Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:9

- S.17

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Erscheint in der Woche sechsmal. — Uur im Einzelverkauf erhältlich. — Vor
erst keine Postzustellung. — Inseratenannahme: Innsbruck, Andr.-Hofer-Str. 4
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Einzelpreie 75 Ula

Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „L. E.“, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Crrolia, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4
Freitag, 7. September 1945
„Erntedankfeste“ in Tirol
hitlers Oberreklamechef Goebbels gab jurz nach dem Machtantritt des „Führers“ in Befehl aus, daß alljährlich im Septemi die deutschen Bauern eine nekle braune leklameveranstaltung, eben das Erntedankit abzuhalten hätten. In Deutschland draui fand bei Bückeburg eine zentrale Feier att, zu der auf Kosten der Steuerzahler us ganz Deutschland, aber auch aus Östernich ausgesuchte bäuerliche Protektionskinergeschickt wurden, um für Hitler, der dort ssine alljährliche Bauernfangrede hielt, die ctaffage zu bilden.
Befehlsgemäß mußten auch überall in Ti
n Erntedankfeste abgehalten werden, und n den Tiroler Nazizeitungen konnte man nchher lesen, wie massenhaft die Tiroler Zuern an solchen Feiern teilgenommen hätm und wie die Begeisterung für den Natioalsozialismus haushohe Wellen geworfen sue
In Wahrheit verliefen die nazistischen Erntedankfeste in Tirol in sehr vielen Fällen sicht betrüblich für ihre Veranstalter, wie die Berichte der Ortsgruppenleitungen an die Kreisleitung Innsbruck der NSDAP. beweisen. Wir greifen nur ein paar Fälle aus vielen heraus.
Co mußte u. a. laut Bericht in Mieders das Erntedankfest überhaupt ausfallen, da ein ausnahmsweise schönes Wetter und nienand zu Hause anzutreffen war“. Ein Be
richt aus Matrei a. Br. besagt, daß ausgerechnet beim Erntedankfest „die bäuerliche bevölterung schwach vertreten war. Die Ortsbauernführer erklärten, von der Kreistuernführung keine Verständigung über us Erntédankfest erhalten zu haben.“
Keinach berichtete, daß beim Erntedankit wohl die Steinacher Nazi, aber keine kuern teilnahmen. „Mit Ausnahme der eschnitzer Musik ist aus den Tälern niemand nschienen, auch wurden keine Spenden geleistet. Der Kreisbauernführer ist bis heute bei keiner Veranstaltung der Partei erschienen. Natürlich sagen sich die Bauern, wenn unser Führer streikt, streiken wir erst recht.“ ach dem Bericht aus Volders=Baum#lirchen war der Besuch des Erntedank
sestes „gerade noch zufriedenstellend. Fast umöglich ist es, die Bauernschaft zu bewegen, sich geschlossen am Umzuge zu beteiligen. Ich würde deshalb raten, von derartigen Umzügen abzusehen, weil ihr propagandistischer Wert gleich Null ist.“ ähnlich lauten auch die meisten anderen berichte aus dem Kreise Innsbruck. Es ist nicht anzunehmen, daß es in den anderen Tiroler Kreisen etwa besser gewesen wäre. Vie ja überhaupt die Versammlungen auf dem Lande, im Gegensatze zu den Berichten in der Nazipresse, in den allermeisten Fällen einen schlechten Besuch seitens der bäuer
lichen Bevölkerung aufwiesen. So daß sich die Nazi nicht selten veranlaßt sahen, die Bauern mit Gewalt in die Versammlungen zu treiben. So heißt es in einem Bericht enes Versammlungsredners an das Gaupro
ngandaamt in Innsbruck über eine Verimmlung in Oberperfuß: „Ursprüngwaren nur auswärtige Volksgenossen gkommen. Die Bauern von Oberperfuß wurden vom Redner mit Unterstützung der Ortsgruppenleitung direkt aus den Wirtssuben in die Versammlung getrieben!“ Und in einer Weisung des Innsbrucker Kreispopagandaleiters an die Ortsgruppe Rinn wird angesichts einer ebenfalls sehr schlecht besuchten Versammlung angeordnet: „Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, daß in Zukunft Versammlungen so aufgezogen werden müssen, daß jeder einzelne Parteigenosse, Volksgenosse und Bauer bei einer öffentlichen Versammlung der NSDAP. zugegen sein muß.“ Mit anderen Worten: die ländliche Bevölkerung muß. geht sie nicht zutwillig, mit Gewalt in die
Naziversammungen getrieben werden!
Besondere Umstände, dies sei noch zum Schlusse als erheiterndes Moment festgestellt. machte ein Erntedankfest in Götzens dem dortigen Nazi=Ortsgruppenleiter. In einer Reldung an den Kreisgeschäftsführer der in Innsbruck berichtete er, daß er in Götzens beobachtet habe, daß Kinder in die Kirche hineingegangen seien, aber nicht herauskamen. Der Herr Ortsgruppenleiter j verkroch sich also — wir folgen seinem Bericht — hinter dem Altar und bespitzelte die
Kinder und den Geistlichen, der in der Sakristei die Kinder „im Singen und anderen Sachen unterrichtete“.
Von halb 10 Uhr vormittags bis gegen 5 Uhr abends schloff der Nazi=Würdenträger immer wieder hinter den Altar, mußte, wie er in dem Bericht sagte, „dabei zweimal Reißaus nehmen“, rief inzwischen telephonisch die Gestapo an, was gegen das Erntedankfest in der Kirche (die Kinder brachten Früchte und andere Lebensmittel, die geweiht werden sollten) zu tun sei. Die Ge
stapo schien die Sache weit weniger ernst zu nehmen wie der aufgeregte Herr Ortsgruppenleiter, der stundenlang hinter dem Altare hockte, um einen Blick in die Sakristei werfen zu können, und sie schickte erst, als alles vorüber war, einen Gendarmen nach Götzens, um Erhebungen durchzuführen.
Die Erntedankfeste in Tirol machten, wie ersichtlich, den Herren Ortsgruppenleitern viel zu schaffen. Die eigenen Erntedankfeste und solche, die von anderer Seite veranstaltet wurden. Karl Gvatter.
Neuestes vom Tage
1,350.000 deutsche Kriegsgefangene aus der amerikanischen Besatzungszone werden nach Frankreich, Belgien und Luxemburg zur Verrichtung von Aufbauarbeiten gebracht werden.
Der Prozeß gegen Laval wird anfangOktober eröffnet werden.
Die Personalakte der Angehörigen der Reichstheaterkammer sind unter den Ruinen des Goebbelschen Propagandaministeriums aufgefunden worden.
Die schweizerischen Behörden haben deckt, daß Angehörige der Nazipartei in der Schweiz auch noch nach Einstellung der deutschen Kampfhandlungen eine Propaganda beabsichtigten.
Die erste Sitzung des Rates der Alliierten in Wien
Wien, 6. Sept. In der Konferenz der stellvertretenden Oberbefehlshaber wurde der Beschluß gefaßt, die erste Sitzung des Rates der Alliierten für österreich gegen den 11. September in Wien abzuhalten.
Professor Dr. Ude
Der bekannte Grazer Universitätsprofessor Dr. Johannes Ude, der im Mai 1939 für immer aus der Steiermark verbannt wurde, war von der Gestapo wegen einer Predigt im Salzkammergut, in der er die Bindung der Jugend an das Elternhaus betonte, verhaftet worden. Nach zweimonatiger Haft wurde er entlassen. Im August 1944 wurde er neuerdings wegen eines Memorandums „über den Weg zum allgemeinen Frieden“. von der Linzer Gestapo in Haft genommen. Er verblieb bis zum Zusammenbruch der Naziherrschaft in dieser Haft. Trotz der ausgestandenen Leiden befindet sich Dr. Ude in völliger körperlicher und geistiger Frische.
Die zwei Millionen Zigaretten des Gauleiters Lauterbacher
London, 6. Sept. Aus Hannover wird berichtet, daß der Gauleiter von Hannover Lauterbacher knapp vor seiner Flucht fast zwei Millionen Zigaretten gestohlen hat. Lauterbacher bediente sich zur Durchführung dieses Diebstahles amtlicher Dokumente und amtlichen Personals. Er vollzog diesen Diebstahl 24 Stunden nach seinem Aufruf an die Bevölkerung von Hannover, bis zum Ende durchzuhalten.
Eine Flut von Ehescheidungen
Linz, 6. Sept. Beim hiesigen Landesgericht drängt sich ein wahrer Ansturm von Ehescheidungsprozessen. Hauptursache ist die Entfremdung infolge des langen Krieges, ebenso das leichtfertige Eingehen von Ehen.
Die Anhänger Quislings werden delogiert
Oslo, 6. Sept. Der hiesige Gerichtshof hat entschieden, daß die Mitglieder der Quislingpartei von den Hausherren zum Verlassen ihrer Häuser oder Wohnungen aufgefordert werden sollen. Wahrscheinlich werden die Delogierten in Kasernen untergebracht.
Die japanischen Menschenverluste
New York, 6. Sept. Die japanische Regierung berichtete dem japanischen Parlament, daß die Gesamtverluste Japans 5,085 Millionen betragen. In Tokio allein wurden durch Fliegerangriffe 88.250 Menschen getötet.
Französische Kriegsschäden
Die Kriegsschäden Frankreichs werden auf 5 Milliarden Francs geschätzt.
Vom Laufburschen zum Minister
Der 64jährige neue englische Außenminister Lord Bevin mußte mit acht Jahren die Schule verlassen, um als Landarbeiter und Laufbursche seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er schloß sich der Gewerkschaftsbewegung an. Zwischen den beiden Weltkriegen wurde er Generalsekretär der größten Transportarbeitergewerkschaft der Welt. Während des Weltkrieges trat er als Arbeitsminister und Minister für nationale Dienstpflicht in das Kabinett Churchill ein.
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Die endgültige Festsetzung der Besatzungszonen in Deutschland
London, 6. Sept. Amtlich wird folgende Abgrenzung der Besatzungszonen in Deutschland bekanntgegeben:
Zur britischen Zone gehören: Schleswig=Holstein, Hannover, Westfalen, Hamburg, Braunschweig, Oldenburg, Lippe und Schaumburg=Lippe sowie der nördliche Teil der Rheinprovinz.
Die russische Zone schließt sich östlich an die britische an. Zur russischen Zone gehören u. a. Mecklenburg, die Provinz Sachsen und das Land Thüringen.
Die französische Besatzungszone besteht aus zwei Teilen: Der erste umfaßt das gesamte deutsche Gebiet am linken Rheinufer südlich der britischen Zone und folgende Bezirke am rechten Rheinufer: In der Rheinprovinz die ostrheinischen Gebiete des Verwaltungsbezirkes Koblenz, in HessenNassau die Verwaltungsbezirke Oberwesterwald, Unterwesterwald, Unterlahn und St. Goarshausen. Der zweite Teil der französischen Zone liegt am rechten Rheinufer nörd
lich der Schweizer Grenze. Dazu gehört die südliche Hälfte des Landes Baden, die gesamte Provinz Hohenzollern, die südliche Hälfte von Württemberg und der Westteil Schwabens.
Die amerikanische Besatzungszone umfaßt ganz Bayern, Hessen und HessenNassau westlich des Rheins, abgesehen von den vier Verwaltungsbezirken, die zur französischen Zone gehören, ferner gehören zur amerikanischen Zone die Hälfte von Württemberg sowie das Gebiet von Bremen mit einem Korridor durch die britische Zone.
Besetzung Deutschlands von langer Dauer
Washington, 5. Sept. Der Staatssekretär im Kriegsministerium kündigte an, daß die Besetzung Deutschlands von langer Dauer sein werde. Diese lange Besatzungszeit sei notwendig, wenn man die Absicht habe, so lange zu bleiben, bis ein demokratisches Deutschland errichtet worden ist.
Landeshauptmann Dr. Gruber während seiner Rede bei der Großkundgebung sit
Südtirol
(Landesbildstelle: Photo Sickert