besucher mit etwa 3,000.000 Nächtigungen, im letzten Jahre vor der Besetzung durch das Naziregime 1937/38 zirka 550.000 Besucher mit annähernd 2,500.000 Nächtigungen auf.
In den Statistiken wurden die durchschnittlichen Tagesausgaben der Fremden für Unterkunft und Verpflegung einschließlich Reisekosten und täglichen Nebenauslagen mit etwa 15 Friedensschilling veranschlagt, was jährlichen Bruttoeinnahmen von gewiß nicht unter 30 — 45 Millionen Friedensschilling entsprach (etwa 100 Schilling auf den Kopf der Bevölkerung).
Im Fremdenverkehrsjahr 1937/38 wurde Tirol von zirka 300.000 Ausländern mit beiläufig 1,200.000 Nächtigungen besucht, was bei obiger Berechnung von nur 15 Friedensschilling täg=, licher Gesamtausgaben bei 18,000.000 Schilling ausmacht, die in diesem unsichtbaren Export als fremde Valuten unserer Zahlungsbilanz zugute kamen. „
Es wäre verlockend, aus den rund 280 Tiroler Gemeinden, von denen über 190 als Fremdenverkehrsgemeinden anzusprechen sind, Angaben und Vergleiche zu bringen, wie viel Prozent der Bevölkerung einschließlich der rein bäuerlichen Kreise unmittelbar oder mittelbar zum größeren oder einem wesentlichen Teil aus dem Fremdenverkehr leben oder Nutzen ziehen, und verschiedene andere Ziffern mehr, doch würde dies über den Rahmen dieser flüchtigen Betrachtung weit hinausführen.
Das Gesagte allein beweist jedoch schon hinreichend die Bedeutung unserer Fremdenverkehrswirtschaft und die zwingende Notwendigkeit, im Rahmen des Möglichen alles zu tun, um zunächst die Substanz unserer Fremdenverkehrsbetriebe und Anlagen zu erhalten.
Dies gilt auch für unsere gesamte tirolische Fremdenverkehrsorganisation, die, in jahrzehntelanger Arbeit durch eine zielbewußte Landesge
(Fortsetzung Seite 2.)