Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:6
- S.3
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Einzesprels is pig.
Aeiseager. —
Herausgegeben von der 12. Heeresgruppe für die Tiroler Bevölkerung
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Nummer 2/ 1. Jahrgang
Rebaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an 18B. Innsbruch findreas-Hofer-Straße 4. - Druch: Turotia Innsbruck, findreas-Hofer-Straße
Freitag, 22. Juni 1965
Selbstmord Franz Hofers
London, 21. Jänner. Der Gauleiter von Tirol=Vorarlberg Franz Hofer hat am Dienstag kurz nach seiner Verhaftung durch deutsche Hilfspolizisten in Bayern Selbstmord verübt.
Hofer war als Rauchsangkehrer verkleidet gewesen.
Aus dem Landhaus wird geschrieben:
Gauleiter Franz Hofer, geboren 1909 in Hofgastein, gehörte zum Kreise jener Persönlichkeiten, die das unbedingte Vertrauen Hitlers besaßen. Franz Hofer trat erst im Jahre 1933 in der Oeffentlichkeit als Führer der nationalsozialistischen Partei in Tirol hervor. Selbst unter den Parteigenossen Hofers in Tirol verbreitete sich ein gewisses Unbehagen, als es hieß, Hitler habe Hofer als Gauleiter in Aussicht genommen. Einer Abordnung, die gegen die Betrauung Hofers bei Hitler Einspruch erhob, wurde erwidert: „Ihr müßt ihn nehmen wie er ist.“ Wie man in Parteikreisen damals flüsterte, soll Hofer bei der Durchführung des Hitlerschen Mordunternehmens vom 30. Juni 1934 gute Dienste
gereißtet haben. Ueber die Amtsführung Hoals Gauleiter von Tirol und Vorarlberg #uchen wir keine besonderen Worte zu verlieren. Sein Name wird nur in die Geschichte eingehen als warnendes Beispiel eines Vaterlandsverräters, der sein eigenes Heimatland der Schändung durch gleichgesinnte Verräterseelen und Landfremde überlieferte.
Die Zerrüttung der deutschen Streitkräfte, die immer deutlichere Auflehnung des Volkes von Tirol und Vorarlberg, die einerseits in der von der Gestapo nicht mehr zu bändigenden Widerstandsbewegung und anderseits in dem völligen Versagen der Standschützen, die sich nicht mehr für die Nazis mißbrauchen lassen wollten, zum Ausdruck kam, zwang Hofer nach langem Widerstreben zur Kapitulation. Diese Kapitulation hat das Land vor dem Schwersten bewahrt. Hofer mag diesen ihm durch die Verhältnisse aufgezwungenen Schritt als ersten bitteren Tropfen im Becher seiner Sühneleistungen empfunden haben.
Hofer stand auf der Liste der Kriegsverbrecher. Als Oberster Kommissar für die Operat"anszone Alpenvorland ergingen unter seinem Namen Maßnahmen, die den Gesetzen der Menschlichkeit widersprachen. Nach einem mißglückten Fluchtversuch entzog er sich wie die meisten anderen großen Funktionäre des Dritten Reiches durch Selbstmord einer Verantwortung, die nicht nur die zu fordern berechtigt waren, die ihn als Kriegsverbrecher angeklagt hatten, sondern die auch das Volk von Tirol zu fordern hatte, dem der Name dieses Franz Hofer für alle Zeit als Fluch und Schande erscheinen wird.
Franco in San Franzisko abgewiesen
San Franzisko, 20. Juni. Kein Staat, dessen Regime von den Achsenmächten durch militärische Gewalt eingesetzt wurde. kann Mitglied des neuen Völkerbundes sein. Diese Entschließung, die dem Spanien des Generals Franco die Aufnahme in den neuen Völkerbund verschließen soll, wurde am Dienstag auf Antrag des mexikanischen Vertreters unter allgemeiner Zustimmung im Arbeitsausschuß für Mitgliedsfragen durch Zuruf angenommen. Der mexikanische Vertreter führte u. a. aus: Mein Antrag richtet sich nicht nur gegen die Marionettenregierung von Mandschuhno. sondern auch gegen das Spanien des Generals Franco. Es ist eine allgemeine Tatsache, daß Franco durch die militärische Einmischung des faschistischen Italiens und des nationalsozialistischen
Deutschlands an die Macht gelangt ist. Da der gegenwärtige Krieg zur Vernichtung der Achsenmächte geführt hat, während Japan vor der Niederlage steht, ist es eine selbstverständliche Forderung, daß der neue Völkerbund kein Land aufnimmt, dessen Regime von den Achsenmächten durch militärische Gewalt seiner Bevölkerung aufgezwungen worden war.
San Franzisko, 21. Juni. In San Franzisko wurde der Entwurf für die Verfassung der neuen Weltsicherheitsorganisation fertiggestellt.
Leonardos „Abendmahl“ gut erhalten Rom, 21. Juni. Leonardo da Vineis berühmtes Gemälde „Das Abendmahl“ im Kloster Santa Maria delle Grazie in Mailand hat den Krieg gut überstanden. Die Bretterverschalung und Sandsäcke, die das Wandgemälde vor der Zerstörung des Krieges bewahrten. konnten jetzt entfernt werden. Es hat sich gezeigt, daß das Fresko nur an einer kleinen Stelle beschädigt ist, wo die Malerei sich abblättert.
Reparationskonferenz in Moskau eröffnet
Moskau, 21. Juni. Die erste Sitzung der alliierten Reparationskommission, die bestimmen soll, wie die von den Deutschen in alliierten Ländern angerichteten Kriegsschäden von Deutschland wieder gut gemacht werden können, wurde am Mittwoch in Moskau abgehalten. Die alliierte Reparationskommission besteht vorläufig nur aus Delegationen der USA unter Führung von Edwin Pauley, Großbritannien unter Sir Walter Monckton und Sowjetrußland unter Leitung des stellvertretenden russischen Außenministers und früheren Sowietbotschafters in London Iwan Maisky. Frankreich und andere Länder, die schwere Kriegsschäden erlitten haben, werden voraussichtlich später zugezogen werden. Die deutschen Wiedergutmachungsleistungen werden, wie die Londoner Times“ am
Dienstag in einem Artikel ausführte. vermutlich hauptsächlich aus Sachleistungen bestehen. Deutsche Rohstoffe und andere Güter sollen in die von den deutschen Truppen verwüsteten Gebiete geschickt werden. Ferner sollen deutsche Arbeitsbataillone bei Wiederaufbauarbeiten eingesetzt werden.
Die Neuordnung in Norwegen
Oslo, 21. Juni. Die neue norwegische Re
gierungsdelegation wird sich heute König Haakon vorstellen. Sechs Mitglieder gehören der Arbeiterpartei an, zwei der kommunistischen Partei, drei der konservativen und vier anderen Parteien. Mit Ausnahme von zwei waren alle Minister Mitglieder der norwegischen Widerstandsbewegung. Die Londoner „Times“ schreibt über die neue Regierung: Die Marionettenregierung Quislings, eingesetzt von deutschen Marionetten, konnte
spruch ? Inschein der Legalität in Annehmen. Die norwegische Regierung ondon hielt enge Beziehungen mit der Heimat aufrecht und handelte stets im Einvernehmen mit den Führern der Widerstandsbewegung
Okinawa vollständig erobert
Washington, 21. Juni. Admiral Ni
titz gibt bekannt, daß die Schlacht um Okinawa nach 82tägigem Ringen zu Ende gegangen ist. Jeder organisierte feindliche derstand auf der ganzen Insel hat vor wenigen Stunden aufgehört.
Im Sender Tokio hieß es gestern abends, [Okinawa ist so gut wie verloren.] In den Kämpfen um die Insel verloren die Japaner 87.000 Mann an Gefallenen und 2500 an Gefangenen.
Vormarsch auf Borneo
In Nordwest=Borneo haben australische Truppen auf der Nordseite der Bucht von Brunei eine weitere Landung vorgenommen. Dadurch beherrschen die Australier die Küste an beiden Seiten der Bucht.
Fortschritte auf den Philippinen
Auf Luzon haben die amerikanischen Truppen ihren Vormarsch im Kageyan=Tal um sieben Meilen fortgesetzt und die Hauptstadt
der Provinz befreit. Die Räumung von Min
danao wird fortgesetzt.
In Burma
In Burma stehen die britischen Truppen jetzt 24 Meilen hinter Toungu. An Bord eines britischen Kreuzers auf dem RangoonFluß begannen gestern Besprechungen über den britischen Plan einer Autonomie für Burma.
Fortschritte auch in China
Die chinesischen Truppen stehen 6 Meilen vor Liutchao, dem Hauptverbindungszentrum der Provinz Kwangsi.
Bombardement der Amani=Inseln
Nach den verheerenden Lustangriffen der amerikanischen Bomberflotten auf das japanische Mutterland wurden nun zum erstenmal die Amani=Inseln, die südlich vom eigentlichen Japan liegen, von alliierten Fluglzeugen bombardiert. Das Bombardement der Amani-Inseln bedeutet den Anfang von Angriffen auf weitere Schlüsselstellungen Japans.
Die Menschenverluste der Vereinigten Staaten im Kriege
Das amerikanische Kriegsministerium teilte mit, daß die Verlustziffern in diesem Kriege 1,017.097 Menschen betragen. Die Verluste des Heeres betragen insgesamt 899.900. Seit Beginn des Krieges hat die Marine den Verlust von 117.145 Mann zu beklagen. Letztere Ziffer schließt das Kriegsmarinekorps und die Küstenwache ein.
Freundschaftsvertrag zwischen Sowjetrußland und Jugoslawien
Nach einer Moskauer Meldung ist soeben der Freundschafts= und Nichtangriffspakt
zwischen der Sowjetunion und Jugoslawien von den Russen ratifiziert worden.
Prozeß gegen Marschall Petain
Der frühere französische Ministerpräsident Paul Reynaud erklärte vor dem Untersuchungsrichter des Obersten Gerichthofes, daß Marschall Petain sich der Fortsetzung der Maginotlinie nach Nor
e erice erteliter eite mit Großbritannien und für die Unterzeich nung des Waffenstillstandes mißdeutet.
Ungarns Lieferungen an Rußland
Budapest, 21. Juni. Zwischen Rußland und Ungarn wurde ein Abkommen unterzeichnet. Darnach hat Ungarn bis zum Jänner 1951 Waren im Werte von 200,000.000 Dollar zu liefern, darunter Maschinen, Getreide und Vieh.
Der Sultan von Marokko in Paris
Der Sultan von Marokko, Sidhi Mohammed, ist zu einem offiziellen. Besuch in
Paris eingetroffen. Er wurde von der Pariser Bevölnerung begeistert begrüßt.
Zusammensetzung der neuen italienischen Regierung
Rom, 21. Juni. Die von Parri gebildete Regierung besteht aus 3 Kommunisten, 3 Sozialisten, 3 Mitgliedern der Aktionspartei, 3 Liberalen, 3 Mitgliedern der demokratischen Arbeiterpartei und 4 Mitgliedern der christlich=demokratischen Partei. Der Korrespondent des britischen Rundfunks in Rom bezeichnet die neue Regierung als eine Regierung des linken Zentrums. Die Linke, so erklärte er, werde mehr Rechte haben als bisher.
Triest und Görz
Triest, 21. Juni. Zur Belgrader Vereinbarung über die Demarkationslinie in der Provinz Venezia=Giuglia wurde gestern von Anglo=amerikanischen und jugoslawischen Vertretern ein Militärabkommen unterzeichnet. Triest und Görz liegen ausschließlich in der von den Alliierten besetzten Verwaltungszone. Auch Pola wurde von den Amerikanern besetzt. Alliierte Berichterstatter melden, die alliierte Militärregierung habe in der ersten Woche ihrer Wirksamkeit fast 1000 Tonnen Lebensmittel herangeschafft.
Polen und die Tschechoslowakei
Prag, 21. Juni. Der tschechoslowakische Ministerpräsident Fierlinger und andere Mitglieder der tschechischen Abordnung haben sich heute früh nach Moskau begeben, um dort mit polnischen Vertretern die tschechisch=polnischen Beziehungen zu erörtern.
In der ganzen Tschechoslowakei werden Unternehmungen, deren Besitzer mit den Deutschen zusammengearbeiter haben, in staatliche Verwaltung übernommen.
Die Nazi als Zerstörer desh#domes
Der Bürgermeister von Wien Theodor [Körner erklärte gegenüber einem Vertreter der Taß: Als die Deutschen von der Roten Armee gezwungen wurden, sich ienseits des Donaukanals zurückzuziehen, schofsen sie mit Brandbomben eine Reihe berühmter alter Gebäude in Brand, wie den Stephansdom und die Oper.
Die Scheußlichkeiten von Mauthausen
Ein amerikanischer Staatsbürger. der fast sechs Jahre in Mauthausen war, erzählt, daß er dort nicht weniger als 80 Leichen zugleich an elektrisch geladenen [Drähten hängen sah. Die SS=Wachen hatten diese Unglücklichen gezwungen, dagegen anzurennen. Auch ein gewisser Andreas Hirtl, der als amerikanischer Staatsbürger nach Mauthausen gebracht worden war, bestätiat diese Grausamkeiten, die vor allem als Todesart für die Juden in Anwendung gebracht wurde. Nackt wurden sie aus den Fenstern ihrer Baracken gestoßen. Nur zu oft blieben sie noch stundenlang an den Drähten hängend am Leben. Außerdem gab es Gaskammern, Verbrennungsöfen und die sogenannten Photographierräume, die in Wirklichkeit nur ein Uebungsschießstand für SS=Männer
waren. Hirtl erzählt weiter, wie er oft die Neuankömmlinge sah, die in Gruppen entwedernach rechts oder links marschieren mußten. Rechts war das Haus des Todes, links die Baracken und darin ein langsamer Tod Der Steinbruch von Mauthausen heißt die „Russenschlucht“, denn es wurden hier täglich 20 bis 130 Russen getötet.
Kein Todesurteil im Moskauer Polenprozeß
Moskau, 21. Juni. Im Prozeß gegen die der Sabotage hinter den russischen Linien beschuldigten polnischen Offiziere wurde kein Todesurteil beantragt. Drei der Angeklagten wurden freigesprochen, 12 schuldig befunden. Ein Verfahren wurde wegen Erkrankung des Beschuldigten ausgeschieden. Folgende Freiheitsstrafen wurden unter Einrechnung der Untersuchungshaft verhängt: General Obulicki, der frühere Befehlshaber der polnischen Heimatarmee 10 Jahre, der stellvertretende Ministerpräsident der polnischen Regierung in London Janowski 8 Jahre, die Mitglieder des Ministerrates Bien und Jasiukowice je 5 Jahre. Die übrig schuldig be
fundenen Angeklagten wurden zu Freiheitsstrafen von vier Monaten bis zu eineinhalb Jahren verurteilt. Gegen das Urteil fand eine Berufung nicht statt. Der russische Anklagevertreter führte in seiner Erklärung aus: Obwohl alle Angeklagten durch das Beweisverfahren überführt worden sind und vier der Angeklagten, Obulicki, Janowski, Bien und Jasiukowice, Verbrechen nachgewiesen worden sind, auf die Todesstrafe durch Erschießen gesetzt ist, stehe ich davon ab, die Todesstrafe zu beantragen, da wir gegenwärtig Tage der Freude über den errungenen Sieg durchleben und die Sowselunion heute mächtiger dasteht als je zuvor.