Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:9
- S.12
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Seite 4 Nr. 64
Tiroler Tageszeitung
Mittwoch, 5. September 1n
Mittwoch,
Am Brauchtum und Volkskunft in Tirol
Sitte und Brauch, Spiel und Volkskunst hoben Tirol einstmals heraus. Unter den Lawineneinbrüchen der letzten Jahrzehnte wurde vieles entwurzelt und zerrüttet. Der Schaden läßt sich nicht über Nacht eindämmen oder gar bald gutmachen. So wurden die bekanntesten Bräuche wie der Brixentaler Antlaßritt im Vernichtungskampf wider religiöses Herkommen zu einer geistlosen Farce herabgewürdigt. Die Ruinen von Erl bezeugen, wie das Volksleben schon seit langem abgeschnürt wurde. Die Erler sinnen darauf, wie sie ihre Spiele wieder aufnehmen können. Verschiedene Pläne für ein neues Spielhaus liegen vor. Doch traf die Katastrophe von 1933 die Spielgemeinde zu tief, als daß sie schon jetzt und aus Eigenem mit dem äußeren Ausbau beginnen könnte. Das
Kulturinstitut in Innsbruck (Hofburg) nahm diesen ältesten Volksschauspielbrauch in seine Obhut.
Vor Ruinen und Elend stehen die Brixlegger, die selbst und deren Nachbargemeinden im Tiroler Volksbrauchtum oft rühmlich hervortraten. Die meisten übrigen Ortschaften mit eigenartigem Brauchtum besitzen zwar noch etliche Grundlagen oder einen Teil ihrer Ausstattung. Aber wo immer man darnach umsieht, traten weitere Greuel der Verwüstung auf. Eines der besten Volkstheater, das wieder auftun kann, ist das Stubaier Bauerntheater in Fulpmes. Es hat sich im Verlauf von 40 Jahren zu achtbarer Höhe emporgearbeitet. Mit Stolz darf Stubai an seinen Taltag von 1936 erinnern, bei dem viele neue Ansätze
zur gemeinsamen Pflege des eigenen Brauchtumsund Wirtschaftslebens geboten wurden. Auf solche Zusammenarbeit sollten sich nicht allein die Stubaier wieder besinnen.
Im Bereich der Volkskunft und des Kunstgewerbes zeigt sich wieder einmal lebhafte Unternehmungslust. Mangel an Material und große Schwierigkeiten des Absatzes stellen den Betätigungsdrang und den Geschäftsgeist auf harte Proben. Das eigene Brauchtum verträgt manchen Zuschuß. So ist z. B. das Maskenschnitzen fast ganz abgekommen, obgleich viele Lücken in die Garderobe des Imster Schemenlaufens und ähnlicher Bräuche gerissen wurden. Doch bedürfen die Kunsthandwerker zahlreicherer Aufträge, um bestehen zu können. Auch hier kann fachmännische Beratung ohne behördlichen oder Zunftzwang dem Land große Dienste erweisen.
Im Bereich des Trachtenwesens, Volkstanzes und Volksliedsingens fehlt es vielerorts nicht an frischem Zug. Dem Drauflosgängertum ungenügender Kräfte und Mittel wird wie von selber starker Abbruch getan werden. Das Kulturinstitut steht in allen diesen Fragen beratend zur Seite, hat jedoch nicht vor, alle Fäden, die abgerissen wurden, wieder aufzunehmen und jede neue Unternehmung von vorneherein zu unterstützen. Nur was dem Tiroler Volkstum wirklich ziemt und frommt, was weiterhin möglich ist und Gedeihen verspricht, soll aufgerichtet und gepflegt werden.
Die Stadtwerke Solbad Hall an ihre Stromabnehmer
Hall, 4. September. Bei dem Elektrizitätswerk laufen täglich Anmeldungen und Anfragen ein, wie z. B. „Bitte mich vorzumerken! Ich brauche einen Elektroherd und möchte, nachdem ich weder Holz noch Kohle bekomme, die Küche und zwei Zimmer elektrisch heizen“, oder: „Schikken Sie sofort einen Monteur, der mir den Starkstrom einleitet! Sie müssen doch jetzt Strom genug haben!“
Jedermann lebt in der Vorstellung, das E=Werk kann alles, hat alles und ist zu allem verpflichtet! Man braucht nur eine Steckdose und einen Stecker und der Strom macht alles.
Der Strom macht auch alles, aber seine Anlieferung ist bis heute noch schränkt. Je größer die Leistung, desto größer müssen die Mittel zur Zubringung sein. So wie man viel Wasser nur durch eine große Rohrleitung befördern kann, so wie es für einen großen Verkehr eine große, gute Straße braucht, so ist auch zur Stromlieferung ein Leitungsnetz mit starken Leitungen und großen Transformatoren notwendig. Wie sieht es aber heute in den meisten Elektrizitätswerken aus! Abgesehen von den Hochspannungsfreileitungen, die in der Kleinstromversorgung etwas größer ausgelegt sind, sind es die Transformatoren, Leitungsnetz und die Hausanschlüsse, die für die Abgabe eines Mehrbedarfes für Haushalt und Kleingewerbe nicht mehr entsprechen. Sollen neue Geräte mit
größerer Leistung zum Anschluß kommen, müßten alle diese Anlageteile verstärkt werden. Dazu braucht es aber, abgesehen vom Geld, Betriebsmittel, Material und Arbeitskräfte.
Daß dem so ist, verstehen alle, die seit zehn Jahren in der Wirtschaft stehen. Als es Material gab, war kein Geld da, als es Geld
gab, gab es kein Material. Dadurch konnte ie Leistungsfähigkeit unserer Betriebsmittel nie über das allernotwendigste Maß hinauskommen und bietet heute keine Reserve. Vor 1938 zögerte man, die notwendigen Anschlüsse herstellen zu lassen. Trotz Propaganda, wie z. B. die Aktion „Strom im überfluß“, konnte man nicht immer Investitionen rechtfertigen. Nach dem März 1938 gab es scheinbar einen großen Auftrieb, da Betriebsmittel und auch Verbrauchsgeräte billiger wurden. Es kam aber so, daß Herde und Kochplatten früher am Netz hingen, als Transformatoren und Leitungen verlegt
werden konnten. Man mußte sich beeilen, den Anforderungen gerecht zu werden, ja, man kam gar nicht mehr dazu, als schon die Materialknappheit und mit ihr die Kupferaktion einsetzte. Für Haushalt und Kleingewerbe gab es keine Dringlichkeit; es durften nicht einmal Leitungen verstärkt oder erneuert werden. Der Krieg nahm ein solches Ausmaß an, daß die Rustung nicht mehr auf das verlegte Leitungskupfer verzichten konnte. Die Kupferleitungen mußten herunter und durch Eisenleiter ersetzt werden. Eisen hat bekanntlich eine zehnmal schlechtere Leitfähigkeit als Kupfer; dabei sollte womöglich ein 10= bis 20prozentiger Spannungsabfall berücksichtigt werden. Wenn diese Aktion bei den Elektrizitätswerken genau nach den Anweisungen durchgeführt worden wäre,
könnten sie heute nicht mehr den geringsten Neuanschluß zulassen und die Leistungsfähigkeit der Verteilnetze wäre geringer als vor dem Kriege. Der eiserne Vorrat an Materialien und Betriebsmitteln, den sich ein vorsichtiges Elektrizitätswerk in irgend einem Ausweichlager sicherstellte, ging restlos bei der Behebung der Bombenschäden darauf und, wenn keine Hilfe kommt, stehen die Elektrizitätswerke vor dem Nichts. Wir müssen daher im Interesse einer ordentlichen Stromversorgung jeden eigenmächtigen Anschluß von Verbrauchsgeräten verbieten.
Es kann nicht jeder Herd einfach angeschlossen werden. Man kann auch nicht überall Kraftstromleitungen verlegen. Wir machen daher die Abnehmer darauf aufmerksam, wenn sie öfen anschließen, kann es vorkommen, daß sie und ihre Nachbarn nicht mehr kochen, lesen, Radio horchen können, daß ihre Zähler zerstört und feuergefährlich werden. Die Elektrizitätswerke sind auch nicht imstande, auftretende Störungen gleich zu beheben, da keine Treibstoffe für Fahrzeuge zur Verfügung stehen.
Sie werden fragen, was nun? In erster Linie raten wir Ihnen, verlassen Sie sich bezüglich Raumheizung nicht auf das Elektrizitätswerk! Sammeln Sie Holz! Wir können Ihnen zum Kochen höchstens kleine Apparate zulassen, wie Kochplatten, Tauchsieder, Backrohre — aber diese Apparate dürfen nie zugleich eingeschaltet werden. Die Zulassung solcher Geräte ist deshalb möglich, weil eine Verstärkung der Installation und des Verteilnetzes nicht immer notwendig ist.
Wenn es Abnehmern nichts ausmacht, sollen sie in der Zeit von 12 bis 15 Uhr kochen. Herde können nur an ganz bestimmten Stellen zugelassen und Backöfen sollen womöglich in der Nachtzeit betrieben werden.
Anmeldungen und Bestellungen sind zwecklos.
Dies gilt für den kommenden Winter! Wir hoffen, daß der Aufbau unseres Vaterlandes in den folgenden Jahren, besonders in der Kleinstromversorgung für Haushalte, alle Möglichkeiten für eine Großzügigkeit schaffen wird.
Todesfall
In Zell a. Z. verschied am 3. September der Rechtsanwalt i. R. Dr. Ludwig Rainer im 81. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. September, um 8 Uhr früh auf dem Ortsfriedhofe in Zell a. Z. statt.
Schule unter
Um Lehrer und Schule den imperialistischen Zielen des Nazifaschismus dienstbar zu machen, setzte man sie unter Kontrolle der HJ.=Führung. Die Rechte des Lehrers und der Schule wurden immer mehr eingeengt und die HJ. als Haupterziehungsfaktor immer mehr unterstrichen. Man hatte auch von höchster Stelle versucht, eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Hitler=Jugend einerseits und der HJ. und dem Elternhaus anderseits zu begründen. Lehrer und Eltern konnten aber keinen Kontakt finden zu einer Jugendbewegung, wo halbwüchsige Burschen und unreife Mädchen, fanatisiert von militaristischen und rassistischen Anschauungen, unsere Kinder auf falsche Bahnen lenkten. So lehnten sich die Lehrer in unserem Lande gegen diese Vergewaltigung ihrer
Gesinnung und Lehrauffassung auf und viele von ihnen, die offen gegen diesen Ungeist wetterten, wanderten ins K.=Z., ja ein Lehrer unseres Heimatlandes wurde wegen seines offenen demokratischen Bekenntnisses von Nazihenkern hingerichtet. Die meisten Lehrer mußten sich um des lieben Brotes willen wenigstens außerlich unter die Naziherrschaft beugen und versuchen, aus den neuen Unterrichtsplänen das noch enthaltene wertvolle Material aufzufinden und an die Kinder heranzubringen. So hat der Lehrer trotz aller Bedrängnis versucht, viel Gutes aus unserer alten Schule zu retten. Neben den land= und wesensfremden Nazischulbüchern verwendeten die meisten Lehrer auch unsere alten guten Bücher und vergaßen nicht die Schüler auf die Ruhmesblätter
unserer erhabenen österreichischen Kultur hinzuweisen. Viele der Kinder spürten den Geist der alten Schule, lösten sich innerlich vom Ungeist der HJ. und stellten sich vertrauensvoll hinter ihre Lehrer. So hat unsere Schule nicht soviel gesündigt, wie manchmal harte Urteile heute besagen. Der Lehrer mußte wohl oft ihm und unserem Lande wesensfremde Themen behandeln, erfüllte aber die Aufgaben so weit es anging mit dem alten guten Geist der österreichischen Schule. Der beste Beweis für die freie Gesinnung der Lehrer war ihre Arbeit in den KLV.=Lagern unserer Landeshauptstadt. Hier betreuten sie in aufopferungsvollster Weise die ihnen anvertrauten Kinder und befreit von HJ.=Einflüssen und fern von den Nazischulgewaltigen wurden die Kinder mitten in unserer
freien Bergwelt so weit als möglich im gut demokratischen Geist ihrer Väter erzogen und unterrichtet.
Wenn sich in kurzer Zeit die Tore der Schulen wieder öffnen, mögen die Eltern ohne Bedenken ihr Liebstes den Lehrern anvertrauen. Die älteren erfahrenen Lehrer werden mit Freude und idealer Begeisterung im guten alten österreichischen Schulgeist unterrichten. Die jüngeren Lehrkräfte werden nach erfolgreich absolvierten Umschulungskursen diesem Geiste folgen und die wenigen Lehrer, die heute noch vom Ungeist des Hitlerfaschismus und des Naziimperialismus besessen sind, werden die Schulstube nicht betreten.
Karl Franzoi, Hauptschullehrer.
WOHIN HEHTE
Mittwoch, den 5. September
Theater
Landestheater, 18 Uhr: „Zauberflöte“ „Tiroler Heimatbühne“ Hötting, 15 Uh „Schneeweißchen und Rosenrot“
Film
Kammerlichtspiele: „Die goldene Stadt“ Laurinkino: „Menschen vom Varietee.“ Triumph: „Schrammeln“.
Zentral: „Orientexpreß“
Löwen: „Eine Nacht im Mai“
Hall: „Die goldene Stadt“.
Die große französische Film=Wochenschau # Actualités Françaises, Année 1945, No. 32) bin in deutscher Sprache die neuesten Bildberich ## Weltgeschehen. Zu sehen in den Innsbrucker z# theatern.
Die Gemeinde Kundl plant einen Kine# Architekte, die den Nachweis erbringen köne daß sie bereits den Bau moderner Kinos dun geführt haben, mögen ihr Offert an das meindeamt Kundl (Franz Mair jun.) einsen
Große Mozartserenade
Am Freitag, den 7. September, um 18.30 mit der Wiederholung am Sonntag, den 9.# ### tember, findet unter Leitung des MusikdireltWeidlich eine große Mozartserenade mit dem## tischen Orchester statt. (Der Ort wird noc kanntgegeben.)
Marktpreise
Die Landeshauptmannschaft Tirol setzt fü Zeit vom 3. September bis auf weiteres für nachstehende Erzeuger= und Verbraucherhösh preise für einheimisches Gemüse und Obst fest
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Gemüse:
Salat
Mangold
Rhabarber Karotten Kohlrabi
Salatgurken Frühkohl
Blaukraut
Erbsen in Schoten . je kg
Petersilie, geb. 5 St., neu
Petersiliengrün. je kg
Dillkraut, geb., 100 gr.
Porree je kg
Schnittlauch, mind. 10 gr. Suppen= und Petersiliengrün, je Bund zu 50 gr Zwiebel, Mindest
Durchmaß 5 cm, je St.
Rettich je kg
Rote Rüben je kg
Weißkraut, geputzt .... je kg
Grüne Bohnen je kg
Gelbe Bohnen je kg
Suppensellerie, MindestDurchmaß 4 cm, je St.
Tomaten je kg
Paprika je kg
Melanzani je kg
Kürbis je kg
Maiskolben je kg
Schwämme:
Pfifferlinge je kg
Herrenpilze, Größe bis 75 mm Tellerdurchmaß je kg Herrenpilze, Größe über 75 mm Tellerdurchmaß je kg Obst:
Heidelbeeren
in Reichspfennig Erzeuger Verban#
15
10
je kg
Weiße Klaräpfel ..... je kg
Kochäpfel je kg 20
Frühbirnen jekg 50 68
Frühzwetschken je kg 50 6
Frühpflaumen je kg 50 6
Reinekloden jekg 50 6
Grüne Nüsse jekg 54 7
Preiselbeeren jekg 130 18
Es ist verboten, gewässertes Gemüse nach# wicht zu verkaufen. Die vorstehenden Erzeu# preise sind Höchstpreise und gelten nur für La# der besten Qualität (A=Ware). Mindere Ware na entsprechend billiger verkauft werden, und zue B=Ware um 20 %, C=Ware um 50
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Kr0 SRFranzösische Kammermusik in Österreich
(Innsbrucker Konzerte des Calvet=Quartetts sowie des Pianisten Février am 11. und 13. September)
Auf Anregung des Chefs der französischen Militärregierung in Tirol, des Herrn Generals Bethouart, haben sich das berühmte Pariser Calvet=Quartett sowie der bekannte Pianist Jacques Février im Flugzeug nach Österreich begeben, um uns nach der gewaltsamen Unterbrechung der letzten Jahre erlesene Proben französischer Kammermusik darzubieten. Die Künstler werden bei den Salzburger Festspielen das musikalische Frankreich mit der Vorführung selten gehörter Werke von Fauré, Franck, Ravel und Debussy vertreten. Auf ihrer Rückreise werden sie auch in Innsbruck zwei Konzerte geben.
Herr Calvet äußerte sich bereitwillig bei seiner Durchreise durch unsere Landeshauptstadt über seine Mission und sein Lebenswerk. Dieser freundliche, regsame Herr, dessen sprachliches Organ an die Klangfarbe eines Saiteninstrumentes erinnert, ist Professor für Kammermusik am Pariser Konservatorium und trägt im Knopfloch das schlichte Bändchen der Ehrenlegion. Seit 25 Jahren führt er das „Quatuor=Calvet“, wohl das bedeutendste unter den 15 bekannten Quartetten Frankreichs. Er gab schon einige Male in Österreich Proben feiner Kunst und erinnert sich noch ganz besonders
jenes Abends, wo er in der Wiener französischen Gesandtschaft mit Elisabeth Schumann vor dem damaligen Gesandten, Comte Clauzel, Fauré und Ravel einem auserwählten Publikum vorspielte. Fauré, dem innigen, etwas schwermütigen und oft mit Schubert verglichenen französischen Komponisten, hat sich Calvet besonders gewidmet und ihn bei seiner kürzlich in Paris stattgefundenen Säkularfeier in einer Reihe von Konzerten gefeiert. Die österreichischen Musikfreunde werden es daher besonders begrüßen, wenn Fauré, der bei uns nicht allzu oft gehört wurde, auch im derzeitigen Programm des Calvet=Quartetts zu Worte kommt.
Während der deutschen Besetzung zog sich Calvet aus der öffentlichkeit zurück und gab sich ganz seiner Lehrtätigkeit und stiller Arbeit hin. Nach der Befreiung fanden sich rasch seine Mitarbeiter (Jean Champeil, 2. Violine, M. Husson, Bratsche, und M. Recosens, Cello) wieder ein und das neuerstandene Calvet=Quartett trug einen glänzenden Erfolg bei dem großen Konzert österreichischer Meister davon, das in Paris, Salle Gaveau, durch die Société de Musique du Conservatoire de Paris zu Gunsten des österreichischen Befreiungskomitees gegeben wurde und die Zuhörerschaft durch die meisterhafte Darbietung von Schuberts Kammermusik zu wahren Begeisterungsstürmen hinriß.
Auch die amerikanischen Soldaten in Paris nahmen regen Anteil an den klassischen Konzerten Calvets.
Herr Calvet gilt als besonderer Förderer der jungen musikalischen Talente Frankreichs. Er sagte: Die Begabung und musikalische Begeisterung der jungen Generation in Frankreich läßt die schönsten Ergebnisse für die Zukunft erwarten. Frei von überfremdung vertritt sie den Standpunkt reiner Musikalität und geht zu den Quellen der großen Meister Rameau und Couperin zurück.
Zur Wertschätzung der österreichischen Musik in Frankreich führte Herr Calvet aus: „Es gibt wohl kein Volk, das die großen österreichischen Meister besser versteht und besser interpretiert als die Franzosen. Mozart und Schubert liegen dem französischen Empfinden ungeheuer nahe und es gibt kaum eine Kammermusikaufführung in Frankreich ohne Werke dieser beiden Genien.“ Nach seinem Aufenthalt in Österreich wird Herr Calvet, der auch als Dirigent einen guten Namen hat, Gastspiele in England, Holland und der Schweiz geben.
Herr Jacques Février, einer der besten Vertreter der Pariser Pianistenschule, hat einst in glücklicheren Zeiten oft den Salzburger Festspielen beigewohnt. Auch er ist ein Bewunderer Mozarts, dessen Klavierkonzerte zu seinen Lieblingswerken
gehören, und hat auf seinen Tourneen in AmeriHolland und England eine Reihe außergewön licher Erfolge errungen. Er ist ein Freund Tos# ninis und Cortots und jener Typus des übe legenen, die Klaviatur beherrschenden Spieles der die besten Traditionen französischen Pianister tums wachhält.
Das Erscheinen dieser Elite französischer Künd ler gilt allen Musikbegeisterten in Österreich ein Zeichen der sich immer mehr anbahnenden au turellen Wechselbeziehungen zwischen Frankreis und österreich, zeigt zugleich aber auch den a#f richtigen Willen Frankreichs, auf dem Wege di Kunst und Kultur die durch den Krieg geschlagen Wunden zu heilen. Wir erwarten daher Spannung das Innsbrucker Gastspiel der franz sischen Gäste. Sagte doch beim Abschied Herr Cah vet: „Kein Land finde ich so sehr von Musi durchdrungen als Österreich. Die Landschaft selbe atmet Musik, in den wundervollen Volksgesänge zeigt sich die angeborene Musikalität der Österrel cher, die älteste musikalische Tradition fand eine Reihe von Pflegestätten und bildete eine # lesene,
kunstverständige Zuhörerschaft heran; die alles spornt uns Franzosen an, unser Bestes # geben, freudig und dankbar für die österreichisch Nation, die der Welt eine solche Fülle genialt Tondichter geschenkt hat.“