Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:7

- S.3

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Dieser Monat – 1945_07_TT
Ausgaben dieses Jahres – 1945
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Herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Einzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung
Nummer 10/ 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an IS B. Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Dienstag, 3. Juli 1945
Alltierte Landung im
Manila, 2. Juli. Eine alliierte Invasionsflotte von mehr als 300 Schiffen, darunter das 7. amerikanische Geschwader und Einheiten der australischen und niederländischen Marine, landete gestern unter sehr leichten Verlusten die erst Welle von australischen Streitkräften auf dem Strand von Balikpapan. Die Operationen standen unter der persönlichen Leitung MacArthurs. Ein langer, sich ins Landesinnere erstreckender Brückenkopf wurde gesichert. Die japanischen Schlüsselstellungen auf Borneo sind durch diese Operationen so gut wie isoliert.
Größter Luftangriff auf Japan
Guam, 2. Juli. (Reuter.) In den heutigen frühen Morgenstunden fand der bisher größte Angriff auf Japan statt, der den schwersten Luftangriff überhaupt darstellt,
Olgebiet von Vorneo
der bisher geführt wurde. 600 Superfestungen bombardierten Kimamoto auf Kiusiu mit einer Bombenlast von 4000 Tonnen Brandbomben und legten damit die 22. japanische Stadt in Schutt und Asche."“
Der größte Flottenstützpunkt Kure, ungefähr 160 Kilometer östlich der Meerenge von Shimonoseki, wurde abermals angegriffen. Er hatte die größten Hafenanlagen, Schiffswerften und Schiffsindustrieanlagen von Japan.
Die Festungsstadt Shimonoseki kontrolliert den Seeverkehr durch die etwas mehr als einen Kilometer weite Meerenge, die in das Binnenmeer führt, und allen Eisenbahnverkehr zwischen der japanischen Mutterinsel Honshu und Kiusiu, der mittels Fähre durch das Kammontunnel hindurch vor sich geht.
Todesurteile gegen Unmenschen
Trier, 1. Juli. Das Todesurteil gegen die drei deutschen Zivilisten, die einen amerikanischen Flieger, der mit Fallschirm über Trier abgesprungen war, am 15. August 1944 ermordet hatten, wurde am Freitag im Gefängnis vollstreckt.
Gegen die Naziverbrecher
Wien, 2. Juli. Wie Radio Moskau meldet, hat die provisorische Regierung Oesterreichs eine Entscheidung über die Verfolgung der Naziverbrecher veröffentlicht. Die Verfolgung wird sich richten gegen Personen, die in der Kriegszeit die Gesetze der Menschlichkeit verletzt haben und die in Konzentrationslagern und Gefängnissen Menschen mißhandelt haben, gegen Personen, die die Naziherrschaft zum Zwecke ihrer per
sönlichen Bereicherung ausgenützt haben, sowie
gegen Personen, die die Naziherrschaft unterstützt und die für die Gestapo sowohl wie für die Partei Spitzeldienste geleistet haben.
Frankreichs Kohlenproduktion
Paris, 1. Juli. Obgleich die französische Kohlenproduktion erheblich zugenommen hat,
Brennstoff muß
Salzburg, 2. Juli. Die amerikanische Militärregierung betont: Es müssen alle denkbaren Maßnahmen ergriffen werden, um Kohle, Koks, Holz und Gas zu sparen, wenn auch nur ein Bruchteil des notwendigsten Bedarfes für Krankenhäuser und ernährungswichtige Betriebe gedeckt werden soll. In Oesterreich können für dieses Jahr
weder Koks noch Steinkohlen für Haushalt
zur Verfügung gestellt werden. Braunkohle und Elektrizität werden jedoch zur Beheizung der Wohnungen freigegeben werden. Trotz der höchstmöglichen Hahlenproduktion wird Nordwesteuropa im kommenden Jahre noch immer um viele Millionen Tonnen Kohle zu wenig haben. Daher muß Oesterreich seine Braunkohlenvorräte sparen, die Bergwerke in bester Weise ausnützen und sich im übrigen
für Heizzwecke mehr denn je auf Holz und Elektrizität stützen.
Nicht einmal wichtige Industrien werden, soweit sie von Steinkohle oder Koks abhän
erreicht sie nur zwei Drittel der Vorkriegshöhe. In den französischen Bergwerken arbeiten 10.200 Kriegsgefangene.
Ausweisung der Reichsdeutschen
Bern, 2. Juli. (Radio Paris) Am 30. Juni haben 113 von den Schweizer Behörden ausgewiesene Deutsche das Land verlassen. 166 weitere deutsche Staatsangehörige haben ihre Ausweisung für Ende Juli erhalten. 103 werden demnächst ausgewiesen werden.
Das Bankwesen in Deutschland
Wiesbaden, 2. Juli. Anläßlich der
Eröffnung von 300 deutschen Banken, die von der 12. Heeresgruppe kontrolliert werden, erklärt Major Josef Moos von der Finanzabteilung der Militärregierung: Lastkraftwagen, die von Bewaffneten bewacht werden, bringen jetzt das Kleingeld, das nach den verschiedensten Orten gebracht worden war, in die Banken zurück. Unermeßliche Mengen an Gold= und Silberbarren werden aus den Verstecken, die über ganz Deutschland verstreut sind, ausgegraben. Es wird Monate in Anspruch nehmen, bevor dieser Schatz, der sich in Frankfurt am Main befindet, gezählt und gewertet werden kann.
gespart
gig sind, arbeiten können. Man wird ihnen nur dann die Wiederaufnahme des Betriebes gestatten, wenn sie erhältliche Brennstoffe verwenden oder wenn sie auf solche umgestellt werden können. Normalerweise hat Oesterreich 7,832.600 Tonnen Steinkohle im Jahr eingeführt. Heuer wird es jedoch keine in irgend einem Verhältnis zu dieser Ziffer stehende Menge erhalten können. Die amerikanischen Militärbehörden sind bestrebt, in den österreichischen Braunkohlenbergwerken einen möglichst hohen Ertrag zu fördern. Auch eine Brikettproduktion ist geplant.
Oesterreichs Holzvorkommen muß ausgenützt werden.
Große Mengen Holz
sollen für den Winter aufgeschlichtet werden. Das ausgezeichnete Kraftstromsystem Oesterreichs soll auch zum Heizen und für industrielle Zwecke benützt werden. Die amerikanischen Militärbehörden sind eben dabei, Fabriken einzurichten, die elektrische Heizgeräte herstellen.
Engländer in Berlin
Berlin, 2. Juli. Die ersten britischen Vorausabteilungen sind gestern in Berlin eingezogen. Die britische Flagge weht bereits auf dem Gebäude, in dem sich das Hauptquartier General Lyons befindet. Diese britischen Vorausabteilungen überquerten die Elbe bei Magdeburg, wo sie von russischen Offizieren erwartet und nach Berlin geleitet wurden. Jedes britische Kraftfahrzeug trägt auf der Windschutzscheibe die britische Flagge. Eine britische Division ist bei Braunschweig versammelt und bereit, den Marsch nach Berlin anzutreten.
Das Dreiertreffen in Potsdam
London, 1. Juli. Churchill wird wahrscheinlich am Ende der kommenden Woche nach den Wahlen in London nach Berlin abreisen. Attlee, der Führer der britischen Arbeiterpartei, wird ihn begleiten.
Die Lage in Bayern
Luxemburg, 2. Juli. Der Luxemburger Rundfunk gab bekannt, daß in die mit Genehmigung der alliierten Militärbehörden Ende Mai durch Dr. Friedrich Schäffer gebildete bayerische Regierung vier neue Minister berufen wurden.
München, 1. Juli. Der amerikanische litärgouverneur in Bayern hat erklärt: Wenn die Dinge sich so weiter entwickeln würden wie bisher, so werde er voraussichtlich in der Lage sein, bis zum 1. November die ge
samte Zivilverwaltung von Bayern den deutschen Behörden zu übergeben. Die Brotration für die Zivilbevölkerung von Bayern konnte infolge amerikanischer Getreide= und Mehllieferungen um 50⅝ erhöht werden.
Keine Hungerkatastrophe in Deutschland
London, 2. Juli. Die in der britischen Okupationszone erscheinende Presse erklärt, daß britische und amerikanische Rationen Millionen deutscher Zivilpersonen im nächsten Winter vor dem Hungertod retten werden. Aus Antwerpen sind Züge voll Lebensmittelsendungen in Essen eingetroffen. Die Lebensmittel werden nur verteilt, wenn die Gefahr einer Hungersnot besteht.
Deutsche Radiumreserve aufgefunden
Bad Tölz, 2. Juli. In einem Wäldchen an der Isar, ca. 15 Kilometer von Bad Tölz entfernt, gelang es. Deutschlands gesamte kostbare Reserve an Radium aufzufinden und zu bergen: 21,8 Gramm Radium im Werte von 2 Millionen Dollar.
Gewerkschaftsbewegung in Deutschland
Berlin, 1. Juli. Ein Befehl Marschall Schukows gestattet, die Tätigkeit antifaschtstischer Parteien und die Bildung von Gewerkschaften durch Arbeiterorganisationen. Die Führer der deutschen Gewerkschaftsbewegung haben auch schon ein Arbeitsprogramm ausgearbeitet.
Lampenschirme aus tätowierter Haut
Weimar, 1. Juli. SS=Oberführer mann Pister, der Lagerkommandant von Buchenwald, der soeben gefangen genommen wurde, war dafür bekannt, daß er unbrauchbaren Gefangenen Giftinjektionen geben ließ, die das Opfer sofort töteten. Er war der Nachfolger des nahezu noch berüchtigteren Koch, des früheren Kommandanten, dessen
Frau Lampenschirme, die austätowierter Haut ermordeter Gefangener verfertigt waren, besaß. In Buchenwald befand sich eine ganze Fälscherwerkstätte, in der ausgesuchte jüdische Zeichner für die Nazis arbeiteten. Pister ließ von diesen Leuten für sich und seine 18 Helfer britische, amerikanische und deutsche Ausweispapiere herstellen. Zwei Tage vor dem Fall von Buchenwald verschwand Pister.
Verwüstungen in Jugoslawien
Belgrad, 1. Juli. Radio Belgrad berichtet, daß nach sorgfältig gesammelten Angaben sich folgende von den Deutschen angerichteten Kriegsschäden ergeben:
350.000 Bauern=Haushalte wurden vollkommen vernichtet. Der dem Viehstand zugefügte Schaden beträgt ungefähr 50 Prozent des Vorkriegsstandes. Ungefähr 30 Prozent aller Obst= und Weingärten sind vernichtet. Ueber 70.000 Gebäude wurden zerstört und eine Reihe von Dörfern und Städten bestehen überhaupt nicht mehr. Vollständig vernichtet sind 25 Prozent aller Industrieunternehmen. Teilweise zerstört sind über 40 Prozent der noch übrigen Industrie. Fast alle Eisenbahnwagen sind vernichtet oder vom Feinde verschleppt. Ein großer Teil der Eisenbahnbrükken, Tunnels und Stationsgebäude ist gänzlich zerstört.
Jugoslawien hat im Laufe dieses Krieges 1.685.000 Einwohner verloren, davon 1.460.000 Zivilisten und 283.000 Soldaten im Durchschnittsalter von 22 Jahren. Die Zahl der durch den Krieg arbeitsunfähig gewordenen
Personen beträgt 425.000, der Kriegsgefangenen über 170.000 der Internierten 320.000, der zur Zwangsarbeit Verschleppten 270.000 und der zur Auswanderung Genötigten 530.000.
Frankreichs schwere Menschenopfer
Paris, 2. Juli. 230.000 französische Kriegsgefangene und Zivilarbeiter sind nach amtlichen Schätzungen während des Krieges in Deutschland gestorben. Zu der Zahl sind noch 120.000 Tote hinzuzufügen, die an den Folgen der Unterernährung während der vierjährigen deutschen Besetzung in Frankreich gestorben sind. Infolge der deutschen Besetzung nahm die Tuberkulose in erschreckendem Maße zu, und zwar um 25 bis 30 Prozent. Pariser Kinder zwischen 5 und 14 Jahren wiegen durchschnittlich um 4 Pfund weniger als das Normalgewicht beträgt. Aerztliche Sachverständige erklärten, es werde Jahre dauern, bis sich der allgemeine Gesundheitszustand bessern werde.
Eine Ecke in einem der großen Naziarme lager in Oesterreich die von der amerike nischen Militärregierung in Verwahrung nenommen wurden. Dieses Material wird später einer österreichischen Regierung übergeben werden.