Tiroler Tageszeitung 1945

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Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „E. E.“, Innsbruck,
4. — Druck: Crrolia, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4
Mittwoch, 5. September 194
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Innsbruck, 24. September.
Die heutige Kundgebung des Tiroler Volkes wendet sich mit folgender Entschließung, die Landeshauptmann Dr. Gruber vortrug, an die
Vereinten Nationen:
Das Volk des österreichischen Tirol richtet an die Regierung der Alliierten Mächte die inständige Bitte, bei Neuregelung der europäischen Grenzen Südtirol wieder in den nelhundertjährigen Verband mit Österreich zurückzuführen und damit die Leiden der vom Faschismus roh unterdrückten Stammesbrüder sowie dem Elend der durch den Umsedlungsvertrag Hitler-Mussolini vertriebenen Landsleute ein Ende zu bereiten.
OSTERREICH RUFT SUDTIROL, SUDTIROL RUFT ÖSTERREICH!
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Zevor die Würfel fallen...
Wann immer sie ausgegeben wurde, hat die Parole: „Südtirol“ die Tiroler in Benegung gesetzt. Sie zündete jederzeit, weil die warme Glut des Zusammengehörigkeitsgefühls trotz der Regenschauer böser Zeiten in den Herzen niemals erloschen war. Am heutigen Tage aber loderte dieser Funken alsreine Flamme, genährt von einer großen Zuversicht, empor.
###sehr unser Gefühl von dem großartianSchauspiel ergriffen ist, das sich vor unseien Augen entwickelte — so sprechen wir nichtwviel von der Freude, die der Anblick eines Bildes erweckte, das uns die glänzenden Feste Tirols ins Gedächtnis zurückrief. jene unvergeßlichen Feiern sonniger Friesenszeiten, da der Tiroler Adler noch über # emiges Land seine mächtigen Schwiniin breitete! Unser Blick muß sich vielmehr den außerordentlichen Umständen zuwenden, die dieser großen und würdigen Kundgebung eines unverbrüchlich geschlossenen Volkswillens die Bedeutung verleiht. Da fällt unsere betrachtung zunächst auf die Tatsache, daß de Besatzungsmacht diesen schönen Volkstag gestattet hat. Frankreich, das den Konient mit dem Gedanken der Volkssouvekanität
vertraut machte, hat dieser Tradition getreu dem Wunsche des Tiroler Volkes in enem entscheidenden Augenblicke seines Daseins den Weg in die Weltöffentlichkeit gebahnt. Ein unschätzbarer Dienst der Freundschaft und des Wohlwollens für österreich!
Als unsere Abordnungen im Winter und Frühjahr 1918/19 mit den maßgebenden Nächten der Friedenskonferenz in Fühlung traten, fanden sie kaum ein ernstliches Gehör. Damals war Südtirol für die internatonalen Entscheidungen nicht so sehr eine frage als eine durch früher abgeschlossene Verträge bereits entschiedene Sache. Die zeiten haben sich gewandelt. Gewiß wird die Angelegenheit Südtirols den in London sich ersammeinden Diplomaten nicht als die wichtigste unter den vielen erscheinen, die eine Neugestaltung Europas aufwirft. Siferlich aber auch nicht als eine der unwichigsten und vor allem als eines der Zeichen, vo sich die Wege des Rechts= und des Machtgedankens in aller Strenge scheiden.
Was anderes haben wir für Südtirol einzusetzen als den Ausdruck eines Willens, den geschichtliches Recht und zwingende Tatsahen geographischer wie wirtschaftlicher Art mierstutzen? An der Klarheit dieses Willens hann nicht gezweifelt werden, ebensowenig wie an seiner durch den Ablauf der Ereignisse nicht berührten und nicht berührbaren Stetigkeit.
Das heutige Erlebnis — wir glauben, daß es auch diejenigen als solches empfunden haben werden, die ihm in der Rolle aufmerksamer Beobachter beiwohnten — war eine ebenso nützliche wie notwendige Unterstreichung unserer Sehnsucht nach der Wiederherstellung unseres Landes. Mit ewigem Ruhm wird die Geschichte eine Entscheidung der Mächtigen preisen, die den Machtlosen sich zuneigen! War nicht die heutige Kundgebung ausgezeichnet durch eine instinktive Aufgeschlossenheit für jene neue Lebensart in den internationalen Beziehungen, in denen die Argumente der Gewalt verpönt sein werden? Selbst dort, wo die Redner die Entwicklungen in Südtirol besprachen, fiel kein beleidigendes Wort, das jenen Staat,
Ganz Südtirol hat nur einen Wunsch:
Wiedervereinigung mit österreich!
Sämtliche Bezirke der Südtiroler Volkspartei haben an die Alliierten eine Petition gerichtet, in der der brennende Wunsch aller Südtiroler, mit Österreich wieder vereint zu
werden, zum Ausdruck kommt. Die Südtiroler Volkspartei ersucht die Alliierten Regierungen, den Anschluß Südtirols an Österreich zu verfügen oder wenigstens eine freie Willensäußerung im Sinne der AtlantikCharta zu ermöglichen.
Besonders interessant ist ein Memorandum der ladinischen Bevölkerung von Cortina=Hayden (Cortina d"Ampezzo). Wenn hier die Bevölkerung um Wiedervereinigung mit Tirol und Österreich bittet, so gibt sie dem Wunsche des gesamten ladinischen Volksstammes Ausdruck. Die Ladiner hatten schon 1918 fast hundertprozentig für österreich gestimmt und wurden dafür von den Italienern entsprechend behandelt. Die krampfhaften Bemühungen, das uralte Bergvolk zu italienisieren, hatten jedoch keinen Erfolg. Einstimmig bekunden nun die Ladiner ihre Verbundenheit mit den deutsch sprechenden Südtirolern und die Kluft, die sie von den Italienern trennt.
Innsbruck, 4. September.
Noch brennt in uns das große Erlebnis, noch lauschen wir, schon in den Alltag zurückgekehrt, dem Klang der Glocken nach, die unseren Ruf und unsere Sehnsucht hinübergetragen haben über die unnatürliche Grenze, die Land vom Lande trennt, noch sind wir aufgenommen und getragen von der großen Woge, die uns — über alle Meinungen eins gewordenen Tiroler — mit den Brüdern jenseits des Brenners verbindet.
In der heutigen Feierstunde, die uns unter strahlendem Himmel zu Tausenden auf dem herrlichen Festplatz vor dem Stadttheater, vor der machtvollen Kulisse unserer ewigen Berge, vereinte, haben wir vergessen, daß wir unsere Gefühle meist tief in uns verschließen.
Bei den zündenden, von Ernst und Würde getragenen Worten der einzelnen Redner, besonders bei der kraftvollen, von echtem Patriotismus durchdrungenen Rede unseres Landeshauptmannes Dr. Gruber und der mit unerhörter Begeisterung aufgenommenen, von glühendem Impuls leidenschaftlicher Heimatliebe erfüllten Ansprache des allen Südtirolern so vertrauten Prof. Doktor Reut=Nicolussi haben wir sie hervorgeholt aus der strengen, scheuen Verborgenheit unseres Herzens — oder vielmehr, sie brachen aus uns hervor wie eine lang gestaute, heilige Macht, die sich nicht mehr halten läßt.
Wir, die wir oft als wortkarg und allzu schlicht genannt werden, haben uns ihrer nicht geschämt. Wir ließen sie vielmehr ausströmen von Mensch zu Mensch, von Bruder zu Bruder, durch die reich und bunt geglie
mit dem die Auseinandersetzung über Südtirol geführt wird, verwunden könnte. Wie ein roter Faden zog sich vielmehr durch alle Reden der Wunsch, nach der Wiedervereinigung Tirols mit Italien die Beziehungen guter Nachbarschaft zu suchen, zu unterhalten und zu pflegen. Die Parole „Südtirol zu österreich“ wurde nicht als trotziger Kampfruf erhoben, sondern als eine ritterliche und edle Aufforderung an alle Freunde des Friedens, an einer empfindlichen Stelle Mitteleuropas durch Gewährung des Rechtes eine dauernde Beruhigung herbeizuführen.
Die Farbenfreude des entzückenden Trachtenbildes verlieh der wohl mächtigsten Willensäußerung, welche die Geschichte Tirols zu verzeichnen hat, einen festlichen Rahmen. Sie ließ den Grundgehalt der ernsten Stimmung um so nachdrücklicher hervortreten. Eines Ernstes, der die Mienen der Männer und Frauen prägte, in denen das Bewußtsein eingeschrieben war, daß jetzt um das Schicksal der schönen, geliebten Heimat gewürfelt wird. Wir hoffen uns nicht zu irren, wenn wir die Meinung aussprechen, daß dieser Tag eine große und günstige Wendung eingeleitet haben mag.
Dr. Anton Klotz.
derten, trachtengeschmückten Reihen unserer Landsleute hin, und die Zuseher aus dem Kreise der Besatzungsmacht werden es sicherlich gespürt haben, wie echt diese Wärme war, wie wahrhaftig unser Empfinden und wie voll und tönend unser Echo, wenn immer wieder der Ruf aufklang, begeistert aufgenommen noch von dem letzten Teilnehmer dieser grandiosen Kundgebung, der etwa irgendwo in einem letzten Winkel des großen Festplatzes noch Platz gefunden hatte: „Österreich ruft Südtirol!“
Dieser Festplatz, der einst, in einer Gott sei Dank vergangenen Epoche zu Unrecht mit „Adolf=Hitler=Platz“ bezeichnet, nun monumental mit der Karte Tirols und mit den österreichischen und Tiroler Fahnen geschmückt, war diesem großen Treuebekenntnis ein Forum, wie man es sich in unserer Landeshauptstadt nicht großartiger vorstellen kann.
Unmittelbar hinter der Festtribüne, auf der die Landeshauptmannschaft mit allen Regierungsmitgliedern, Exzellenz Bischof Dr. Rusch und Erzherzog Robert von Österreich, Mitglied des Londoner Komitees für Südtirol, Platz genommen hatten, war den KZ.=Häftlingen sowie den „Opfern der nationalsozialistischen Unterdrückung“ ein Ehrenplatz bereitgehalten. Man sah die bunten Mützen der katholischen Tiroler Hoch= und und die Tribüne umstanden in weitem Kreis die Männer und Frauen in ihren echten, schönen Trachten, mit den Fahnen und die vielen Südtiroler, die augenblicklich von ihrer Heimat abgeschnitten, doch mit dem ganzen Herzen dahin zurückverlangen.
Wir alle aber und die zahlreich erschienenen französischen und Schweizer Journalisten sowie englische und amerikanische Film= und Photoreporter, die die ganze Kundgebung mit sichtlichem Interesse und herzlicher Anteilnahme verfolgten, bekamen noch viel mehr zu sehen.
Mit ihren vielen, verschiedenen Trachten, alle schön und farbenbunt, kündend von Tiroler Eigenart und Sitte, mit ihren Marketenderinnen und Musikkapellen, die unermüdlich bei dem Festzug durch die Stadt
Marsch um Marsch erklingen ließen, waren alle Trachtengruppen des ganzen Inntales, der engeren und weiteren Umgebung von Innsbruck und die Stadt selbst in reicher, schöner Bürgertracht vertreten. Zwanglos mischte sich unter sie die Bevölkerung, die, jung und alt, in Dirndl und Tracht, in unabsehbarer Menge bis weit den Rennweg hinunter und hinein in die Straßen geduldig Stunden um Stunden wartete, um nicht nur aus Neugier, sondern aus Bedürfnis bei dieser Feierstunde dabei zu sein. Und als nach dem Abschluß der Reden und der Verlesung der Resolution durch den Herrn Landeshauptmann das Südtiroler Heimatlied ertönte, da singen sie alle aus ganzem Herzen mit und es greift uns mit zwingender Gewalt ans Herz, über allem Leid und Schmerz, der Not
und Unterdrückung der vergangenen Jahre unser Tiroler Volk so eins zu sehen in dem heiligen Wunsch: „Von Etsch zu Inn — ein Land, ein Sinn!“
Die Kirchenglocken beginnen zu läuten, die Weihe der Stunde vertieft sich, vom Bild des Außeren, das, prächtig und würdig, doch immer nur an zweiter Stelle stehen darf vor dem inneren Gehalt und dem Wert dieser Kundgebung. Die Gedanken gehen still nach innen und es mag mit diesem Läuten wohl manche Bitte an den Lenker der Geschicke zum Himmel gestiegen sein: Sein heiliges Land Tirol, das ihm besonders angelobt ist, zu segnen und es zu vereinen — endlich zu vereinen nach allen Prüfungen, die es so lange erdulden mußte.
Ein glanzvoller Abschluß war der große Festzug durch die Stadt, wo auf dem Balkon des Landhauses die Vertreter der französischen Militärregierung und die Spitzen der Tiroler Landesregierung den Vorbeimarsch der Abordnungen und Formationen und der zahllosen Trachtengruppen entgegennahmen. Immer neue und wieder neue solcher Trachtengruppen kamen. Sie mußten sich durch die wirklich zu Tausenden zählende Menschenmenge, die die Straßen in Sechserreihen säumte, und wo immer es nur ging auf den Dächern und Häuservorsprüngen klebte, wahrhaftig durchkämpfen und bis nicht das letzte Tiroler Büblein in Tracht, das letzte bunte Tiroler Dirndl vorbei war, nahmen der Jubel und die bei den Tirolern sonst nicht so sehr gewohnten brausenden
Beifallsausbrüche kein Ende. — Man sieht keine Ruinen mehr, so schwarz kauern die Menschen darauf, nicht mehr daran denkend, wie sie selbst mit diesen Häuserwracks verbunden sind, in Schmerz und Entbehrung der erst kurz vergangenen Schreckenszeit. Ein neuer Geist und eine neue Hoffnung hat von ihnen und uns Besitz ergriffen und wenn der Dichter vor langer Zeit schon seherisch zum Ausdruck bringt und trotzig ausruft:
.—— Doch ewig Treu" bei Treue bleibt,
Was immer ihr auf einen neuen Grenzpfahl schreibt.
Ein Klang, ein Ton, in Not und Groll —
Ein unsterblicher Gedanke ist Tiroll
so singen wir es ihm nach, wohl nicht mehr in „Not und Groll“, sondern im langersehnten, endlich geschaffenen Frieden der Völker, aber in einer heißen Hoffnung, daß es wahr werden möge und wahr bleiben möge, unser größter Wunsch und Gedanke:
Südürol zu Tirol!
Der Verlauf der Kundgebung
Heute stand die Landeshauptstadt Innsbruck im Zeichen einer überwältigenden Kundgebung des Tiroler Volkes für die Rückkehr Südtirols zu Österreich. Aus allen Teilen des Landes war die Bevölkerung herbeigeströmt. Fast schien es, daß der große Platz vor dem Stadttheater die Massen gar nicht fassen könnte, aber der Aufmarsch der Musikkapellen, Trachtenvereine und Schützengruppen vollzog sich reibungslos und ohne den in den letzten Jahren üblichen Befehlston. Trachtengruppe um Trachtengruppe marschiert an den Tausenden, die die Straßen säumen, vorbei, und nimmt Aufstellung
auf dem großen Platz vor der Hofburg. Die verschiedenen Trachten boten ein farbenprächtiges Bild und harmonierten glänzend mit dem strahlend blauen Himmel. Spruchbänder wie: „Südtirol appelliert an das Weltgewissen“, „Etsch und Inn, ein Land, ein Sinn", „Verlorene Heimat, kehre zurück“, „Unser Herzenswunsch. die Landeseinheit", „Gerechtigkeit für Südtirol“ und „Gebt Südtirol frei“, in deutscher, französischer und englischer Sprache verkündeten den Sinn der Kund# hung. Unter den Zuschauern befanden sich auch viele Angehörige der Besatzungsmächte.