Tiroler Tageszeitung 1945
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- S.55
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Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „T. C.“, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Trrolia, Innsbruck, Undreas-Hofer-Str. 4
Mittwoch, 26. September 1945
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Geschichte und Politik
Man brauchte über den König Friediich II. von Preußen gar nichts anderes zu vissen, als daß er im Dritten Reiche neben Aolf Hitler die am meisten verherrlichte persönlichkeit war — um die Fragwürdigleit eines solchen Ruhmes ahnen zu können. Die Patrone, die sich der Nazismus ausgesucht hatte — man denke etwa an den n der Berliner Gosse gestrandeten Horst Pessel —, waren alle so beschaffen, daß sich ein anständiger Mensch in ihrer Gesellschaft kaum wohl befunden hätte.
Besonders geschmackvoll war es natürlich, den Preußenkönig, der österreich durch die Anwendung ungerechter Gewalt und ncht nur frevelhafter, sondern geradezu manständiger List bekämpft und geschädigt hat, den Österreichern als — Nationalhelden vorzusetzen. Nicht nur der Unterricht nn den Schulen, auch die Zeitungen waren vllgestropft mit Legenden und Anekdoten über Friedrich, den sogenannten Großen. Nögen ihn die Preußen so nennen, mögen ihn jene als groß bewundern, denen die Empfindung für Recht und Gerechtigkeit verloren gegangen ist, mögen ihn jene ohne Eröten loben, die nicht wissen, was Schamgefühl ist — ein österreicher, der die Geshichte seines Vaterlandes kennt, mußte jedes Wort der Verherrlichung, das man einem der großen
übeltäter der Weltgesäichte widmete, als Kränkung und Verhöhnung empfinden. Wie anders konnte es asgfaßt werden, wenn man Österreicher dazu anleiten wollte, sich vor dem Andenie eines Fürsten zu verneigen, der die niserin Maria Theresia in der unritterchsten Weise überfiel, um sie ihres wohlworbenen Länderbesitzes zu berauben? deser Fürst hatte sich in seiner Jugend trartig aufgeführt, daß ihn der eigene kater, ein Mann von strengen Grundsätzen, ter in die Zeit der Hitlerjugend kaum hineingepaßt hätte, zum Tode verurteilte. Kaise Karl VI., der Vater der Kaiserin Maria heresia, rettete durch seine Fürbitte im letzten Augenblicke das verfallene Haupt. As der Vater Friedrichs, diesem Drängen solgend, die Begnadigung unterschrieb, srach er die prophetischen
Worte, es werde scherlich noch einmal den Kaiser gereuen,
er dem ungeratenen Sohne das Leben shalten habe. Kaum hatte Kaiser Karl die lugen geschlossen, so erfüllte sich auch schon diese Vorhersage. Friedrich II. brach ohne vrherige Kriegserklärung in Schlesien ein. bleichzeitig aber versicherte er der Welt, daß er nur deshalb die Waffen ergriffen habe, um den Frieden zu erhalten! Man
sieht, Hitler hat von seinem Vorbild recht viel gelernt. Auch die Diplomatie Hitlers hätte das als Wahlspruch nehmen konnen, was Friedrich II. seinem Wiener Gesandten schrieb, der ihm vorhielt, es gehe doch nicht gut an, einen soeben abgeschlossenen Frie
densvertrag ohne Grund zu brechen; der könig belehrte seinen „altmodisch“ denkenin Diener: „Wenn wir durch Ehrlichkeit winnen können, dann seien wir ehrlich. inn wir nur durch Schurkerei gewinnen önnen, sseien wir eben Schurken.“ Dieses kort erhellt uns wie eine Jupiterlampe de „moralische“ Landschaft, in der sich die neußische Politik seit Friedrich II. abpielte.
Persönlichkeit des Königs, wie sie ins die Geschichte überliefert, bietet so weng Anziehendes, daß nicht einmal die preutische Geschichtslegende von ihm menschlich asprechende Seiten zu berichten weiß. Sie beschränkt sich wegen dieses Mangels wohl darauf, ihn als einen „Helden der Pflicht“ uu feiern. Dabei verschweigt sie, daß dieser „beld“ nach der ersten Schlacht, die er für verloren hielt, obwohl sie es nicht war, als erster Reißaus nahm. Mit aller Mühe erreichte ein Adjutant den Flüchtigen, um die Mitteilung vom Siege seines Heeres zu übermitteln. Im übrigen sagt uns der König selbst, daß er stets Gift mit sich führte, im, wenn die Sache schief ginge, sich durch belbstmord jeder Verantwortung zu entziehen. Man wird nicht leugnen können, daß Hitler sich genau an
sein Vorbild gehalten hat.
In den „Innsbrucker Nachrichten“ wurde dem Publikum seinerzeit folgendes Geschichtchen vom „Großen König“ vorgesetzt: Der
Eröffnung der französischen Militärgerichte in Innsbruck
Innsbruck, 25. September. Heute fand im großen Sitzungssaal des alten Landhauses die feierliche Eröffnung des mittleren und einfachen Militärgerichtes der französischen Besatzungszone in österreich statt. Der Eröffnung wohnten die Spitzen der französischen sowie der österreichischen Behörden bei, unter anderen der Militärgouverneur von Tirol Colonel Piatte, Colonel Carolet als Vertreter des Generals Bethouart und des Gouverneurs Voizard, der Direktor der Justiz M. de Saint Véran, der Chef der Sécurité Publique Paoli, Bürgermeister Doktor Anton Melzer, Generalstaatsanwalt Dr. Grünewald, Polizeipräsident Dr. Junger, der Leiter der Kriminalabteilung Dr. Herder sowie Hofrat Kundratitz und Landesrat Hradetzky.
Nach Verlesung der Ernennungsdekrete, in denen Major Veper zum Gerichtspräsidenten, Oberleutnant Thibault und Hauptmann Lefevre zu Beisitzern sowie Regierungskommissar Vigege als Anklagevertreter ernannt wurden, erklärte Col. Piatte das mittlere sowie das einfache Militärtribunal als rechtmäßig zusammengesetzt. Anschließend hielt Herr Colonel Piatte eine Ansprache an das Gericht, in der er u. a. ausführte:
„Der Eröffnung des einfachen und mittleren Gerichtes von Innsbruck, welche wir heute vornehmen, wird in kürzester Zeit jene der einfachen Gerichte in den verschiedenen Bezirken folgen. Dadurch wird für ganz Tirol ein einfacher und wirksamer Gerichtsapparat errichtet als nötige Ergänzung für die umfassende Tätigkeit der Militärregierung. Dadurch wird sich auch mehr als auf irgend einem anderen Wege der beste Wille der Alliierten und im besonderen Frankreichs zeigen, in der Erfüllung ihrer Aufgaben größte Güte und gerechteste Entschlossenheit harmonisch zu vereinen.“
Zum Schlusse seiner Ansprache sagte er: „Meine Herren Richter! Sie sind mit einer schweren und umfassenden Aufgabe betraut. Sie werden sich befleißigen, diese Aufgabe zu erfüllen, indem Sie sich von den edelsten Traditionen der französischen Gesetze leiten lassen und sich, wie es in den alten Demokratien der Brauch ist, von allen rassi
schen, religiösen oder politischen Betrachtungen freihalten. Meine Herren, in der Ausübung Ihrer hohen richterlichen Tätigkeit werden Sie berufen sein, unnachsichtliche Strenge und manchmal auch Nachtsicht walten zu lassen; Sie werden niemals die hohen Ideale unserer europäischen Zivilisation, für die die Vereinigten Nationen gekämpft und gesiegt haben, aus dem Auge verlieren dürfen. Meine Herren, Sie werden gerecht sein!“
In seiner Antwortrede erwiderte der neuernannte Gerichtspräsident Major Veper dem Herrn Gouverneur von Tirol:
„Nach dem glänzenden Exposé, Herr Gouverneur, das Sie soeben darüber gaben, wie in unseren Augen das Gerichtswesen in diesem Lande sein soll, werde ich nur Weniges mehr hinzuzusetzen haben. Ich kann Sie versichern, daß die Richter, die die Ehre haben, heute diesem Gerichte vorzusitzen, sich der Größe der Aufgabe, mit der sie betraut sind, voll bewußt sind. Sie wissen im Augenblick, da sie zum ersten Male berufen sind, in Oesterreich Recht zu sprechen, daß es keine gefährlichere, aber auch keine edlere Aufgabe gibt, und sie werden nicht vergessen, daß die französische Magistratur eine lange Tradition von Unparteilichkeit und Unabhängigkeit hinter sich hat. Daß sie sich niemals von den despotischen Befehlen irgendeiner Macht, sei es selbst die einer
organischen Partei, gebeugt hat, wie es Deutschland und Oesterreich gekannt haben. Die magistraten Beamten und Agenden des Gerichtsdienstes werden in der genannten Zone, in allem, was die Ausübung ihrer Aemter betrifft, Unabhängigkeitsgarantien, die durch das französische Recht anerkannt sind, genießen. Die Ausübung der Befugnisse richterlicher Art wird sich unter der Kontrolle des Siegelbewahrers vollziehen. Auch wir sind überzeugt, daß eine Justiz, die auf solchen Grundsätzen beruht, das sicherste Mittel sein wird, um eine bessere Verständigung und eine endgültige Annäherung zwischen Völkern, die gestern noch getrennt waren, zu garantieren.“
Sodann trat das Militärgericht in die ersten Verhandlungen ein.
Julassung der Gewerkschaften
Innsbruck, 25. September.
General Bethouart, der Chef der französischen Militärregierung für Österreich, hat mit 10. September verfugt, daß die freien Gewerkschaften wieder zugelassen werden, so wie sie vor 1934 in österreich bestanden ha ben.
Die österreichischen Arbeiter können sich wieder frei organisieren und an internationalen Kongressen teilnehmen und sie erhalten das Recht, ihre ehemaligen Besitztümer und Gebäude, falls sie enteignet wurden, wieder in Besitz zu nehmen, um dadurch die beruflichen Interessen der Arbeiterschaft besser vertreten zu können. Die zuständigen Dienststellen der Militärregierung werden alles tun, um die Geweekschaften in ihrer Aufgabe zu unterstützen und ihnen dieselbe zu erleichtern. Andererseits rechnet die Besatzungsbehörde auf die tatkräftige Unterstützung der Gewerkschaften bei der Durchführung des Wiederaufbaues der österreichi schen Wirtschaft, der nur durch erhöhten Arbeitseinsatz erreicht werden kann und der die Vorbedingung für das Wohl aller ist.
österreichs Vertretung auf dem Weltgewerkschaftskongreß in Paris
Die Gewerkschafts=Internationale hat zur Tagung nach Paris auch österreich eingeladen. Als Delegierte des Österreichischen Gewerkschaftsbundes nehmen teil: der Vorsitzende des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, Staatssekretär Böhm, der Präsident der Wiener Arbeiterkammer, Krisch, sowie die Mitglieder des Bundesvorstandes Weinberger, Fiala und Landesrat Matz ner, der Vorsitzende des Steirischen Gewerkschaftsbundes.
Die Lebensmittelversorgung Österreichs
London, 25. Sept. Drei Fragen wurden gestern vom Rate der Außenminister erörtert. Die erste war die Sicherung der Ernährung österreichs auf lange Sicht. Die zweite bildete die europäische Binnenschifffahrt und die dritte Frage bezog sich auf die Rückführung jener Untertanen SowjetRußlands, die sich in den mitteleuropäischen Ländern befinden.
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„United Preß“ berichtet, der französische Außenminister Bidault habe seine Besorgnis hinsichtlich des Vorschlages geäußert, Italien alle seine Kolonien zu nehmen. Das wäre seiner Meinung nach „unklug“ und zu „hart“ Bidault unterstützt die Forderung, daß Italien den Dodekanes an Griechenland zurückgeben soll. Bidault bestreitet, daß Frankreich von Deutschland das Rheinland fordert, es wünsche nur, daß die Industrie und ein Teil des Ruhrgebietes nicht wieder für einen deutschen Angriff verwendet werden könne.
Der italienische Außenminister Dr. Aleide Degasperi hat bereits den Heimweg nach Rom angetreten.
Neuestes vom Tage
Frankreich
Frankreich hat von der amerikanischen Armee 50 komplette Lazarette mit 1000 Betten gekauft.
Italien
Graf Sforza wurde einstimmig zum Präsidenten der beratenden italienischen Nationalversammlung gewählt.
Bulgarien
Der bulgarische Landwirtschaftsminister verkündete, er habe den Plan zur Schaffung von Kollektivfarmen aufgegeben.
Nordische Staaten
Der neue Botschafter von Finnland in Moskau hat sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Damit sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Finnland und Rußland wieder ausgenommen.
Vereinigte Staaten
In Zukunft soll die Flugzeit zwischen Newyork und London auf ungefähr acht Stunden und der Fahrpreis auf 100 Dollar angesetzt werden.
Die amerikanische Marine berichtet, daß während des Krieges 11 Flugzeugträger versenkt würden. 30 weitere sind durch feindliche Einwirkung 52mal beschädigt worden.
Sowjetrußland
240 Kilometer nördlich von Moskau wurde ein neues Riesenkraftwerk, das den Namen „Wolgastroy“ führt, eröffnet. Das Werk hat eine Kapazität von 65.000 Kilowatt und übertrifft an Größe den Dnjeprstaudamm.
König reitet am Abend über ein Schlachtfeld. Da hört er das jämmerliche Schreien eines todwunden Soldaten. Wie tröstet der Gemütsmensch den armen Teufel, der für ihn seine Haut zu Markte trug? „Schrei er nicht“ — so brüllt der „Große König“ den Verwundeten an —, „sondern sterb er anständig!“ Ist es nicht die gleiche Denkweise, die wir wahrend des eben abgelaufenen Krieges beobachten mußten? Enthält die Mahnung, mit welcher der Preußenkönig den sterbenden Soldaten anherrscht, nicht im Kerne bereits den Satz, den man uns während dieser letzten Jahre so oft ins Gesicht
geschleudert hat: „Ihr habt nur ein Recht, und das ist das Recht su., den Führer zu sterben"!?
Wenn wir diese geschichtlichen Feststellungen nebst den hiezu passenden Vergleichen aus der unmittelbaren Gegenwart vortragen, so beseelt uns die Absicht, ein unter Umständen mögliches Mißverständnis rasch und gründlich zu beseitigen. Angesichts der so großzügig unternommenen Vernebelung der geschichtlichen Wahrheit muß die Atmosphäre von den verbreiteten Irrtümern und falschen Anschauungen gereinigt werden.
Dr. Anton Klotz.
Maria von Guggenberg, die uns als Pamina in der Zauberflöte anläßlich der Aufführung unseres Landestheaters gut bekannt ist, stellt sich am Samstag, den 29. September, um 19 Uhr im Riesensaal der Hofburg in einem eigenen Liederabend dem Innsbrucker Publikum vor. Zum Vortrag kommen Lieder von Robert Schumann, Hugo Wolf, Joseph Marx und Richard Strauß.