Tiroler Tageszeitung 1945

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Ceite 2 Nr. 86
Tiroler Tageszeitung
Montag, 1. Oktober 193
Tod in den Bergen
Am 28. September ist am Kleinen Rettenstein in den Kitzbüheler Bergen der bekannte Berg= und Skiführer sowie Sportgeschäftsinhaber aus Kitzbühel Hansjörg Schlechter abgestürzt und am gleichen Tage den schweren Verletzungen in einem Kitzbüheler Sanatorium erlegen. Schlechter hat Bauern beim Schafsuchen geholfen und ist dabei über verschneite Grashänge abgestürzt. Der Verunglückte galt als ausgezeichneter und dennoch vorsichtiger Bergsteiger.
war 42 Jahre alt und hinterläßt Frau und Kind.
Am Sonntag vorher ist im Botzongkamin am Predigtstuhl im Kaisergebirge der
am 15. Aug. 1923 in Grafenschachen, Steiermark, geborene Schuhmachergehilfe Franz Halwachs beim Herabholen eines Seiles etwa 50 Meter tief abgestürzt. Seine Kameraden alarmierten in der Nähe befindliche Bergrettungsminner, welche den am Kopf und an den Beinen schwer Verletzten abseilten und dann auf den Schultern zur Gaudeamushütte des Alpenvereins trugen. Der am Sonntag nachmittags erfolgte Wettersturz erschwerte zwar die Bergung, verzögerte sie aber nicht. Der Verunglückte kam noch am gleichen Tage in das Lazarett in St. Johann, wo er zwei Tage später seinen Verletzungen erlag, ohne das volle Bewußtsein je erlangt zu haben. F. A.
Helden der Pflicht
Zum bereits gemeldeten Absturz eines englischen Flugzeuges im Hochnißlgebiet erhalten wir noch folgenden Bericht:
Am 20. September zerschellte im Schwazer Gebiet infolge Vereisung ein englisches Flugzeug. Den Insassen, 4 Generälen und ihrer Bemannung, gelang es mit dem Fallschirm abzuspringen. Eine Stunde später erschien einer der englischen Generäle bei einem französischen Posten im Vomperberg um Hilfe. Sofort entsendete eine Einheit des zweiten Dragonerregimentes Patrouillen in das Gebirge, um nach den Vermißten zu suchen. Es gelang ihnen, einen General, der leicht verwundet war, ebenso wie die Bemannung aufzufinden. Es fehlten jedoch noch 2 Generäle. Deshalb wurde die Schwazer Bergwacht verständigt. Teilnehmer an dieser Expedition waren die Herren Bodem Eduard,, Waroschitz Kurt, Höck Josef, Posch Walter, Lechner Alois, Steinlechner Martin
(Ummelberg) und Greiter Anton (Vomperberg). Die Dragoner und die Bergwacht begannen das äußerst schwierige Hochnißlgebirge abzusuchen. Die Vergwacht suchte den südlichen Teil ab, während die Dragoner unter überwindung zahlreicher Schwierigkeiten den nördlichen Teil des Massivs durchforschten. Die Bergwacht hatte gerade noch zwei steile Grate zu überqueren, als sie 500 Meter unter sich in einer Mulde, die von zackigen Felsen eingerahmt war, zwei ausgestreckte menschliche Gestalten beobachtete. Es waren die beiden schwer verwundeten Generäle. Um sie aus dem Abgrund zu holen, bedurfte es einer 4½stündigen gewaltigen Anstrengung, um die Beschaffenheit des Terrains und die Schwäche der Verunglückten zu überwinden. Nach einer kurzen
Ruhepause traten die Bergwacht und die Dragoner den Rückweg an. In nächtlichem Dunkel überwand man die Höhe des Niedernißls. In nächtlichem Dunkel vollzogen sie den steilen Abstieg mit ihrer doppelten Last. Wohlbehalten und mit heiler Haut, aber stark erschöpft, erreichten sie einen schützenden Hang. Einer von ihnen verständigte den französischen Posten in Vomperberg. Dieser brach ebenso wie eine Patrouille des zweiten Dragonerregimentes unter Führung von zwei Offizieren und einem Militärarzt mit Tragen und Verpflegsmitteln auf, um den Aufstieg auf den Niedernißl zu unternehmen. Oben angekomen wurden die Vorräte an die Verletzten, die ausgehungerten Dragoner und Alpinisten ausgegeben. Den verletzten Generälen wird die erste ärztliche Hilfe zuteil.
Dem einen von ihnen fehlt das Bein, der andere hat schwere
Brüche erlitten. Dann folgte ein unerhört schwieriger Abstieg über wilde Felsentrümmer, schwindelnde Abhänge. Mehrmals mußte man die Tragen mit Hilfe von Seilen vertikal niederlassen. In siebenstündigen, ermüdenden Anstrengungen gelang es, die Verwundeten nach Vomperberg zu bringen, wo sie von der Ambulanz erwartet wurden.
Dieser schreckliche Unglücksfall hat ebenso den Heldenmut und die Ausdauer von französischen Soldaten, die einer Einheit angehören, die für den Gebirgsdienst nicht geübt ist, unter Beweis gestellt, wie auch den Mut und die Aufopferungsfähigkeit der österreichischen Bergwacht.
erste Tiroler Kunstausstellung
Am Samstag, den 24. September, wurde im Museum Ferdinandeum die erste Tiroler Kunstausstellung seit dem Kriege eröffnet. Sie zeigt uns Werke des Innsbruckers Lois Egg, der hier im Jahre 1913 geboren wurde und seine Ausbildung an der Bundeslehranstalt in Innsbruck und an den Akademien in Prag und Wien genoß. Seit 1937 war er als Bühnenbildner in Innsbruck, Koblenz, Reichenberg und Prag tätig. Ausstellungen seiner Werke wurden 1936 in Innsbruck und 1939 in Koblenz gezeigt. Die jetzige Ausstellung im Ferdinandeum besteht neben einigen Zeichnungen in Kreide, Rötel und Bleistift vor allem aus Pastellarbeiten und Aquarellen. Vor allem das Pastell entspricht in seiner Handhabung und farbigen Wirkung den Absichten des Künstlers in hervorragender
Weise. Als Themen begegnen uns vor allem Bilder aus Prag, die der Künstler während seines dortigen Aufenthaltes geschaffen hat. Da
neben sehen wir einige Landschaftsbilder aus Tirol aus der jüngsten Vergangenheit. Manche dieser Bilder sind entstanden als Vorstudien zu bestimmten bühnenbildnerischen Arbeiten, andere wieder erscheinen als künstlerisches Nebenprodukt neben der bühnenbildnerischen Berufsarbeit, während insbesondere die Porträts, Stilleben und Landschaften den Eindruck von selbständigen, in sich abgeschlossenen Kunstwerken erwecken. Die Ausstellung stellt den Auftakt dar zu einer Reihe von Ausstellungen, die sich in der nächsten Zeit von Monat zu Monat ablösen werden. Die Ausstellung läuft von 29. September bis 20. Oktober und ist täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. — Eintritt 50 Pfennig (Militär und Schüler frei). — Ein illustrierter Katalog führt in, die Ausstellung und
das Leben des Künstlers ein. J. W.
Von einem Telegraphenmast erschlagen
Am 28. September um 10.30 Uhr ist der 18jährige Telegraphenarbeiter Karl Weldensohn aus Südtirol bei der Abmontierung einer Leitung in der Nähe der Volderer Innbrücke im Gemeindegebiet Mils bei Solbad Hall mit einem Leitungsmast umgestürzt und hat dabei den Tod gefunden.
Diebstähle
In Innsbruck wurden entwendet: In der Erlerstraße einem Ingenieur ein Personenauto, Marke Opel=Kapitän; aus einer Wohnung in der Fischerstraße 41 Kleider und Wäsche; in einem Waschegeschäft in der Maria=Theresien=Straße eine Mappe mit Lebensmittelkarten für fünf Personen. Während einer Fahrt auf der Mittelgebirgsbahn wurde einem Mädchen aus der Einkauftasche eine Mappe mit Lebensmittelkarten für sechs Personen gezogen.
In einem glänzenden Rahmen, in Anwesenheit des Herrn Generals Bethouart und des Herrn Gouverneurs Voizard, der mit dem Stab seiner Offiziere der Veranstaltung beiwohnte, fand Samstag mittag die Eröffnungsfeier der Innsbrucker Universität für das Studienjayr 1945/46 und die feierliche Inauguration statt.
Ner neugewählte Rektor, Dr. Karl Brunner, a.ö. Professor für englische Philologie, begrüßte in der festlich geschmückten, dicht besetzten Aula der Universität, in der neben einer Reihe hoher Gäste aus der französischen Militärregierung Mitglieder der Tiroler Landesregierung und die Spitzen der Amter und Behörden der Stadt vertreten waren, unter anderen Hofrat Kundratitz, Dr. Greiter, den Landeskulturreferent Dr. Gamper, Landesbauernführer Muigg, Hofrat Doktor Erich Kneußl, Kabinettsrat Dr. Großmann und andere, sowie die Herren Professoren und Dozenten und die außerordentlich zahlreich erschienenen Studenten und Studentinnen, die selbst die Eingänge zur Aula noch in dichten Mengen füllten. Seine Eröffnungsrede wurde in französischer Sprache wiederholt.
In der folgenden Rede des Herrn Professors Dr. Theodor Erismann, Dekan der philosophischen Fakultät, zum Thema „Student, Dozent und die Wissenschaften“ kam
die Notwendigkeit der Verbindung dieser drei Faktoren lebendig zum Ausdruck, ebenso das Vertrauen, das gerade auch die Studentenschaft in die neue Innsbrucker Universität setzt. Ein außerordentlich großer Hörerkreis, so führte Professor Erismann aus, habe sich zu allen Fakultäten gemeldet. an einzelnen Fakultäten, zum Beispiel der naturwissenschaftlichen und medizinischen, mache die Unterbringung einer überzahl von Studenten bereits Schwierigkeiten. Ein Appell an die Studenten zur gemeinsamen Zusammenarbeit auf neuer Grundlage schloß die interessanten Ausführungen.
Nach einer musikalischen Darbietung, die Direktor Weidlich in bekannt feiner Weise leitete, ergriff Rektor Dr. Karl Brunner nochmals das Wort und brachte in klarer, verständlicher und fesselnder Art einen Vortrag zum Thema „vom wissenschaftlichen Wert des Studiums der lebenden Fremdsprachen“ der ebenfalls von der gesamten Zuhörerschaft mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Mit Mozart, der durch Direktor Weidlich und sein Orchester nochmals ausgezeichnet zu Gehör gebracht wurde, schloß der künstlerische Kreis um diese auserlesene Festlichkeit, der im Rahmen neuer wissenschaftlicher Arbeit auf neuer politischer und kultureller Grundlage nicht genug Bedeutung beigemessen werden kann.
Lieber Stromabnehmer!
Der Mangel an Brennstoffen stellt im kommenden Winter an die Elektrizitätswerke so große Anforderungen, daß diese nur dann bewältigt werden können, wenn jeder Stromabnehmer durch Beachtung nochfolgender Punkte selbst dazu beiträgt:
1. Spare nicht aus Angstlichkeit den vorhandenen Brennstoff, sondern verwende ihn noch in diesem Wikter!
2. Heize nur dann elektrisch, wenn Du keine andere Möglichkeit hast!
3. Koche und heize nie gleichzeitig!
4. Koche möglichst frühzeitig oder von 12 bis
14 Uhr!
5. Koche sparsam (Platten rechtzeitig abschalten, nicht überlaufen lassen, Kochkiste verwenden)!
6. Benütze andere Elektrogeräte wie Bügeleisen usw. vor 8 Uhr oder am frühen Nachmittag!
7. Spare mit Waschwasser, bereite es am Nach
mittag!
mittag!
8. Heize nur den Wohnraum und nicht über eine Temperatur von 17° C!
9. Wähle Räume, die leicht zu heizen sind (keine Eckzimmer und solche mit großen Fenstern)!
19. Lüfte kurz, aber mit voll geöffneten Fenstern!
11. Gewerbetreibende und Landwirte. Euere Motoren nicht von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr!
12. Laß keine Lampe unnütz brennen!
13. Sind Deine Wohnung oder Dein einmal stromlos, so schalte alle elektrische Geräte aus. Du erleichterst dadurch den Elekteizitätswerk die Wiedereinschaltung
14. überbrücke nie die Sicherungen#
Selbstdisziplin und halte Dich a
diese gut gemeinten Ratschläge, dann wirst 2: stets eine warme Suppe und eine warme Stu, haben und Deine Motoren werden laufen; tust?, das nicht, dann schadest Du Dir selbst und Deinn Nachbarn; denn:
1. Wenn Du die Stromleitung überlastes bringst Du die Sicherungen zum schmelt und kannst nicht damit rechnen, daß de dafür das Elektrizitätswerk noch belohn und sofort einen Monteur schickt!
2. Wenn Du aber die Sicherungen in Deim Wohnung oder in Deinem Betrieb oder#### im verschlossenem Anschlußkasten des Elei. trizitätswerkes überbrückst, so wird ein mehrstündige Stromunterbrechung die Fol sein und Du gefährdest außerdem Dein E gentum durch Brandgefahr!
3. Wenn Leitungen durch überlastung aussth len, muß das Elektrizitätswerk die notwen dige Disziplin erzwingen und wird solhe Leitungen durch längere Zeit nicht mehr eischalten.
Verkücz=
Ams
Automobilverkauf durch Zivilisten
unzulässig
Es mehren sich die Fälle, daß Zivilpersonenm rechtmäßig Automobile verkaufen. Die Miltäd regierung von Tirol macht erneut darauf aufmer som, daß solche Verkaufe — auch an Militäve sonen — ebenso wenig erlaubt sind wie der ## kauf von anderen Mobilien. Fälle von betrüg rischen Verkaufen, die der Militärregierung i# Kenntnis gebracht werden, werden schwerstens# straft. (258
Die Franz Oesterreich gie Mit Rücksiel
und dem normalen sozi ben zu erleichtbefe
Ausgehverbot
Gebiet von vorläufig auf 5 Uhr morgene
dienstlich unte schriftsmäßige
führen.
Die französi den guten Will terhin in der unbedingte Rar
Arte
Ausgabe von neuen Fahrgenehmigungen fü
Kraftfahrzeuge
Am 15. Oktober 1945 verlieren die bi# diesem Tage für zivile Kraftfahrzeuge in da Ländern Tirol und Vorarlberg ausgegeben Verkehrszulassungen ihre Gültigkeit.
Neue Zulassungen werden in Kraft gesetzt und zwar a) Dauerzulassungen, b) zeitlchte schränkte Zulassungen.
Die Dauerzulassungen müssen nach 3on 6 Monaten erneuert werden, je nachdene sich um einen Personen= oder Lastkraftwage handelt.
Die zeitlich beschränkten Zulassungenwe den erlauben: einerseits, den Benützemm Personenkraftwagen, die keine Dauerzulg sung erhalten können, die Möglichkeit n geben, bestimmte, berechtigte Fahrten in sih gesetzten Zeitabschnitten durchzuführen un
werden nur an bestimmten Wochentage (höchstens drei) oder während einer bestin ten Zeitdauer von höchstens 8 Tagen imM nat gültig sein,
anderseits werden sie das überschreitende französischen Besatzungszone in Österres für solche Benützer von Personen= oder L### kraftwagen ermöglichen, die den in Kas stehenden, das überschreiten der Grenzen## treffenden Vorschriften Genüge leisten.
Die Benützer von Kraftfahrzeugen, wel die Ausstellung einer der beiden Fahrgens migungen wünschen, haben die nötigen# tragscheine bei der zuständigen Bezirksfubereitschaft zu beheben, wo sie auch alle A künfte erhalten.
Nach der am — folgten feierlicheMilitärregierung handlungen ein. klagebank Dr. 2# liger Landesgerin Anklage lauiete der Anklageschrif nung des Angenl suchung eine Pist Kaliber 7,65, ges handensein einer werden konnten, sitz einer Schacht sprochen und zu 400 Schilling Gel
Als nächster A Meran geborene Die Anklage lat sischen Personen. ivertagt infolge fastungszeugen.
Als nächste ersel mann und Mose sin Moritz Salz; Anklage lautete Tragen französise. geklagten hatten
Unaufgeforderte Einsendungen wer von der Schriftleitung der „Tiroler Tage zeitung“ nicht zurückgereicht.
Dank an Vicol
Von einer Steiermärkerin
In allen Orten werden die Koffer gepackt. Ein verblühtes Alpenröslein und ein kleiner Latschenzweig müssen noch mit hinein — zur Erinnerung. Dann geht es ans Abschiednehmen. „Abschied nehmen“ — das klingt so traurig. Es ist wie blasse Herbstzeitlosen, die an das Scheiden des Sommers mahnen. Auch uns ist der Abschied schwer von dir, heiliges Land Tirol. Wir flohen zu dir, vor den Schrecken der Bombenangriffe, aus der Heimatlosigkeit der zerstörten Wohnungen und zuletzt vor den Kampfhandlungen im Osten und Westen.
Der Kriegsgott hat ausgetobt, viele von uns können heimkehren. Ein Glück liegt in diesem Worte auch für uns, die wir vielleicht nichts mehr finden werden als einen Schutt= und Trümmerberg, dort wo einst unser Heim stand. Aber wir haben das Heimweh kennengelernt und das soll nun gestillt werden. Wieder wird die Sonne sich über die geliebten Hügeln und der weiten Ebene erheben, das Land unserer Kindheit wird um uns sein.
Trotzdem wird uns der Abschied schwer von dir, schönstes Land Tirol! Immer, wenn der Schmerz um liebste Menschen oder die Sorgen uns an die Kehle stiegen und das Herz mit eiserner Faust zusammendrückten, liefen wir hinaus in deine Berge — die nun auch unsere geliebten Berge geworden sind. Da ist es so schön, immer neu und
oft unsagbar schön. Das Schöne aber steigert das Lebensgefühl. So wurde unser Herz stark und weit und konnte dem Druck der eisernen Faust standhalten.“
Und noch mehr! Es gibt Stunden und Bilder hier, bei denen auch das traurigste Herz froh und glücklich sein muß. Ein wunschloses Glück, geschenkt durch das Anschauen deiner Pracht und Lieblichkeit.
Denkt nur an einen Sommermorgen, da die Sonne die ersten Bergspitzen küßt und über den Gletscher gleitet, auf daß er rosig erglüht. Oder an die wogenden Bergwiesen unter den zarten Schleiern der Lärchen, wenn die Sonne sinkt und lautlose Rehe zur Tränke schreiten.
Oder denkt an den Bergfrühling! Ringsum stehen die Berge in solcher Schönheit angeordnet, daß es fast unwahrscheinlich ist — und zu euren Füßen grünt, blüht und duftet es, wie ihr es noch nie erlebt habt. Die blauen Glocken des Enzian schauen euch an, die weißen Anemonen und zarten Soldanellen wiegen sich wie Tänzerinnen auf ihren zierlichen Beinchen, das goldene Platenigl duftet wundersam und die Brunelle steht da wie ein gesundes Bauernmaidlein, so voll Kraft und Frische. Mitten darunter blühen die sammtenen Edelweißsternchen. Dört zwischen den weißen Steinen aber stehen Vergißmeinnicht: Ihr Blau könnt ihr nie mehr vergessen. Schmetterlinge schweben darüber hin und unser Herz schwebt mit, schönheittrunken und getröstet.
Und wenn wir hoch auf die Berge steigen, können wir diese Frühlingswunder mitten im Juli erleben. Denn in den Bergen stürmt und schneit es bei jedem Unwetter. Kaum jedoch sind die Stürme vorbei, gebärt diese herrliche Natur neue Frühlingswunder! Ihr Wille zum Leben ist so groß; können nicht auch wir uns ein neues Glück schaffen, wenn wir nur den rechten Willen zum Leben haben?
Und wenn die Spätsommerabende kommen, sinken leise Nebelschleier auf die dunklen Dächer mit den weißen Steinen und die alten Bauernhäuser mit den roten Hängenelken und hellen Begonien, den kleinen Erkern und bemalten Wänden, die so wundersam in die Landschaft passen, laden zum Eintreten ein. Gestern betrat ich tatsächlich ein solches Haus. In der großen Stube saß die alte Mutter am Spinnrad und eine junge Arztefrau mit einem flachsblonden Töchterchen und einem kleinen Sohn stand bei ihr. Sie sprachen von der bevorstehenden Heimreise, auf die sie sich freuten. Nur der Knabe machte ein abweisendes Gesicht. Auf meine Frage, ob er sich denn nicht auch freue, versteckte er sich in den weiten Rockfalten der alten Bauersfrau und sagte in reinstem
Tirolerdeutsch: „I bleib bei der Muatta.“
Wie viel Liebe und Güte muß diese schlichte Frau dem einst verwöhnten Stadtkind geschenkt haben? Sicher war es keine laute, werbende Freundlichkeit. Die findet man hier nicht, sie würde auch nicht hieherpassen. Das Kind jedoch
hat es am besten erfaßt, bei der Muatta ist## sein.
„Des Lebens freundlichste Erscheinung sind schen, die nicht schmeichelnd loben, in deren gum treuer Meinung wir aber sicher aufgehoben.“ Kind schrieb mir eine gute Lehrerin diesen So#ins Stammbuch — hier habe ich ihn am besin verstehen gelernt.
Wie schwer mag es den Bewohnern oft gem sen sein, ihre nur für Sommergäste eingerichten Häuser und Wohnungen durch Jahre hindurch ui den oft so wesensfremden Menschen teilen zu miß sen. Wie schwer war es für die endlich Heimäe renden, ein erträgliches Plätzchen zu finden, wen das Haus so voll Menschen war und man dee heimkehrenden Sohn so gerne das Schönste um Beste geboten hätte! Wie schwen war es, immt den Hausfrieden zu wahren, bei all der der Zeit.
Trotzdem sagt das Kind: „J bleib bei de Muatta.“ 9an
Darum gilt unser Dank nicht nur dir, du der Schönheit, sondern auch deinen treuen schen.
Wir gehen ans Abschiednehmen, aber so Gowill, kehren wir wieder. Wir kommen als stor liche Sommervögel in goldenen Ferientagen dde müde vom Aufbau in der gänzlich zerstörten Hemat zur Erholung und Stärkung unserer Kräfe Gott schütze und segne euch unterdessen.
Hab Dank — du schönstes Land Tirel: