Tiroler Tageszeitung 1945
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- S.9
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Donnerstag, k. Oktober 1945
Die Ernährungslage in Tirol
General de Gaulle besucht die deutsche Besatzungszone
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Es gab kaum ein Problem, das die Berölkerung in den letzten Monaten so stark beschäftigte und Gegenstand oft erhitzter De
statten war, wie das Problem der Ernähung. Es fehlte auch nicht an wohlgemeinin Ratschlägen, die nur zumeist den einen zehler hatten, daß sie von einer Seite kanen, die die Geheimnisse der Ernährungsortschaft nicht begriffen hat und sich keine korstellungen macht von der Kompliziertheit nnd Empfindlichkeit des Produktions= und verteilungsapparates.
Bei der Ausgabe von neuen Karten traten mmer wieder Fragen von allgemeinem Injteresse an uns heran. Fragen, die teilweise och nicht beantwortet werden können, und selche, wo eine Aufklärung notwendig ist. haufig wird gefragt, wie es mit unseren torräten für die nächsten Monate steht, ob sine Besserung in der Rationszuteilung mögich ist, ob der Bauer seiner Ablieferungsflicht nächkommt, inwieweit Eigenversorgung im Lande möglich und wie groß der schutzbedarf ist. Es ist sicherlich am Platze, sier etwas Aufklärung zu schaffen und Meiungen zu korrigieren.
Die Rationssätze waren ursprünglich sehr neder und wir mußten mit den vorhandenen sborräten das Auslangen finden. Von einem aloriensatz pro Tag von 850 Kalorien sind #ir nun zu einem Satz von 1262 Kalorien sekommen. Wenn man damit auch noch nicht Auslangen findet, so ist es doch eine erliche Besserung. Aber es ist als sicher anzulhmen, daß in den nächsten Monaten auch ##r noch eine Steigerung eintreten wird.
— Sportverein Brotversorgung
Lanmigendin das Land Tirol kann schon wegen seiner e zweite Spiel jtographischen und klimatischen Verhältnisse chen der Haller l ein Getreideland sein. Es mußte schon mner seinen Bedarf an Brotgetreide durch ierte mit seine zfuhren aus dem Ausland decken. Von der mußte gegen die gamten landwirtschaftlich genutzten Fläche =Niederlage #n und kaum 2 Prozent Ackerland und die darlus zu erwartende Ernte reicht nicht einmal Gilz 2:4 (2i us, um den Brot= und Mehlbedarf der landwächter Aufste# spirtschaftlichen Selbstversorger ganz zu #nenden und ab siecken. Die künftige Brotversorgung des #nenden Landes hängt ausschließlich von den
egte die zu Gast [Nehl= und Getreidezufuhren ab, gend in einem swelche uns die alliierten Mächte zur Verfügung stellen. Um so notwendiger ist es für Mittwoch, jaher, das geringe Eigenaufkommen genau ##n findet nicht su erfassen, aufzuteilen und beispielsweise #n gleichen Tage l6erste, Mais und Hafer, die sonst teilweise Rößl“ statt, oder ganz als Futtexmittel verwendet wursten, als Brotgetreide zu erklären und als Uckjstreckung zu verwenden. Eine Mehlbeimi— shung von getreidefremden Substanzen, wie Verlautbaun sin der Öffentlichkeit behauptet wird, ist in österreichisch sanem Faue vorgekommen und wird auch 15.40 u.kunft nicht erforderlich sein. Es ist da
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Fleischversorgung
Seit dem Einmarsch der alliierten Trup#en in österreich deckt das Land Tirol seinen Feischbedarf ausschließlich aus eigenem. Lenn auch der Rindviehbestand den Krieg zit überdauert hat, so darf nicht außer Acht gelassen werden, daß durch die Versorgung ster überbevölkerung in den vergangenen kochen sowie durch Requirierungen Lücken in die Schlachtviehbestände gerissen wurden sund der Schweinebestand einen
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nie dagewesenen Tiefstand ufweist. Vor dem Kriege waren in Tirol 350.000 Einwohner, während nach dem sriege für 470.000 Einwohner die Ernählung bereitgestellt werden mußte. Ausschlaggebend aber ist, daß das Land Tirol seit jeher auf Erzeugung von Zucht= und Nutzvieh abgestellt ist und die Schlachtvieherzeugung nahezu bedeutungslos sein muß, weil die wirtschaftseigenen Futtermittel nicht austeichen und Futtermittelzufuhren schwer und derzeit überhaupt nicht möglich sind. Ein zu großes Abschöpfen von den vorhandenen Kindviehbeständen bedeutet einen wirtschaftlichen Schaden, der auf lange Sicht hinaus nicht wieder gut zu machen ist. Es muß dann zuchtvieh geschlachtet werden, das für -Ex
port= oder Austauschzwecke bestimmt ist oder für die Milch= und Butterversorgung dringendst gebraucht wird. Durch diese Feststellung wird auch begreiflich, daß wir über 800 Gramm pro Kartenperiode nicht hinaufgehen können und daß sogar diese 800 Gramm, die vom Lande selbst aufgebracht werden, unsere Milch= und Fettversorgung gefährden und für die Tiroler Bauernschaft ein großes Opfer bedeuten.
Milch und Milchprodukte Wohl nirgends sind die Schwierigkeiten so groß wie auf dem Gebiete der Milchversorgung. Das Absinken der Milchproduktion durch Reduzierung der Viehbestände, Transportschwierigkeiten sowie Mangel an Arbeitskräften einerseits und ein nicht zu leugnender Ablieferungsunwille einzelner Bauern andererseits haben die Vollmilchversorgung der Kinder und Kranken gefährdet. Dazu kommt noch der jahreszeitlich bedingte Milchmangel, der im Sommer schon immer eine Zufuhr von auswärts notwendig machte und im September sein Höchstmaß erreicht. Auch die Butterablieferung wurde durch die Ereignisse des Umsturzes vollkommen aus dem Geleise geworfen und es braucht rücksichtslose Strenge, um hier wieder einigermaßen normale
Ablieferungsverhältnisse schaffen zu können. Aber es muß auch einmal endgültig dargelegt werden, daß die Landwirtschaft Tirols nicht in der Lage ist und es niemals war, die Butterversorgung aus eigenem sicherzustellen. Schon immer mußte mehr als die Hälfte des Butterbedarfes durch Zufuhren gedeckt werden. Auch hier brauchen wir eine kräftige Nachhilfe der Alliierten, um die Rationen sichern und erhöhen zu können. In der übrigen Fettversorgung ist eine Besserung durch landeseigene Lieferungen ebenfalls nicht möglich, da, wie gesagt, der derzeitige Schweinebestand einen katastrophalen Tiefstand aufweist. Der Bestand ist gegenüber den Vorkriegsverhältnissen um mindestens 60 Prozent zurückgegangen. Von auswärts zugeführtes Schweineschmalz steht auch in
den nächsten Wochen in ausreichender Menge zur Verfügung. An Käse ist das für die Bedarfsdeckung Nötige vorhanden.
Kartoffelversorgung
Trotz der Ausweitung der Kartoffelanbaufläche auf über 3000 Hektar und einer voraussichtlich durchschnittlichen Mittelernte kann der Bedarf an Kartoffeln im Lande Tirol bei weitem nicht gedeckt werden. Der Zuschußbedarf wurde immer aus dem benachbarten Bayern aufgebracht. Obwohl mit Bayern ein Vertrag abgeschlossen und die notwendige Kartoffelmenge bestellt wurde, war es uns bis jetzt leider nicht möglich, diese Kartoffeln zu erhalten. Sollte Bayern trotz des abgeschlossenen Vertrages die Anlieferung nicht übernehmen, so hat uns die französische Militärregierung eine Kartoffellieferung aus Frankreich in Aussicht gestellt.
Nährmittelversorgung
Die Bereitstellung von Teigwaren steht in engstem Zusammenyang mit der Getreideversorgung des Landes. Die Hülsenfrüchte sind eine Importangelegenheit. Die Zuteilungen in den folgenden Versorgungsperioden hängen daher nur von jenen Mengen ab, welche uns die alliierten Mächte jeweils zur Verfügung stellen können, zumal die eigenen Vorräte an Hülfenfrüchten und Reis infolge der Plünderungen und sinnlosen Verteilungen in den Maitagen vorzeitig erschöpft worden sind.
Die Zuckerversorgung
Die Zuckerversorgung kann nur durch hundertprozentige Einfuhr bewerkstelligt werden. Wie schwierig die Lage auf diesem Gebiete ist, geht aus den jüngsten Ausführungen des amerikanischen Ernährungeministers hervor, denen zufolge sowohl die Fett= wie die Zuckerversorgung der ganzen Welt noch einige Zeit angespannt und ernst bleiben wird Trotzdem kann in dieser Periode pro Kopf ein halbes Kilogramm Zucker ausgege ben werden. Auch der Bienenzucht in Tirol konnte der für die Winterfütterung der Bie
Paris, 3. Oktober. Wie INS meldet, wird General de Gaulle voraussichtlich am Dienstag Abend zu seinem ersten offiziellen Besuch in der französischen Besatzungszone Deutschlands abreisen. über die geplante Reise wurde keine amtliche Bekanntmachung herausgegeben. Es wird weiter berichtet, daß sich de Gaulle drei Tage lang in der Besatzungszone aufhalten werde, um die französischen Okkupationstruppen zu besichtigen.
Das Wesen der Demokratie
London, 3. Oktober. Im Zusammenhang mit den Londoner Beratungen veröffentlicht der liberale „News Chronicle“ heute einen grundsätzlichen Artikel, der sich mit dem Begriff Demokratie befaßt. „News Chronicle“ schreibt: Wenn man einen Engländer oder einen Amerikaner fragte, was er unter Demokratie versteht, so würde man in 90 Prozent der Fälle als Antwort das berühmte Zitat aus der Rede Lincolns bekommen: Demokratie, so würde die Antwort lauten, ist die Regierung des Volkes durch das Volk und für das Volk. Zweifellos eine großartige Formulierung, aber kann sie uns wirklich viel weiter bringen? Daher ist es erforderlich, daß wir uns die Frage vorlegen, was bedeuten die Grundsätze, für die wir so zäh gekämpft haben und um derentwillen so viele in den Tod
gegangen sind. Das Wesen der Demokratie, wie wir den Begriff auffassen, besteht in folgendem: Der Staat muß so organisiert sein, daß jeder einzelne trotz seiner vielen und verschiedenartigen Verpflichtungen ein freier Mann bleibt ein Mann, der Inhalt und Zielsetzung seines eigenen Lebens selbst bestimmen kann mit der einzigen Einschränkung, daß die Wohlfahrt der Gemeinschaft darunter nicht leiden darf. Ein freier Mann, das heißt ein Mann, der als Einzelperson im selben Ausmaß wie jeder andere bestimmen kann, welche Beschränkungen dem einzelnen Staatsbürger auferlegt und welche Beschränkungen aufgehoben werden sollen.
Präsident Roosevelt hat durch die Proklanierung der vier Freiheiten die wesentlichen Voraussetzungen demokratischer Regierungsform unserer Auffassung entsprechend klar zum Ausdruck gebracht. Das Grundrecht der Demokratie in dem bisher anerkannten Sinne ist das Recht freier Aeußerung verschiedener Meinungen. Von idealer Demosratie sind wir gewiß noch weit entfernt. Die Bewahrung der Freiheit erfordert nicht nur dauernde Wachsamkeit in der
wirren Welt, in der wir leben, sondern auch dauernd Kampf.
Die Außenministerkonferenz beendet
London, 3. Oktober. Der Rat der Außenminister gab gestern Abend seinen Entschluß bekannt, die gegenwärtige Tagung zu beenden.
Aus StTERREICH
Im Hafen von Triest wurden im September 88.000 t Versorgungsgüter für Österreich umgeschlagen. Im Oktober sollen 150.000 t für Österreich verladen werden. Britische Räumungsboote setzen die Säuberung der Hafenzufahrtsstraße fort.
Gegenwärtig gelangt zwischen Österreich und Ungarn ein Warenaustausch zur Durchführung. Ungarn liefert Kohle und Koks gegen österreichisches Grubenholz. Die im September aus Ungarn eingeführte Menge an Kohle und Koks betrug je 10.000 Tonnen. Im Oktober werden weitere 15.000 Tonnen Koks geliefert werden.
Neuestes vom Tage
Vereinigte Staaten
Präsident Truman wird im Laufe dieser Woche an den Kongreß eine Botschaft über das Geheimnis der Atombombe richten.
England
Der Herzog von Windsor wird nächste Woche nach London zurückkehren, um zum erstenmal nach neun Jahren wieder mit seiner Muter zusammenzutreffen. Der Herzog hält sich mit seiner Frau in Frankreich auf.
Holland
Der holländische Kriegsminister Meynen forderte die übergabe einer Besatzungszone in Deutschland an Holland. Holland wünsche sich an der Besetzung Deutschlands und Japans zu beteiligen und schicke deshalb 27.000 Mann demnächst nach Ostindien.
Deutschland
In einem Massengrab bei Lüneburg wurden die Leichen von 250 gesangenen Franzosen entdeckt, die bei ihrer überstellung von Wilhelmshafen in das Konzentrationslager Belsen ermordet wurden.
Auf die Frau des SS.=Kommandanten Kramer des Konzentrationslagers Belsen wurde von einem früher in diesem KZ. mißhandelten Polen ein Attentat versucht. Frau Kramer blieb unverletzt.
nen notwendige Zucker zugeteilt werden. Wäre dies nicht möglich gewesen, so wären 60 Prozent des Bienenbestandes verhungert und damit die Obsternten auf Jahre hinaus geschädigt worden.
Obst= und Gemüseversorgung
Die Obsternte des heurigen Jahres muß als ausgesprochene Mißernte bezeichnet werden, so daß von einer Erfassung und Zuteilung von Obst aus eigenen Beständen nicht gesprochen werden kann. Durch Abschluß einiger Kompensationsgeschäfte mit Südtirol konnte Obst für die Zivilbevölkerung bereitgestellt werden. Wir hoffen, daß es uns noch möglich sein wird, größere Mengen von Winterobst einführen zu können, doch ist dies noch nicht vollkommen sicher und wir sind daher nicht in der Lage, Versprechen zu machen, die wir vielleicht letzten Endes nicht verwirklichen können.
Die Gemüseversorgung war im heurigen Jahre ganz und gar unbefriedigend. Die Ursachen davon sind der Rückgang der Produktion infolge der Kriegsereignisse, des Abzugs ausländischer Arbeitskräfte und des Mangels an Saatgut, ferner der Abverkauf von Gemüse direkt beim Erzeuger und schließlich Requirierungen in Erfassungsstellen durch die Besatzungstruppen. Auch die Aussichten für das Wintergemüse sind sehrskeptisch zu beurteilen und es müßte schon von einem großen Erfolg gesprochen werden, wenn es gelänge einen Teil der bisherigen Einfuhr von etwa 9000 Tonnen Gemüse hereinzubringen.
Durch diesen allgemeinen Bericht über die wichtigsten Bedarfsgüter soll klargestellt werden, welche Produktionsmöglichkeiten Tirol hat und wie arm das an Naturschönheiten so reiche Land an wichtigsten Lebensgütern ist. Kaum zehn Prozent seiner Oberfläche können der landwirtschaftlichen Produktion nutzbar gemacht werden. Damit die Bevölkerung des Landes Tirol leben kann, müssen viele tausend Waggons Lebensmittel zugeführt werden und der größte Fleiß sowie die härteste Arbeit wären nicht imstande, hier wesentlich Wandel zu schaffen. Um so notwendiger ist es, daß das Wenige, das wir selbst erzeugen, genau erfaßt und möglichst gerecht verteilt wird. Der Bauer muß wissen, daß wir auch auf jede kleinste Menge angewiesen sind wie noch nie und daß daher
gewissenhafte Ablieferung zwingende Pflicht ist. Der Nichtbauer soll die Hilfe des Bauern anerkennen und dessen Ablieferungspflicht nicht erschweren. Wir selbst wollen die Güter, die über unsere Landesgrenze rollen, äußerst vorsichtig bewirtschaften und auf lange Sicht einteilen, um über die Härte des Winters hinwegzukommen und das derzeitige Rationsminimum zu sichern. Der französischen Militärregierung gebührt Dank dafür, daß sich die Anlieferung von Lebensmitteln aus dem Ausland im Ansteigen befindet und wir daher in der Lage sind, die Verhältnisse auf dem Ernährungssektor zu, bessern.
Hoffen wir, daß einmal die Zeit kommt, wo der Lebensmitteleinkauf für die Hausfrau nur mehr eine Geld= und nicht mehr eine Mengenfrage sein wird.