Tiroler Tageszeitung 1945

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Erscheint in der Woche sechsmal. — Uur im Einzelverkauf erhältlich. — Vor
erst keine Postzustellung. — Inseratenannahme: Innsbruck, Andr.-Hofer-Str.
summer 105 7 1. Jahrgang
Einzelprels 15 Pfo.
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „K. E.“, Innsbruck,
Andreas-Hofer-Str. 4. = Druck: Trrolia, Innsbruck, Undreas-Hofer-Str. 4
Dienstag, 23. Oktober 1945
Der Nürnberger Drozeß
Seitdem es auf Erden Völker und Staaten abt, wird der Angriffskrieg zu jenen Untershmungen gezühlt, die, selbst wenn sie erfolgrich enden, im Zwielicht der Schuld und Misse
tat stehen. Es war trotzdem erst unseren Tagen vrbehalten, diese von der Gemeinschaft aller zwvilisierten Völker geteilte Auffassung durch einen allgemein verbindlichen Rechtsspruch sanksoniert zu sehen. Dies geschah durch den Kellogpakt, der in der Mitte der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen eine hocherhobene Warsungstafel gegen die Störung des Friedens ufrichtete, in dem er die Aechtung des Angifskrieges aussprach.
Wie zum Hohne auf die Sorgen und auf die lechtsanschauungen der Völker, hat Hitler und die Männer, die seinen Spuren folgten, den ueberfall auf die friedliche Welt vorbereitet. Der die Sinnesart der Begründer des Dritten keiches kennt, weiß, daß sie der Meinung waien, ein Mißlingen ihres verbrecherischen Unternehmens werde wohl das von ihnen verführte solk in den Abgrund reißen. Selbst in ihren schlimmsten Angstträumen stellten sie sich kaum vor, daß das, was sie als ein Abenteuer nach zuter alter germanischer Raubsitte betrachteten, ihnen selbst den Strick eines hochnotpeinlichen befahrens um den Hals legen könnte. Trotzdem lätte jeder halbwegs Einsichtige voraussagen konen, daß der Aechtung des Angriffskrieges, um die Welt von einem neuen solchen
Unglück eheert wird, die persönliche Haftbarmachung i Verursacher dieses Unheils folgen muß.
De Anklageschrift gegen die Kriegsverbrecher nhält zwei Gattungen von Tatbeständen. Die sineumfaßt alle Handlungen, die den Willen ur Vorbereitung eines Angriffskrieges klar er
kennen lassen. Wer den Fermulierungen der die in Nürnberg den 24 Hauptnaziführern überreicht wurde, folgt, wird sich dem Eindruck nicht entziehen können, daß die äufhellung dieser Verschwörung gegen den Frieden der Menschheit nicht von der Leidenschaft diktiert ist, sondern daß nüchterne und klare Sachlichkeit den Verfassern dieser geschichtlichen Anklage die Feder führte.
Die zweite Gruppe von Tatbeständen, die beim Verfahren in Nürnberg eine Rolle spielen, sind die Kriegsverbrechen im eigentlichen Sinne, das heißt, das riesenhafte Ausmaß der Verletzungen gegen das Völkerrecht wie die zahllosen Frevel gegen die Menschlichkeit. Wir erinnern uns, daß in den früheren Jahren, als der Nazismus sich
in Deutschland in seiner vollen Schönheit ausuleben begann, Bücher erschienen, welche die Greuel einer Dschinghiskan als Vorbild für die #otale Kriegführung hinstellten. Das eine haben die Nazis erreicht: ihre Mordlust und ihre Grausankeit hat die eines Dschinghiskan weit in den Schatten gestellt. Es ist erschütternd, wenn wir aus der Nürnberger Anklageschrift vernehmen, wie viele Millionen Menschen ihr Leben verlie#ien mußten, weil die Herren Streicher, Rosen
berg, Hitler und Ley den Standpunkt der rassischen Ueberlegenheit zur Geltung bringen vollten. Die Schlächtereien, die über Auftrag der Parteiführer von deutschen Militärbefehlsfabern angeordnet und vom deutschen Soldaten durchgeführt wurden, haben dem preußischen Militarismus den moralischen Todesstoß versetzt. Der Eifer, mit dem die Generäle weniger dem Vaterlande als dem Führer dienten, hat ##den letzten Rest des Ansehens, das einstens das dutsche Heer genoß, verspielt. Militärische Disziplin ist gewiß etwas Notwendiges und Schönes.
lber wenn die Gehorsamspflicht des Soldaten dazu mißbraucht wird, ihn die schändlichsten Verbrechen begehen zu lassen, dann entsteht die 1 Frage, was vorzuziehen ist: Eine Folgsamkeit, 1 de in Schande ersticken muß, oder die ehren volle Auflehnung. Das alte österreichische. Militärreglement, das aus er Feder des Erzherzogs karl und Grillparzers stammte, schrieb für solche Fälle vor: „Nur wenn ein Befehl gegen die Vohlfahrt des Staates und gegen die Dienstvorschriften gerichtet ist, desgleichen wenn er sich 1 gegen die Zebote der Menschlichkeit #richtet, hat der Untergebene, nachdem er alle * Umstände eingehend gepr##t hat, den Gehor#sam nicht; leisten und hierüber dem 1 nächsten Vorgesetzten sofort Meldung zu erstat## ten.“
Vo dieser edle Geist der Menschlichkeit wehte, gabe es keine — Kriegsverbrechen. Das unterstreicht umso schärfer die Schuld an den begangenen Kriegsverbrechen wie die Notwendigkeit einer zweckentsprechenden Sühne dieser Untaten.
Dr. Anton Klotz.
De Gaulles Wünsche erfüllt
Paris, 22. Okt. Nachstehend die vollständigen und detaillierten Wahlergebnisse aus Frankreich (ohne die Kolonien), aus offiziellen Quellen stammend. Die 522 Sitze verteilen sich wie folgt:
Kommunisten 142
M. R. P. (Mouvement Républicain Popolaire) 140
S. F. J. O. (Socialistes frangais de l"Internationale Ouorière) 133
U. R. D. (Union Rspublicaine Démocratique)
Radicaux=Socialistes 19
Entente Républicaine 12
Union des Socialistes Résistants 10
Alliance démoeratique 10
M. U. R. F. (Mouvement Unifiè de la Renaissance Française Die 24 übrigen Sitze werden eingenommen von unabhängigen Kandidaten oder Angehörigen verschiedener kleiner Bewegungen oder Parteien.
Für Algerien nachstehend die 10 bekannten Resultate für 13 Sitze:
Kommunisten 3
M. R. P. 3
S. F. J. O. 1
Modérés 1
M. U. R. F. 1
Radicaux=Sozialistes 1
Die M. R. P. ist eine katholische Partei, die aus der Widerstandsbewegung hervorgegangen ist und vollständig General de Gaulle unterstützt. Zu ihren Mitgliedern gehören u. a.: Maurice Schumann, dessen Stimme allen Franzosen deshalb so wohl vertraut ist, weil sie ihn während der deutschen Besetzung jeden Tag am Radio hörten, als er an der Seite von General de Gaulle der Wortführer des kämpfenden Frankreichs in London war. Außerdem gehören der Partei eine Anzahl von Ministern an, u. a. M. Bidault (Minister des Auswärtigen), M. Taitgen (Justizminister).
Die Parteien, die sich um die „Entente Républicaine“ und die „Alliance démocratique“ scharen, stellen die heutigen Rechtsparteien dar. Sie waren der Mittelpunkt der alten Kammer.
übersicht über die Wahlen in Frankreich Erste Frage: (Für eine neue Verfassung auf dem Wege einer konstituierenden Nationalversammlung.)
Wahlberechtigte 19,939.451.
Abgegebene Stimmen 14,441.822 Ja=Stimmen 13,972.044.
Nein=Stimmen 554.750.
Zweite Frage: (Nur begrenzte Vollmachten der Nationalversammlung, siehe „Tiroler Tageszeitung“ vom 22. Oktober.) Ja=Stimmen 9,552.000 Nein=Stimmen 4.444.449, was einem Resultat von 65 Prozent Ja=Stimmen entspricht.
Die Sozialistische Partei und MRP. sind jene großen Parteien, welche beide Fragen mit Ja beantwortet haben, was dem Vorschlag des Generals de Gaulle entspricht.
*
Die endgültigen Ergebnisse der gestrigen Wahl sind zwar noch nicht vollständig bekannt, trotzdem ist es schon heute möglich, Rückschlüsse zu ziehen aus der ersten Wahl, die das befreite Frankreich vorgenommen hat. In allererster Linie zeigen die Ergebnisse der Volksabstimmung, daß eine überwältigende Mehrheit von Franzosen und Französinnen den Wunsch hat, daß die 4. Republik mit einer neuen Verfassung ausgestattet werde. die dem modernen Rhythmus des Lebens unter den Nationen angepaßt ist. In einer kleineren, wenn auch klaren Mehrheit haben Wähler und Wählerinnen ihren Willen zum Ausdruck gebracht, die Vollmachten der Exekutive zu erhöhen und eine administrative Stabilität zu garantieren, die der Wiederaufrichtung des Landes nur nützlich sein
kann.
Auf der politischen Ebene hat die gestrige Wahl klar den Zusammenbruch der radikalen sozialistischen Partei gezeigt, die in der Vertretung mancher Departements vollständig verschwindet, wo sie früher dominierte. Dieser Zusammenbruch wird besonders veranschaulicht durch die Niederlage der bekanntesten Parteichefs wie z. B. Daladier. Was die Gemäßigten anbetrifft, so haben sich auch ihre Reihen gelichtet, in erster Linie zu Gunsten der jungen republikanischen Volksbewegung (MRP.). Diese Partei hat bei ihrem Eintritt in das Parlament Gewinne zu verzeichnen, die die öffentliche Meinung überrascht haben. Sie stellt so, im Wettstreit mit der Kommunistischen Partei und der Sozialistischen Partei, eine der drei großen Strömungen dar, in die sich heute fast
ausschließlich die französische öffentliche Meinung teilt. Sozialisten und Kommunisten haben weitgehend die Positionen überschritten, die ihre kürzlichen Erfolge bei den Bezirkswahlen voraussehen ließen.
A, F. P.)
Prozeß gegen eine Filmschauspielerin
In Prag begann der Prozeß gegen den Filmstar Lida Barrova. Es wird ihr zur Last gelegt, mit der Gestapo zusammengearbeitet zu haben. Sie sei die Freundin Hitlers, Goebbels und Franks gewesen.
Nazi als Gefangene in Amerika
London, 21. Oktober. Die amerikanischen Besatzungsbehörden haben entschieden, daß Deutsche, die von den amerikanischen Behörden zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, die volle Strafe erleiden werden, selbst wenn die Amerikaner Dutschland verlassen sollten, bevor diese verbüßt würde. Die Gefangenen würden in diesem Falle nach den USA geschafft werden, wo sie das volle ###rafausmaß abbüßen müssen.
Rückgabe der Gleckn an die österreichischen Zischöfe von Tirel, Salzburg, Klagenfurt und Steiermark durch Exz. Gouverneur Voizard vor der Pfarrkirche Wilten.
(Landesbildstelle
Dr. Renner für die wirtschaftliche
Wien, 22. Oktober.
Staatskanzler Dr. Renner erklärte in einem Interview, der nächste Schritt auf dem Wege zur Unabhängigkeit Oesterreichs müsse die wirtschaftliche Unabhängigkeit sein. Während der Uebergangsperiode sei die Hilfe der Alliierten und der URRRA erforderlich. Doktor Renner erklärte weiters, Oesterreich werde sich um Aufnahme in die Vereinten Nationen bewerben.
Eine Bemerkung der „Times“
London, 22. Oktober.
Der Sonderkorrespondent der „Times“ macht aufmerksam, daß die amtliche Mitteilung über die Entscheidung der Alliierten hinsichtlich der Regierung Renner nicht das Wort Anerkennung enthält, sondern sich an den Wortlaut der Erklärung von Potsdam hält.
Wiener Neuigkeiten
Wien; 21. Oktober.
Man beabsichtigt, den Fortgang der Wiederaufbauarbeiten des Stephansdomes so zu beschleunigen, daß bereits heuer zu Weihnachten der Gottesdienst im Dom abgehalten werden kann.
Wegen der Schwierigkeit der Heizmaterialversorgung wird den Wienern empfohlen, soweit es möglich ist, besonders kränkliche ältere Leute und Kinder während des Winters auf dem Lande unterzubringen.
Am 20. Oktober fand die Neugründung des ehemaligen Institutes für Konjunkturforschung statt, das jetzt den Titel führt: „Oesterreichisches Institut für Wirtschaftsforschung.“
Der ehemalige österreichische Berufsboxer
verband wurde neu gegründet. Die provisorische Leitung führt Ernst Genauser.
Im Sommer 1943 wurden in der Wiener Heilund Pflegeanstalt am Steinhof 217 Kinder und Jugendliche, die an Tuberkulose und Epilepsie litten, durch Morphiuminjektionen ermordet. An dieser Untat beteiligten sich die Aerzie Dr. Jekelius, Frau Dr. Dürr, Frau Dr. Jochum, Dr. Lind, Frau Dr. Hübsch und Dr. Groll.
Die Grenzen zwischen Wien und Niederösterreich sind jetzt festgelegt worden, und zwar so, daß 81 Gemeinden, die bisher der Großgemeinde Wien angehörten, von Wien abgetrennt und Niederösterreich wieder angeschlossen werden sollen. Siebzehn Gemeinden verbleiben innerhalb des neuen Wiener Gemeindegebietes.
Ein Bauer als Kriegsverbrecher verurteilt Dachau, 21. Oktober. Das oberste amerikanische Militärgericht verurteilte, einen österreichischen Bauern zu lebenslänglichem Gefängnis. Der Bauer hatte am 16. November 1944 einen in der Nähe von Lamprechtshausen notgelandeten amerikanischen Flieger erschossen.
Hilfsaktion für Österreich in England
London, 20. Oktober. Hier wurde eine Hilfsaktion für Österreich gegründet. Es ist zunächst eine Sammlung von Geld und Kleidern für Naziopfer in Österreich geplant. Die gesammelten Geldbeträge und Kleider sollen der „Volkssolidarität“ in Österreich aus der gemeinsamen Hilfsorganisation der drei demokratischen Parteien überwiesen werden. Die Landesorganisationen der österreichischen Weltbewegung in übersee haben bereits wichtige Ergebnisse bei der Hilfstätigkeit für Österreich erzielt. Argentinien hat bis anfangs September 2500 Pesos gesammelt. Bolivien hat 510 Pfund überwiesen und Kleider im Werte von über 2000 Dollar gesammelt. Weiters sind Kolumbien, Kuba, Ekuador und Australien an der Hilsaktion beteiligt.
Hilfe aus Irland für Offerreich
Dublin, 19. Oktober. Im irischen Parlament erklärte De Valera, daß Lebensmittel aus Irland bereits an Österreich, Ungarn, Deutschland und Polen geschickt wurden und die Lieferung von weiteren Mengen vorbereitet wurde.
Eröffnung der Gerichte in Kärilten und Steiermark
Graz, 19. Oktober. Im hiesigen Landesgericht fand eine Feier statt anläßlich der Wiedereinführung der österreichischen Gerichtsbarkeit in der britischen Besatzungszone.